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11. Januar

Hanauer Anzeiger.

Seite 5.

Jahre 1874 erschien, ist eines der reizendsten oberbayerischen Volksstücke, welche unsere Litteratur kennt und bei einigermaßen guter Darstellung ist ihm stets ein großer Erfolg sicher. Die Charakterrolle des Stückes, der frömmlerische heuchlerische Schwager des reichen Bauers Grillhofer, Dulsterer", wird in der morgigen Vorstellung von Herrn Direktor Oppmar gespielt werden, welcher besonders in Dialektrollen als ganz vor­züglicher Darsteller bekannt ist und auch in Hanau als Rezitator von Dialektdichtultgen schon Ausgezeichnetes geleistet hat. Der BauerGrill­hofer" wird von Herrn Seipp dargestellt, dieHorlacherlies" von Fräul. Machold, der KnechtWastl" von Herrn Machold. Der gesanglich- Wusikalische Theil wird dirigirt von Herrn Kapellmeister Kutschenreuter, die Regie führt Herr Huhn. Sonach sind die günstigsten Aussichten vor­handen, daß die morgige Sounlagsoorstellung sich zu einer sehr unter­haltenden gestalten wird.

* Baumfrevel Zu der Notiz aus Hochstadt in der gestrigen Nummer unseres Blattes ist noch hinzuzufügen, daß dem Pfarrer in Wachenbuchen nun schon zum zweiten Mal binnen Jahresfrist auf derselben Stelle, wahrscheinlich auch von derselben rohen Hand, ein neu gepflanzter Aepfelbaum abgebrochen wurde. Es ist dies eine Rohheit, die nicht stark genug gekennzeichnet werden kann.

Für heute. Kaiser - Panorama (im unteren Saale derKar- thaune")Venedig in den Kaisertagen"; täglich geöffnet von 10 Uhr Morgens bis 10 Uhr abends. KutschervereinGermania": Abends 8 Uhr; Erstes Stiftungsfest, verbunden mit Ball, im Saalezur schwedi schen Krone". Evang. Männer und Jünglingsverein; Abends 8Vs Ahr Gebetsversammlung (Allst. Rathhaus). Allgem. christl. Arbeiter­verein; Ebenfalls abends 8' a Uhr gemüthliche Zusammenkunft im Vereins lokalBrauerei Weismantel". Turn und Fechiklub: Abends von 8 Vs bis 10 Uhr Kürturnen. Kasino Eintracht" (VereinslokalGoldene Gerste") : Vereinsabend. Philharmonischer Verein: Abends 9 Uhr Generalversammlung; Tagesordnung l Rechnungssblage, Vorstandswahl, W-rschiedeues. Turngesellschaft: Generalversammlung; Tagesordnung; Rechnunasablage, Stiftungsfest.

Für morgen. Eisenbahn - Beamtenverein: Nachmittags 4 Uhr Mouatsversammluug in derBrauerei Weismantel".

Verfteigermtgs- & Nerpachtungs- rc. KalerrSer für Montag den 13. Januar.

Vormittags von 10 Uhr ab werden im Gemeindewalde zu Wachen- buchen ca. 173 Eichenabschnitte von 3 10 m Länge und von 1943 cm mittl. Durchmesser, zusammen 62 fm haltend, versteigert. Zusammenkunft auf dem Fußpfad nach Hanau (s. Nr. 4Han. Anz.").

Cassel 10. Januar. (Jubiläum.) Ein sehr angesehener alt­hessischer Beamter, Herr Geheimer Regierungsrath Althaus dahier, begeht, gutem Vernehmen nach, am 16. d. M. in ausgezeichneter körperlicher Frische sein öOjähriges Staatsdienst-Jubiläum. Derselbe ist bekanntlich ein hervorragender Kennerder kurhessischen Gemeindeverhälinifse, welche er lange Jahre hindurch bei hiesiger Königlichen Regierung als Dezernent be­handelt und wovon er einen endziltigen Beweis durch Herausgabe der von ihm bearbeiteten Gemeindeordnung von 1834 erbracht hat.

Altmorschen, 9. Januar. (Gaunerstreich.) In benach­barten Dorfe N.tlinorschen ist gestern von zwei jungen, unbekannten Männern ein raffinirter Gaunerstreich ausgeführt worden. Dieselben boten schon früh Morgens verschiedenen Einwohnern ein schönes Rind zum Der lauf an, ließen bald das Thier zu dem nichtigen Preise von 85 Mk. an einen Fischer ab und zogen wohlgemuth von dannen. Dem kgl. Gendarm, welcher von dem Handel hörte, kam die ganze Sache verdächtig vor, und ungesäumt begab er sich auf den Weg nach Binsförth zur V-rfolguag der Fremden. Erst in Beiseförth traf er dieViehhändler" im Wirthshause bei einem pikanten Frühstücke sitzend an. Nach einem kurzen Verhör stellte es sich heraus, daß sie das Rind in Hesserode in der Nacht vorher ge­stohlen hatten. Sie wurden alsbald mrhaftet und ins Gefängniß zu Melsungen eingeliefert. Die Diebe sollen zwei vor einiger Zeit aus der Fabrik von Henschel u. Sohn iu Cassel entlassene Arbeiter sein.

-^ Seligenstadt, 10. Januar (Blutvergiftung.) Der schon im vorgerückten Lebensalter stehende Schlossermeister Herr Franz Bi er in ger zog sich kürzlich an einem Eisen auf dem rechten Handrücken eine leichte Verletzung zu welcher er keine weitere Beachtung schenkte. Es trat indessen Blutvergiftung und Knochenfraß ein und gestern mußte zur Ampu- ration der ganzen rechten Hand geschritten werden. Die Ehefrau des bra­ven und angesehenen Meisters wurde vor Schrecken ob des bedauerlichen Anglücksfalles auf das Krankenlager geworfen.

® Vom Untermai»», 10. Januar. (Naturerscheinung.) Im Zenith von Seligenstadt wurde vorgestern Abend kurz vor 8 Uhr von vielen Personen eine glänzende Naturerscheinung am Himmel beobachtet. Dieselbe erregte wegen ihrer Seltenheit und ihres plötzlichen Auftretens lebhafte Aufmerksamkeit. In nicht allzugroßer Höhenentfernuug zeigte sich eine siillstehende Feuerkugel im ungefähren Durchmesser von 50 Zentimeter. Der pdosphorartige Glanz des Meteors verbreitete in den Straßen ein Licht, ähnlich der elektrischen Beleuchtung. Die großartige Erscheinung ver­schwand schon nach wenigen Sekunden. Einzelne Personen wollen beim Verschwinden ein Zischen, gleich dem einer Rackete, wahrgenommen haben. Das merkwürdige Phänomen erinnert lebhaft an die am 6. Januar 1894 und am 10. Juli 1890 in einem großen Theile Süddeutschlands, nament­

lich auch im Maingebiete beobachteten Naturerscheinungen. Letztere gab damals den Astronomen Veranlassung zu näheren Erhebungen.

Hd. Aschaffenburg, 10. Januar. (Kaiserliche Anerkennung.) Der hier lebende Löjährige königlich preußische Generalmajor a. D. Frei Herr von Krane, der am 9. Ja nauer 1871 als Kommandeur der Land­wehr-Regimenter Nr. 4 und 5 in hartnäckigem Gefecht Park und Schloß Villersexel erstürmte, -ahlreiche Gefangene machte und, durch Brand des Schlosses aus demselben vertrieben, trotz seines schwer verwundeten Armes die ihn umstellende feindliche Uebermachl mit dem Bajonnet heldenmüthig durchbrach, wurde durch folgendes Telegramm des Kaisers ausgezeichnet: Berlin, 9. Januar. An oer Spitze der ostpreußischen Landwehr gaben Sie vor 25 Jahren beim Kampf auf Schloß von Villersexel ein Beispiel glänzender Tapferkeit, dessen ich heute dankbar gedenke. Zugleich will ich Ihnen hierdurch den Rothen Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub uns Schwertern am Ringe verleihen. Wilhelm Rex.

Mochenspaziergang»

XIV.

Sommerfest Carneoalssitzung und Kostümfest, drei bunte Tage in einer knappen grauen Januarswoche!Bunte Tage" (oder Nächte) waren es in des Wortes farbigster Bedeutung. Das Sommerfest der Rudergesellschaft 1879 in seiner leuchtenden Lenzespracht, mitten in kalter Wintersnacht, war gewiß nicht weniger bunt als die S^ung des närrischen Vereins und als drittes im Bunde konnte sich das Kostümfest des Vater­ländischen Frauenvereins würdig und farbig anschließen. Bei allen drei Festen ist mir etwas ausgefallen. Beim Sommerfest die fast un­erschöpflichen Sekt orräthe, in der närrischen Sitzung die vielen Narren und beim Kostümfest die netten Damen! Ueber jede der drei Merk­würdigkeiten möchte ich ein kleines Wörtchen riskiren. Also erstens: der viele Sekt beim Sommerfest. Es ist ja ganz begreiflich, daß einSommer­fest" selbst im Winter einen ganz respektablen Durft entwickelt, weniger begreiflich ist es (mir wenigstens) warum man besagten im Schweiße seines Angesichts angetansten Durst durchaus mit Sekimengen zu stillen versucht. Wie mir jemand mittheitt, der hierin besser Bescheid weiß als ich, wurden an hem betreffenden Abend ca. 800 Mk. für Sekt eingenom­men, es sind 1600 Glas verabreicht worden. Für einSommerfest im Schnee" wirklich eine ganz anständige Leistung. Nun komme ich zu meinen närrischen Mitbrüdern. In der ersten Dam'nntzung des Carneval- Vereins wurde von einemUrschoden" die Mittheilung gemacht, der Spaziergänger" stehe dem carnevalistischen Treiben unsympathisch gegen­über. Diese Ansicht ist neu und daher patentfähig. Mir ist von einer mir anhaftenden Antipathie gegen Se. närrische Hoheit nichts bekannt, viel­mehr bin ich mit größtem Vergnügen bereit, dem Ministerium des Carneoal- vereins eingt närrischen Choral von 33 Strophen zu Füßen zu legen, wenn er nur die Versicherung gibt, die Strophen weder veröffentlichen noch singen zu 1 essen, sondern sie unbesehen dem Feuertode weiht. Nachdem Sekt und Narreteierledigt" sind, käme ich nunmehr zum dritten Theile meiner in dieser Woche gemachten Festbetrachtungen zu den Grazien, welche das Kostümfest erst zum Feste machten. Doch gerade als ich eben noch eine Bemerkung anfügen wollte, fallen mir die Worte Mcphisto's ein, die er im Garten zu Martha sagt: Mit Frauen soll man sich nie uuter- sieheu zu scherzen. Und ich will nicht klüger sein als jener. Ich habe nun lange genug in den Ballsälen verweilt nebenbei gesagt, ist das elektrische Licht während meiner Anwesenheit wunderbarer Weise nicht ein einziges Mal verlöscht und benutze die Gelegenheit, zur Erholung einen Gang nach demgrünen Weg" einzuschlagen, wo ich, geschickt die Balance haltend, aud) trotz der Unwirthlichkeit desselben glücklich den Fußsteig er­oberte doch große Geister genirt so 'was nicht. Es wäre aber wohl zu erwägen, ob man hort an dieser sehr lebhaften Verkehrsstraße nicht in irgendwelcher Weise Abhilfe schaffen könnte; zum mindesten aber ist die Straßenbenennung falsch, denn das ist keingrüner Weg" wer das behauptet ist unbedingt farbenblind sondern ein in allen möglichen gräulichen" Nuancen schimmernder Morast, durch den man bei Tage und bei großer Aufmerksamkeit mit heiler Haut hindurchkommen kann wenn man eben Glück har.

Briefkasten.

E. in H. Doch etwas zu weitgehend, deshalb nicht geeignet.

B. Soweit uns bekannt, findet eine.Rückert-Feier" am 31. d. in der flute des Gnmnasiums statt.

Stammtischwette in L. Sie fragen an:Wie viel Lett wurde eln Schnellzug brauchen, wenn er in gerader Strecke von Bremen bis Aewyork fahren könnte?' Bei gerader Schienenlänge ergeben sich 10260 beutle Eisenbahn-Kilo­meter Würde diese Strecke ohne Aufenthalt bei einer L-chuellzugsgeichwmdtgkett von 90 Kilometer in der Stunde dnrchmhren die höchste Geschwindigkeit die es gibt so brauchte man 4 Tage 18 Stunden.

N in H. Margarine ist durchaus nicht gesnndheltsfchadüch, sondern nahr­haft und leicht verdaulich; nur darin liegt die Schädigung, daß Margarine alt Nalurbultcr zu unangemessenen hohen Preisen verkauft wird. Margarine besteht an- vereinigen: Rindertalg, welcher geschmolzen und nach theilweisem Erstarren abgevreßt wird. Das erhaltene O'comargarin wird mit Milch im Butterfaß und dann wie Butter weiter behandelt

Streitende 91. und W. in K. Ein preußischer Morgen hat 25.532 Ar.

L ® 1896.Kann derjenige, welcher einem Handwerksmeister auf Grund einer Voranschlags die Ertheiluilg eines Auftrages innerhalb einer bestimmten Frist schriftlich zuLesichert hat, mit Erfolg zur Erfüllung dieser Zusage angchalcen