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Nr. 7.

Donnerstag den 9. Januar

1896.

HierzuAmtliche Beilage" Nr. 3.

Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Portemonnaie mit Geld. Eine Knabenmütze. Eine Brille mit Futteral. Ein kathol. Gebetbuch.

Hanau am 9. Januar 1896.

Prinz Alexander t.

Das preußische Königshaus hat, wie bereits gemeldet, einen schmerz­lichen Verlust erlitten. Prinz Alexander von Preußen ist nach Gottes uuerforschlichcm Rathschluß aus dieser Zeitlichkeit abberufen worden. Mit innigster Theilnahme wenden sich da das preußische Volk und alle, die dem Hohenzollernhause nahe stehen, unserer Königsburg zu, dort, wo unser ; Kaiserpaar thront, welches dem hohen Kranken besonders ergeben war und 8 ihm auch bis zum letzten Augenblick trostreichen Beistand zollte.

Der Hohenzollern Schmerz ist des Volkes Schmerz. Unwandelbar in Freud und Leid steht unser Volk zu seinem Kaiserhause. Die diesem aufeilegten Prüfungen empfindet es als die eigenen. Mit aufrichtigem Beileid theilt es den Zimmer des einzigen hinterlassenen Bruders, des Prinzen Georg, bittend, daß Gottes reicher Trost ihm in dieser schweren ^Stunde nicht fehle.

Prinz Alexander war der Senior der Hohenzollernfamilie. Ein i Sohn des verstorbenen Prinzen Friedrich, hat er ein Alter von nahezu 1 76 Jahren Abweichend von den großen Traditionen seines er­lauchten Geschlechts, galten seine Neigungen nicht dem Dienst im Heere. Er bekleidete zwar den ihm gebührenden hohen Rang in der Armee, aber dem aktiven Heeresdienst blieb er fern. Auch auf andirn Gebieten trat er nicht in die Oeffentlichkeit hinaus. Sein Streben war dem Wirken in der Stille zugewandt, und hier galt es allen hohen Idealen der Menschheit.

Mit einem wahrhaft fürstlichen Edelsinn ausgestattet, für alles Große und Schöne begeistert, zeigte er in seiner irdischen Pilgerfahrt jene vollen- i bete Harmonie der Gedanken und des Willens, die uns als wahrer : Seelen adel erstrebenswerth, aber nur wenigen Begnadeten erreichbar ist. ' Sein Haus war ein Tempel der Kunst in jeder sich darbietenden Form, der Sammelpunkt erleuchteter Geister. Aber zugleich war es eine Stätte, ; an der edelste Wohlthätigkeit immer ein Heim und immer neuen Antrieb erhielt. Tausende von Thränen sind durch die Hände des Entschlafenen getrocknet, zahlreiche Talente durch sie gefördert worden. So folgt ihm die Verehrung seiner Freunde, der Dank der Nothleidenden und ein treues Gedächtniß der Zeitgenossen über das Grab hinaus.r.

Das beste Heer der Welt.

Als militärisches Musterland preisen die Sozialdemokraten bei jeder Gelegenheit die Schweiz; im Reichstage und in ihrer Presse wird von Zeit zu Zeil die Schaffung eines Milizheeres nach schweizerischem Muster be­fürwortet. Jetzt haben sie ein noch besseres Heer gefunden, nämlich das ber Buren in der südafrikanischen Republik Transvaal, das, wie der Vorwärts" schreibt,an Tüchtigkeit der einzelnen Wehrmänner jedem der Riesenheere unserer Militärstaaten überlegen und weit überlegen ist."

Es liegt uns fern, den Ruhm der tapfern, für ihre Freiheit käm­pfenden Buren schmälern zu wollen. Die Bevölkerung Transvaals ist ausgezeichnet in den Waffen geübt, sie hat die Eigenschaft, mit jedem Schuß aus ihren langen Flinten einen Gegner zu erlegen und mit ihrer Zerstreuten Gefechtsstellung die Ueberlegenheit der englischen Kampfesweise ausgleichen zu können. Tie Schlacht am Majubaberge, in der vor 16 Jahren etwa 2000 Buren die fünffache Zahl von Engländern besiegten, ist eine der glänzendste« Waffenthaten der Neuzeit. Um diese Heldenthaten ber Nachkommen der alten Holländer, Niederfranken, Friesen und Mecklen­burger, die sich im südafrikanischen Burenthum verschmolzen haben, gebüh­rend zu würdigen, beburfte es aber wahrlich nicht erst des sozialdemokra- kischen Zeugnisses. Ganz Deutschland ist stolz darauf, und es war dem brutschen Volke aus der Seele gesprochen, als unser Kaiser den Präsidenten Krüger dazu beglückwünschte, daß die Buren aus eigener Kraft auch neuere bings wieder die englischen Freibeuter zurückgeschlagen haben.

In der Beurtheilung der glänzenden Waffenerfolge unserer südafri­kanischen Stammesgenossen stehen wir also demVorwärts" gewiß nicht nach. Wir würden auch mit keiner Silbe auf die Aeußerungen des sozial­demokratischen Blattes zurückkommen, wenn es sich nicht auch wieder bei dieser Gelegenheit gezeigt hätte, mit welcher Leichtfertigkeit die Sozialdemo­kratie ihre Ideen begründet, wenn es gilt, urtheilslose Massen zu verblüffen. Lediglich, weil die englischen Freibeuter von den Buren so prompt abge­fertigt sind, haben diesedas beste Heer der Welt." Um jedoch die Schweizer Miliz nichthintenanzusetzen", wird deren Organisation als entschieden vorzuzieben hingestellt.

Worin die Vorzüge des Milizheeres bestehen, wird vomVorwärts" diesmal nicht angegeben. Es kommt ihm eben nur daraus an, gegen unsere Heeresverfassung Stimmung zu machen. Das wird ihm aber nicht gelingen. Denn darin sind alle fremden Nationen einig, daß das deutsche Heer ein wirkliches Musterheer ist, nach dem sich alle bilden und bilden müssen, wenn sie Ersolge erzielen wollen. Auch die japanische Armee hat ihre gewaltigen Siege dem chinesischen Koloß gegenüber wesent­lich dem Umstande zu verdanken, daß sie nach deutschem Muster geschult ist. Dann aber auch ist die Milizarmee, ganz abgesehen von allen andern Mängeln, viel kostspieliger als unser Heer. Nach den eigenen von sozial­demokratischen Parteiautoritäten sestgestellten Zahlen ist der Haushalt des eidgenössischen Milnheeres in dem Zeitraum von 18761891 von 10 auf 40 Vs Millionen Franken angewachsen, hat also seine Ausgaben binnen 15 Jahren mehr als verviersacht, während das deutsche Reich in derselben Zeit seine Ausgaben nur um etwa Vs gesteigert hat.

Diese Thatsachen muß man den Sozialdemokraten immer wieder Vor­halten, wenn sie daraus hinarbeiten, das Bollwerk des Staates, das Heer, zu ruinèren. Ist das Heer in seiner gegenwärtigen Verfassung eist besei­tigt, dann wird es keine Macht mehr geben, die im Nothfälle im Stande wäre, unsere Grenzen zu vertheidigen und auch der sozialen Revolution Einhalt zu gebieten. Von diesem letztern Gesichtspunkte aus sind die so­zialdemokratischen Angriffe gegen das Heer zu beurtheilen.

Tagesschau.

Berlin, 8. Jan. Seine Majestät der Kaiser und König hörten im Neuen Palais heute Vormittag von 9 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus und empfingen um 11 Uhr den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe und den Direktor der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amts, Wirklichen Ge­heimen Legationsrath Dr. Kayser zum Vortrag.

Berlin, 8. Januar. Die Frist, in welcher die wirthschaftlichen Vereinigungen dem preußischen Handelsministerium ihre neuerlichen Ersah- rungen über die Wirkungen bet im Jahre 1892 abgeschloffenen Handels- mrträge mittheilen sollten, läuft dcuinächst ab. Dem Vernehmen nach hat die Mehrzahl der zu Gutachten aufgeforderten Vereinigungen ihre früheren Aeußerungen bestätigt. Vielfach ist a,ich hinzugefügt, daß die Entwickelung des Geschäfts, welche auf den Abschluß der Handelsverträge zurückzuführen ist, in neuerer Zeit einen noch günstigeren Verlauf genommen hat.

Berlin, 8. Januar. Ein interessantes Streiflicht auf die Berliner sozialdemokratische Organisation wirft die statistische Aufnahme der Gewerk­schaften, welche in Berlin 395,195 Arbeiter und 123,749 Arbeiterinnen in 86 verschiedenen Berufszweigen ergeben hat. Hiervon sind, wie in einer Kommissionssitzung des Vereins der Arbeilervertreter mitgetheilt wurde, 84 Verbände mit 37,022 Arbeitern und 1410 Arbeiterinnen ge­werkschaftlich organisirt, also nur 16 Prozent Arbeiter und noch nicht 1V« Prozent Arbeiterinnen.

Berlin, 8. Jan. Laut telegraphischer Meldung an das Ober- kommando der Marine ist S. M. S.Kaiser", Flaggschiff der Kreuzer­division, Ches Kontreadmiral Hoffmann, gestern in Hongkong und S. M. KanonenbootIltis", ßommanbant Kapitänlieutenant Jngcnohl, an dem­selben Tage in Amoy angekommen.

Jnowrazlaw, 8. Jan. Amtlich. Die von mehreren Blättern gebrachte Nachricht von einem vorgestern Morgen 5 Uhr 6 Min. erfolgten Zusammenstöße eines Schnellzuges bei Gnesen mit einem gemischten Zuge ist völlig aus der Luft gegriffen. ' (Fr. N.)

Kiel, 8. Jan. Gegenüber anders lautenden Meldungen wird amV lich mitgetheilt, daß die Fahrgeschwindigkeit im Kaiser Wilhelmkanal für Frachtdampfer im Allgemeinen nicht erhöht worden ist. Dagegen wurde