4. Januar
Hanauer Anzeiger.
Seite 3.
stets nur kleinere Theile des Baumes auf einmal verbrennen, nicht größere Stücke.
* Stadttheater. Der Billetverkauf zu der morgen Nachmittag stattfindenden Volks- und Schülervorstellung „Die Räuber" findet schon heute an der Theatertageskasse statt und wird morgen von 8—12 Uhr vormittags fortgesetzt. Der Anfang der Vorstellung ist, wie bekannt gegeben, auf 3 Uhr festgesetzt, die Kasse wird um 2% Uhr geöffnet. Wie schon gestern mitgetheilt, dürfte die Vorstellung dadurch noch interessanter werden, daß 8 Rollen gegenüber der ersten Aufführung in dieser Saison neu besetzt sind. Von den Hauptrollen sind dies: Karl Moor (Herr Machold), Franz (Herr Seipp), Amalia (Fräulein Hesse), Schweizer (Herr Walter). Die Preise der Plätze sind durchschnittlich auf die Hälfte ermäßigt, wie aus der auf Seite 13 befindlichen Annonce ersichtlich. Da die morgige Aufführung der Räuber die letzte in dieser Saison sein wird, und außerdem der Besuch dieser Vorstellung darüber entscheiden wird ob noch mehrere solcher Volks- und Schülervorstellungen veranstaltet werden, so möchten wir zu recht zahlreichem Besuche auffordern, zumal die Preise der Plätze in wirklich entgegenkommender Weise von unserer Direktion so niedrig als nur irgend möglich gestellt worden sind. — Morgen Abend wird als 5. Vorstellung im 4. Abonnement das mit glänzendem Erfolge bereits zweimal 1 gegebene dreiaktige Schauspiel Hermann Sudermanns „Das Glück im Winkel" aus allgemein geäußerten Wunsch nochmals als Sonntagsvorstellung gegeben.
* Der Oratoriert Verein erläßt in unserer heutigen Nummer eine Einladung an Herren, die Luft und Stimme besitzen, zum Anschluß, und übernimmt, wo es nöthig ist, die musikalische Ausbildung. Wir wünschen dem Aufruf den besten Erfolg auch im Interesse der großen Zahl junger Männer, denen damit Gelegenheit zu thätiger Mitwirkung im Dienste der edlen Tonkunst geboten wird. Einen Abend der Woche im Verband eines gemischten Chores, unter anregender und begeisternder Leitung zu verbringen, wird bald zu einer lieben Gewöhnung für jeden der sie ergriffen, unb er möchte sie nie mehr aufgeben. Denn die Einführung in das Verständniß, und die eigene Betheiligung an der würdigen Aufführung der großen Meisterwerke bietet eine Fülle des edelsten Genusses, von der sich der kein Bild machen kann, dem nur zuzuhören bisher vergönnt war. So manchem unserer jungen Leute fehlte es nur an der Anregung. Sie ist jetzt für jeden gegeben und hoffentlich werden in kurzer Zeit recht Diele dankbar dafür sein, die sie befolgt haben.
* Familienabend. Der Kaufmännische Verein Hanau veranstaltet morgen in seinem Vereinslokale einen Familienabend. Beginn abends 7 Uhr.
* Im Kttnstindustrie-Verein steht nächsten Montag Abend ein interessanter Vortrag zu erwarten; es spricht der bekannte Knlturhistoriker Prof. Dr. Heigel aus München über „Die französische Revolution und die Kunst."
* Militärkonzert. Im festlich dekorirten Saale „zum deutschen Haus" gibt morgen Abend, TVa Uhr beginnend, die Kapelle des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6 ein großes Militärkonzert.
* Das 5. Abonrrementskonzert der Kapelle des Thüring. Ulan.-Regts. Nr. 6 im Saalbau „zum deutschen Haus" findet bereits nächsten Dienstag den 7. statt.
* Nenjahrsgabe. Die rühmlichst bekannte chromo-lithographische Kunstanstalt Heinr. u. Aug. Brüning dahier übersandte ihren Geschäftsfreunden aus Anlaß des Jahreswechsels einen Kalender pro 1896, der, in Form einer Schreibmappe hergestellt, sicherlich als praktische Gabe überall ungetheilten Beifall finden wird. Die Ausstattung des Kalenders ist eine vorzügliche und dokumentirt auch hiermit die hohe Leistungsfähigkeit des Etablissements.
* Königliche Preußische Klafsenlotterie Die Ziehung der Ersten Klasse findet nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag, am 7., 8. und 9. Januar, statt.
* Brände. Unser Stadtgebiet hatte im Jahre 1895 41 größere und kleinere Brände zu verzeichnen. Dieselben verursachten schätzungsweise einen Jmmobiliar- und Mobiliarschaden von 20 800 Mk. — Im Jahre 1894 waren nur 25 Brände zu registriren.
* Unfälle. Im Jahre 1895 kamen im Stadtkreise Hanau 342 Unfälle zur Anzeige, von welchen 35 untersucht wurden. Die zur Untersuchung kommenden Unfälle sind solche, welche einen bleibenden Nachtheil für den Betroffenen zur Folge haben. Zwei Unfälle waren tâdtlich. — Im Jahre 1894 gelangten 286 Unfälle zur Anzeige.
* Statistik. Im Stadt- und Landkreise Hanau find im Jahre 1895 22 Selbstmorde (gegen 20 in 1894) zu verzeichnen; davon entfallen 9 auf den Stadt- und 13 auf den Landkreis.
* Scheu geworden. Vom Ostbahnhof kommend, wurden gestern Nachmittag im Auheimerweg die Pferde eines Kremserwagens der 2. Eskadron hiesigen Ulanenregiments scheu und rasten in die Nürnbergerstraße hinein. Beim Hess. Hof karambolirten sie mit einem Bauernwagen, infolgedessen die Deichsel des Kremserwagens zerbrach. Die tolle Fahrt erreichte ein Ende, als die Pferde gegen das Gasthaus zu den 3 Rindern anftihren. Der Führer des Wagens wurde vom Bock geschleudert und '
blieb besinnungslos liegen; er wurde zunächst in ein benachbartes Haus getragen und dann nach dem Lazareth verbracht.
* Umgcworfeu. Gestern Nachmittag wollte ein Fuhrmann mit einem schwerbeladenen Heuwagen durch das Frankfurter Thor fahren, da aber der Wagen zu hoch beladen war und der Fuhrmann deshalb umwenden mußte, siel der Wagen um, wodurch längere Zeit eine Verkehrsstörung entstand.
(Eingef.) „Mignon", ein neuer Balllanz, komponirt von Balletmeister Crompton in London, ist den Tanzlehrern Deutschlands durch Zirkular empfohlen worden, nachdem derselbe von mehr als 200 Tanzlehrern Englands angenommen wurde. Es ist dies derselbe Komponist, der den in der letzten Zeit so beliebt gewordenen Menuett-Walzer komponirt hat. Dieser Tanz soll sich ebenso gut als Saal- wie als Bühnentanz eignen. Wie aus einem Inserat unseres heutigen Blattes ersichtlich, hat auch Herr Tanzlehrer Kisselstein diesen Tanz in sein Programm ausgenommen.
* Steuer-Erklärungsheft. Ein höchst praktisches und für Jeden, der ein Einkommen von über 3000 Mark hat, geradezu unentbehrliches Nachschlagebuch ist das Steuererklärungsheft, das soeben im Verlage von W. Kutschbach in Halle a. S. erschienen ist. Während in früheren Jahren aus Wunsch des Steuerpflichtigen mehrere Steuer-Er- klärungsformulare gratis verabfolgt worden sind und somit der Betreffende Gelegenheit hatte, ein zweites Formular auszusüllcn und als Abschrift für sich selbst zurückzubehalten, wird von jetzt ab infolge höherer Anordnung für jeden Censiten nur ein Exemplar geliefert werden, ein zweites mir in dem Falle, wenn nachgewiesen wird, daß das erste verloren gegangen oder durch Beschmutzen, Zerreißen, nicht aber infolge Berichtigung falscher Ziffern 2C. thatsächlich unbrauchbar geworden ist. Wer sich also eine Ausfertigung seiner Steuererklärung zurückbehalten will, was augenscheinlich z. L. bei Beantwortung der Beanstandung, Einlegung der Berufung rc. und namentlich als Unterlage bei der Aufstellung der nächstjährigen Steuererklärung von großem Vortheil ist, der müßte sich der zeitraubenden Arbeit des Abschreibens unterziehen. Diese Mühe bedeutend zu erleichtern, bezweckt das obenerwähnte Steuererklärungsheft, welches die Formulare zu Steuererklärungen sowie auch zu Vermögensanzeigen für je fünf Jahre enthält, und deren druckfreie Rückseiten zu Notizen, Abschriften von steuerlichen Eingaben, Berechnungen zur Ermittelung der einzelnen in die Steuererklärung kinzutragenden Beträge u. s. w. benutzt werden können. Das Heft ist zweifellos von großem, praktischen Nutzen, indem einerseits die Abschriften durch einfaches Einrücken der Ziffern an gehöriger Stelle hergestellt werden und so die Mühe erspart bleibt, audj den Text abzuschreiben, andererseits aber dem Steuerpflichtigen später eine bequeme Uebersicht über seine Einkommen- und Vermögensverhältnisse in den vergangenen Jahren geschaffen wird. Das Stcnererklärungsheft, das allen Kaustenten, Gewerbetreibenden, Industriellen, Hausbesitzern und Rentnern nur angelegentlichst empfohlen werden kann, ist zum Preise von 75 Pfennigen durch alle Buchhandlungen zu beziehen.
* Der Hufbeschlag für den Winter hat durch die Erfindung des Patent-H-Stollen eine vollständige Umwälzung erfahren. Die scharfen Kanten der rechtwinklich zu einander stehenden 3 Schneiden verhindern das Ausgleiten des Pferdes nach jeder Richtung hin und da eine Mrundung der Kanten infolge deè H-Profils unmöglich ist, so bleibt dieser Stollen bis zur vollständigen Abnutzung stets scharf, ohne daß die Gefahr des Kronentritts — wie bei anderen Stollen — vorliegt. — Der H-Stollen gewährt dem Pferde seine volle Leistungsfähigkeit auch bei Glatteis und da derselbe bei seiner ausgezeichneten Stahlqualität sehr lauge vorhält, so ist er im Gebrauch nicht nur der beste, sondern auch der billigste Stollen. Es ist dies wohl die beste Erfindung, die je im Hufbeschlag gemacht worden ist und erklärt es sich daher, daß man die Patent-8-Stollen jetzt in jeder besseren Eisenhandlung vorfindet; hergestellt werden sie von den Patentinhabern Leonhardt & Co. in Berlin.
Frattenstudium. Die Frauenbewegung hat in den letzten zwei Jahrzehnten starke Fortschritte gemacht. Am meisten natürlich in den Vereinigten Staaten. Folgende Tabelle, die „Die Romanwelt" reproduzirt,
beweist es.
Dort gab es
im Jahre:
1870
; 527,
dagegen
1890; 4455
weibliche Aerzte und Chirurgen,
,/
24,
ff
ff
337
„ Zahnärzte,
ff
5,
ff
ff
240
„ Rechtsanwälte,
ff
414,
ff
ff
4875
„ Beamte,
ff
67, 0,
ff
ff ff
1235
180
„ Geistliche,
„ Ingenieure und Landmesser,
1,
25
„ Architekten,
412,
11,000
Malerinnen und Bildhauerinnen,
159,
ff
3000
Schriftstellerinnen, weibliche Journalisten,
35,
888
5735,
ff
34,518
„ Musikbeflissene,
692,
ff
ff
3949
Schauspielerinnen,
100,
ff
ff
634
Theaterdirektorinnen,
ff
7,
ff
ff
21,185
weibliche Stenographen,
ff
8016,
ff
ff
64,048
„ Kopisten, Sekretäre rc.,
ff
o,
ff
tf
27,777
Buchhalterinnen.