P 3, Januar
Kadclburg; „Der Herr Senator" spielen, und Hr. Direktor Oppmar den „Dr. Crusius" in dem ebenfalls so beliebten und stets gern gesehenenStück: „Die Groß- stadtluft". Allster diesen modernen Lustspielen befindet sich in Vorbereitung „Der Tugcndwâchter", ein nach dem Spanischen des Lope de Vega von Eugen Zabel bearbeitetes Lustspiel von Eugen Zabel bearbeitetes Lustspiel, Welches "am König!. Schauspielhause in Berlin mit bedeutendem Erfolge gegeben wurde, und das reizende oberbayerische Volksstück mit Gesang von Ludwig Anzengruber: „Der G'wissenswurm". In dem ersten Stück Wird ebenfalls Herr Direktor Jaritz, im zweiten Herr Direktor Oppmar Hie Hauptrolle spielen.
Für heute. Kaiser - Panorama (im unteren Saale der „Karthaune"): „Chicago, Weltausstellung"; täglich geöffnet von 10 Uhr mor- Hens bis 10 Uhr abends. — Stadttheater in Hanau: „Ein ehrlicher Makler", Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow; Anfang 7 Uhr, Ende ValO U^r. — Männerabtheilung der Turngemeinde: Abends Bon 7—8 Uhr Turnen. — Turn- und Fechtklub: Abends von 8 bis 10 Uhr Fechten. — Evang. Männer- und Jünglingsverein: Abends 8 V, Uhr Gesellige Unterhaltung (Ältst. Rathhaus). — Freie Vereinigung Hanauer * Radfahrer: Abends 9 Uhr Zusammenkunft in der Restauration Krieg. — Radfahrervereül Hanauer Radsport 1895: Ebenfalls abends 9 Uhr Vcr- âsabend zur „goldenen Gerste".
Berstergermrgs- & Derpachtungs- re. Kalender für Samstag den 4. Januar.
Nachmittags 2 Uhr werden 15 am Lehrhofweg stehende Pappeln und 4 Lindenstämme der Philippsruher Allee an Ort und Stelle versteigert Werden. Beginn an der Philippsruher Allee.
) ( Langenselbold, 2. Januar. (Erstick t.) In der Neujahrs- rracht war ein hiesiges Ehepaar mit ihrem ältesten Kinde ausgegangen, um Neujahr auzusagen, während das zweite jüngere Kind zu Hause blieb und in seinem Bettchen schlief. Als die Eltern später zurückkamen, sanden sie das Zimmer voll Rauch und zu ihrem Entsetzen ihr Kind im Bette -erstickt.
— (H e i m a th l i eb e.) Daß dieses Wort kein leerer Wahn ist, haben wir hier schon wiederhllt erfahren müssen, indem ehemalige Orts- riugesesseue, welche, sei es durch Verheirathung oder Versetzung in eine Ändere Gegend kamen, dort von dem Tode ereilt, den Wunsch aussprachen: „In der Heimath begraben zu werden!" Auch gellern wurde hier wieder
4 âe junge Frau, welche ihrem Manne in die Nähe Homburgs v. d. Höhe gefolgt war, zur letzten Ruhe bestattet. Ein großes Leichengefolge erwies der so früh Dahingeschiedenen die letzte Ehre.
Marburg, 2. Januar. (Der Fall Stengel - Jskraut.) Vor dem Schöffengericht gelangte heute eine Privatklage des Reichstagsabg. Pfarrer Jskraut gegen den Unioersitätsprofessor Dr. Stengel zur Verhandlung. Die Klage bildete ein Nachspiel zu dem Wahlkampfe, der sich zu Beginn des vorigen Jahres um den nach der wegen Meineids vor dem Hannoverschen Schwurgericht erfolgten Verurtheilung seines bisherigen s- Vertreters Leuß freigewordenen Wahlkreis Eschwege-Schmalkalden-Witzenhausen abspielte. Bei dieser Wahl standen sich Pfarrer Jskraut, als Kandidat der deutsch-sozialen Reformpartei, unb Prof. Dr. Stengel, als liberaler Kandidat, gegenüber. Bei der Hauptwahl am 28. Dezember kam Pfarrer Jskraut mit dem Sozialdemokraten in Stichwahl, über den er später den Sieg davontrug. Während der Wahlkampagne hatteProfessor Stengel in Huntershausen, Kreis Witzenhausen, am 8. Februar in einer öffentlichen Wählerversammlung in Gegenwart des Ortspfarrers über seinen Gegner geäußert: Pfarrer Jskraut scheine mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße zu stehen ; denn in einer öffentlichen Versammlung in Waldkappel habe er entweder die groben Lügen eines Anderen verbreitet oder sich selbst einer solchen schuldig gemacht, um einen politischen Gegner, einen kleinen Cigarrenfabrikanten in Waldkappel, um Beruf und Brod zu bringen. Pfarrer Jskraut hatte in jener Versammlung behauptet, der als freisinniger Agitator auftretende Cigarrenfabrikant aus Waldkappel verkaufe Waaren von so schlechter Qualität, daß sie nicht zu brauchen seien; ein mit einer größeren Quantität Cigarren hineingefallener Kunde von Hesse, der Gast- »virth Fröhlich in Lichtenau, der zu seinen, Jskrauts Anhängern zähle, habe ihn vor wenigen Tagen zur Thür hinausgewiesen u. s. w. Der angegriffene Fabrikant hatte daraufhin Jskraut der Lüge geziehen und war von diesem wegen Beleidigung verklagt worben; er hatte aber wegen der von Jskraut ausgestellten Behauptungen Gegenklage erhoben. Das Schöffengericht veruitheilte Beide zu je 30 Mk. Geldstrafe; die Berufungsinstanz, das Landgericht in Cassel, sprach aber Hesse frei und belegte Jskraut mit einer Geldstrafe von 100 Mark. Das Urtheil ist noch nicht rechtskräftig, La Jskraut dagegen Revision eingelegt hat. In der Beleidigungsklage gegen Prof. Stengel stand bereits im August v. Js. Termin vor dem Schöffengericht an. Der Beklagte gab zwar zu, die oben angeführten Worte gebraucht zu haben, erbot sich aber, für seine Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten, sodaß die Sache vertagt werden mußte. Gleichzeitig erhob Prof. Stengel gegen Jskraut Widerklage. Unmittelbar vor Ler Wahl war in einem gedruckten Flugblatt die auf Grund jener Anschuldigungen gegen Professor Stengel erhobene Anklage nebst einem mit Lein Namen Jskraut unterzeichneten Anschreiben verbreitet worden, in welchem die Behauptungen des Gegenkandidaten als grobe Verleumdung bezeichnet wurden, und in dem dieser auf das Heftigste persönlich angegriffen wurde. Dem Vernehmen nach bestreitet Pfarrer Jskraut, von der Ver- Sreitung und dem Druck dieses Anschreibens irgend welche Kenntniß gehabt
Hanauer Anzeiger.
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zu haben. Es haben hierüber vor wenigen Tagen mehrere kommissarische Vernehmungen statlgefunden, u. A. des Reichstagsabgeordneten Liebermann von Sonnenberg und des Sekretärs der deutsch-sozialen Reformpartei, Redakteurs Hogreve, der die antisemitische Agitation in Eschwege-Schmal- kalden leitete. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung des Pros. Stengel, indem es dessen Darlegungen völlig beitrat. Das Gericht erachtete als festgestellt, daß Jekraut vorsätzlich und bewußt die Unwahrheit gesprochen habe, um einen politischen Gegner geschâfilich zu schädigen. Mit : Recht sei daher, so hob die Urtheilsbegründung wörtlich hervor, Jskrauts ! Verfahren nicht nur als grobe, sondern auch als gemeine Lüge zu charak- terisiren. In der Widerklagesache Stengels wegen eines von Jskraut 1 unterzeichneten beleidigenden Wahlflugblattes mußte Jskraut gleichfalls frei- gesprochen werden, weil nicht erwiesen ist, daß Jskraut von der Verbreitung gewußt habe.
* Die Jahreswende in Frankfurt a. M. Die gestrige Schilderung von dem Neujrhrsanfang gab wohl noch ein zu zahmes Bild von dem mitternächtlichen Treiben. Die Nachtzeiten der Großstadt haben sich da wieder einmal gar herrlich offenbart, besonders auf der Zeil, und die Polizei vermochte nicht, des rohen Gesindels Herr zu werden, das, feig und frech zugleich, meuchlings und rudelweise die Einzelnen anfiel und mißhandelte oder gar niederschlug und ausraubte. Denn neben der Rauflust wagte sich auch die Raublust hervor. Nicht nur Hüte und Stöcke wurden den Ueberfaklenen entrissen, es kam zu ganz schamlosen Plünderungen der armen Opfer, die einer der beutelüsternen Horden in die Hände i geriethen. Morgens gegen 4 Uhr wurde der Ingenieur K. aus Bornheim ! von vier jungen Straßenräubern nach allen Regeln der Wegelagererkunst zu Boden geworfen, seines Portemonnaies mit über 100 Mk. Inhalt und seiner Uhr beraubt. Die Schutzleute wurden stellenweise mit Steinen geworfen. Die Trambahn, die den Verkehr bis 2 Uhr nachts aufrecht erhielt, konnte auf der Zeil kaum vorwärts kommen. Die Wache der Freiwilligen Rettungsgeselljchrft hat ein Diertelhundert Verwundete verbunden. In der Fahrgasse wurden halbwüchsige Burschen verhaftet, die scharfe R volver- schüsse abgegeben hatten. Aus dem Gesellschaftsbaus des Zoologischen Gartens wurden zwei Ruhestörer hinausgeworfen, die im Saal Feuerwerk ; abzubrennen versuchten. Auch die üblichen Feuerwerks-Unfälle wurden ge- ! meldet: In der Ziegelgasse beschädigte eine Explosion einen Knaben am I Auge, in der Schäfergasse und auf der Zeil geriethen die Kleider einzelner i Personen in Brand. — Wie die „Frkf. Ztg." meldet, haben die Behörden in : Erwägung gezogen, ob nicht für die Folge etwa durch früheren Schluß der s Wirthschaften oder durch militärische Streiftruppen, insbesondere durch ! Husaren-Abtheilungen, die gemeingefährlichen Ausschreitungen eingedämmt werden können.
2/ Bow Main, 2. Januar. (Neujahrsschießen. — „K,ul- turfort schritt.") Der Unfug des Neujahrschießens wurde Heuer fast allenthalben weniger geübt. Aus verschiedenen Gemeinden wurden indessen - Unglücksfälle durch unvorsichtige Handhabung der Schußwaffen gemeldet. — I Der Versandt der Neujahrs-Glückwunschkarten, welcher in den letzten Jah- ' ren etwas nachgelassen hatte, nahm heuer wieder einen ganz enormen Umfang an. Dieser „Kulturfortschritt" scheint erst neuerdings in die kleine- i ren Landgemeinden gedrungen zu sein; denn gerade aus diesen wurden verhältnißmäßig die meisten derartigen Postsendungen aufgegeben* Es sind - uns massenhafte Fälle bekannt, daß Dienstboten unglaublich viele Kar- ' hn zum Versandt brachten, und auch in dieser Beziehung ihre Herrschaften ! mit zu überbieten wußten.
Patent-Ertheilungen.
Nr. 85 262. Elektrische Widerstände. — Voigt u. Haeffner in i Bockenheim-Frankfurt a. M., vom 24. Februar 1895 ab. Kl. 21.
Statistisches
(aufgestellt vom hiesigen Verschönerungsverein.)
Der höchste Barometerstand war mit 768 mm am 28. Dezember; , der tiefste Stand mit 738 mm am 13. Dezember.
Der wärmste Tag des Dezembers war der 5. mit + 9® Gels., die kältesten Tage mit — 8° Gels, waren der 27. und 28.; in der Nacht auf den 28. Dezember sank das Thermometer auf — IV/20 Gels.
Der größte Prozentsatz an Feuchtigkeit der Luft bestand am 31. De- ' zember mit 82°/o; mit 81°/o den 1., 10. und 25. Dezember, an welchem
Tag ziemlicher Schneefall bestand. — Regen fiel den 1., 4., 5., 6., 10v
: 13. und 30. Dezember. Dr. Weiss.
Wetterbericht des „Hanauer Anzeiger" vom 2. Januar.
Nach Beobachtungen des hies. Verschönerungs-Vereins am Wetterhäuschen am kaiserl. Postgebäude.
Barometer : morgens 764, mittags 764, abends 764.
, Thermometer; morgens + (;0 0., mittags + 1° p» abends + 1° C.
Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) : morgens 71, mittags 69, abends 70.
l Lambrecht's Patent-Weltertelegrayh (im Rathhaushof) : Am 3. Januar- Wenig
Aenderung des herrschenden Wetters.
Der Zeiger am Fuß des Wettertclegraphcn gibt den Stand von etwa 8 Uhr morgens an.
Schistsb-rtcht.
Das Deutsche Dampfschiff „Amalfi" ist am 31. Dezember, 5 UhL morgens, wohlbehalten von Hamburg in New-Dor! angekommen.