Einzelbild herunterladen
 
  

Seite 4

Hanauer Anzeiger.

2. Januar.

theilt. Ein Bäckergeselle hatte seinem Bruder 30 Mk. geliehen und dieser wieder machte mit einein Anderen Leihgeschäste. Der Andere, ein Geschäftsmann dahier, mußte eines Tages den Abgang von 84 Mk. be­klagen, welche der Bäckergeselle theils in seiner Tasche theils im Bette aufhob". Der Bäckergeselle hatte sich während der Untersuchung einen kleinen Roman zusammengedichtet, den er dem Gerichtshof in längerer Rede vortrug, mit wenig Erfolg jedoch. Das Urtheil lautete auf 6 Wochen Gefängniß, wovon 2 Wochen durch die Untersuchungshaft für verbüßt un­gerechnet wurden. Die Privatklagesache des Rechtsanwalts L. gegen den Kaufmann R. wegen Beleidigung endigte mit der Freisprechung des An- geschuldigtcn und Verurtheilung des Klägers in die Kosten.

* Die Sylvesternacht. Der alten Sitte, des Jahres weihe­vollste Mitternacht festlich heranzuwachen, wurde hier auch diesmal gehul­digt, doch kann erfreulicherweise konstatirt werden, daß Ausschreitungen unterblieben sind, wenn auch hier und da die Wirkung des Neujahrs­punsches sich etwas bemerkbar machte. Das wird man wohl oder übel in Kauf nehmen müssen. Im Gegensatz hierzu scheint es in Frankfurt be­sonders roh hergegangen zu sein. DieFrankf. Ztg." berichtet darüber; Trotz aller polizeilichen Vorkehrungen wurde Reujahr auf der Zeil in ge­wohnter Weise angetreten. Das Knattern des Feuerwerks und der Schüsse, das hundertstimmigeProsit Neujahr" übertönten zeitweise selbst das Glockengeläute. Zahllose Menschen wogten auf und ab, ein buntes Chaos, zum größten Theil in bedenklich gehobener Stimmung. Der üb­liche Neuj ihrsfreipunsch in den Cafâs und Restaurationen hatte derart seine Wirkung gethan, daß die Polizei trotzdes starkenAufgebols fast machtlos war. Leider gingsnicht mit den üblichen eingetriebenen Hüten ab. EinemSchutzmann,der den Versuch machte einzuschreiten, wnrde mit einem Todtschläger eine nicht unbedeutende Verletzung am Kopfe beigebracht; ein Anderer erhielt von hinten einen Schuß in den Rücken, die Kugel blieb aber in der Säbel­koppel stecken. Verschiedene Personen wurden durch Messerstiche verletzt, sodaß die freiwillige Sanitätswache unausgesetzt beschäftigt war. Es war ein wüstes, rohes Treiben, besonders auf der Zeil, dem so mancher harm­lose Passant zum Opfer fiel.

* Kurze Freude. In der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar wurde der Fleischkammer des Landwirths Ludw. Lehr in Roßdorf von unberufener Seite ein Besuch abgeftattet und größere Quantitäten Fleisch- und Wurstwaaren mitgenommen. Doch kurz war die Freude, auf billige Weise in den Besitz dieser nicht zu verachtenden Artikel gekommen zu sein. Bereits gestern gelang es der hiesigen Kriminalpolizei, Stehler wie Hehler in hiesiger Stadt zu ermitteln. Der Thäter ist ein fiüher in Roßdorf bedienstek gewesener Knecht, der jetzt seinen Wohnsitz hier genom- men hatte.

Für heute. Kaiser - Panorama (im unteren Saale derKar­thaune"):Chicago, Weltausstellung"; täglich geöffnet von 10 Uhr mor­gens bis 10 Uhr abends. Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde: Abends 7^4 Uhr im Hörsaal der Gefillschaft: Vortrag des Herrn Professor Dr. Reichenbach aus Frankfurt a. M. überNeue Be­obachtungen an interessanten Ameisenarten". Gesangverein der Marien­kirche : Abends 8 Uhr Probe im Königl. Gy nnasium. Kaufmännischer Verein Hanau : Vereinsabend im hinteren Parterresälchen derCentral­halle". Evang. Männer- und Jünglingsverein: Abends 8V2 Uhr Bibelstunde (Aitstädter Nathhaus). RadfahrervereinVorwärts": Abends 9 Uhr Zusammenkunft in dergroßen Krone". Ebenfalls abends 9 Uhr: Feuerwehr-Vorstandssitzung bei Beck.Spessart-Touristen­verein : Abends 9'/, Uhr Zusammenkunft im Vereinslokal zumElephan­ten" .

B. Der Carneval in Frankfurt a. M. Die Große Frank­furter Carnevalgesellschaft rief die Närrinnen und Narren zu lustigem Treiben in ihre Wallhalla und alle kamen, groß und klein. Bis hinauf auf die olympischen Höhen der Gallerten war der mächtige Saalbausaal, in dem 2000 Menschen Platz finden, besetzt, und hunderte mußten ab- gewiesen werden. In Einem also ist Frankfurt anderen Städten gegen­über noch sehr im Nachtheil: nämlich im Ausweise von genügend großen Sälen oder Hallen, die mindestens 4000 Personen fassen müßten, wie etwa die Mainzer Stadthalle. Um 7.11 Uhr zog von Herolden ange­kündigt und unter Posaunen- und Trompetenschall das närrische Mini- fteriuii, an der Spitze Herr Müller-Herfurth und Max Gold­schmidt, unter stürmischem Willkomm der Narrcnschaar in den Tempel des Prinzen Carnevals ein. Das Ministerium hatte sich in besonders närrische Gala, in blauen, goldgestickten Frack geworfen und wurde von dem närrischen Kanzler als dieblaue Frackzion" vorgcstellt. Nach längerem Sprech des Ministerpräsidenten, Herrn Müller-Herfurth, kam der Kanzler, Herr Max Goldschmidt, an die Reihe, oderauf die Dütr'" wie der fachmännisch-närrische Ausdruck lautet. Sein Proto­koll übertraf alles, was er in früheren Jahren geboten hatte, und wenn sich die ganze Korona nicht vor Lachengewälzt" hat, so lag dies ganz allein daran, daß in dem dichibesetzten Saale überhaupt nicht das geringste Plätzchen zumWälzen" war. Die übrigen Redner standen dem närrischen Kanzler nur wenig nach, manche sogar konnten mit ihm um die Palme des Abends mit Erfolg ringen. Auch die Tonkunst und Malerei hatten sich dem Carneval in uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt. Die __Herren K 0rschan und Grun ernteten durch ihre theils humoristischen p^Morträge einen stürmischen Beifall, der die beiden den Frankfurtern au's n gewachsenen Bühnergrößen zu Beigaben veranlaßte. Die Dekoration

I des Saales, eine großartige Leistung, entstammt dem Atelier des Herrn

! Sachs. Die Chorlieder erklangen kräftig und Frohsinn, Heiterkeit und I närrischer Ulk verließen erst gegen Mitternacht die geheiligten Hallen des ' 1 Narrenheimes. Die nächste Damensitzung mit reichem Pogramm findet am . Sonntag den 12. Januar statt.

j Ruppertenrod, 30. Dezbr. (Soldatenliebe.) Eine eigen- 1 thümliche Soldatenliebe bekundet der Hund, eine Art Dogge, des hiesigen Gastwirths J. Schmidt. Als im Herbste v. I. die hier in Quartier ge­legenen 24er Dragoner abrückten, um in der Richtung nach Fulda hin zu manöveriren, war auch der Hund des genannten Gastwirths verschwunden. Er war mit den Dragonern gezogen und im Manövergelände bei Fulda gesehen worden. Nach Beendigung der dortigen Korpsmanöoer kam der Hund zu seinem Herren zurück, nahm aber nur einen ganz kurzen Aufent­halt und verschwand wieder. Nach hierher gelangten Nachrichten hatte man den Hund in Darmstadt bemerkt. Er war also mit den Dragonern zur Garnison gezogen. Sein Herr hatte inzwischen den Hund fast ver­gessen, da, wer beschreibt sein Erstaunen, kehrt am ersten Weihnachtsfeier­tag der Vermißte unv.-rmuthet zurück. Ob er bloß aufWeihnachts- * urlaub" erschienen oder seinen ständigen Aufenthalt wieder bei seinem früheren Herrn nehmen wird, bleibt abzuwarten.

Aus Kunst und Wissenschaft.

B. Das Kaiserdenkmal in Frankfurt a. M. Wie wir bereits kurz erwähnten, wird am 10. Mai k. I., dem 25. Gedächtnißtage des zu Frankfurt zwischen Deutschland und Frankreich geschlossenen Frie- ) dens, in unserer Nachbarstadt ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. enthüllt werden, und ist zu dieser Feier der Besuch des Kaisers und der Kaiserin in Aussicht gestellt. Es ist daher von Interesse schon jetzt Einiges über das Denkmal selbst zu erfahren. Der Entwurf desselben entstammt der Hand des Bildhauers Clemens Buscher in Düsseldorf. Buscher, der zwei Entwürfe eingereicht hatte, ging aus der engeren Konkurrenz mit seinem das Motto:Der alten Kaiser-Wahl- und Krönungsstadt" tragenden Entwürfe als Sieger hervor. Das Denkmal erhebt sich auf einem Unter­bau von drei Stufen; auf einem sehr hohen Postament steht die Gestalt des Kaisers hoch zu Pferde. Der Monarch ist mit Mantel und Helm angethan, sein Blick schweift seitwärts in die Ferne. An den Vorderseiten ; des Postaments erheben sich auf kleinerem Unterbau drei Figuren; der Handel, in der erhobenen Rechten einen Oelzweig tragend, mit der anderen i Hand den Merkurstab und das Stadtwappen umschließend; ferner, zum Kaiser hinaufblickend, die Kunst, mit Palette und einem Säulenfuß; schließ­lich der Gewerbcfleiß, das Spinnrocken in der Hand. Die Vorderseite zeigt ; außerdem das Frankfurter Wappen. Die beiden Längsseiten tragen Re­liefs, die Krönung Kaiser Rothbarts und die Kaiserproklamation in Ver­sailles darstellend. Auf der Rückseite befindet sich die Frankofurtia, die alte Kaiserkrone in der Rechten; ihr zur Seite liegen Schild, Reichsschwert und die Kaiserkrone des neuen deutschen Reiches. Das Denkmal erhält seinen Platz gegenüber dem Opernhaus, inmitten reicher Garten- und Park­anlagen. Der Bau schreitet bereits rüstig vor.

Dieakademische Frau". In einigen Wochen wird in Berlin ! eine Broschüre erscheinen, deren Verfasser, ein junger Berliner Journalist, an die hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft und Litteratur mit der Frage herangetreten ist, ob die Frau zum akademischen Studium befähigt resp. berechtigt ist. Professor Leyden antwortet it. A.:Ich kann, um ehrlich zu sein, keine positive Meinungsäußerung darüber geben, ob die Frau zum akademischen Studium befähigt ist. Daß Frauen indessen ohne gehörige Vorbildung ganz einfach auf zwei Jahre an eine auswärtige Universität gehen und alsdann dort ihr sogenanntesDoktorexamen" ab­legen, diese Art des akademischen Studiums halte ich für entschieden ver­werflich, denn sie wird namentlich im medizinischen Berufe eine Klasse von : Kurpfuschern heranzüchten, die für uns Aerzte in vieler Beziehung gefâhr- ! lich sind und natürlich noch viel mehr für die armen Patienten, welche j ihnen in die Hände fallen." Professor v. Bergmann schreibt kurz und : bündig:Ich halte die Frau zum akademischen Studium und zur SluSX. : Übung der durch dieses Studium bedingten Berufszweige für in körper- licher wie geistiger Beziehung völlig ungeeignet." Dagegen äußert sich 1 i der bekannte Rechtslehrer Prof. Dr. Heinrich Dernburg:Nichts^ist un- w i zweifelhafter, als daß es Frauen gibt, welche zum akademischen Studium L ; befähigt, also auch berechtigt sind. Eine andere Frage ist, ob cs für un- 1 ! sere Universitäten gerathen ist, Frauen wie Männer zu den Vorlesungen i unterschiedslos zuzulassen. Zweckmäßig wäre es, eine der deutschen Uni- n ! versitäten vorzugsweise zum Frauenstudium zu bestimmen. Man könnte ßi i z. B. Gießen, im Mittelpunkte Deutschlands und in unmuthiger Lage, zur 1 deutschen Frauenuniverstlät erheben."

Verloofnngen.

Braunschweiger 20 Thlr.-Loose vom Jahre 1868. Ziehung am 31. i Dezember 1895. Auszahlung am 31. März 1896. Am 1. November gezogene Serien: Nr. 56 104 357 665 809 859 935 1057 1070 1355 I 1382 1700 1868 1875 2164 2233 2312 2381 2558 2574 2737 2838

2956 3306 3355 3376 3516 3580 3664 3665 3690 3877 4194 4286

4321 4770 5278 5432 5490 5611 5616 5760 5930 5994 6007 6188

6547 6558 6562 6648 6928 7261 7371 7441 7511 7520 7604 7608

7700 8518 8598 8823 8854 8892 8958 8979 9010 9188 9640. Hauptpreise: Serie 9488 Nr. 8 ü 36 000 Mk. Serie 6558 Nr. 43 k ^