2 Januar
Hanauer Anzeiger.
Seite 3.
unterhalten. Die Druckerei dieses Blattes wurde durch die Polizei entdeckt und eine große Anzahl Exemplare beschlagnahmt. In diesen wird ein vollständiger Umsturz des Reiches und der Familie gepredigt. 300 Personen, darunter Mitglieder der vornehmsten Stände, wurden verhaftet. Weitere Massenverhastungen stehen bevor.
Brüssel, 1. Januar. Ein ultramontanes Blatt meldet, die Prinzessin Clementine habe von ihren Eltern die Erlaubniß nachgesucht, in das Kloster Sucre Coeur von Jette einzutreten.
Antwerpen, 1. Januar. Laut Statistik hat der Elfenbein-Import aus dem Kongo während der letzten Jahre bedeutend zugenommen. Derselbe ist heute der bedeutendste der ganzen Welt. Im Jahre 1895 sind 274,500 Kilo eingetroffen, darunter nur 2000 Kilo aus dem Nigergebiet. 1838 betrug der Elfenbein-Import nur 6400 Kilo und der Preis 24 Francs per Kilo. Heute beträgt der Preis nur noch 16 bis 17 Francs.
Venedig, 1. Januar. Die große medizinische und industrielle Oelfabrik Levi, Dallosta u. Co. ist niedergebrannt. Der Schaden ist sehr bedeutend.
London, 1. Januar. Die aus Pretoria gekommene Meldung von dem Einfällen einer mit Kanonen und Gewehren bewaffneten Bande von 800 Mann in Transvaal wird hier mit Zweifel ausgenommen.
2. Januar, vormittags 10 Uhr:
Berlin, 2. Januar. Die Neujahrsfeier bei Hofe ist in üblicher Weise verlaufen. Zur Gratulation beim Kaiserpaar waren zahlreiche Fürstlichkeiten, Generale, Minister k. erschienen. An die kommandirenden Generale hielt der Kaiser eine Ansprache. Mittags erfolgte im Zeughause die Parole-Ausgabe. Nachmittags besuchte der Kaiser die Botschafter, den Reichskanzler, die Generale v. Winterfeld, Prinz Friedrich von Hohen- zollei n und Generaloberst Lotz.
Berlin, 2. Januar. Das „Kleine Journal" meldet aus Paris: Gestern ereignete sich nach einem Gerücht auf der Pariser Gürtelbahn ein schwerer Eisenbahn-Unfall. Die Bestätigung dieser Nachricht fehlt noch.
Wien, 2. Januar. Der Kaiser reiste gestern zu den Jagden nach Steiermark; abends folgte ihm Prinz Leopold von Bayern. Am Samstag kehrt der Kaiser zurück.
Wien, 2. Januar. Die Gerüchte von einer Erkrankung des Oberhofmeisters Prinzen Hohenlohe bestätigen sich. Wie verlautet, habe er die Absicht von diesem Posten zurückzutreten. Der frühere Minister Windisch- grätz werde sein Nachsolger werden.
Witterungsbericht.
Voraussichtliche Witterung: Trübes, zunächst noch mildes Wetter mit Niederschlägen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
* Frequenz der städtischen Badeanstalt im Monat Dezember 1895.
Verabreicht wurden:
146
250
676
62
49
Bäder I. Kl.
„ II. Kl.
„ III. Kl.
Douchebäder. Römisch-Irische Bäder.
8a. 1183 Bäder.
Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug 123 am 24. Dezbr.
Die kleinste Zahl der abgegebenen Bäder betrug 9 am 5. Dezbr.
* Se. Königl. Hoheit Landgraf Alexander von Heften ist im Jncoznito eines Baron v. Gadendorf mit seinem Adjutanten, Prem.- Lieut v Aloensleben, aus Dessau, wo er das Weihnachtsfest bei seiner Schwester, der verwittweten Erbprinzessin Elisabeth, verlebte, wieder in Berlin eingetroffen. Der Landgraf gedenkt nunmehr noch einen mehrwöchentlichen Aufenthalt in Berlin zu nehmen, um dann nach Philipps ruhe übe zusiedclir. — Aus Rumpe nheim wird geschrieben: ^e. Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen nebst Gemahlin und Kinder werden sich Mitte Januar zu den Hoffestlichkeiten nach Berlin begeben und von dort aus nach London gehen, wo sie Gäste der Königin von England sein "'"^Arbeitszeit in Bäckereien. Die preußische Regierung hak beim Bundesrath den Antrag eingebracht, auf Grund des § 120e Ab,. 3 der Gewerbeordnung Bestimmungen zur Regelung der Arbeitszeit von H^e
und Lehrlingen in Bäckereien und Konditoreien zu erlaßen. Dem ft e n Strourf solcher Bestimmungen mit ausführlicher Be- SSt iS solchen Konditoreien, in denen neben den Konditorwaaren auch Bâckerwaaren hergestellt werden. ®en Beschränkungen sollen aber nur dieieniaen Betriebe dieser Art unterliegen, in denen zur Nachtzeit ^ S V NW abends und 5Vi Uhr morgens — Gehülfen oder Lehr- Sivi|$en 8 * ) Die regelmäßige Arbeitsschicht der Gehülfen soll S™ '*' «niS'nb b« feinend« »’n d-r «»miss.« für ä«. als«, aun IP / fAfSrtait ___ hip Dauer von zwölf Stunden oder,
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Kürzung (im ersten Lehrjahre um zwei Stunden, im zweiten Lehrjahre um eine Stunde) erfahren. Von diesen Beschränkungen bleiben alle Betriebe befreit, in denen regelmäßig nicht mehr als dreimal wöchentlich gebacken wird, und ferner auch diejenigen Betriebe, in denen Nachtarbeit nur ausnahmsweise, höchstens zwanzigmal im Jahre, vorkommt.
* Novität. Die gestern Abend zum ersten Male im hiesigen Stadttheater aufgeführte Novität „Durch den Alkoven", Schwank in 3 Kisten von Dr. August Lohmann-Cassel, errang bei dem in fröhlichster Neujahrsstimmung sich befindenden Publikum, das alle Plätze besetzt hielt, einen starken Heitcrkeitserfolg, der besonders dem vortrefflichen Spiele der Darsteller zu danken ist. Der anwesende Verfasser wurde mehrere Male gerufen und durch Ueberreichung eines prachtvollen Lorbeerkranzes geehrt. Eine weitere Besprechung behalten wir uns für morgen vor.
* Stadttheater. Wie durch den Theaterzettel bekannt gegeben, hat die Direk.ion nächsten Sonntag den 5. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, eine Volks- und Schülervorftellung zu halben Preisen veranstaltet, auf welche wir schon heute hinweisen wollen. Einem großen Theil des Publi- ' kums kommt man durch diese bedeutende Ermäßigung des Eintrittspreises sehr entgegen und auch die neue Einrichtung, daß die Vorstellung nicht am Samstag Abend, wo der Geschäfte halber sicherlich Viele vom Besuch des Theaters abgehalten werden, sondern am Sonntag Nachmittag stattfindet, dürfte besonders vom Kaufmannsstande und von den auswärtigen Besuchern sehr willkommen geheißen werden. Als erste derartige Vorstellung wurden „Die Räuber" von Schiller gewählt, welches Trauerspiel zu Anfang dieser Saison einmal aufgeführt wurde und am Sonntag in fast durchgängig neuer Besetzung der Rollen gegeben wird. Da der Andrang zu dieser Volks- und Schülervorftellung wahrscheinlich ein außerordentlich starker sein wird, so wollen wir Interessenten den Rath geben, schon jetzt die gewünschten Billete an der Theater-Tageskasse zu bestellen.
B. Schöffengericht. (Sitzung vom 31. Dezember.) Der Großkrotzenburger Einwohner Alois F. fuhr eines Sommerabends per Rad auf der Straße, die nach Großauheim führt, und traf unterwegs einen Lehrer von Großauheim, der in Begleitung des Pfarrers desselben Ortes mit den Schulkindern einen Spaziergang unternommen hatte und sich mit diesen auf bem Heimwege befand. Bei dieser Gelegenheit machten sich die Kinder unter den auf den angrenzenden Feldern stehenden Nepfelbäumen zu schaffen, was den F. zu der Aeußerung veranlaßt haben soll: „Das I sind mir schöne Geschichten, wenn man die Kinder zum Stehlen anlernt." Der Lehrer, dem diese Aeußerung hinterbracht wurde, zeigte den F. wegen Beleidigung an. Der Angeklagte bestreiiet, die Aeußerung in dem beregten Sinne gethan zu haben. Das Gericht hält daher die Vernehmung des Pfarrers, der s. Zt. bei dem Vorgang zugegen war, für geboten und vertagt die Verhandlung auf den 28. Januar, vormittags 8'/s Uhr. — Die Frau K. aus Bad Nauheim, wohnhaft in Hanau, fuhr eines Tages mit ihrer Tochter und ihrem Eukelchen in der Frankfurter Trambahn und dieses unschuldige, für 10 Pfennige erreichbare Vergnügen brachte sie heute auf die Anklagebank. Im Trambahnwagen saßen nämlich noch mehr Leute, darunter eine Frau Müller, bereit Portemonnaie eine Wanderung aus der Tasche auf den Boden des Wagens machte, wo es von Frau K. schleu- * nigft aufgehoben wurde, wie die Anklage behauptet und zwei Jeugen — beinahe gesehen haben. Die eine der Zeuginnen, Fräulein Elisabeth — nicht Elise, wie sie dem Vorsitzenden entrüstet zu verstehen gibt — hat wohl mit angesehen, daß eine der beiden Frauen, entweder die Angeklagte oder deren Tochter, das Portemonnaie aufhob, kann sich jedoch nicht mehr entsinnen, welche es war. Unb das kann die Angeklagte als ein Glück betrachten, denn das Gericht spricht sie mangels genügender Beweise fiel Die Kosten trägt die Staatskasse. — Hierauf marschirt eine Kolonne von Thierfreunden auf, sämmtlich in dem respektablen
! Mter zwischen 10 und 16 Jahren. Angeklagt sind zwei Kessel- städter Jungen, H. u. B., sowie R. aus Hauäu wegen Thier qaälerei. Sie sollen eine ganze Jgelfamilie, vier „Mann" hoch, gequält, mit Steinen geworfen und schließlich theilweise in ein besseres Jgeljenseits befördert haben. Die Zeugen wissen nichts Bestimmtes auszusagen, sie können sich nur erinnern,'gehört zu haben, daß die Angeklagten die schwergeprüften Igel „verkäst" hätten. Dieses „Fremdwort" wird von dem einen Zeugen mit „verhauen" übersetzt und ist in dieser Fassung auch ziemlich verständlich. Die Angeklagten wurden mangels genügender Beweise freisprochen; v die Kosten werden der Staatskasse auferlegt. — Der Pulverarbeiter Josef K. aus Großkrotzenburg soll am 9. November mit einem Fahrrad über ben Paradeplatz gefahren sein, was er bestreitet, da er an dem betreffenden Tage den Paradeplatz überhaupt nicht betreten habe. Da der Schutzmann seine Behauptungen mit Bestimmtheit vertritt, wird der Angeklagte zu 1.50 Mk. Geldstrafe verurtheilt. — Ein Schuhmacher und Flaschenbierhändler zugleich hatte seinen Gästen Bier in Flaschen zum sofortigen Genuß verabreicht, ohne im Besitze eines gesetzlichen Gewerbescheines zu sein; er wird daher zu einer Geldstrafe von 20 Mk., im Unvermögensfalle zu 3 Tagen Haft, verurtheilt. - Der nächste Angeklagte, K., der bisher im Krankenhaus Aufnahme gefunden hatte, zog es vor, am Tage vor der Verhandlung zu verduften. Es wird daher neuer Termin auf den 28. Januar, vormittags 8'/, Uhr, anberaumt, zu welchem K. vorgeführt werden soll. — Die Karoliue S. wird wegen Kontrollübertretung in fünf Fällen zu 12 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Der Gärtner S., der ein ©runbftmi^ erworben hatte und dasselbe nicht rechtzeitig zur Einschätzung anme^ ' 5 . wird in eine Geldstrafe von 3 Mk. und zur Tragung der Kosten -' He?