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Erstes Blatt.

Hanauer Anzeiger.

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Amtliches Gvgarr für Stcröt- und Larrö Kreis härtst«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Preis:

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Nr. «7.

Mittwoch den 20. März.

1895.

Amtliches.

^fand^rew ^anau.

Bekanntmach ungen des Königlichen LandrathSamtes.

In der Stallung des Heinrich Hartmann zu Alzenau ist nach Mittheilung des dortigen Königlichen Bezirksamts die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen.

Hanau am 16. März 1895.

Der Königliche Landrath

V. 2075 v. Oertzen..

DiensLmlhrilhten aus dem Kreise.

Verloren: Eine neue Brille mit Futteral. Eine geflochtene le­derne Hundeleine. Ein hölzerner Schemel; dem Wiederbringer eine Be­lohnung.

Gesunden: In einer Wirthschaft ein altes Portemonnaie mit nicht unbedeutendem Inhalt. Ein schwarzer Muff nebst weißem Taschentuch (in einem Laden liegen geblieben).

Z u g e f l o g e n: Ein weißes Huhn.

Hanau am '20. März 1895.

Tagesschau.

Berlin, 19. März.

Der Reichstag

setzte heute die zweite Berathung des K o l o n i a l-E t a t s fort. Abg. Hasse (natl.) spricht seine Befriedigung darüber aus, daß der gegen v. Wißmann erhobene Vorwurf in Beziehung auf seine Finanzwirthschaft in Ostasrika sich als nicht gerechtfertigt herausgestellt habe. Direktor der Kolonialatuheilung Dr. Kayser führt aus, daß allerdings Etatsüber­schreitungen vorgekommen seien, aber die Rechnungslegung habe inzwischen die vollständige Rechtfertigung Wißmanns ergeben. Abg. Bebel (Soz.) betont, daß die Verhältnisse in Ostafrika sich nicht verbessert, sondern ver­schlechtert hätten, führt eine Anzahl von Beschwerden vor und macht schließlich den Vorschlag, es möge eine Deputation des Reichstags nach Ostafrika geschickt werden, um sich von den dortigen Zuständen zu über­zeugen. Direktor Dr. Kayser erwidert, daß der Mg. Bebel das Be­streben habe, nur Schattenseiten der ostafrikanischen Angelegenheiten zu sehen und die Lichtseiten zu übergehen. Der Redner widerlegt die vorge­brachten Beschwerden und bemerkt, daß er gegen die Entsendung einer Reichstagsdeputation nach Ostafrika nichts einzuwenden hätte. Abg. Richter (fr. Volksp.) meint, es müßten doch in Ostafrika derbe Unge­hörigkeiten vorgekommen sein. Er habe gestern nicht, wie hier hervorge­hoben worden, das Reichsmarineamt angegriffen, sondern nur den zwischen diesem und der Kolonialabiheilung herrschenden Dualismus getadelt. Abg. Schall (kons.) bezeichnet die vorgebrachten Beschwerden als Kolonial­klatsch. Abg. Bebel (Soz.) bemerkt, daß er sein Material von zwei Vertrauensmännnern, die er nicht nennen wolle, erhalten habe. Er be­haupte nicht, daß alle Beschuldigungen wahr seien, er wolle nur die Kolo- nialverwaltung zur Untersuchung der Dinge veranlassen. Staatsminister Freiherr v. Marsch all: Er sei stets geneigt, den ihm zukommenden Klagen näher zu treten und eventuell Remedur eintreten zu lassen, aber auf anonyme Denunziationen könne er sich nicht entlassen. Der Abg. Bebel solle seine Vertrauensmänner nennen; solange er dies nicht thue, erkläre er, Redner, daß die Angaben von Anfang bis zu Ende erfunden seien. Abg. Lieber (Centrum) bedauert den Angriff des Abg. Schall auf die katbolischen Missionen und betont, man möge lieber zu einem Wetteifer beider Konfessionen anspornen. Abg. Bebel (Soz.) bemerkt, daß sein Vertrauensmann ein angesehener Mann sei. Abg. v. Ben­nigsen (natl.): Ein Abgeordneter habe zwar das Recht, Beschwerden, die ihm von außenstehenden Personen zukämen, im Hause vorzubringen, "öer er habe auch die Verpflichtung, die Beschwerden vorher auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu prüfen. Die Vertreter des Bundesraths Härten vollkommen reckt, wenn sie anonyme Anklagen unberücksichtigt ließen. Die Meinung des Abg. Richter treffe nicht zu, daß die Neigung, den Kolonien -Kapital zusließen zu lassen, abgenommeu habe. Abg. Richter (freis.

Mh Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.

Volksp.): Das Grundübel der Kolonialpolitik liege darin, daß wir solche Landstriche ini Besitz hätten, die andere Staaten für werthlos ansähen. Abg. Gras Arnim (Reichsp.) spricht ebenfalls sein Bedauern darüber aus, daß hier anonyme und unkontrolirbare Beschwerden vorgebracht wor­den seien. Nachdem noch wiederholt die Abgg. Richter und Bebel sowie Direktor Dr. Kayser das Wort genommen hatten, wurde der Titel 1 der Ausgaben sowie eine Reihe der folgenden Titel erledigt.

Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Kolonial-Etat und Berufs- und Gewerbezählung.

Das Abgeordnetenhaus

ehrte vor Eintritt in seine heutige Tagesordnung das Andenken des Abg. v. Schalscha (Ctr.) durch Erheben von den Sitzen. Abg. v. Tiedemann- Bomst (freikons.) theilt mit, daß der katholische Pfarrer Dissen neuerdings ein Schreiben an ihn gerichtet habe, worin seine Aeußerungen, welche in dem in der Sitzung vom 15. März erwähnten Schmähbriefe enthalten waren, zürücknimmt.

Das Haus fuhr sodann in der ersten Berathung des Eisenbahn­nachtragsetats sort, und die Fürsprache zahlreicher Redner für dieVerkehrsbe- dürfnisse ihrer Wahlkreise wurde fortgesetzt. Von allgemeiner Bedeutung war die vom Eisenbahnminister Thielen abgegebene Erklärung, er beabsichtige nicht, auf alle einzelnen Wünsche einzugehen, denen er gleicherweise sym­pathisch gegenüberstehe. Wenn bemängelt worden sei, daß die Beitrags­pflicht der Interessenten zum Bau von Nebenbahnen doch wieder auf dem alten Wege geregelt werden solle, so erklärt sich letzteres daraus, daß die Verhandlungen wegen einer Anzahl von Bahnlinien schon aus früherer Zeit datirten. Der vom Sjbg. Hobrecht (natl.) aufgeworfene Gedanke, daß die Staatsregierung dw Äntheilsverhältnisse der Interessenten festsetzen solle, hielt der Minister für erwägenswerth; doch sei im Allgemeinen gerade hier die Selbstverwaltung am richtigen Fleck. Theilweise hätten die Kreise auch schon eine Formel für die Betheiligung der Interessenten, wie sie für ihre Verhältnisse passe, gefunden. Der Minister empfahl ferner dieZeitschrift für Kleinbahnen" und wies darauf hin, daß man das Verhalten der Verwaltungsbehörde danach beurtheilen müsse, daß sie ver­pflichtet sei, das Interesse des Fiskus zu wahren. Den Vorwurf indeffen, daß nur solche Linien gewählt würden, die den Eisenbahnfiskus nicht schädigten, wies der Minister entschieden zurück; in der Vorlage befänden sich 6 Linien, die bestehenden Strecken gegenüber eine bedeutende Ver­kürzung und daher für den Fiskus einen Einnahmeverlust darstellten. In der Regel wolle die Regierung an der finanziellen Betheiligung fest­halten, aber die Erfahrung müsse hier als Lehrmeisterin gelten. Auch sei nicht ausgeschlossen, einmal eine Summe ü fond perdu zu geben. Be­züglich der Verwendung des Fünfmillionenfonds für Kleinbahnen bat der Minister, der Regierung Vertrauen zu schenken und ihr nicht ohne Noth die Hände zu binden. Abg. Krawinkel (natl.) sprach seine Genugthuung darüber aus, daß man die Auffassung früherer Jahre, den Kleinbahnbau staatlich nicht zu unterstützen, habe fallen lassen, und daß die im Nach­tragsetat geforderten Summen, die im Interesse der Landeskultur aus­gegeben würden, wieder die Höhe srüherer Jahre erreichten.

Fortsetzung der Berathung morgen 12 Uhr; außerdem erste Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend ben Pfarrwittwen- und Waisenfond für Hannover re.

Berlin, 19. März. Der Kaster widmete in der heutigen Sitzung des Staatsrathes dem verstorbenen Mitgliede von Schorlemer-Alst eine ehrende Anerkennung und gab der Trauer um den Verlust des hervor­ragend verdienten Mannes Ausdruck.

Berlin, 19. März. Der Präsident des Reichstages richtete an die Fraktionen ein Schreiben, worin er zur Betheiligung an der Festfahrt am 25. März nach Friedrichsruh einladet.

Berlin, 19. März. DerNationalzeitung" zufolge leidet Minister Miquel an einer Knochenhautenzündung.

Berlin, 19. März. Der Rittergutsbesitzer Grittner in Oberschlesien reichte, wie bereits gestern erwähnt, dem Reichskanzler und dem Staats- rathssekretär Brefeld einen umgeformten Antrag Kanitz ein, betitelt:Ge­setzentwurf, betreffend ein Reichsmonopol der Einfuhr von Getreidenahrungs-