Erstes Blatt.
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Nr. 64.
Samstag den 16. März.
1895.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Aus der Straße von Hanau bis Niederrodenbach eine Sturmlaterne; Empfangnahme beim Herrn Gutsvorsteher zu Wolfgang. Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Spitzhnnd m. Geschl.
Hanau am 16. März 1895.
^faöWretö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die stadtseitig eingeführte LatAnengrubenentleerung macht es heute möglich, daß mit der Entleerung der Gruben straßenweise vorgegangen werden kann. Es wird beabsichtigt, am 15. ds. Mts. in der Sterngasse (westliches Ende) zu beginnen und an diese Straße anschließend Lang-, Krämer-, Römerstraße u. s. f. folgen zu lassen. Die Einwohner der be- tresfenden Gebäude werden ersucht, dem Reinigungspersonal das Betreten der Grundstücke zu gestatten. Eilige Grubenentleerungen, welche die erste Maschine besorgt, sind nach wie vor auf dem Stadtbauamt II (Stadtschloß) anzumelden.
Hanau am 12. März 1895.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 3311
®effmt(idie Silang lies (ßtwintse-lns^
Montag den 18. März 1895, nachm. 4 Uhr.
B e r a t h u n g s g e g enst a n d:
Hauptetat pro 1895/96. 3357
Höhere Töchterschule.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Steinheimerstraße 37, bis Mitte März entgegengenommen, und es sind hierbei die Geburts- und Impfscheine, sowie bei Schülerinnen, welche bereits Unterricht genossen haben, das Schulzeugnis vorzulegen.
In die unterste Klasse IX werden in der Regel diejenigen Kinder ausgenommen, welche 6 Jahre alt sind oder das 6. Lebensjahr bis zum 1. Juli vollenden. Es können jedoch auch Kinder, welche dieses Lebensalter bis Ende September erreichen, sofern sie in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif jmb, Aufnahme finden.
Hanau den 27. Februar 1895.
Der Schul-Direktor
Junghenn. 2505
Tagesschau.
Berlin, 15. März. Das Herrenhaus trat gestern zu seiner dritten Plenarsitzung zusammen. Das Haus ehrt das Andenken der inzwischen gestorbenen Mitglieder: des Oberbürgermeisters Bötticher, des Grasen von Werthern-Beichlingen, des Grasen von der Schulenburg-Wolfsburg, des Herrn Dr. Grimm, des Fürsten zu Rhema- Wolbeck und des Herrn von Koerber, durch Erheben von den Sitzen. Vizepräsident Frhr. v. Manteuffel theilt mit, daß Graf zu Stolberg-Wernigerode und Graf von Seydlitz- Sandretzky neu in das Herrenhaus berufen sind. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen erbittet die Nachsicht des Hauses dafür, daß er infolge der am 1. April ins Leben tretenden Neuorganisation des Staatseisenbahnwesens gezwungen gewesen sei, bereits Maßregeln zu ergreifen, die auf dem erst zu berathenden Etat beruhten. Ueber eine Petition des Vorstandes des Vereins Deutscher Spediteure in Leipzig wegen der Staffeltarife wird entsprechend dem Anträge der Kommission zur Tagesordnung übergegangen. Vizepräsident Frhr. v. Manteuffel erwidert aus eine Anfrage des Grafen zu Klinckowström, die diesmaligen Verhandlungen würden zwei bis drei Tage dauern; nach zehn Tagen etwa werde das Haus wieder M Etatsberathung zusammentreten.
In der heutigen Sitzung des Herrenhauses theilte der amtirende Vizepräsident von Manteuffel dem Hause mit, daß er den gejammten Vor
K* Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 30 Seiten.
stand zusammenberufen habe, um über eine besondere Ehrung des Mitgliedes des Hauses den Fürsten Bismarck zu dessen 80. Geburtstage zu berathen. Der Gesammtvorstand ist dahin schlüssig geworden, dem Hause vorzuschlagen, den größten Staatsmann des Jahrhunderts dadurch zu ehren, daß der Gesammtvorstand an einem noch zu vereinbarenden Tage in corpore in Friedrichsruh die Glückwünsche des Hauses abstatten. Darüber hinaus regte Herr von Pfül die Aufstellung der Büste des Fürsten im Saale an. An Stelle des verstorbenen Oberbürgermeisters Bötticher-Magdeburg wurde durch Zuruf der Oberbürgermeister Becker-Köln zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.
Berlin, 15. März. Seine Majestät der Kaiser und König präsidirten auch gestern und heute den Sitzungen des Staatsraths.
Berlin, 15. März. Wie die „Ostpreuß. Ztg." aus absolut zuverlässiger Quelle erfahren hat, hat der Kaiser den Fürsten Bismarck telegraphisch von der Ernennung des Grafen Wilhelm Bismarck zum Oberpräsidenten von Ostpreußen benachrichtigt. Die „Berl. N. N." können dies mit dem Hinzufügen bestätigen, daß die Benachrichtigung in die Form eines Glückwunsches gekleidet war.
Berlin, 15. März. Die Tabaksteuerkommission lehnte mit 7 gegen 11 Stimmen den Paragraph vier, enthaltend Tabakfabrikatsteuer, ab.
Berlin, 15. März. Der Magistrat beschloß nach der gestrigen Ablehnung der Stadtverordneten, nunmehr selbstständig eine Adresse an den Fürsten Bismarck abzusenden. (Fr. N.)
Berlin, 15. März. Die Meldung, daß die Zentrumssraktion des Reichstags den Antrag Kanitz einstimmig abgelehnt habe, ist, nach dem „Rh. K.", unrichtig. Das Zentrum hat sich in dieser Session mit dem Anträge Kanitz überhaupt noch nicht beschäftigt.
Berlin, 15. März. Der „Germania" zufolge erregt das Befinden des Freiherrn v. Schorlemer-Alst große Bedenken; zu der Influenza trat eine heftige Entzündung beider Lungenflügel. Schorlemer wurde auf seinen Wunsch gestern Mittag mit den Sterbesakramenten versehen.
Berlin, 15. März. Das „Deutsche Kolonialbl." theilt mit, nach bis Ende Januar in Windhoek eingetroffenen Nachrichten ist Hendrik Witboi mit seinem ganzen Stamm in Gideon angekommen. Er verhält sich daselbst völlig ruhig und lebt mit der dortigen Garnison in den besten Beziehungen.
Wien, 15. März. Dem „Neuen Wiener Abendblatt" zufolge ist die Zuckerenquete vom Ackerbauminister vorläufig für den 27. März einberufen worden.
Amsterdam, 15. März. Die Jesuiten werden in der nächsten Zeit hier eine katholische Universität errichten nach dem Muster der Universitäten in Löwen und Freiburg. Die katholische Presse hat die Ankündigung mit außerordentlicher Befriedigung ausgenommen.
Madrid, 15. März. Mehrere englische Schiffe sind von Gibraltar abgegangen, um nach dem vermißten Kriegsschiffe „Königin-Regentin" zu forschen.
London, 15. März. Die Kaiserin Friedrich fuhr heute früh nach dem Lager von Aldershot und frühstückte dort beim Herzog und der Herzogin von Connaught. Später unternahm, nach den „Fr. N.", die Kaiserin eine Rundfahrt durch das Lager und besuchte das Cambridge- Spital.
Rio de Janeiro, 14. März. Infolge der Ueberschwemmung in Campos ist, wie der „Reichsanz." meldet, die Zuckerernte vernickle:.
Bremen, 15. März. Ter Dampfer des Norddeutjä.<r Lloyd „Sachsen" ist gestern in Colombo angekommen.
New - York, 15. März. Der Postdampfer „Rhpnland" von der „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier angekommen.
öS* Fortsetzung der Tagesschau in dem dritten Blatt. -WL
Depeschen-Bnrea« „Herold".
15. März, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
61. Plenarsitzung am 15. März, mittags 1 Uhr.
Militäretat. — Zunächst werden nach den Vorschlägen der Kommission 400,000 M. statt der geforderten 660,000 M. für einen Kasernen-