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Nr. 63.

Freitag den 15. März.

1895.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Griff von einer Drehorgel, einige Geldstücke und ein Schlüssel; diese Gegenstände können beim Herrn Bürgermeister zu Langendiebach in Enipfang genommen werden. Ein Strang graues Wollengarn. Ein Kinderschuh. Ein Paar schwarze Damenhandschuhe. Ein goldner Ring mit Stein und Perlen (vor ca. 4 Wochen).

Verloren: Ein dunkelblauer Knabenüberzieher mit grauem Futter. Hanau am 15. März 1895.

4>t«xöt&rew ^&arutvu Bekanntmachungen ves Oberbürgermeisteramtes.

Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt werden hierdurch aufgefordert, ihre Loofungsfcheiue binnen 8 Tagen auf dem hiesigen Meldeamt in den Büreau- stunden vormittags von 812* 2 und nachmittags von 56 Uhr abzuholen.

Hanau am 11. März 1895.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 3198

Tagesschau.

Berlin, 14. März. Für die Eröffnung des Nordostseekanals stellen verschiedentliche Meldungen die persönliche oder vertretungsweise Betheiligung fremder Souveräne in Aussicht. Alle diese Nachrichten beruhen nach der Post" auf Kombinationen. Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten werden Mit­glieder nichtdeutscher Fürstenhäuser nur insoweit' erwartet, als dieselben als Bertreter seefahrender Staaten erscheinen werden.

Berlin, 13. März. In einem Rückblick auf die Verhandlungen im Abgeordnetenhanse erkennt dieDeutsche Reichszeitung" an, daß die Unterrichtsverwaltung in Westpreußen, was die Gründung von Schulen betrifft, Parität walten lasse. Sie bezweifelt aber, ob dies auch in der Provinz Posen der Fall sei. Ein Blick in die dem Landtage vorgelegten Nachweisungen über die Verwendung der zu Volksschulbauuuntcrstützungen bereit gestellten 4 000 000 Mark zeigt, welche Sorgfalt der Hebung des katholischen Volksschulwesen in der Provinz Posen von der Unterrichts­verwaltung zugewendet worden ist. Von den dorthin überwiesenen Unter­stützungen entfielen 158 980 Mark auf evangelische und 680 950 Mark auf katholische Schulen. Dem entspricht auch, daß im letzten Jahre in der Provinz Posen 32 evangelische und 58 katholische Schulstellen be­gründet worden sind.

Berlin, 14. März. Parlamentarische Kreise erzählen, der engere Ausschuß des Staatsraths setzte zur Berathung des Antrages Kanitz eine Unterkommission ein und wählte in dieselbe den früheren Reichsschatzsekretär v. Maltzahn, den früheren Landwirthschaftsminister v. Heyden, den Frei­herrn v. Huene und den Grafen Dönhoff. (Fr. N.)

Berlin, 14. März. DieBerliner Korrespondenz" erklärt die Nachricht desBerliner Tageblattes", Minister v. Köller habe den Regie­rungspräsidenten Prinzen Handjery aufgefordert, sein Entlassungsgesuch einzureicheu, für falsch. Der Minister wünschte im Gegentheil den Prinzen im Staatsdienste erhalten zu sehen und bedauerte, dessen wegen Krankheit wiederholt eingereichtes Abschiedsgesuch dem Kaiser vorlegen zu müssen.

Berlin, 14. März. Daß der Kaiser die Ueberraschungen liebt, zeigt die Berufung des Regierungspräsidenten Grafen Wilhelm Bismarck in Hannover, des jüngsten Sohnes des Altreichskanzlers, zum Oberpräsi­denten von Ostpreußen. An diese Lösung der Nachfolgerschaft des Grafen Stolberg hat wohl kaum Jemand gedacht. Graf Bismarck hat sich seit einer Reihe von Jahren in politischen Fragen sehr reservirt verhalten und hat namentlich zum Anträge Kanitz keinerlei Stellung genommen. Die Stellung des neuen Oberpräsidenlen in Königsberg wird nicht gerade leicht sein, hoffentlich gelingt es ihm aber, ihr gerecht zu werden. Sein historischer Name dürfte ihm dabei schon zu Gute kommen.

Wilhelmshaven, 14. März. Die PanzerschiffeKurfürst Fried­rich Wilhelm" undBrandenburg" haben, wie derReichsanz." meldet, heute Mittag ihre erste große Uebungsfahrt angetreten, und sind nach Ber- Mick (Schottland) in See gegangen.

Weimar, 14. März. Der Landtag nahm einen Antrag an, durch welchen die Regierung ersucht wird, Maßnahmen seitens des Reiches zur Linderung der Noth der Landwirthschast und des Mittelstandes nach besten Kräften zu unterstützen.

Stuttgart, 13. März. Durch Reskript des Königs wurde der Landtag heute nach vorgenommener Wahl des ständischen Ausschusses auf mehrere Wochen vertagt. Das neue Gesetz über die obligatorische Fort­bildungsschule ist von beiden Kammern angenommen worden.

Miskolcz, 14. März. Eine gestern aus Amerika zurückgekehrte Fälscherbande, welche falsche Dollarnoten verausgabte, ist verhaftet worden. Einige Hundert Dollarsalsisikate hatten die Fälscher bereits in Umlauf gesetzt.

Haag, 14. März. Die II. Kammer bewilligte nach lebhafter De­batte mit 54 gegen 31 Stimmen einen Kredit behufs Einführung des neuen 6,5 Millimeter Gewehres (System Manlicher) für die niederländische Armee.

Madrid, 14. März. Den letzten Nachrichten zufolge soll ein französischer Dampfer das spanische KriegsschiffKönigin Regentin" ge­sehen haben. Dasselbe sei bei Aceitunas-Bajas gescheitert. Der franzö­sische Dampfer habe derKönigin Regentin" wegen der schlechten See keine Hilfe bringen können. (Das Schiff hatte 480 Personen an Bord.)

Paris, 14. März. Nach der amtlichen Statistik der Zolldirektion betrug die Einnahme an Eingangszöllen im Januar und Februar d. I. 602 315 000 Fr. gegen 809 535 000 Fr. im gleichen Zeitraum des Jahres 1894, die der Ausfuhrzölle 520 087 000 Fr. gegen 460 621 000 Fr. im Januar und Februar 1894.

Paris, 14. März, In der Deputirtenkammer wurde die Berathung über das Marinebudget beendigt. Bei der Berathung des Etats des Finanzministeriums beantragt Sembat (Sozialist) die Einführung einer Kapitalrentensteuer und die Schaffung einer Arbeiteraltersversorgungskasfe. Nachdeni Ministerpräsident Ribot den Antrag bekämpft, wird derselbe, nach denFr. N.", mit 296 gegen 216 Stimmen abgelehnt.

Von den Deutsch-Amerikanern verschiedener Städte werden Vorbereitungen getroffen, um den Geburtstag des Fürsten Bismarck zu begehen. In Philadelphia wird ein Musikfest beabsichtigt, an dem alle deutschen Gesangvereine theilnehmen' werden. In New-Jork wird eine Vorstellung geplant, bei der Episoden aus dem Leben des Fürsten zur Darstellung gelangen sollen. Auch soll dem Fürsten ein Pokal aus mas­sivem Silber übersandt werden.

Bremen, 14. März. Ter Dampfer des Norddeuticken Llovd Bayern" ist gestern in Hongkong und der DampferPreußen" vor­gestern in Neapel eingetroffen.

Netv-Uork, 13. März. Der DampferAmsterdam" der Nieder- ländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist gestern hier eing'e- troffen.

Philadelphia, 13. März. Der PostdampferOhio" von der American Linie in Liverpool ist gestern hier eingetroffen.

DC" Fortsetzung der Tagesschau in dem dritten Blatt, -^ß

Depeschen-BureauHerold".

14. März, abends 9 Uhr:

Deutscher Reichstag.

60. Plenarsitzung am 14. März, mittags 1 Uhr.

Fortsetzung der Berathung des Antrages Heyl.

Abg. Möller (natl.) tritt entschieden dein Anträge entgegen, dessen eoentl. Annahme einen Zollkrieg nach sich führen würde. Dieser brächte der Industrie und den Rhedereien große Schäden. Die Regierung thäte besser, einen Tarifvertrag mit Argentinien zu schließen.

Staatssekreter v. Marschall stellt die Folgen der argentinischen Ausfuhr nicht in Abrede, sieht jedoch in der Kündigung des Vertrages nicht die geringste Hülfe für die Landwirthschaft. Redner findet, daß der An­trag eine große Aehnlichkeit mit den bekannten amerikanischen Strömungen habe, welche auf den Ausschluß aller europäischen Produkte gerichtet sind, kommt speziell auf den argentinischen Weizen zu sprechen und schließt, daß die Annahme des Antrages tausenden von deutschen Arbeitern die Existenz nehmen würde.

Abg. Schuhmacher (soz.) bekämpft den Antrag sowie das Verlangen nach einem Quebrachozoll.