Sein Glauben an die Menschen war geradezu kindlich. Konnte es ihm da an Enttäuschungen fehlen? Idealisten haben im Leben noch immer mehrfach Schiffbruch erlitten. Auf seine Schriften näher einzugehen, ist im engen Rahmen unmöglich. Seine besten Schriften, wie die beiden ersten Theile vom „Vermächtniß Kains", stellen ihn gleichwerthig neben Turgenjew; sie gehören der Weltlitteratur an. Im harten Kampfe ums Dasein hat er freilich auch Minderwertiges geschrieben und sich dem Geschmacke des Publikums anbequemen müssen. Sein „Don Juan von Kolomea", eine „Perle der Weltlitteratur", mußte jahrelang bei deutschen Redaktionen lagern und erschien endlich in Frankreich. Das sollte man bedenken, ehe man einen Schriftsteller persönlich verunglimpft. Wir be- rirtheilcn ja auch Goethe nicht nach seinem „Jahrmarkt von Plunders- weiler." Dann aber haben viele einzelne Novellen, die erst durch ihre Einordnung in das ganze geplante „Vermächtniß Kains", das nun ein Torso geblieben ist, ihre Beleuchtung erhalten, als Einzelwerke aufgefaßt und sind so nothwendig zu schiefen Urtheilen gekommen. Zur Aufklärung landläufiger Irrthümer füge ich noch an, daß Sacher-Masoch weder Israelit war, noch von Israeliten abftammte (aber einer der besten Kenner der jüdischen Lehren war er). Der älteste bekannte Ahne ist Don Mathias Sacher, der als Rittmeister im Heere Kaiser Karls V. im Jahre 1517 nach Böhmen kam, sich mit einer Tochter des alten und reichen Geschlechts von Clementi verheiratete und im Saazer Kreise seßhaft wurde.
C. Ziegler-Eichen.
* Gegen Jnfluenzaansteckung. In einem Londoner Blatt wird als vorzügliches Mittel gegen die Jnfluenzaansteckung von Herrn Harry Furniß auf Grund eigener Erfahrung der Gebrauch von Schnupftabak empfohlen. Herr Furniß schreibt, daß er sich durch Tabakschnupfen in Gegenden, in denen die Influenza epidemisch herrschte, vor Ansteckung bewahrt habe und daß Freunde, denen er den Rath gegeben habe, seinem Beispiel zu folgen, und die diesem Rath nachgekommen seien, ohne Ausnahme gleichfalls von der gefürchteten Krankheit verschont geblieben seien. Er geht so weit, daß er aus Reisen in Hotels bei Tisch stets einen mit Schnupftabak gefüllten Teller vor sich stellt, und behauptet, daß ihm diese Vorsichtsmaßregel gestatte, ungestraft neben und gegenüber Personen zu sitzen, die von der Influenza geplagt sind. In London ist infolge der Jnfluenzaepidemie, die dort außerordentlich heftig auftritt, die Sterblichkeit bedeutend gestiegen, von 29,3 auf 34 auf Tausend für die letztverflossene Woche. Während dieser Woche sind allein 1119 Todesfälle infolge von Lungenkrankheiten vorgekommen, 615 mehr als die wöchentliche Durchschnittszahl derartiger Todesfälle beträgt. In 111 Fällen ist Influenza als Todesursache festgesteUl worden. Der dritte Theil der Eisenbahnbeamten leidet an der Influenza und ist dienstunfähig, 50 Beamte der Bank von England theilen ihr Schicksal, und über 300 Beamte des Haupttelegraphenamts sind von der Seuche befallen.
Frankfurter Barisietruppe. Die Erste Frankfurter Variëtëtruppe, welche gestern tm „deutschen Hofe" gastirte, fand daselbst großen Beifall. Beide Vorstellungen waren sehr gut besucht. Besondere Auerkennung fanden der Gesangshumorist Herr Rittelmann und die Konzertsängerin Frl. Weiland.
* Ein geliefert. Der Anfangs d. J. in Baden-Baden durchgegangene Juwelier H. Schröder, welcher wegen betrügerischen Bankerotts verfolgt und in Port Said verhaftet wurde, ist bereits in das Karlsruher Unteryuchungsgefängniß eingeliefert worden.
* Unerfreulich. Wie uns vom Lande geschrieben wird, haben daselbst die Aerzte alle Hände voll zu thuu, denn Influenza und Masern sowie andere Krankheiten sind überall so allgemein, daß fast kein Haus
davon verschont bleibt.
Auch unter dem Viehstand herrschen große
.Krankheiten. Die Maul- und Klauenseuche verbreitet sich von Ort zu Ort,
von Gehöfte zu Gehöfte.
Der Landmann erleidet großen Schaden.
Unfall. Beim Zeitungsaustragen wurde am Samstag Abend
in der Steinheimerstraßc eine Frau von plötzlichem Unwohlsein befallen und stürzte zu Boden. Nachdem in einem benachbarten Hause die erste -Hilfe geleistet wurde, brachte man die Frau nach ihrer Wohnung in der Ludengasse.
Bekanntmachung.
Der Taglöhner Nikolaus S ch l i e ß m a n n sind dessen Ehefrau Anna Maria geb. Schneider von Großauheim haben am 2. dieses Monats dahier erklärt, die Gütergemeinschaft nach Mainzer Landrecht, insbesondere die Errungenschaftsgemein- schaft ausschließen und fortan in getrennten Gü-
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terverhältniffen leben zu wollen.
Hanau den 5. März 1895. Königliches Amtsgericht III.
Bekanntmachung.
Dienstag den 12. d. M., nachmittags
Uhr, sollen Vorstadt Nr. 4 hier:
2 Sopha, 1 Sekretär, 2 Nähmaschinen, 1 Glasschrank, 2 Regulateure, 2 Kleiderschränke, 1 Tisch, 6 Stühle, 2 Spiegel, 1 Schreibpult, 1 Ladentisch, 1 Küchenschrank und sonstige
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Ein scharfer Hofhund gesucht.
Näh. in der Exped. '^PffmitttrtPH liefert in allen Größen JUvUJuLUI^lII Waisenbaus-Buckdr
Frankfurter Opernhaus. Dionstag den 12. März 1895.
Mignon.
gegen
Gegenstände
. Baarzahlung versteigert werden.
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Hanau den 9. März 1895.
Loefer, Gerichtsvollzieher.
Zu verkaufen:
eine Marquifen-Cinrichtung
3059 Krämerstraße 18.
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* Durchgegangenes Schlachtopfer. Am städtischen Schlachthause entrann heute Morgen ein dem Tode geweihtes Schwein. Das Borstenthier lief über den Stadtgraben, in die Fischergasse und weiter die Römerstraße entlang, ohne ben Verfolgern in die Hände zu gerathen. Ob dies später noch gelungen, ist uns nicht bekannt.
Für heute. Hanauer Pferveoersicherungsverein: Abends 8 Uhr Generalversammlung im Vereinslokal (Gasthaus zu den „3 Rindern") ; Tagesordnung: Rechnungsablage und Dechargeertheilung. — Erste Hanauer Carnevalgesellschaft: Abends 8V2 Uhr Generalversammlung. — Handwerker- Bezirksverein: Ebenfalls abends Vä9 Uhr: Zusammenkunft in der „Allemania". — Verband deutscher Kriegsveteranen von 1848 bis 1870/71; Abends 9 Uhr Zusammenkunft im „Deutschen Haus"; Tagesordnung : Berichterstattung über die Petition. — Ebenfalls abends 9 Uhr: Freiwillige Feuerwehr: 5. Komp, in der „Allemania". — Turn- und Fechtklub: Abends von 8—10 Uhr Riegenturnen.
Versteigerungs & Berpachtungs- re. Kalender für Dienstag den 12. März.
Nachmittags 2 Uhr wird die Jagd in der Gemarkung Kilianstädten auf dem Gemeinde-Rathhause daselbst zum zweiten Male öffentlich verpachtet. — Nachmittags 4 Uhr soll in Hochstadt in der Wirthschaft des M. Weber das zur I. Stern'schen Konkursmasse gehörige Pferd durch den Konkursverwalter Herrn Fr. Kämpfer meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden. — Nachmittags 5 Uhr wird in der Weber'schen Wirthschaft zu Hochstadt das zur Nathan Stern'schen Konkursmasse gehörige Grundstück, Brandversicherungs-Nr. 21 daselbst, durch den Konkursverwalter Herrn Fr. Kämpfer meistbietend verkauft.
Fnlda, 9. März. (Zu n f t.) Am vergangenen Dienstag Abend versammelten sich die hiesigen Metzgergesellen im „Gasthaus zum Hirsch", um sich nach dem Beispiel der Metzgermeister zu einer Zunft zu vereinigen. Es wurde vorläufig ein aus fünf Mitgliedern und zwei Beisitzern bestehender Vorstand gewählt.
Hettenhaufen, 9. März. (DieVerschlagenheit desFuch- s e s.) Wie in der jetzigen Jahreszeit die Raubthiere gezwungen sind, in die Gebäulichkeiten zu dringen, um Beute zu suchen, zeigt ein hier vorgekommener Fall, wo der Einbruch einem Hühnerstall galt und von Erfolg war. Der freche Räuber, ein Fuchs, hatte sich den Eingang mit Gewalt erzwungen und zwei Hennen abgewürgt und eine mitgenommen. Es wurde nun ein Eisen gestellt, um ihm bei seinem Wiederkommen den wohlverdienten Lohn verabreichen zu können; man hatte aber der List und Verschlagenheit und der großen Vorsicht, mit welcher ein Fuchs das ihm gelegte Eisen anstarrt und zu umgeben sucht, nicht genug Rechnung getragen und so hatte man in der Frühe anstatt des Fuchses eine Katze gefangen.
Carlshafen, 8. März. (Verur theilt.) Die von der Eisenbahnbehörde eingeleitete Untersuchung über die Ursache des am 25. Dezember erfolgten Zusammenstoßes zweier Züge im Tunnel bei Bodenfelde, der Bahnstrecke Ottbergen-Northeim, hatte das Resultat, daß der Stationsdiätar Ed. Scharfe in Bodenfelde wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahnzuges angeklagt wurde. Das Gericht hielt eine schwere Pflichtvernach- lässigung für erwiesen und erkannte bei der Schwere des Unglücks (ein Todter und 8 Schwerverwundete) auf 4 Monate Gefängniß.
Frankfurter Theater-Repertoir.
Opernhaus. Dienstag, den 12. März: „Mignon" — Mittwoch, 13: Sechstes (letztes) Abonnementskonzert unter Mitwirkung des Fräulein Ottilie Fellwock, Konzertsängerin. — Donnerstag, 14.: „Der Prophet". — Freitag, 15.: Geschlossen. — Samstag, 16; „Werther". Hierauf: „Teufel im Pensionat". — Sonntag, 17., nachmittags 3Vs Uhr: Der Obersteiger". Abends 7 Uhr: „Armida". — Montag, 18.: Geschlossen. — Dienstag, 19.: Neu einstudirt: „Die Nürnberger Puppe". „Enoch Arden". Zum Schluß: „Fortunio's Lied".
Schauspielhaus. Dienstag, den 12. März: „Onkel Bräsig". — Mittwoch, 13 : „Der Bibliothekar". — Donnerstag, 14.: „Maria Stuart". — Freitag, 15.: „Boccaccio". — Samstag, 16.; Zum ersten Male: „Königsleid". — Sonntag, 17., nachmittags 3V2 Uhr: „Der Bibliothekar". Abends 7 Uhr: „Halali". — Montag, 18.: „Don Cäsar".
Zu vermiethen
Bogenstraße 4b der 2. Stock, best, in 4 Zimmern, Küche mit Speisekammer, abgeschlossenem Vorplatz mit Abort und Wasserleitung 2c., sowie die Mitbenutzung der Waschküche und des Bleich- platzcs, zum 1. Juni zu beziehen. Preis
500-550 M.
Daselbst in Nr. 4 die Mansardenwohnung, best, in 4 Zimmern mit Küche, kleiner Dachkam- mer, sowie Abort mit Wasserleitung und Mitbenutzung der Waschküche, bis zum 1. Juni zu beziehen. Preis per Monat
25 M,
Daselbst in Nr. 4a ein Pferdestall für drei Pferde, mit Futterraum und Kutscherstube, sofort zu beziehen, per Monat 10 M. Näheres bei C. Wild in Keffelstadt u. Fr. Kaempfer in Hanau. 2927