Referenten: 1. Staatsminister Graf v. Zedlitz-Trützschler auf Nieder- Großen-Borau, 2. Präsident Dr. v. Wittenburg in Posen.
V. Maßnahmen auf dem Gebiete der Kreditorganisationen. Leistet der bisherige Zustand des Jmmobiliar- und Personalkreditwesens den berechtigten Anforderungen der Landwirthschaft Genüge,
oder welche Aenderungen sind anzustreben? Insbesondere: 1. Ist das bestehende Verhältniß der beiden Kreditformen ein angemessenes, oder empfiehlt es sich den Immobiliarkredit zu Gunsten des Personalkredits einzu- schränken, um auf diesem Wege zugleich auf eine spätere Verminderung der Gesammtverschuldung des Grundbesitzes hinzuwirken? 2. Ist durch Maßnahmen auf dem Gebiete des Kreditwesens eine Beseitigung der jetzt theilweise vorhandenen Ueberschuldung zu erreichen? 3. Wird durch die bestehenden Grundkredit-Jnstitute dem Grundbesitz ein genügend weit ausgedehnter, unkündbarer, möglichst wohlfeiler und leicht zugänglicher Kredit mit allmählicher Tilgungsverpflichtung gewährleistet? Wird von den kommunalen Sparkassen nach ihrer gegenwärtigen Verfassung ein solcher Kredit in ausreichendem Maße gewährt, oder welche Aenderungen sind in dieser anzustreben? 4. Ist für eine etwa als nöthig erachtete Reform die Neubildung großer Kreditorganisationen oder die Fortbildung der überkommenen landwirthschaftlichen und kommunalen Kreditinstitute in's Auge zu fassen? 5. Ist speziell den Bedürfnissen des Meliorationskredits bereits ausreichend Rechnung getragen oder sind auf diesem Gebiete Aenderungen anzustreben, eventuell unter Gewährung eines gesetzlichen Vorrechts für Meliorationskredite gegenüber den bereits eingetragenen Schulden?
Referenten: 1. Freiherr v. Hoiningen genannt Huene auf Groß- Mahlendorf, 2. Landesdirektor Dr. Klein zu Düsseldorf.
* Gegen die Tabakfabrikatsteuer. Wir erhalten folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung:
„Der Vorstand der Abtheilung III des „Deutschen Tabakvereins" fordert die Interessenten auf, am Sonntag den 10. d. M., 11^2 Uhr vormittags, in Frankfurt a. M. im Palais-Restaurant zusammen zu konimmen, um ihrer Meinung öffentlich Ausdruck zu verleihen und diejenigen Schritte zu besprechen, welche zur Unterstützung des Vorgehens des Vorstandes des „Deutschen Tabakoereins" zur Abwehrung der der
Industrie drohenden Gefahr geeignet erscheinen.
Hoffentlich sind die Bemühungen des Tabakvereins von Erfolg und bleibt unser Bezirk von der projektirten Fabrikatsteuer, die auch hier die traurigsten Folgen haben würbe,. verschont."
Gleichzeitig, an demselben Tage und zu derselben Stunde, finden außer in Frankfurt a. M. auch in Cassel im Hotel du Nord und in
Köln im Hotel. Victoria auf Einladung des Vorstandes der Abtheilung III des „Deutschen ■ Tabakvereins" Versammlungen von Tabakinteressenten statt. Zu den Versammlungen sind alle im Kataster der Tabak-Berufsgenossenschaft eingetragenen Betriebe der Provinz Hessen-Nassau, des Großherzogthums Hessen und der Rheinprovinz, sowie außerdem alle Händler mit Zigarren und sonstigen Tabakfabrikaten eingeladen.
* Verbrauchsabgaben. Im Laufe des Monats Februar 1895 wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet:
82
85
47
700 320 121
Ochsen, mehr gegen den Monat Februar Kühe, weniger
Rinder, „ Schweine, mehr Kälber, weniger Hämmel, „
ff
if ff ft
n st st st w
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M ft st
1894
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st
*
ft
9 28 25
5 63
25
Die Accis-Einnahme hiervon beträgt .
An eingeführten Fleischwaarèn rc. wurden versteuert : 26 629 Kilogramm, mehr gegen den Monat Februar 1894
. Mk.
Stück
tf
if
ft
st
3261.70
1350 Kilogramm.
Hiervon die Accis - Einnahme mit
Mk.
882.44
Summa Mk. 4144.14
Gesammt-Accis-Einnahme im Monat Februar 1894__„_ 4357.26
Mithin weniger gegen den Monat Februar 1894 . Mk. 213.12
Accis-Einnahme vom 1. April 1894 bis 28. Februar 1895 . Mk. 47 925.99
„ „ „ 1. „ 1893 „ 28. „ 1894 . „ 52 075.92
Mithin weniger gegen die gleiche Zeit des Vorjahres . Mk. 4149.93.
* Hufschmiede-Prüfung. Die nächste Hufschmiede Prüfung findet in Hanau am 4. Mai d. J. statt. Meldungen zu derselben sind bis zum 6/April d. I. an den Königlichen Kreisthierarzt Coll mann in Hanau zu richten.
][ Stadttheater. Als 55. Abonnementsvorstellung gelangt morgen die Novität „Die Olympier" noch einmal zur Wiederholung. Dieselbe erzielte bei ihrer Erstaufführung am Sonntage hier einen hübschen Erfolg und rechtfertigte den Ruf, der dem, reizenden Lustspiel voranging, in vollstem Maße. — Am Sonntag tritt 'Fräulein Hesse nochmals auf und zwar in „Dorf und Stadt" als „Lorle".
* Gauturntag. Kommenden Sonntag, von 3 Uhr nachmittags an, wird im Saale „Zum Schwan" in Offenbach der 26. Turntag des Gaues „Offenbach-Hanau" abgehalten. Demselben liegt die nachstehende Tagesordnung zu Grunde: 1. Bericht des Gauoertreters; 2. Bericht des Gauturnwartes; 3. Abrechnung des Gaurechners; 4. Wahl des Ortes für das Gauanturnen, für welches sich die Turngesellschaft Bürgel gemeldet hat; 5. Wahl des Ortes für das Gauturnfest, bei welcher Dietesheim und Klein-Krotzenburg in Frage kommen; 6. Wahl des zweiten Gauturn
wartes; 7. Wahl eines Abgeordneten und Stellvertreters für den deutschen Turntag; 8. Wahl der Kampfrichter und Stellvertreter für das mittel- f rheinische Turnfest in Gießen; 9. Anträge der Turngemeinde Hanau: i a) bei dem im Jahre .1896 staitsindendcn Gauturnfest an Stelle des J Musterriegenturnens versuchsweise das Vereinswettturnen einzuführen; ■ b) die beiden Gauturnwarte auf Kosten der Gaukasse zu dem Kreisfest des Oberrheinkreises nach Straßburg zu senden, um dort das Vereinswettturnen kennen zu lernen; 10. Antrag der Turngemeinde Bürgel: der Turntag möge beschließen, daß bei künftigen Festzügcn der Gauturnfeste das Trommeln der einzelnen Vereine entweder ganz unterbleibe, oder nur Trommlerkorps von 8 Mann zugelassen werden, welche dem festgebenden Vereine zur Eintheilung unterstellt sind: 11. Antrag des Turnvereins Offenbach, bte künftigen Sauturnfeste stets vor dem Kreistnrnfest abzuhalten; 12. Gesuch der Turngemeinde Offenbach um Aufnahme in den Gau.
* Aufgehobener Viehmarkt. Die Abhaltung des auf den | 13. d. Mts. angesetzten Viehmarktes in Hanau ist wegen der Verbreitung I der Maul- und Klauenseuche im Stadt- und Landkreise Hanau und den ; umliegenden Bezirken vom Herrn Regierungspräsidenten in Cassel untersagt worden.
* Khsfhânfer-Denkmal. Die Einweihung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. auf dem Kyffhäuser ist, wie man der „Fr. Z." miltheilt, auf den 14. Mai 1896, den Jahrestag des Friedensschlusses in Frankfurt a. M., festgesetzt.
* Das Fahren mit Velozipeden in Frankfurt a. M. Am 1. April treten folgende Aenderungen und Ergänzungen der Polizei- verordnung über das Fahren mit Velozipeden für Fankfurt a. M., die auch für hiesige Radler von Interesse sein dürften, in Kraft: 1) Das Fahren mit zweirädrigen Velozipeden ist in ben Straßen und auf den Plätzen der inneren Theile der Stadt Frankfurt a. M., sowie auf deren Brücken allgemein verboten. Unter dem inneren Theile der Stadt Frankfurt a. M. ist hierbei der von dem Mainufer einerseits und der Unten ■ main-, Gallus-, Taunus-, Bockenheimer-, Eschenheimer-, Friedberger- und I Obermainanlage anderseits begrenzte Stadtlheil zu verstehen. 2) Die Nummernplatte ist an allen Velozipeden 5 Ztm. über dem Vord rgabel- kopf, wagrecht nach vorn gerichtet, anzubringen. 3) Drei- und mehrrädrige Velozipede bedürfen nur einer Laterne, wenn diese au dem Vordcrgabctkopf in der Nummernplatte angebracht ist.
* Betrübend. Aus Lindheim in Oberhessen trifft die Nachricht ein, daß der auch in Hanau bekannte Novellist L. v. Sacher Majoch an Gehirnerweichung erkrankt sei. Der Zustand des Erkrankten soll hoffnungslos sein. Er wird von seiner zweiten Gattin, der Schriftstellerin Hulda Meister, gepflegt. Vor Kurzem wurde eine Sammlung für den 60- jährigen Schriftsteller von dessenFreunden veranstaltet. ' Äs!
* Unerfreulich. Verschiedene Diebstähle sind innerhalb der letzten Tage vorgekommen. Ein am Ostbahnhof bedienstet gewesenes Mädchen hatte bei dem Dienstwechsel am 1. b. Mts. seiner Dienstherrin ein Kleid im Werthe von 100 M. mitgenommen. Eine Durchsuchung der Effekten blieb erfolglos, da das gestohlene Kleid in einem anderen ihr nicht zugewiesenen Raume versteckt worden war. Vorgestern wurde das Mädchen aus der neuen in einem Restaurant der Vorstadt bekleideten Stelle wieder entlassen und wollte nach Frankfurt abdampfen. Am Westbahnhof nahm die Kriminalschutzmannschaft unverhofft eine Visitation der Effekten vor und fand hierbei das gesuchte Kleid. — Ein anderes in der Nürnbergerstraße dienendes Mädchen erschwindelte sich auf den Namen der Herrschaft ein Paar Schuhe. — Gegen ein drittes Dienstmädchen ist ebenfalls die Untersuchung wegen eines größeren Diebstahls eingeleitet.
* Temperatur. In vorverflossener Nacht fiel das Thermometer 14° C unter den Gefrierpunkt und in der vergangenen Nacht zeigte dasselbe sogar 15° C. an. Unter solchen Umständen klingen freilich die Worte des Dichters: „Im März, im März sei froh mein Herz!" wie ein schlech- 1 ter Scherz und auch die nachsätzliche Vertröstung: „es muß doch Frühling werden!" wird so leicht Niemand erwärmen können.
Für heute. Vaterländischer Frauenverein: Abends 7*/$ Uhr: Abendunterhaltung im Saale der „Centralhalle". — Kirchenchor der Johanniskirche : Abends präcis 8 Uhr Probe im Uebungssälchen der Johanniskirche. — Nationallib. Wahlverein: Ebenfalls abends 8 Uhr: Monatsver- sammlung im Gasthaus „zur Post"; Vortrag des Herrn Handelskammersekretär Steller. — Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Ne- benzimmer „zur großen Krone". — Weihnachtsgesellschaft Brauerei Weis- mantel: Abends 9 Uhr Generalversammlung im unteren Lokale. — Ebenfalls abends 9 Uhr: Radfahrerverein „Vorwärts": Zusammenkunft in der Restauration Mohr; — Feuerwehr-Vorstandssitzung bei Beck. — Spessart- Touristenverein : Abends VslO Uhr: Hauptversammlung; Tagesordnung: Mitgliederaufnahme, wichtige innere Bereinsangelegenhenen.
Cafsel, 5. März. (Bismarckfeier.) Zur Feier des 80. Geburtstages des Fürsten Bismarck rüsten sich, gleich wie in allen Gauen i des deutschen Reiches, auch in unserer Stadt alle Kreise, um den Tag in ' würdiger Weise zu begehen. Es hat sich hier bereits ein aus allen Theilen der Bürgerschaft bestehendes Komitee, welchem auch die Vertreter der städtischen Körperschaften beigetreten sind, gebildet, und soll u. A. ein allgemeiner Festzug in Aussicht genommen sein, welchem abends ein Fackelzug mit anschließendem Kommers in den Sälen des Stadtparkes folgen wird. |