In Bremerhaven ist die Besichtigung der neuen Hafenanlagen in Aussicht genommen.
Posen, 6. März. Der Kommandant der Festung Glogau, der Württembergische Oberst v. Baumann, ein Schwiegersohn des Ministerpräsidenten Mittnacht, ist, nach dem „Köln. Tbl.", an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferde gestorben.
München, 5. März. Sein 60jähriges militärisches Dienstjubiläum feiert der Prinzregent Luitpold von Bayern am 12. März, seinem Geburtstage, an welchem derselbe sein 74. Lebensjahr vollendet. Der Prinz hat jedoch den Wunsch geäußert, daß man von einer größeren Feier Abstand nehmen möge.
Stuttgart, 6. März. Die Kammer nahm, nach den „Fr. N.", mit 64 gegen 18 Stimmen den Absatz 10 des Adreßentwurfes an, in welchem eine Verfassungsreform unter Aufhebung der Vorrechte der Geburt oder des Amtes gefordert wird. Die Vertreter der Ritterschaft und der Prälaten gaben ablehnende Erklärungen ab, während die Vertreter der katholischen Geistlichkeit und der Universität dem Absätze zustimmten.
Rom, 6. März. Der hiesige deutsche Künstleroerein beschloß, den Fürsten Bismarck anläßlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenmitglied zu ernennen.
Rom, 6. März. Seit heute früh 9 Uhr fällt hier reichlicher Schnee.
Lowestoft, 5. März. Das Fischerboot „Valkyrie" brachte, dem „Reichsanz." zufolge, heute den Leichnam des Oberstewards der „Elbe", Pschunder, ein.
New-Uork, 6. März. Nach einer Depesche aus Port of Spain (Trinidad) ist der Geschäftstheil der Stadt abgebrannt. Der Schaden wird auf 4 Millionen Dollars geschätzt. Von englischen und amerikanischen Schiffen wurden Mannschaften gelandet, welche den Rest der Stadt retteten.
Humburg, 6. März. Der Postdampfer „Allemannia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist von Hamburg gestern in St. Thomas angekommen.
Bremen, 5. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Sachsen" ist vorgestern in Port Said angekommen.
London, 5. März. Der Union - Dampfer „Guelph" ist gestern in Kapstadt eingetroffen.
New-Uork, 5. März. Der Dampfer „Zaandam" der Niederländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist gestern hier einge- trosfen.
Depefchen-Burea« „Herold".
6. März, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
53. Plenarsitzung am 6. März, mittags 1 Uhr.
Anträge, betr. die Einwanderung ausländischer Juden.
Abg. Hasse (Hosp. b. d. Natl.) begründet seinen Antrag. Er erklärt, er sei kein Antisemit, hätte jedoch gern gesehen, daß die Judenfrage aus wirthschaftlichen Gründen schon früher behandelt worden wäre. Den Einwanderern würde die Naturalisation zu leicht gemacht, während im Auslande wohnende Deutsche schon nach lOjähriger Abwesenheit ihre Reichsangehörigkeit verlieren. Redner empfiehlt seinen Antrag, wodurch der Verlust der Reichsangehörigkeit, sowie andererseits die Erwerbung derselben durch Naturalisation erschwert werde.
Abg. Rickert (fr. Ver.) führt aus, in diesem Zusammenhänge mit den beiden anderen Anträgen lehne er auch den Antrag Hasse ab, umsomehr, als der Vorredner die Nothwendigkeit einer solchen Gesetzesnovelle nicht nachgewiesen habe. Die beiden anderen Anträge bewiesen, daß jetzt selbst der Bund der Landwirthe nichts fei, als eine antisemitische Organisation. Diese Anträge wären der erste Schritt zu einer gänzlichen Aufhebung der Juden-Emanzipation. Ein Bedürfniß liege für solche Anträge nicht vor. Ein Ausländer könne auch jetzt schon ausgewiesen werden, wenn er sich lästig mache, anderseits hänge die Naturalisation bekanntlich vom Minister ab. Den russischen Händlern würden schon jetzt bezüglich der Naturalisation die größten Schwierigkeiten gemacht. Im Uebrigen sei der Rückgang der Juden statistisch nachgewiesen. Dieser Antrag widerspräche den Grundsätzen, welche große deutsche Fürsten stets bethätigt hätten, der Humanität und der Zivilisation.
Staatssekretär v. Bötticher antwortet dem Vorredner auf eine diesbezügliche Frage, daß jeder Staat das Recht habe Ausländer auszuweisen; es sei dies auch in dem Gesetze über den Erwerb und Verlust der Staats- und Reichsangehörigkeit ausgesprochen. Das Verbot der Einwanderung im Sinne der Bundes- und Staatsangehörigkeit würde zulässig sein. Die Ausländer dürften unter denselben Gesetzen wie die Inländer Handel und Gewerbe bei uns betreiben. Die Ausländer könnten wir hiervon nicht ausschließen. Es sei aber keinem Staate in Deutschland verwehrt, Ausländer aus polizeilichen Gründen auszuweisen. Von der Bundes- oder Reichsangehörigkeit könnten Ausländer ausgeschlossen werden.
Abg. Lieber (Centrum) spricht sich gegen die Anträge aus und speziell auf den Hammerstein'schen eingehend erklärt er, die Untersagung der Einwanderung sei offenbar vertragswidrig. Im Uebrigen verweist Redner auf das bayerische Reservatrecht- die Konservativen müßten also
Bayern ausnehmen. Das Centrum sei gegen jedes Ausnahmegesetz, folglich auch gegen die vorliegenden Anträge.
Abg. Hermes (fr. Volksp.): Die vorliegenden Anträge seien geradezu beschämend; es sei bedauerlich, daß dieselben überhaupt zur Berathung gelangten.
Abg. v. Langen (kons.) kritisirt unter andauernder Heiterkeit die Ausführungen der Gegner, kommt auf die Eigenschaften der Juden zu sprechen, die als Hosen verkaufende Jünglinge nach Deutschland kämen und als Bankiers endeten.
Abg. Schmidt-Elberfeld und Genossen (Soz.) stellen einen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung.
Derselbe wiro befürwortet vom Abg. Richter (fr. Volksp.), indem dieser erklärt, daß die Debatte langweilig werde und daß man schnell zu Ende kommen müsse, um eine zweite Lesung zu vermeiden. Auch berühre der Ton sehr unangenehm, in welchem debattirt würde.
Abg. F ö r st e r (Antis.) tritt Diesem Anträge entgegen. Redner bezeichnet die Ausführungen des Abg. Hermes in so unparlamentarischer Weise, daß er hierfür vom Präsidenten zur Ordnung gerufen wird.
Sodann erfolgt die Annahme des Antrags Schmidt, ein zweiter Antrag, welcher den Schluß der Debatte über die beiden anderen Anträge wünscht, wird jedoch abgelehnt.
Abg. A h l w a r d t (Antis.) erklärt, die Juden seien in der That Raubthiere. (Große Heiterkeit.) An dieser Thatsache sei nicht zu rütteln, er erwarte mit Sicherheit, daß man mit der Zeit zu dieser Ansicht kommen werde. Seit 800 Jahren seien die Juden in Deutschland; gleichwohl hätten sie sich niemals auf den Kulturboden der Arbeit gestellt. Wenn der Abg. Rickert sage, wir brauchten uns nicht vor den paar Juden zu fürchten, so antworte ich ihm, daß er einem einzigen Cholerabazillus sicher aus dem Weg gehen würde. Wie viele tausende fleißiger Deutscher mögen sich erhängt, erschossen, ersäuft haben, ehe die Hunderte von Millionen zusammengebracht waren, welche sich jetzt in den Händen jüdischer Bankiers befinden.
Abg Richter (fr. Volksp.) rügt den Ton, den der Abg. Ahl- wardt im Verfolg seiner Ausführungen benutzte, bedauert, daß dies möglich gewesen sei und erklärt es in Widerspruch stehend mit den erst kürzlich kundgegebenen Grundsätzen des Präsidenten.
Präsident v. Levetzow erwidert dem Abg. Richter, daß er sich von ihm eine Kritik seiner Geschäftsordnung nicht gefallen lasse.
Abg. Richter äußert sich, das moralische Recht hierzu zu haben. — Der Antrag Hasse wird sodann, ebenso wie der Antrag Hammerstein-Manteuffel, letzterer mit 167 gegen 51 Stimmen, nach einer Reihe von persönlichen Bemerkungen und Schlußworten der Antragsteller abgelehnt.
Nächste Sitzung morgen 1 Uhr: Militäretat. - 1 —;
Preußischer Landtag. (Abgeordnetenhaus.)
36. Sitzung am 6. März, vormittags 11 Uhr.
Das Hans setzt die Berathung des Berg-, Hütten- und Salincn- etats fort.
Bei dem Titel „Für Produkte aus Werken, welche mit anderen Staaten gemeinschaftlich betrieben werden", nimmt der Abg. Dr. Arendt (freikons.) die gestrige Währungsdebatte wieder auf. Er berechnet den Schaden, den der deutsche Nationalwohlstand durch die Goldwährung erlitten, auf eine Milliarde Mark. (Hört, hört! rechts.)
Abg. Bueck (natl), sowie die Abgg. v. Eynern (natl.) und Dr. Arendt nehmen noch zu kurzen Ausführungen hierüber das Wort.
Die Einnahmen werden dann bewilligt. Bei der Berathung der Ausgaben werden zunächst Petitionen der Werkarbeiter um Gehalts- und Pensionserhöhung erledigt; das Haus lehnt den vom Abg. Gothein (freis. Ver.) gestellten Antrag auf Erwägung ab und nimmt den auf molivirte Tagesordnung lautenden Kommissionsantrag an. — Petitionen der Bureauarbeiter um Einkommensaufbesserung werden debattelos nach dem Kommissionsantrage der Regierung zur Erwägung überwiesen.
Auf eine Anfrage des Abg. Wellstein (Ctr.) bemerkt Minister v. Berlepsch, daß über die Gehaltsverhältnisse einzelner Beamtenkategorien, so namentlich der Revierbeamtcn, so lange nicht debattirt werden könne, als das System der Alterszulagen nicht durchgeführt sei.
Abg. Gothein (freis. Ver.) bittet, den Revierbeamten die Kesselrevisionen abzunehmen. Weiter wünscht Redner eine Vereinfachung des Examens für höhere Bergbaubeamte.
Abg. v. Tiedemann-Bomst (freikons.) kann diese Forderungen des Vorredners nicht billigen.
Minister v. Berlepsch bestreitet ebenfalls die Berechtigung der Wünsche des Abg. Gothein.
Abg. v. Tiedemann meint, daß schneller gearbeitet werden könnte, wenn die Bodenuntersuchungen sich vielleicht auf eine Tiefe von 1 Meter beschränkten.
Abg. Dr. Langerhaus (freis. Volksp.) widerspricht dieser Ansicht. Die Bodenuntersuchungen müßten gründlich geschehen.
Minister v. Berlepsch meint, daß derartige Fragen in den Landesökonomiekollegien zur Erledigung zu bringen seien.
Der Rest des Etats wird ohne wesentliche Debatte genehmigt. — Es folgt bet Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung.