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Nr. 55*

Mittwoch den 6. März.

1895.

Amtliches.

Lcdnè Irveis ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In dem Gehöft des Landwirths Wilhelm Köhler zu Fechenheim ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet ' morden.

Hanau am 5. März 1895.

Der Königliche Landrath

V. 1686 v. O ertzen.

Dlenstnachrichtcn aus dem Kreise.

Zugelaufen: Am 5. d. M. ein großer gelber Bernhardinerhund.

Hanau am 6. März 1895.

jMadt&rew ^öanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeifteramtes. Stadtkasse.

Alle Diejenigen, welche mit Umlage und Schul­geld noch im Rückstände sind, werden an alsbaldige Zahlung mit dem Bemerken erinnert, daß bis 9. März d. I. Zahlung bis einschl. März zn leisten ist und daher vom 11. März an die Beitreibung aus die Monate Januar bis März 1895 einschl. sich erstrecken wird.

Hanau, 26. Februar 1895.

Stadtkasse. 2507

Tagesschau.

Berlin, 5. März. Offiziös werden die Mittheilungen freisinniger Blätter, wonach der Kaiser den Minister des Innern v. Köller bei dem Diner des Brandenburgischen Provinziallandtags mit auffallender Kühle behandelt habe, als tendenziöse Erfindung bezeichnet und wird konstatirt, daß der Kaiser Herrn v. Köller vielmehr in der freundlichsten Weise zuge­trunken habe.

Berlin, 5. März. In der Angelegenheit des Zeremonienmeisters v. Kotze ist auf den 7. März Hauptverhandlung angesetzt. Das Kriegs- : gericht nimmt drei Tage in Aussicht. Herr von Kotze führt selbst seine i Vertheidigung.

Berlin, 5. März. Zum Redakteur desReichsanzeigers" ist der bisherige stellvertretende Redakteur Siemenroth ernannt worden.

Berlin, 5. März. DieVossische Zeitung" meldet aus Triest: ! Seit gestern herrscht hier wieder Schneefturm. Trieft ist von allen Ver­bindungen abgeschnitten. Aus Norditalien wird heftiges Schneegestöber gemeldet.

Berlin, 5. März. Nach einer beim Oberkommando der Marine eingegangenen telegraphischen Meldung ist S. M. S.Iltis", Komman­dant Kapitänlieutenant Jngenohl, am 4. d. M. in Chinkiang eingetroffen.

Wilhelmshaven, 5. März. Der Kaiser ist in Begleitung des Staatssekretärs Hollmann um 11 Uhr 50 Min. eingetroffen. Er begab sich nach dem Exerzicrschuppen, woselbst die Rekrutenvereidigung stattfand. Die Marinetruppen bildeten in den Straßen Spalier. Das Panzerschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm", auf dem der Kaiser übernachtet, liegt an der Schleuse unter Dampf. Die Fahrt nach Helgoland und Brunsbüttel erfolgt morgen 6 Uhr.

Wilhelmshaven, 5. März. Während der Rekrutenvereidigung im Exerzierhause stand der Kaiser auf einem mit Flaggen und Laub ge­schmückten Podium, zu dessen Seiten das gesammte Seeoffizierkorps ausge­stellt war. Der evangelische Stationspfarrer, Marineoberpfarrer Goedel, und der katholische Marinepfarrer, Dr. Enste, hielten Ansprachen, worauf Lieutenant zur See Bertram unter der gehißten Kriegsflagge die Vereidigung

vornahm. Nach derselben hielt der Kaiser eine Ansprache, worauf Koiltre- admiral Oldekop das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Nach der Feier fuhr der Kaiser im offenen Wagen zum Marinekasino, wo er das Früh­stück einnahm. An dem Frühstück nahmen Theil die beiden Marinegeist­lichen und die zur Vereidigung befohlenen Offiziere. Der Kaiser begab sich um 3 Uhr vom Kasino zur Werft, woselbst im Beisein der Mitglieder des Schiffsbauamts, des Staatssekretärs Hollmann, der anwesenden Ad­mirale und des Oberwerftdirektors Bodenhausen die Kiellegung zu dem FlachschiffeErsatz Preußen" stattfand. Der Kaiser schlug den ersten Niet in die Kielplatte. Im Laufe des Nachmittags besichtigte der Kaiser die Modelltischlerei der Werft und das Modell zu dem Steven des Panzer­schiffesErsatz Preußen". Hierauf besichtigte der Kaiser das Panzerschiff Weißenburg" und begab sich dann an Bord des PanzerschiffesKurfürst Friedrich Wilhelm", auf welchen: er übernachten wird. (Fr. N.)

Jena, 5. März. Sämmtliche Universitäten Deutschlands lassen dem Fürsten Bismarck zu dessen 80. Geburtstag gemeinschaftlich eine kost­bare Adresse überreichen. Jede Universität entsendet einen Vertreter nach Friedrichsruh.

Hamburg, 5. März. In der heutigen gemeinsamen Sitzung des Aufsichtsrathes und Vorstandes der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aktiengesellschaft wurde beschlossen, für das verfloffene Geschäftsjahr von der Vertheilung einer Dividende abzusehen. Der Reingewinn im Betrage von etwa 2^3 Millionen soll zu Abschreibungen verwendet werden. (Rh. K.)

Paris, 5. März. Das Geschwader, das sich zur Theilnahme an der Eröffnungsfeier des Nordostseekanals nach Kiel begibt, wird vom Kontreadmiral Alquier befehligt werden.

New-Nork, 5. März. Worldmeldung aus Kolon: Die Kolum- bischen Aufständischen rücken auf Kolon vor. Viele unbeschäftigte Arbeiter des Panamakanals fchlosfen sich ihnen an. Fünfzig Gefangene, darunter sechzehn Offiziere, haben die Aufständischen, nach denFr. N.", erschossen.

Kremen 4. März. Der Dampfer des ytorbbeutlcbm pwvd Bayern" ist gestern in Colombo und der DampferDarmstadt" vor­gestern in Port Said eingetroffen.

Hamburg, 5. März. Der PostdampferCheruskia" von der hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist von Hamburg gestern in St. Thomas angekommen.

London, 4. März. Der Castle - DampferVenice" ist vor­gestern in Durban eingetroffen.

Triest, 4. März. Der LloyddampferThalia" ist vorgestern hier eingetroffen.

Depeschen-Burea«Herold".

5. März, abends 9 Uhr:

Deutscher Reichstag.

52. Plenarsitzung am 5. März, mittags 1 Uhr.

Militäretat. Kriegsminister Bronsart von Schellen- d o r f f geht auf den gestern von Bebel erwähnten Duellfall Ratzel, die erfolgte Verurtheilnng und nachherige Begnadigung nach 3 Monaten ein und erwähnt, daß der betreffende Offizier thätlich beleidigt worden sei. Allerdings wolle hier die Sozialdemokratie von einem Begnadigungsrecht nichts wissen, sie dürfte jedoch andere Ansichten zeigen, wenn es sich um einen vom Standrecht zum Tode Verurtheilten handelte. Der Minister bespricht sodann noch den Hamburger Fall, in welchem ein Offizier einen Zivilisten mit dem Säbel bearbeitete, sucht dieses Verfahren zu rechtfertigen und bittet zum Schluß, die Sozialdemokraten möchten etwas maßvoller gegen ihn vorgehen und ähnliche Bemerkungen wieWie tief sind Sie gesunken" unterlassen.

Abg. B e ck h (fr. Volksp.) hält die Zivilgerichte in Friedenszeiten zur Aburtheilung von Militärdelikten für kompetent; einer Militär-Straf­prozeßordnung bedürfe es nicht. Redner hält die Revision der jetzigen Militär-Strafprozeßordnung für unbedingt erforderlich.

Abg. Bebel (L-oz.): Mit dem Fall Ratzel habe er überhaupt nur zeigen wollen, wie verschieden abgeurtheilt werde. Was das Gnadenrecht anlange, so könne er dem Kriegsminister nur versichern, daß seine Freunde