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Dier^. Serie 15 A

Die Lspalt. Zeile 20 ^.

Die JspLlt. Zeile 30 -4.

Nr. 53.

Montag den 4. März.

1895.

Amtliches.

^anö&reiö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die durch Tod ihres seitherigen Inhabers erledigte Schulstelle in Roßdorf, diesseitigen Landkreises, soll neu besetzt werden.

Das Dienst-(Mindest-)Einkommen beträgt für einen definitiv ange­stellten Lehrer bei freier Wohnung oder 200 Mark Miethsentschädigung 1000 Mark und steigt nach Maßgabe des Dienstalters von 5 zu 5 Jahren um je 100 Mark bis zum Höchstbetrage von 1500 Mark (aus­schließlich staatlicher Alterszulage).

Bewerbungsgesuche sind unter Beifügung der erforderlichen Zeugnisse binnen 3 Wochen dem Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Sopp in Roßdorf einzureichen.

Hanau am 28. Februar 1895.

Der Königliche Landrath

V. 1520 v. O ertz en.

Nach Mittheilung des Königlichen Polizeipräsidiums zu Frankfurt a/M. ist unter dem Pferdebestand des Fuhrunternehmers Christian Dörr st ein, Siemensstraße 7 zu Frankfurt a/Main, die Erkrankung an Rotz festgestcllt und demgemäß die Gehöft- und Stallspcrre verhängt worden.

Hanau am 1. März 1895.

Der Königliche Landrath

V. 1549 v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 2. März.

Im Reichstage

wurde heute die zweite Berathung des M a r i n e e t a t s beendet. Dem Anträge der Budgetkommission gemäß wurde die Rate zur Herstellung von Torpedobooten in Höhe von 2 400 000 Mark abgelehnt. Die Forderung für Erneuerung der Maschinen und Kessel der Schiffe der Sachsenklaffe wurde nur für zwei Schiffe bewilligt, diejenige zur Vergrößerung der Kohlenlager von 650 000 auf 400 000 herabgesetzt und die Forderung zum Bau eines großen Trockendocks auf der Kieler Werft gestrichen. Sodann wurde der Antrag Müller-Fulda (Ztr.), von der bereits bewilligten ersten Rate für den Bau von Kreuzerschiffen 1 200 000 Mark durch An­leihe zu decken, angenommen. Der Rest des Etats wurde debattelos er­ledigt.

Es folgt die zweite Berathung des Militäretats. Zum Titel Kriegsminister" beantragen die Abgg. Auer (sozd.) und Gen. eine Re­solution, die Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Erziehung der Jugend zur Wehrhaftigkeit und die Umwandlung der jetzigen Heeresorganisation in eine Milizwehrordnung angebahnt werde. Abg. Liebknecht (sozd.) weist auf die Milizorganisation der Schweiz hin und führt aus, daß sich auf dieser Grundlage auch in Deutschland eine gleiche Einrichtung schaffen ließe. Abg. Baumbach (Reichsp.) betont, daß die Sozialdemokraten nur deshalb ein Volksheer schaffen wollten, um durch dasselbe die politische Macht über die Massen zu gewinnen. Abg. Rickert (frs. Ver.) bekämpft den sozialdemokratischen Vorschlag als utopisch und hebt hervor, daß die Miliz der Schweiz keineswegs so billig sei, wie der Abg. Liebknecht meine. Abg. v. Podbielski (kons.) weist auf die Unbrauchbarkeit des schweizerischen Milizspstems für Deutschland hin; wir brauchten ein scharfes Schwert zum Schutz unseres Vaterlandes.

Fortsetzung der Berathung Montag 1 Uhr.

Das Abgeordnetenhaus

setzte heute die zweite Berathung des Kultusetats fort. Beim Kapitel Technisches Unterrichtswesen" regte der Abg. Böttinger (natlib.) an, daß bei der zunehmenden Bedeutung der Elektrochemie Lehrstühle für die­selbe nicht bloß an den technischen Hochschule», sondern auch an den Uni­versitäten gegründet würden. Der Kultusminister verspricht dieser Anregung Folge zu geben. Abg. v. Epnern (natlib.) fordert, daß an allen technischen Hochschulen Lehrstühlk für Nationalökonomie beständen, aber nicht etwa mit Kathedersozialisten besetzt werden sollten und kommt auf den Zwischenfall zwischen dem Reichstagsabgeordneten Frhrn. v. Stumm und dem Professor Adolf Wagner zu sprechen, indem er die Partei des

Ersteren nimmt und die Professoren und jüngeren Theoretiker des Unfehl- barkeitsdünkels zeiht. Kultusminister Bosse beanstandet den Ausdruck Kathedersozialismus" und fragt, ob der Vorredner etwa verlange, daß die Unterrichtsverwaltung die freie Forschung in der Wissenschaft beschränken solle. Alle Richtungen würden an den Hochschulen herangezogen unter der Voraussetzung, daß sie sich als wissenschaftliche legitimirten. Es entspinnt sich nunmehr eine sehr erregte Debatte, in welcher der Abg. Stöcker (kons.) für die Kathedersozialisten und die Christlickpozialen eintritt, indem er u. A. den Nationalliberalen vorwirft, daß sie, sonst hohe Freunde der freien Wissenschaft, diesmal für ihren Geldschrank zu fürchten schienen. Abg. v. Kardorff (freikons.) tritt für den Frhrn. v. Stumm ein, der zuerst die sozialpolitische Gesetzgebung angeregt habe; ebenso Abg. Bueck (natlib.). Abg. Paasche (natlib.) weist die Wendung des Abg. Stöcker mit dem Geldschrank zurück, spricht aber über die Angriffe des Abg. v. Epnern gegen Wagner und Schmöller sein Bedauern aus. Abg. Frhr. v. Zedlitz (freikons.) wirft dem Abg. Stöcker vor, daß die Berliner Be­wegung einerseits zu Ahlwardt, anderseits zur Sozialdemokratie geführt habe. Abg. Frhr. v. Heereman (Ztr.): Die soziale Frage müsse mit mehr Ruhe behandelt werden, als es hier geschehe. Uebrigens habe nicht Frhr. v. Stumm, sondern das Zentrum und zwar mit einem Antrag des Herrn v. Galen die soziale Gesetzgebung angeregt. Abg. Stötzel (Ztr.) legt dar, daß die Gründung des Gewerkvereins christliche Bergleute im Ruhrgebiet eine hervorragende That gegen die Sozialdemokrtie sei. Abg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.): Man verwechsle so oft die Thätig­keit eines Mannes der Wissenschaft mit der eines Lehrers; jene müsse frei sein, während diese keine einseitige Richtung in die Jugend bringen dürfe und daher der Aussicht bedürfe. Seine Partei wolle den Arbeitern die politische Rechte nicht verkümmern, aber mit der Organisationsfreiheit auf gewerkschaftlichem Gebiet nicht zu weit gehen. Eine bessere Lage für den vierten Stand zu schaffen, fei Sache eines verständigen Zusammenwirkens der Regierung mit den drei oberen Ständen. Abg. Sattler (natlib.) führt aus, daß nothwendiger Weise die Nationalökonomie häufiger mit ihren Theorien wechseln müsse als irgend eine andere Wissenschaft, weil sie auf Erfahrungen aus dem praktischen Leben angewiesen bleibe.

Bei dem TitelFonds zur Verbesserung der äußern Lage von Geist­lichen durch Alterszulagen u. s. w." werden mehrere Anträge des Zentrums auf besondere Berücksichtigung katholischer Geistlicher, u. A. solcher, die aus dem Dienst eines anderen Bundesstaates in den preußischen übertreten, abgelehnt. Der Kultusminister sagt dabei zu, daß er alle solche Fälle, in denen die anderen Staaten Reprozität übten, befürworten werde. Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.): Im Reichstage könne man das Zentrum wohl brauchen, um Schiffe zu bewilligen, aber hier wolle man Gerechtigkeit gegen die Katholiken nicht üben. Abg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.): Die Herren vom Zentrum möchten erst im Reichstage Eifer zeigen, die Finanzen aufzubessern, dann würde man auch hier im Hause materiell in die Lage kommen, ihren Anträgen Folge zu geben.

Nächste Sitzung Montag 11 Uhr: Zweite Berathung des Kultusetats und der an die Budgetkommission zurückverwiesenen Theile des Etats der landwirthschaftlichen Verwaltung.

Berlin, 2. März. Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag die Vorträge des Finanzministers sowie des Ministers der öffentlichen Arbeiten, arbeiteten sodann mit dem Chef des Militärkabinets und nahmen darauf einige militärische Meldungen entgegen.

Berlin, 2. März. Heute Abend empfängt das Kaiserpaar den General Schakir-Pascha in Audienz. Der General wird dem Kaiser das Geschenk des Sultans, einen Ehrensäbel, und den Prinzen Eitel Friedrich und Albert den Osmanieorden überreichen.

Berlin, 2. März. Dem Reichstag ging, nach denFr. N.", der Gesetzentwurf zu, betreffend Abänderung des Zollvereinigungsvertrages vom 8. Juli 1867; darnach ist den Kommunen die Erhebung einer örtlichen Verbrauchsabgabe von Wein, Most, Schaumwein und Kunstwein bis zu 10 Prozent des Werthes gestattet.

Berlin, 2. März. Betreffs der Aussichten des Tabaksteuergesetzes wird in Bundesrathskreisen angenommen, daß in der Kommission des Reichstags eine erhebliche Erhöhung des Zolles beschlossen, dagegen die Fabrikatsteuer abgelehnt werden wird.