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Nr. 48.

Dienstag den 26. Februar.

1895.

Amtliches.

^atröUrcio ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. Landwirthschastlicher Kreisverein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 2. März, nachmittags

2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau. Tagesordnung:

1) Geschäftliche Mittheilungen.

2) Beschaffung von Sommersaatgetreide und Saatkartoffeln. Mitglieder, welche gute Sorten abzugeben haben, werden ersucht, Angebote in der Versammlung abzugeben.

3) Die Nothwendigkeit der Hebung der Getreidepreise und die verschie­denen Mittel und Wege hierzu. Referent: Generalsekretär des land- wirthschafllichen Zenkralvereins für den Regierungsbezirk Cassel, Herr W. Gerland.

4) Zweck und Ziele des Bundes der Landwirthe und die seitherige Thätigkeit desselben. Referent: Herr Lucke-Patershausen.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekannt­machung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau am 23. Februar 1895.

Der Königliche Landrath

v. Oertzen.

Dienswachrichten aus dem Meile.

Gefunden: Am Salisweg ein Portemonnaie mit etwas Geld; Empfangnahme beim Heirn Bürgermeister zu Kesselstadt. Eine Elle (As Metermaß). Eine Laterne.

Entlaufen: Ein weißer Foxterrier mit gelbem Ohr, m. Geschl. Hanau am 26. Februar 1895.

Die Thätigkeit der Ansiedelungskommission im Jahre 1894.

Im Jahre 1894 sind der Königlichen Ansiedelungskommission für die Provinzen Westpreußen und Posen zum freihändigen Ankauf angeboten worden 167 Güter und 31 bäuerliche Grundstücke, davon aus polnischer Hand 60 Güter und 24 bäuerliche Grundstücke. Die Kommission hat aber für Ansiedelungszwecke nur 8 größere Güter, und zwar 7 freihändig und eins gelegentlich einer Zwangsvollstreckung, dagegen keine Bauern­wirthschaften erworben. Von den angetauften Gütern entfallen 6 auf den Regierungsbezirk Posen, je eins auf die Regierungsbezirke Bromberg und Marienwerder. Die gesammte Bodenfläche der erworbenen Güter beträgt 6264,1759 ha zum Kaufpreise von 3 590 850 Mark. Unter Hinzurech­nung der Erwerbungen aus den acht Vorjahren umfaßt der Gesammter- werb der Ansiedeluiigskommijsion am Schluß des Jahres 1894 an Guts­areal 80 286,6103 ha zum Preise von 48 645 936,62 Mark und an bäuerlichem Areal 1351,4157 ha zum Preise von 910 510,25 Mark, zusammen 81638,0260 ha zum Kaufpreise von 49 556 446,87 Mark. Der Flächeninhalt der Erwerbungen des Jahres 1894 bedeutet gegen das Vorjahr ein Weniger von 2160,4336 ha. Der durchschnittlich für den Grunderwerb im Jahre 1894 gezahlte Erwerbspreis stellt sich auf rund 573 Mark für 1 ha, während er sich im Jahre 1893 auf 626 Mark für 1 ha belaufen hat. Die angelegten Preise schwanken zwischen dem 50fachen und dem 72fachen Grundsteuerreinertrage und stellen im Durch­schnitt den 59fachen Grundsteuerreinertrag dar. Der Gesammtdurchschnitts- preis für sämmtliche bisher von der Ansiedelungskommission erworbenen Liegenschaften beträgt 607 Mark für 1 ha.

An Besiedelungsplänen sind im Jahre 1894 4 ausgearbeitet worden, die eine Fläche von 2551 ha umfassen. Die geringere Thätigkeit gegen das Vorjahr erklärt sich aus der starken Inanspruchnahme des Vermesfungs- : büreaus durch Ergäuzungsarbeiten. Im Ganzen sind bisher seit dem Jahre 1886/87 53 033 ha planmäßig aufgetheilt worden. Rechnet man dazu die ohne besonderen Besiedelungsplan begebenen Güter, wie die Bauern- L guter, ferner fünf neue Besiedelungspläne, die im Frühjahr werden aus­

gelegt werden, so wird das zur Parzellirung ausgelegte Areal am 1. April 1895 58 437 ha umfassen, was 71,6 v. H. der Gesammterwerbungen ausmacht. Der Gesammtumfang der eingeleiteten und ausgeführten Drain­anlagen beträgt auf 105 Besitzungen, mit 51254 ha Gesammtfläche 24 089,26 ha Anlagen zum voraussichtlichen Kostenbeträge von 4 119 615,84 Mark. Das Arbeitspensum des Jahres 1894 betrug 3281 ha gegen 1751 im Vorjahr. Die guten Wirkungen dieser Entwässerungsanlagen sind nicht zu verkennen. Sehr gut haben ferner die Versuche gelohnt, dem Graswuchs auf den Mooren durch Senkung des Grundwassers, Besandung, frische Graseinsaat und mineralische Düngung zu Hülfe zu kommen. Die guten Erfolge haben auf die Leiter der Gutsverwaltungen solchen Eindruck gemacht, daß im laufenden Winter für diesen Zweck 9000 m Feldbahnen mit 87 Lowrys in Thätigkeit sind. Größere Projekte sind in zwei Orten in der Ausführung begriffen und werden 400 bis 700 Mark für den ha kosten. Kleinere derartige Meliorationen sind auf 20 weiteren Gütern im Gange. Der finanzielle Erfolg solcher Kulturen stellt sich derart, daß Wiesen und Weiden, die mit 300 bis 400 Mark für den ha bewerthet werden, nach der Kultur einen Werth von 1200 bis 1600 Mark erhalten. An Wegebauten sind einzelne kleine Strecken der Gutsverwaltungen zum Ausbau übertragen. Diese Methode der Erweckung eines selbstthätigen Interesses an dem Wegeausbau innerhalb der jungen Ansiedlergemeinden hat sich bis jetzt sehr gut bewährt.

Auf den 36 fiskalischerseits betriebenen Ziegeleien find im Jahre 1894 12 738 400 Stück Mauersteine, Dachsteine, Firststeine und Drain­röhren hergestellt worden. An Hochbauten sind bisher auf dem Gebiet des Schul- und Kirchenbaus im Ganzen 62 Schulen, 4 Kirchen, 7 Bethänser und 5 Pfarreien errichtet worden. Für die Schulbauten sind in runden Summen 850 000 Mark, für die kirchlichen Bauten 300 000 Mark auf­gewendet worden. Die Schulen sind meist einklassig und umfassen 50 bis 80 Schulkinder. Die Kirchen haben 400 bis 450, die Bethäuser 80 bis 130 Sitzplätze. Im Jahre 1894 wurden 7 Schulen, 1 Kirche und 1 Bethaus fertiggestellt, 11 Schulen, 1 Kirche, 1 Bethaus, 5 Pfarreien, 4 Armenhäuser, 8 Kruggehöfte und eine Anzahl anderer Neubauten in An­griff genommen. Das Kapitalvermögen, welches die Ansiedler in den An­meldungsfragebogen angeben, ist von Jahr zu Jahr gestiegen und betrug im Jahre 1894 durchschnittlich 6800 Mark. Nach Erfüllung der Ansiede­lungsbedingungen haben den Zuschlag erhalten 222 Ansiedler gegen 241 im Vorjahr. Der Rückgang erklärt sich aus der ungünstigen Lage der Landwirthschaft. Begeben sind im Jahre 1894 zur Rente 3793,57 ha zum Werthe von 2 556 315,23 Mark, zur Pacht 330,66 ha zum Werthe von 212 107 Mark, zusammen im Ganzen bisher 28168,42 ha zum Werthe von 17 738 476,81 Mark an 1606 Ansiedler. Von den Ansied­lern stammen aus den Ansicdelungsprovinzen 601 oder 37,42 v. H., aus dem übrigen Deutschland 949 oder 59,10 v. H., von außerhalb Deutsch­lands 56 oder 3,49 v. H. Der Konfession nach stehen 1467 Evange­lischen 149 Katholiken gegenüber. Zur Hebung der Rindviehzucht sind aus drei bestehenden Depots bisher an Ansiedler auf Grund von Kauf­verträgen 167 Stück Färsen und Jungkühe im Werthe von 33 217,30 Mark abgegeben worden. Die auf die Kaufpreise geleisteten Abschlags­zahlungen belaufen sich auf 21 969,38 Mark. Zur Hebung des Obstbaus wurden im Jahre 1894 6839 Obstbäume zum Selbstkostenpreis von 6069,30 Mark geliefert. 25 Ansiedlerstellen sind im Jahre 1894 in die zweite Hand übergegangen.

Tagesschau.

Berlin, 25. Februar.

Im Reichstage

theilte der Präsident zu Beginn der L-itzung mit, daß der Abg. Hänichen (deutschfoz. Resp.) sein Mandat niedergelegt habe. Der Abg. Richter (freist Volksp.) zog seine Interpellation, betreffend die Neuwahl im Wahl­kreise Eisenach, zurück, nachdem der Staatsminister v. Bötticher er­klärt hatte, daß die weimarische Regierung den für die Wahl bestimmten Termin aufgehoben und die Aufstellung von neuen Wählerlisten veran­laßt habe.

' Es folgte die erste Berathung des F i n a n z g e s e tz e s, nach wel­chem die Matrikularbeilräge und die Ueberweifungen balanziren, die et­waigen Überschüsse zu einem Fonds, der zur Deckung von Fehlbeträgen