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Nr. 47.
Montag den 25. Februar.
1895.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein großes Schlachtmesser. Eine silberne Zylinderuhr nebst Kelte. Ein kleiner Gummischuh. Ein Kinderschuh.
Hanau am 25. Februar 1895.
Anarchisten und Sozialdemokraten.
Wie aus früheren Mittheilungen in der Presse genugsam bekannt geworben ist, wurde am 17. Januar d. J. ein Bergmann Wecker vom Schwurgericht zu Dortmund zu zehn Jahren Zuchthaus verurtheilt, weil er am verflossenen Neujahrstage in seinem Wohnorte Unna versucht hatte, das Haus des Polizeikommissars daselbst mittels Dynamits in die Luft zu sprengen. Ein glücklicher Zufall vereitelte die Explosion, welche sonst das Leben und die Gesundheit einer Anzahl von Menschen höchstwahrscheinlich zerstört hätte.
Die Ermittelungen des Strafverfahrens und die Hauptverhandlung ergaben, daß der Thäter ein überzeugter Anhänger der Sozialdemokratie ist. und daß er die verbrecherische That hauptsächlich deshalb verübt hatte, weil der Polizeibeamte, gegen den der Anschlag gerichtet war, wie Wecker selbst sich ausdrücktc, sozialdemokratische Versammlungen „zu scharf über- wachr habe". Weil dieser pflichtgetreue Beamte der Sozialdemokratie unbequem geworden war und ihrer destruktiven Agitation Abbruch that, sollte er also in so verbrecherischer Weise beseitigt werden.
Wenn nun das Organ der Sozialdemokraten von Rheinland und Westfalen, die „Rheinisch-Westfälische Arbeiterzeitung", in ihren Nummern vom 7. und 19. Januar d. J. sich bemüht, jede Beziehung zwischen dem verurteilten Verbrecher und der Sozialdemokratie in Abrede zu stellen, so ist doch für jeden Menschen der Zusammenhang zwischen Weckers That und den sozialdemokratischen Lehren bezw. ihren Vertretern klar, wenn man nur die in dem Prozesse festgestellten Thatsachen sprechen läßt.
Es lohnt sich wohl der Mühe, diese in weiteren Kreisen bisher nicht so genau bekannt gewordenen Thatsachen hier anzuführen: Wecker ist überzeugter Sozialdemokrat; es geht dies hervor aus folgendem: 1. Er bekannte sich offen zur Sozialdemokratie und erklärte auf eine besondere Frage des Gerichtspräsidenten: „Anarchist sei er noch nicht." 2. Er war im Besitz verschiedener sozialdemokratischer Schriften. 3. Er verkehrte vornehmlich in einer sozialdemokratischen Schankwirthschaft. 4. Er war regelmäßiger Besucher der sozialdemokratischen Versamnilungen. 5. Er wohnte bei einem notorischen Führer der Unnaer Sozialdemokraten, dem Schreiner August Garroth, und theilte sein Schlafzimmer mit dessen Gesellen Meier und Büscher, von denen der erstere ebenfalls eine Führerrolle in der sozialdemokratischen Parteibewegung zu Unna einnimmt, letzterer der Partei zwar angehört, aber als Agitator nicht weiter hervorgetreten ist. Garroth, Meier und Büscher hatten schon vor Weihnachten Kenntniß davon, daß Wecker einen Dynamitanschlag ausführen wollte. Keiner von ihnen aber hat die Verwirklichung des verbrecherischen Planes verhindert oder rechtzeitig der Behörde Anzeige davon gemacht.
Wecker war auch Mitglied des Bergarbeiterverbandes und des Ar- beiterbilduugsvereins. Beide Vereine haben eine sozialdemokratische Tendenz. Daß die Schreiner Garroth und Meier in Unna unter den Sozialdemokraten eine Führerrolle einnahmen, ist jedem, der in die Verhältnisse eingeweiht ist, zur Genüge bekannt. Beide haben zahlreiche Versammlungen einberufen und sind in solchen als Redner aufgetreten. Garroth nahm als Delegirter an dem in den Tagen des 15. und 16. September v. I. abgehaltenen sozialdemokratischen Provinzialparteitag für das westliche Westfalen theil.
Beide — Garroth und Meier — sind übrigens Mitglieder, bezw. , Vorsitzende des Fachvereins der Holzarbeiter und des Gewerkschastskartells, auch gehören sie dem Arbeiterbildungsverein an. Wenn die „Rheinisch- | Westfälische Arbeiterzeitung" den Versuch macht, den Wecker als einen f stupiden, geistig verwirrten Menschen hinzustellen, so widerspricht dieser ; Annahme entschieden der Eindruck, den Wecker in der Gerichtsverhandlung i gemacht hat; auch läßt die Art der Vorbereitung und der Ausführung des â Verbrechens einen so hohen Grad von Raffinirtheit und Ueberlegung er
kennen, daß man wohl eine sehr rohe und gemeingefährliche Gesinnung, keineswegs aber einen geistigen Defekt bei Wecker als vorhanden annehmen kann.
Wir haben vorstehend lediglich die erwiesenen Thatsachen reden lassen; sie genügen vollständig, um die Versuche der Sozialdemokraten, die Anarchisten von ihren Rockschößen abzuschütteln und sie allein für die Dynamitattentate verantwortlich zu machen — Versuche, welche die parlamentarischen Führer der Sozialdemokratie auch in der Umsturzkommission fast in jeder Sitzung wiederholen — auf ihren wahren Werth zurückzuführen.
Tagesschau.
Berlin, 23. Februar. Das Abgeordnetenhaus
setzte heute die zweite Lesung des Kultusetats fort. Abg. Dasbach (Centrum) tritt nochmals für paritätische Behandlung der Katholiken und für den Schutz der polnischen Nationalität ein. Als Frankreich 170 Jahre über Elsaß-Lothringen herrschte, habe es die deutsche Sprache nicht angetastet, und doch seien die Einwohner gute Franzosen gewesen. Abg. Schrader (Pole): Die Zahl der katholischen Lehrer in Posen und Westpreußen entspreche nicht dem Verhältniß der Konfessionen. Kultusminister Bosse weist dem gegenüber auf die große Zahl katholischer Schulen hin, die in den letzten Jahren in Posen errichtet worden. Ein Vergleich zwischen den Reichsländern und den Polen könne nicht gezogen werden. Ein Residuum aus beni Kulturkampf sei ebensowenig bei der Zentralbehörde wie bei den Paovinzialbehörden vorhanden. Abg. Gerlich (freikons.): Die Mitglieder des Centrums möchten bedenken, daß sie nicht allein Katholiken, sondern auch Deutsche seien. Abg. Graf zu Limburg - Stirum (kons.): Seine Freunde standen den katholischen Orden, welche sich der Krankenpflege widmeten, durchaus wohlwollend gegenüber; es genüge, die Erlaubniß zu Niederlassungen derselben bei den Oberpräsidenten zu betreiben, anstatt gleich die Ministerialinstanz anzurufcn. Abg. Frhr. v. Heereman (Centrum) : Das Centrum trete für die Polen ein, nicht weil sie Katholiken seien, sondern weil ihre Ansprüche berechtigt wären. Der Kultusmini st er theilt mit, daß die Zahl der katholischen Ordensniederlassungen in Preußen von 890 mit 7248 Mitgliedern im Jahre 1882 bis zum Jahre 1893 auf 1215 nist 14 044 Mitgliedern gestiegen sei. Abg. Hauptmann (Centrum) tadelt es, daß Staatsbeamte geheimen Gesellschaften angehören dürften. Abg. Friedberg (natl.): Das Centrum verlange Freiheit für die katholischen Orden und andererseits Unterdrückung der Freimaurer; das sei ein Widersvruch. Abg. Frhr. von Zedlitz (freikons.): Seine Freunde theilten die Anschauung, welche Abg. Graf zu Limburg-Stirum über die Ordensfrage geäußert habe; konfessionelle Prinzipienfragen auszutragen, sei jetzt nicht an der Zeit. Eine Anregung des Abg. Dittrich (Centrum), dem Astronomen Kopernikus in Frauenburg ein Denkmal zu errichten, wird vom Kultusminister wohlwollend ausgenommen. Abg. v. Schenckendorff (natl.) dankt der Unterrichtsverwaltung, daß sie den Bestrebungen des Zentralausschusses zur Beförderung von Jugend- und Volksspielen ein so warmes Interesse entgegen bringe, und spricht dafür, daß die Schule mehr mit den Anforderungen des praktischen Lebens in Verbindung gebracht werde, damit schon im Kindesalter der erschreckenden Zunahme von Nervenschwäche und Blutarmuth gesteuert werde und die Volksheiterkeit, die der Nation abhanden gekommen sei, wieder erwache. Abg. Fr i edb er g (natl.) tritt für Alterszulagen an die Universitätsprofessoren, für gleichmäßige Gestaltung der Promotionsbedingungen, ferner im Interesse der Studirenden der Chemie für technischen Unterricht an den Universitäten und dafür ein, daß an den Universitäten Kurse über Versicherungswesen an Beamte eingerichtet werden. Abg. Frhr. v. Heereman (Centrum) bittet die Regierung, in Erwägung zu ziehen, wie aus der Akademie Münster eine vollständige katholische Universität zu machen sei. Abg. Dittrich (Centrum) tritt dem bei; die Katholiken müßten eine Stätte haben, wo sie die Freiheit ihrer Wissenschaft entwickeln könnten. Abg. Virchow (fr. Volksp.) widerspricht diesen Forderungen. Wir hätten bisher noch keine besondere katholische Wissenschaft anerkannt; die Wissenschaft habe mit der Konfession nichts zu