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D^ l/»fp. Zeile 15 -4.

Die 2spalt. Zeile 20 X

Die Zspalt. Zeile 90 4.

Nr. 42.

Diennag den 19. Februar.

1895.

Amtliches.

Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe XXII zu den SV^/oigen Preußischen Staatsschuldscheinen von 1842.

Die Zinsscheine Reihe XXII Nr. 1 bis 8 zu den 3*/s°/oigen Preußischen Staatsschuldscheinen von 1842 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1895 bis 31. Dezember 1898 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 15. Dezember 1894 ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jeden Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang ge- nommen oder durch die Regierungshauptkassen, fowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauf­tragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinan­weisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt bem Einreicher eine nummerirte Marke als Em- pfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine aus­drückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. In letzterem Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.

In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staats­papiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht ein lassen.

Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeich­nisse einzureichen. Das eine Verzeichnis wird, mit einer Empfangsbeschei­nigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zins­scheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkaffen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.

Der Einreichung der Staatsschuldscheine bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Staatsschuldscheine an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.

Berlin den 22. November 1894.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

I 2712. gez. v. Hoffmann.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungshauptkasse und den Steuerkasfen unseres Bezirks verabreicht werden.

Cassel den 28. November 1894.

Königliche Regierung.

K. 2414. J. V.: v. Pawel.

Dienstnachrichten ans dem Kreise.

Verloren: Eine kurze Nickeluhrkette mit Anhängsel von einem im Jahre 1764 geprägten Thaler. Ein Ämethisttriangel von einer Uhrkette.

Entlaufen: Ein kleiner rehfarbiger Pinscherhund. Ein brauner deutscher Doggenhund mit weißer Brust, mit Halsband, darauf der Name C. H." ; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 19. Februar 1895.

Hebung des Sparsinns.

Der Hebung des Sparsinns bei den Arbeitern ist neuerdings mehr Aufmerksamkeit, als bisher zugewendel worden, da sich in arbeiterfreund­

lichen Kreisen mehr und mehr die Erkenntniß Bahn gebrochen hat, daß nur diejenigen Arbeiter, die sich durch Sparsamkeit einen gewissen pekuniären Rückhalt erworben haben, in der Lage sind, in Zeiten schlechten Geschäfts­ganges einer abwärtsgehenden Tendenz der Löhne erfolgreicher als es sonst geschehen könnte, Widerstand zu leisten, Arbeiter dagegen, die nur auf ihren augenblicklichen Verdienst angewiesen sind, allen Zufällen, die nirgends ausbleiben, rettungslos preisgegeben sind. Um so mehr ist es zu bedauern, daß üble Rathgeber sich an die Arbeiter herandrängen, welche geradezu vom Sparen abrathen, ja die Erfolge" fleißiger und sparsamer Arbeiter ver­spotten. So kommt es denn, daß die Arbeiter häufig, wenn sie auf Spar­samkeit hingewiesen werden, erwidern, man muthe ihnen zu, auf jeden noch so bescheidenen Lebensgenuß zu verzichten, und sich deshalb ablehnend ver­halten. Diese Erfahrung ist auch von den Gewerbeaussichtsbeamten gemacht worden, wie sich aus den Berichten über das Jahr 1893 ergibt. Beson­ders scharf äußert sich in dieser Hinsicht der Aufsichtsbeamte für Baden, der in seinem Bericht bemerkt, daß er keine Anzeichen für eine Besserung in der Entwickelung des Sparsinns habe entdecken können, vielmehr scheine es, daß in den größeren Jndustrieorten die Verhältnisse nach dieser Rich­tung hin so ungünstig wie möglich liegen.

Glücklicherweise haben nicht alle Berichterstatter Ursache, so schwarz zu sehen, und aus vielen Bezirken kommen günstigere Berichte, die einen Einblick in die verschiedene Art und Weise gewähren, auf die die Hebung des Sparsinns der Arbeiter versucht wird. So berichtet z. B. der Auf­sichtsbeamte Zür Westpreußen, daß von den Arbeitern der Firma Löser und Wolf 275 Sparer in einem Jahre 14 689 Mark zurückgelegt haben. Zur Hebung des Sparsinns legt die Firma den zwanzigsten Theil der im Laufe des Jahres angesammelten Beträge als Prämie zu und gewährt außerdem neben den Zinsen der Sparkasse eine dauernde Verzinsung von 5 vom Hundert. In einer Herforder Zigarrenfabrik wird jedem Lehrling wöchent­lich der Betrag von 50 Pf. vom Lohn abgezogen und bei der städtischen Spa, kaffe eingezahlt. Auch nach beendigter Lehrzeit sucht die Firma auf die Fortsetzung des Sparens hinzuwirken. Ende 1893 hatte die Firma bei 350 Arbeitern 69 Sparkassenbücher mit 11277 Mark in Verwahrung. Die höchste Einlage betrug 1315, die niedrigste 10 Mark. Eine Milse- Bielefelder Leinenweberei hat eine Sparkasse errichtet, in der sie alle Ein­lagen bis zu 300 Mark mit 5 vom Hundert verzinst, für regelmäßige Sparbeträge zahlt die Firma für jeden Arbeitstag einen Zuschuß von 10 Pf. Bei der für die Königliche Eisenbahnhauptwerkstätte zuPaderborn vor 10 Jahren errichteten Sparkasse besteht die Einrichtung, daß die Sparbeträge erst nach 2^ Monaten der Kreissparkasse übergeben werden. Hierdurch wird erreicht, daß dauernd eine Summe von rund 1500 Mark zur Verfügung steht, von welcher die Sparer für kurze Zeit kleine zinsfreie Beträge leihen können. In der Bonner Jutespinnerei zählte dieKaiser Wilhelm-Spar­kasse" im Jahre 1893 128 Mitglieder, die an jedem Zahltage 50 Pf., 1 Mark oder 1,50 Mark einzahlten. Die Gesammteinlagen betrugen 3081,50 Mark, der Gewinn 908,80 Mark. In jedem Jahr werden die Einlagen und der Gewinn kurz vor Weihnachten als Weihnachtsgabe wieder vertheilt. In zwei Fabriksparkassen der Bezirke Schwaben und Bautzen wird der Sparsinn der Arbeiter noch durch einen hohen Zinsfuß angeregt; die Verzinsung erreicht für die kleinsten Beträge bis zu 200 Mark 12 pCt. jährlich. Auch das wirkt schon günstig auf die Sparlust ein, wenn, wie es in einer Firma des Bezirks Aue geschieht, den Arbeitern die kleinen Unbequemlichkeiten, wie die Besorgung der Sparkassenbücher und die Uebermittelung der Beträge an die Sparkasse, abgenommen und von der Fabrik aus besorgt wird. Ein Verein im Bezirk Chemnitz hatte im Jahre 1892 eine Konsirmanden-Ausstattungssparkasse errichtet. Am Schlüsse des Jahres 1893 waren von 486 Personen 2454 Bücher angelegt worden; die Summe der gesparten Beträge bezifferte sich auf 6887 Mark. Die Errichtung einer Jugendsparkasse ist im Werke.' Eine solche Jugendfpar- kasse, wie sie hier geplant wird, besteht in Wurzen bereits seit dem Jahre 1879. Im Interesse ihrer Kinder gehören auch phlreiche Arbeiter dieser Kasse an. Der Erfolg dieser Einrichtung ist bedeutend: Ende 1893 be­trug der Bestand 162 026 Mark.