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Hanmer Anzeiger.

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ArntKlHes ^rgxm für Stcröt- und LcrnöKreis Karrcru.

Erscheint täglich Mit Asssa^se der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Montag den 18. Februar.

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1895.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt auf seinen Bestellgängen ein Annahme­buch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Pallete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Wünscht der Absender die Eintragung selbst zu bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.

Cassel, 11. Februar 1895.

Der Kaiserliche Oberpostdirektor

Frank.

^Lattdlireio ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Das Großherzogl. Kreisamt Friedberg hat bezüglich der Maul- und Klauenseuche die nachstehende Bekanntmachung erlassen.

Hanau am 15. Februar 1895.

Der Königliche Landrath.

V. 1032 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Bekanntmachung.

Betreffend: Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche.

Nachdem die rubr. Seuche in den benachbarten Kreisen im Wesent­lichen wieder erloschen ist, setzen wir die mit den Bekanntmachungen vom 1. Dezember 1894 (Kreisblatt Nr. 142) und vom 15. v. Mts. (Kreis­blatt Nr. 9) bezw. 19. v. Mts. (Kreisblatt Nr. 10) angeordneten Sperr­maßregeln wieder außer Kraft.

Friedberg den 7. Februar 1895.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg.

Dr. Braden.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein hellgraues Strickzeug. Ein Patentfederköcher in Nickel mit Inhalt.

Entlaufen: Ein blaugrauer dänischer Doggenhund mit weißer Brust und weißen Pfoten, m. Geschl.

Gefunden: Ein schwarzer wollener gehäkelter Frauenkragen. Ein Kompaß. Eine Schelle. Vor einiger Zeit auf der Straße von Wilhelms­bad nach Hanau ein Portemonnaie mit Geld re. Eine Brille mit Futteral. Ein dreireihiges Korallenarmband.

Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Pinscher m. Geschl.

Hanau am 18. Februar 1895.

Zwei Dinge

sind es, durch welche die Sozialdemokratie einen überaus unheilvollen Ein­fluß aus den deutschen Arbeiterstand ausübt, einmal daß sie dem Volke die Religion nimmt, und dann, daß sie die wohlthätigen Wirkungen der kaiser- i Uchen Sozialreform durch Schmähungen herabsetzt und, wo sie kann, die zum Wohl der Arbeiter geschaffenen neuen Einrichtungen für die Zwecke f ihrer Agitation ausbeutet.

Für das größte Unheil halten wir es, daß die sozialdemokratische Agitation nicht bloß politische Zwecke ins Auge faßt, sondern vor allem die Verbreitung der materialistischen Weltanschauung in den arbeitenden Volksklassen bezweckt und dadurch den Fluch über unzählige Familien und einzelne Personen herbeiführt. Ein Mensch ohne Religion hat keinen Halt, er folgt der bösen Gesellschaft und verliert auch die guten Sitten. Es währt nicht lange, so ist er auch ein Mensch ohne Gewissen. Die Ver­heerungen, die der Branntwein anrichtet, die allenthalben hervortretenden Zeichen von Ausschweifung und Sittenlosigkeit, von gestörtem Familienglück und von Verwahrlosung der Kinder, sie stammen alle aus dem Mangel an Religion.

Die Sozialdemokratie ist aber systematisch an der Arbeit, dem Volke die Religion und die Anhänglichkeit an die Kirche auszutreiben. Ihr Satz

Religion ist Privatsache" wurde längst allenthalben als eine der Agita- tionâphrasen erkannt, die, bei Licht besehen, nur auf die Taktik gemünzt sind und der Wirklichkeit nicht entsprechen. Was Hilst es, daß die Sozial­demokratie mit bitterer Gehässigkeit die Sünden der oberen Klassen auf Schritt und Tritt ans Licht zieht, wenn sie von den Sünden der unteren Klassen nichts weiß und nach der von ihr eingeführten Klassenmoral jeden, der kein Arbeiter ist, von vornherein für einen Ausbeuter, Heuchler und Sünder hält.

Neid und Haß gegen die Besitzenden, Undank auch gegen die wohl­wollendsten Arbeitgeber, das ist der Same, den die Sozialdemokratie aus­streut und der leider besonders bei der Jugend auf empfänglichen Boden fällt. Der Morgen des neuen Ankunftstages soll blutroth aufgehen unter der Mitternachtssonne des Atheismus, der Umsturz soll durch Revolutio- nirung der Köpfe und der Herzen langsam, aber sicher ins Werk gesetzt werden. Das hat auch unser Kaiser richtig erkannt, wenn er allen, die Staat und Kirche erhalten wollen, zuruft: Auf zum Kampf für Religion, Sitte und Ordnung!

Das zweite aber, wodurch die Sozialdemokratie unsägliches Unheil anrichtet, ist die systematische Herabsetzung der kaiserlichen Sozialreform und die Ausbeutung selbst der bestgemeinten Gedanken und Einrichtungen un­serer Sozialgesetzgebung für die sozialdemokratische politische Agitation. Dadurch wird nicht nur in Arbeiterkreisen das Mißtrauen gegen die So­zialreform wachgerufen, sondern auch die Arbeitgeber, denen durch dieselbe viele Opfer zugemuthet werden, werden unwillig, und statt diese Gesetz­gebung soweit wie möglich zu fördern, erklären sie sich gegen dieselbe. Gutes, was noch geschaffen werden könnte, muß ausgeschoben werden, um dieser berechtigten Stimmung Rechnung zu tragen.

Als neulich der Reichstag über Arbeiterkammern verhandelte, erklärte sich namens der Industriellen der Abgeordnete Freiherr v. Heyl gegen die obligatorische Einführung von Arbeiterkammern sowie gegen jede Organisation, welche nicht eine gemeinsame von Arbeitgebern und Arbeit­nehmern ist. Selbst die Schweiz habe das Jnitiativbcgehren des Rechtes auf Arbeit und die Demokratistrung der Fabriken mit großer Mehrheit abgelehnt. Nachdem die Gewerkvereine sowohl in England, als auch bei uns in ihrer überwiegenden Mehrzahl in das Fahrwasser der Sozialdemo­kratie eingelenkt sind, sei es unmöglich, den Arbeitern nun einseitige Kor­porationsrechte zu gewähren. Auch die Arbeiterausschüsse hätten sich in keiner Weise bewährt, da sie eine Scheidewand zwischen dem Arbeitgeber und dem einzelnen Arbeiter aufrichten.

So liegt denn zu Tage, daß die Sozialdemokratie die Gelegenheit, welche die Sozialgesetzgebung ihr bietet, um in praktischer Weise für das Wohl der Arbeiter einzutreten, einfach in das Gegentheil verkehrt, dadurch, daß sie auch hier, wie in allen Arbeiterfragen, nicht die Wohlfahrt der einzelnen, noch das Gedeihen der deutschen Industrie, von welchem doch auch das Wohl der Arbeiter abhängig ist, ins Auge faßt, sondern lediglich ihr Parteiinteresse, die Wühlerei für den Umsturz, die Erregung von all­gemeiner Unzufriedenheit und die Revolutionirung der Massen. Ihr ist es um die Machtfrage für die Parteileiter, nicht aber um die Wohlfahrt für das Volk zu thun.

Tagesschau.

Berlin, 16. Februar.

Im Reichstage

wurde heute die Berathung des Währungsantrages beendigt. Abg. Siegle (natlib.) erklärt sich als Anhänger der Goldwährung gegen den Antrag, wogegen der Abg. Leuschner (Reichsp.) für den Bimetallismus eintritt, dessen Durchführung sowohl Deutschland wie auch den auswärtigen Staaten zum Vortheil gereichen würde. Abg. Richter (frs. Volksp.) be­tont, daß eine neue Währung die Unsicherheit im Erwerbsleben nur ver­mehren würde, auch die Landwirthschaft könne aus einer Aenderung der Währung keineswegs Nutzen ziehen. Abg. Friedberg (natlib.) befür­wortet die Einberufung einer internationalen Währungskonferenz. Staats­sekretär Graf Posadowsky hebt hervor, daß die Währungsfrage tief­gehend sei und von ungeheurer Bedeutung für das gesammte wirthschast- lichc Leben, es sei daher die Pflicht des Reichskanzlers gewesen, eine wohl­wollende Prüfung der Frage in Aussicht zu stellen. Nach dem Schlußwort des Abg. v. Kardorff (Reichsp.) wird der Antrag mit großer Mehrheit angenommen.