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Geldstrafen und die erkannten Kosten, nicht aber auf andere, dem Verur- theilten erwachsene Auslagen und Nachtheile erstreckt.

Die von einem Kaufmann gewerbsmäßig geübte Auskunftertheilung (in einem sog. Auskunftbureau) ist, nach einem Urtheil des Reichsge­richts, VI. Zivilsenats, vom 5. November 1894, als ein Handelsgeschäft anzusehen, und der Inhaber des Auskunftbureaus ist bei seiner Auskunft- ertheilung zur Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns verpflichtet.

Die Frage, ob ein Roman als eine unzüchtige Schrift, deren Ver­breitung aus § 184 Str.-G.-B. zu erachten ist, kann, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 18. September 1894, regelmäßig nur nach dem Gesammtinhalt des Romans richtig beurtheilt werden, ist aber der Roman in einer Zeitschrift, von der jedes Heft einzeln verkauft wird, stückweise herausgegeben worden, und ist dasjenige Heft, welches un- züchtige Stellen enthält, in solche Leserkreise gelangt, die nur dieses Heft in die Hände bekamen, so kann, ohne Rücksicht auf den Gesammtinhalt des Romans, das Unzüchtige des in dem betreffenden Heft enthaltenen Theils festgestellt werden.

Depeschen-BureauHerold".

14, Februar, abends 9 Uhr:

Berlin, 14. Februar. Aus dem gestrigen Subskriptionsballe unter­hielt sich der Kaiser längere Zeit mit dem österreichischen, spanischen und italienischen Botschafter.

Berlin, 14. Februar. In Hofkreisen zirkulirt, der Kaiser begebe sich Ende März nach Friedrichsruh, um dem Fürsten Bismarck persönlich seine Glückwünsche auszusprechen.

Berlin, 14. Februar. Die Budgetkommission des Reichstags hat heute die einmaligen Ausgaben des württembergischen Militäretats be­rathen. Zur Vergrößerung der Garnisonsbäckerei in Ludwigsburg werden 60 000 M. bewilligt, ebenso für Neubauten von 2 Exerzierkasernen in Ulm 75 000 M. bezw. 29 000 M. Bewilligt werden ferner die gefor­derten 14 288 M. zur Gewährung von Zulagen an die Unteroffiziere tc. bei den Besatzungstruppen in Elsaß-Lothringen. Eine längere Debatte knüpft sich an die Forderung von 9 000 000 M. für Erwerbung eines Truppenübungsplatzes für das württembergische Armeekorps. Die beiden Referenten Abg. Gröber (Centrum) und von Massow (deutschkons.) be­mängeln den hohen Preis und regen an, ein billigeres Terrain zu er­werben. Der württembergische Kriegsminister Schott von Schottenstein hebt hervor, daß weder die vorhandenen Exerzierplätze noch die Schicß- standanlagen den Ansorderungen genügen, welche infolge der weitergehen­den Gefechtsausbildung der Truppen zu stellen sind. Ein Artillerieschieß­platz für das Armeekorps sei überhaupt nicht vorhanden. Soll nicht die Ausbildung der Truppen in der Durchführung des Gefechts erheblich be­einträchtigt oder das öffentliche Interesse schwer geschädigt werden, so sei die Erwerbung eines geeigneten Uebungsgeländes unumgänglich nothwendig. Ein weiteres Warten würde keine günstige Gestaltung der Preisverhält­nisse erhoffen lassen, eher sei zu befürchten, daß die Ansprüche der Grund­besitzer von Jahr zu Jahr sich steigern würden. Die Fortsetzung der Be­rathung wird auf morgen vertagt.

Berlin, 14. Februar. In einem LeitartikelManchesterlehre und Bundschuh-Programm beschäftigt sich dieStaatsbürgerzeitung" mit dem Programm Ahlwardt's und seiner Absicht der Gründung einer neuen Partei. Am Schluffe dieses Artikels sagt das Blatt: Von allen den ver­unglückten Versuchen, den Antisemitismus an eine der alten Parteien an­zulehnen, ist der neueste Versuch des Herrn Ahlwardt der unglücklichste und unbegreiflichste.

Berlin, 14. Februar. Das Befinden des Geheimrath Curtius ist heute schlechter als gestern. Der Patient hatte eine schlaflose Nacht.

Berlin, 14. Februar. Der Gouverneur von Kamerun, Herr von Zimmerer, der am 12. ds. mit Urlaub in Marseille angekoinmen, hat vor­läufig an der Riviera Aufenthalt genommen. Wenn derselbe in Berlin eintrifft, ist noch nicht bestimmt.

Berlin, 14. Februar. An zuständiger Stelle ist an der Mit­theilung aus Paris, daß Frankreich hier einen Marineattachè beglaubigen werde, nichts bekannt, man hält aber die Verwirklichung dieser Aussicht für leicht möglich.

Berlin, 14. Februar. Während der Rede des Abg. Jebsen in der heutigen Sitzung des Reichstags besuchte der Präsident von Levetzow die Journalistentribüne, um sich persönlich von den Mängeln derselben, die neulich zur Sprache gebracht wurden, zu überzeugen.

Berlin, 14. Februar. In Sachen des Duells zwischen dem Reichstagsabgeordneten Liebermann von Sonnenberg und Dr. Böckel theilt eine parlamentarische Korrespondenz mit, daß Dr. Böckel die an ihn er­gangene Forderung angenommen habe.

Berlin, 14. Februar. DemVorwärts" wird aus Zwickau in Sachsen telegraphirt: Der 9200 Mitglieder zählende Verband sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter wurde aufgelöst; demselben Schicksal verfiel die Begräbnißkasse des Verbandes, welcher 1700 Mitglieder angehören. Das Vermögen des unterdrückten Verbandes beläuft sich auf ca. 100 000 Mark.

Budapest, 14. Febr. Die Polizei verhaftete den Inhaber einer Waschanstalt, namens Leopold Kraus sammt seinen Gehülfen. Dieselben haben in letzter Zeit zahlreiche Kasseneinbrüche verübt.

Bukarest 14. Febr. Das leitende Oppositionsblatt erklärt, daß im Falle der Annahme des Berggesetzes die Bevölkerung auch zu illoyalen Kampfmitteln gegen die Regierung berechtigt sei.

Brüssel, 14. Febr. Die Sozialisten kündigen an, daß im Parla­ment die Regierungsvorlage betr. die Gemeiudewahlreform heftig bekämpft werden wird und daß das einfache allgemeine Stimmrecht gefordert wer­den soll.

Rom, 14. Febr. Infolge heftiger Zwischenfälle nach der Be­erdigung des früheren Königs Franz von Neapel zwischen mehreren fürst­lichen Familien hat Graf Bari dem Herzog Parma seine Zeugen geschickt. Trotzdem Parma sich entschuldigte, besteht Bari auf der Forderung.

Apco, 14. Febr. Heute Mittag war der Zustand des Erzherzogs Albrecht unverändert. Die Entzündung hat sich nicht weiter verbreitet. Der Fieberstand war 38,7; der Kräftezustand ist befriedigend.

Paris, 14. Febr. Gestern wurde der italienische Botschafter Reß­mann vom Präsidenten Faure in Abschiedsaudienz empfangen. Am Schluffe derselben überreichte der Präsident dem Botschafter das Abzeichen des Groß­kreuzes der Ehrenlegion.

Lonvon, 14. Febr. DerStandard" meldet aus Tientsin, daß der Vizekönig Prinz Kung und Sir Robert Hart zu Bevollmächtigten der chinesischen Regierung ernannt worden sind. Beide sind nach Aokohama gereift, um die Friedensverhandlungen aufzunehmen.

London, 14. Febr. Die heutigen Morgenblätter theilen mit, eine deutsche Kolonne habe in Kraki an der afrikanischen Goldküste ihre Fahne aufgepflanzt.

Petersburg, 14. Febr. Dem Zaren gehen fast täglich Drohbriefe und nihilistische Manifeste zu, seitdem er die Selbstherrschaft proklamirt hat. Es geht das Gericht, es sei ein Palastbeamter verhaftet worden, als er sich nachts in das Arbeitszimmer des Zaaren einschlich und Stahlstiche einschmuggelte, welche die Ermordung Alexanders II. darstellten.

15. Februar, vormittags 9 Uhr:

Berlin, 15. Febr. Der Kaiser beschäftigt sich, wie verlautet, seit einiger Zeit mit dem Studium des Seekriegrechts, um zum Schutze des Privateigenthums etwas zu thun. Der Monarch trage sich mit der Durch­führung bestimmter politischer Pläne, wobei es sich hauptsächlich darum handele, daß alle Kausfahrer im Kriegsfalle ebenso von den Krieg führenden Mächten respektirt werden sollen, wie es im Landkriege gegenüber dem Privateigenthum der Fall ist. Wahrscheinlich werde demnächst der Kaiser vor fachmännischem Auditorium diese Zeitfrage erörtern.

Mannheim, 15. Febr. Eine von 3000 Personen besuchte so­zialistische und stürmisch verlaufene Volksversammlung nahm eine Reso­lution an, welche Dreesbach Vertrauen ausspricht und Dr. Rüdt ein Miß­trauensvotum aiisstellt.

Hamburg, 15. Febr. Der DampferElse Marie" von hier nach' Baltimore ist an der Küste von Virginia gestrandet, dürfte jedoch wieder flott gemacht werden, ebenso der DampferAlbingia", der nach Hongkong abgegangen ist und an der chinesischen Küste strandete.

Pera, 15. Febr. Eine neue Ueberschwemmung in der Adrianopeler Gegend vernichtete die Hilfsbauten und verhindert fortdauernd den direkten Bahnverkehr mit Konstantinopel auf der europäischen Seite.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

(Kleinere den Thatsachen entsprechende Mittheilungen über Vorkommnisse in hiesiger Stadt und der Umgebung sind stets willkommen und werden entsprechend vergütet.)

-r Stadttheater.

Cornelius Voß."

Die Benefizabende für die Darsteller finden in laufender Saison nicht die gleiche Antheilnahme des Publikums wie vergangenes Jahr; auch die Vorstellung am letzten Mittwoch zum Vortheil für den jugendlichen Komiker Herrn Alberti war leider nicht so besucht wie es dem streb­samen Darsteller wohl zu wünschen gewesen wäre, trotzdem derselbe unseren Theaterbesuchern in der Mitwirkung der munteren Naive des Frankfurter Stadttheaters, Fräul. Bertha Gieseke (einer Schwester des hier engagir- ten Herrn Gieseke), noch einen besonderen Genuß bereitete. Auch die Wahl des Stückes konnte nur befriedigen, dennCornelius Voß" von Franz v. Schönthan gehört zu den amüsantesten und wirksamsten Lustspielen der neueren Jett. Die Aufführung unter der Regie des Herrn Schramm war eine musterhafte. Fräul. Gieseke entwickelte in der Rolle der Paula", Tochter des Grafen Pernwald, einen so frischen fröhlichen Hu­mor, daß sie sich die Sympathieen des Publikums im Fluge gewann; ihr heiteres munteres Lachen, der einfache kindliche Ton und das flotte tempe­ramentvolle Spiel, unterstützt durch die besten Hilfsmittel wie Jugend, An­muth und ein recht gefälliges Aenßere, und noch dazu eine so überaus dankbare Rolle verhalfen ihr zu einem stürmischen Erfolg, der sich in den lebhaftesten Beifallsbezeugungen äußerte. Der Benefiziant, Herr Alberti, war in der Wiedergabe desArnold Bäckers" auch recht glücklich; der heitere lebensgute sorglose Mensch ward von dem Herrn zwar mit etwas

15. Februar 1895.