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Nr. 34.

Samstag den 9. Februar.

1895.

Amtliches.

^attö&reiö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Anbetracht der in dem Stadt- und Landkreise Hanau häufig auftreteuden Diphtherie wird hiermit in Gemäßheit des §. 3 der Polizei­verordnung vom 30. November 1877 (Amtsblatt de 1877 Seite 374) die im §. 1 augeordnete Anzeigepflicht der Aerzte bis auf Weiteres auf die genannte Krankheit für den Umfang des Stadt- und Landkreises Hanau ausgedehnt.

Cassel am 29. Januar 1895.

Der Regierungspräsident. Haussonville.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 8. Februar 1895.

Der Königliche Landrath

V. 890 v. Oertzen.

In Altenstadt ist nach Mittheilung des Großh. Kreisamts zu Bü­dingen die Marll- und Klauenseuche erloschen.

Hanau am 6. Februar 1895.

Der Königliche Landrath v. Oertzen.

Nach Mittheilung des Königl. Polizeipräsidiums zu Frankfurt a/M. ist die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindviehbestand des Bürger­meister Schäfer in Ginnheim und Caspary in Preungesheim erloschen und die Gehöftsperre, desgleichen auch die unter dem 8. v. Mts. verfügte Kreissperre aufgehoben worden.

Hanau am 7. Februar 1895.

Der Königliche Landrath

V. 875 v. Oertzen.

Handelskammer zu Hanau.

Diejenigen Firmen unseres Bezirkes, welche ein Export- oder Import- interesse an dem Abschlusse eines neuen

Handelsvertrages mit Japan haben, bitten wir um alsbaldige gest. Mittheilung ihrer Wünsche be­hufs deren Verwerthung bei den Berathungen des zu Mitte Februar von dem Herrn Reichskanzler nach Berlin berufenen engeren Zollbeirathes.

Hanau, 5. Februar 1895.

Die Handelskammer.

Canthal.

1665 Sekretär: Steller.

Tagesschau.

Berlin, 8. Februar.

Im Reichstage

wurde heute die Besprechung der Interpellation Hitze (Zentrum) und Ge­nossen, betr. die Organisation der Arbeiter, beendigt. Abg. Freiherr von Heyl (natl.) tritt für eine gemeinsame Organisation der Arbeiter und Arbeitgeber ein. Abg. H ü ped'en (kons.): Er stehe auf dem Boden der Kaiserlichen Erlasse von 1890; die Umsturzvorlage sei eine bedauerliche Nothwendigkeit zur Bekämpfung der Umsturzbcstrebungen. Abg. Legien (Soz.): Es sei ein Widerspruch, wenn jetzt behauptet werde, daß die In- stitulionen der Sozialgesetzgebung der Sozialdemokratie als AgitationsMittel : dienten, denn die Sozialgesetzgebung sei gerade zur Bekämpfung der So- j zialdemokratie ins Leben gerufen worden. Darauf wurde die Besprechung i der Interpellation geschlossen.

Dem Anträge der Wahlprüfungskommission wurden die Wahlen der Abgg. Pichler (Ztr.), C a s s e l m a nn (fr. Volksp.) und B a n l l e o n (natl.) für ungiltig erklärt.

Nächste Sitzung Sonnabend 2 Uhr: Interpellation, betreffend die Verhütung von Verlusten an Menschenleben bei SeeunfäUeu, und die i Mooelle zu dem Gesetz, betr. die Gebühren bei den Konsulaten des Reiches.

DM- Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhattuugsdlatt 14 Seiten.

. Im Abgeordnetenhaus

I wurde heute die zweite Lesung des Eisenbahnetats fortgesetzt und I dabei hauptsächlich über die Personentarise verhandelt. Für Herabsetzung der letzteren sprachen die Abg. Pleß (Ztr.) und Brömel (freis. Ver.), ! dagegen die Abgg. Graf zu Limburg-Stirum (Ions.), und Paasche (natl.). Einige Redner schlugen vor, die erste, andere, die vierte Wagen­klasfe abzuschaffen; andere wieder traten für die Aufrechterhaltung der bisherigen Klasseneintheilung ein. Auch die allgemeine Frage der Tarif­reform wurde nochmals zur Sprache gebracht und namentlich von den Abgg. v. Epnern (natl.), Ehlers (freis. Ver.) und Brömel (freis. Ver.) be­fürwortet, während die Minister Miquel und Thielen ihren zuwartenden Standpunkt vertraten. Der Eisenbahnminister legte dar, daß von einer Stagnation in unserem Tarifwesen um so weniger gesprochen werden könne, als in den letzten Jahren zwei wichtige Reformen eingeführt wären: der Berliner Vorortverkehr und die Arbeilerfahrkarten; außerdem fei alles Er­denkliche geschehen, um die Personenbeförderung sicher, schnell und regel­mäßig zu machen. Ein Bedürfniß, die Dauer der Rückfahrkarten zu ver- läugern, erkannte der Minister nicht an. Der Finanzminister führt aus, daß die Sekundärbahnen im Wesentlichen, soweit es sich um rentable Strecken handle, ausgebaut seien und daß das vorhandene Bedürfniß nach Erweiterung und Verdichtung des Schienennetzes in Zukunft durch den Bau von Kleinbahnen gedeckt werden müsse. Experimente mit Tarif­herabsetzungen in großem Maßstabe seien nicht angebracht, wenn das vor­handene Defsizit im Staatsbudget sich nicht noch vergrößern solle. Abg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.) führte aus, daß die Rechte gegen eine Eisenbahnpolitik zu Gunsten der Großstädte und Großindustrie protestire, weil eine solche das platte Land entvölkern werde. Dem Verlangen des Abg. Olzem (natl.), den rheinisch-schweizerischen Eilzugsverkehr durch die Eifel zu leiten, widersprach der Eisenbahnmiuister. Abg. Enneccerus (natl.) brachte den Mißstand zur Sprache, daß man bei Rundreiseheften nach Italien die italienischen Strecken in Gold bezahlen müsse, während man auf italienischen Stationen die Fahrkarten gegen das viel billigere Papiergeld erhalte. Der Abg. Eckels (natl.) bemängelte die Umständlich­keiten, die mit der Zusammenstellung von Rundreiseheften verbunden seien, und Abg. v. Buch empfahl, sie gänzlich abzuschaffen. Eine Petition aus Rahnsdorf, die Preise der Berliner Vorortbahnen auf diejenigen der Stadt- und Ringbahnen zu ermäßigen, wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.

Fortsetzung der Berathung : Sonnabend 11 Uhr.

Berlin, 8. Febr. Mehrere Professoren, darunter Adolf Wagner, Herkner, Förster, Liszt, sodann mehrere Pfarrer, darunter Goehre, Nau­mann, und andere Personen veröffentlichen eine Erklärung gegen die Um­sturzvorlage, worin befürchtet wird, daß die Vorlage nicht nur verwerflich politische Ausschreitungen, sondern auch die freie Kritik treffen und dadurch nothwendigerweise eine bedauerliche Hemmung des sozialen Fortschrittes herbeisühren wird. Die Erklärung befürchtet, die Vorlage werde die Aus­schreitungen nicht hindern, sondern befördern. (Fr. N.)

In Leipzig wurde der dort bestehende sozialdemokratische'Allge­meine Bildungsverein für Frauen und Mädchen" von der Polizeibehörde aufgelöst, weil er sich, wie dieLpz. Ztg." mittheilt, der vereinsgesetzlichen Vorschrift zuwider mit einem auswätigen, ebenfalls öffentliche Angelegen­heiten betreibenden Vereine in Verbindung gesetzt batte. Eine von dem Verein für den vorgestrigen Abend einberufene Versammlung wurde ver­boten.

Leipzig, 8. Febr. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Staatsanwalts gegen das Urtheil des Breslauer Landaerichts vom 6. Okt. 1894, durch welches der Pasior Thümmel in Remscheid in dem Prozesse wegen Befchimpinug der katholischen Kirche freigeiprocheu worden war. (Rh.K.) Die Landtägswahlen in Württemberg haben zu einer schweren Niederlage der bisherigen regierungsfreundlichen Mehrheit geführt. Auch in Württemberg ist daher nunmehr eine Parieigruppirung eingetreten, wie sie anderwärts bereite besteht, bei der die Aussichten für die Vereinigung in der Negative großer sind als die nach der positiven Seite, und zwar sowohl gegenüber dl e Politik der 'Negierung, als gegenüber der .Initiative der Parteien. Dyß die siegreiche Demokratie in Württemberg zugleich eine starke partitularistische Färbung hat, und daß der deutsch-nationale Zug in der zweiten Kammer auch weder durch die bürgerliche Opposition, noch