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Nr. 32.
Donnerstag den 7. Februar.
1895.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Königliche Rentmeister Kiel zu Hanau hat als Verwalter der König!. Steuer- und Forstkasse II zu Hanau unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Herrmann zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt.
Cassel den 22. Januar 1895.
Königliche Regierung,
Abtheilung für direkte Steuern, Domänen u. Forsten.
Schönian. 1674
^anö&rets ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In der heutigen Kreistagssitzung, an welcher sämmtliche 21 Kreistagsabgeordnete sowie zwei Kreisausschußmitglieder, letztere mit berathender Stimme Theil nahmen, wurden folgende Beschlüsse gefaßt:
pos. 1. Bau einer Kleinbahn von Hanau nach Langenselbold mit Abzweigung von Langendiebach nach der Preußisch-Hessischen Landesgrenze.
Nach Erörterung des Gegenstandes wurde der Antrag des Kreistagsabgeordneten Stroh
„der Kreistag wolle jede Betheiligung des Kreises an dem Unternehmen des in dem Vorschlag der Kreistagskommission bezeichneten Eisenbahnprojekts ablehnen" mit 12 gegen 9 Stimmen abgelehnt, dagegen der Antrag des Bürgermeisters Baumert
„es solle der vorliegende Voranschlag nebst Rentabilitätsberechnung durch einen Staatseisenbahnbeamten technisch super- revidirt werden und zwar getrennt sür die Strecken Hanau- Langenselbolv-Langendiebach und Langendiebach-Landesgrenze" mit 15 gegen 6 Stimmen angenommen.
In die Kleinbahnkommission werden an Stelle des Bürgermeisters Stroh, der für die nächste Zeit verhindert ist, an den Kommissionssitzungen theilzunehmen und deßwegen um seine Entbindung von dem qu. Amte bittet, der Bürgermeister Reul von Windecken gewählt. — Weiter wird Bürgermeister Grün von Großauheim zur Kommission kooptirt.
pos. 2. Für den zusammengelegten Schiedsmannbezirk Oberissigheim, Ravolzhausen, Rüdigheim, Rüdighcimerhof und Beiersröderhof werden gewählt zum Schiedsmann: Bürgermeister Köhler zu Rüdigheim und zum Schiedsmann-Stellvertreter der Ackermann Peter Hensel 5r daselbst.
pos. 3. Kosten der Ausrüstung der Desinfektoren. Die den Voranschlag überschreitenden Kosten von 160,79 Mk. werden aus die Kreiskasse übernommen.
Hanau am 5. Februar 1895.
Der Königliche Landrath
A. 323 v. Oertzen.
Dienstmchrichten aus dem Kreise.
Zu geflogen: Eine weiße Taube mit Häubchen und einigen schwarzen Fevern.
Zugelaufen: Ein großer schwarzer molliger Hofhund. Ein Dalmatiner Hund.
Verloren: Ein goldner Korallenohrring. Eine Brillantvorstecknadel.
Entlausen: Ein schwarzer langhaariger englischer Hühnerhund m. Geschl., auf den Namen „Neger" hörend.
Gefunden: Ein Fensterkissen.
Hanau am 7. Februar 1895.
2j>t<xötUreiö ^anau, Bekanntmachungen ves Obcrbürgermeiftetamtes.
Mittwoch den 13. Februar 1895 1676
Zucht- und Fettviehmarkt in Hana«.
GkffnUliâk Kitzmig fa ®wuiile-lliis|'dinHßi Freitag den 8. Februar 1895, nachm. 5 Uhr. Berathungsgegenstände:
1. Rechnung der Armenkasse pro 1893/94.
2. Etat der gewerblichen Fortbildungsschule pro 1895/96.
3. „ des Schlachthofs „ „
4. „ der Oberrealschule „ „ 1678
Handelskammer zu Hanau.
Diejenigen Firmen unseres Bezirkes, welche ein Export- oder Import- interesse an dem Abschlusse eines neuen
Handelsvertrages mit Japan haben, bitten wir um alsbaldige gest. Mittheilung ihrer Wünsche behufs deren Verwerthung bei den Berathungen des zu Mitte Februar von dem Herrn Reichskanzler nach Berlin berufenen engeren Zollbeirathes.
Hanau, 5. Februar 1895.
Die Handelskammer.
Canthal.
1665 Sekretär: Steller.
Mittelstandspolitit.
Im Reichstage findet sich eine Mehrheit, die gewillt ist, ernsthafte und praktische Mittelstandspolitik zu treiben. Zu dieser Mehrheit gehören nicht die Sozialdemokraten und die Freisinnigen. Das wissen Handwerk und Kleingewerbe längst. Wenn ungedu.dige Dränger aus Mittelstandskreisen rufen: „Es muß etwas geschehen!" wenn berufene oder unberufene Wortführer mit dem langsamen, aber sicheren Vorgehen in der Behandlung der gewerblichen Fragen unzufrieden sich zeigen, so hat die letzte Reichstagswoche erwiesen, daß es gar nicht besonderer großer Aktionen bedarf, um Mittelstandspolitik zu machen, sondern daß eine solche sich an jede geeignete Vorlage knüpfen läßt.
Die Novelle zum Zolltarif stellt eine solche Vorlage dar. In ihrem Nahmen wurde lebhaft das Interesse der Kleinbesitzer von Eichenschälwaldungen, die durch die zollfreie Einfuhr einer amerikanischen gerbstofs- haltigen Holzart (Quebrachoholz) an den Rand des Ruins geführt worden sind, wahrgenommen. Der von konservativer Seite schon in der vorigen Session vorgeschlagene Zoll aus Quebrachoholz ist nun auch von den übrigen mittelstandsfreundlichen Parteien befürwortet worden. In der Kommission, die mit der Berathung der erwähnten Zolltarifnovelle betraut ist, wird die Vorlage hoffentlich nach dieser Richtung hin ergänzt werden.
Eine andere Vorlage, die zur Bethätigung einer Mittelstandspolitik Anlaß gab, war der Gesetzentwurf, betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der Binnenschifffahrt. Hierbei erklärte der konservative Wortführer (Freiherr von Langen) ausdrücklich, daß es ungerecht sei, wenn die großen Ausgaben bei Stromregulirungen und Wasserbauten lediglich dem Handelsstande zu gute kämen, sie müßten auch vor allen Dingen der Schifferei und Fischerei zu gute kommen. Leider aber hat man an die Zuziehung von Sachverständigen aus den Kreisen der Schifffahrttreibenden für diese Vorlage sogar dann nicht gedacht, als der 6000 Schiffer vertretende Zentralverband deutscher Strom- und Bcrufsschiffer ausdrücklich darum peti- tionirt hat. Bei der Kommissionsberathung wird auf die begutachtenden Kundgebungen jener Interessenten die gebührende Rücksicht genommen werden.
Praktische Mittelstandspolitik ist es auch, wenn die Mehrheit die Reichsregierung in dem Zollkriege mit Spanien unterstützt. Je energischer die Kriegführung, desto aussichlsvoller ist der Frieden. Die verbündeten Regierungen erkennen diesen Grundsatz an, sie verlangen darum eine Erhöhung des Zollzuschlages gegen Spanien. Die Konservativen aber wollen diese Waffe noch verschärfen dadurch, daß sie beantragen, den Bundesrath zu ermächtigen, im Falle eines Zollkrieges auch aus bisher zollfreie Waaren einen Zoll zu legen. Bisher bat Spanien sich erlaubt, das deutsche Reich mit einer gewissen Nichtachtung zu behandeln. Es ist Zeit, auch den Spaniern zu zeigen, daß Deutschland zwar geduldig und groß- müthig, aber einer offenbaren Verhöhnung gegenüber volle Strenge auszuüben willens ist.