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90

Nr. 29

Montag den 4. Februar.

1895.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein Foxterrier; Empfangnahme bei Sattler Her­mann Schüßler in Großauheim. Eine weiße Gans mit etwas grauen Flügeln.

Gesunden: Ein gefütterter Glacehandschuh mit Pelzbesatz (linker). Ein wollener schwarzer Kinderhandschuh. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Sack mit 3 Pferdedecken. Ein goldner Ring mit Stein. Ein Gummischuh.

Verloren: Ein Loos Nr. 1249 von der Kanarienvögelausstellung. Ein Portemonnaie mit 2,50 Mk. Ein schwarzseidener Kopsshawl mit rothen und gelben Streifen.

Hanau am 4. Februar 1895.

^taOt^reis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Nachstehend bringe ich ein Gutachten des Herrn Hofraths Dr. Schmitt in Wiesbaden über das Ergebniß der bakteriologischen Unter­suchung des Wassers aus der städtischen Wasserleitung zur öffentlichen Kenntniß :

Wiesbaden, den 25. September 1894. Schwalbacherstraße 30.

Die uns am 14. d. M. zugegangeneWasserprobe" haben wir Ihrem Auftrage entsprechend untersucht.

Wir beehren uns, Ihnen nachstehend das Resultat der Untersuchung ergebenst mitzutheilen.

Die bakteriologische Untersuchung ergab:

In den mit 5 Tropfen der eingesandten Wafferprobe beschickten Gelatineplatten sind nur ganz vereinzelte (13) Spaltpilzkolonien gewachsen.

Die Probe ist demnach vom bakteriologischen Standpunkte aus als sehr gutes Master anzusehen." Hochachtend!

Der Direktor:

(gez.) Schmitt, Geh. Hofrath.

Hanau am 29. Januar 1895.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 1518

Der Antrag Kanitz.

II.

Nach dem Antrag Kanitz soll somit nur der Staat als solcher Be­sitzer und Verkäufer des importirten Getreides sein. Allerdings wären dann hierzu entsprechende staatliche Getreidemagazine nöthig. Je nach dem Ausfall der Ernte würde jährlich ein Minimalpreis der Getreidesorten fest­gesetzt, der nie unter die Produktionskosten gehen dürfte; z. B. für Weizen und Korn 18 Mk., Gerste 15 Mk., Roggen 16 Mk., Hafer 11 Mk. per Doppelzentner prima Qualität. Bei diesen Preisen könnte der Landwirth seine Rechnung finden, ohne daß die Brodpreise oder Mehlpreise theurere zu werden brauchen. Wir hatten sie schon viel höher und doch kein theu­reres Brod. Der Staat, der dann das importirte Getreide in seinen Ma­gazinen hätte, würde erst nach den Landwirthen, z. B. von Februar an verkaufen und zwar um denselben Minimalpreis. Da er in Wirklichkeit zur Zeit das Getreide billiger im Auslande kauft, so würde der Nutzen zur Amortisation der Magazine wie der Verwaltungskosten zu verwenden sein, bez. ähnlich wie Finaiizzölle als Einnahmen des Staates dienen.

Bekanntlich hat der Reichskanzler Graf Caprivi am 14. April v. Js. im Reichstage erklärt, daß, wenn die Reichsregierung diesen Antrag annehmen wolle,wir bei den Regierungen, mit denen wir kontrahirt baben, in den Ruf eines bösen Willens kommen, und zwar in hohem Grade. Wir würden also in unserer allgemeinen auswärtigen Politik das Vertrauen bei den Mächten zu verlieren in Gefahr stehen, das zu erwerben und zu befestigen wir uns bisher jahrelang bemüht haben." Der Kanzler

Graf Caprivi erklärte, daß er nicht geneigt sei, die deutsche Politik nach außen auf Grund eines solchen Antrags zu vertreten. Denn er würde alles Vertrauen verloren haben.

Und in der That liegt die Hauptschwierigkeit, die der Antrag Kanitz leitet, in den Verträgen. Nach unsern Handelsverträgen würde jeder, der will und wo er will und so viel er will zum Zoll von 3 /s Mk. Getreide aus Oesterreich-Ungarn, Rußland und Nordamerika in Deutschland ein­führen können, nach dem Antrag Kanitz wird dies verboten, denn nur das deutsche Reich dürfte ausländisches Getreide kaufen und einführen, und nur dem Reiche fiele infolge seines Einfuhrmonopols die Wahl und Entscheidung zu, in welchen Getreide ausführenden Staaten, auf welchen Märkten es das für Deutschland erforderliche Getreide einkaufen wolle und zu welchen Bedingungen. Hierbei würde sich bald dieses bald jenes Land benachthei- ligt sehen, und die Zollkriege würden nicht aufhören. Dies ist die Haupt­klippe für den von allen Landwirthen als den einzigen Rettungsweg ge­priesenen Antrag Kanitz.

Der neue landwirthschaftliche Minister Freiherr von Hammerstein- Loxten hat sich, bei seiner soeben im preußischen Landtage gehaltenen Pro­grammrede in folgender Weise über den Antrag Kanitz geäußert:Die Regierung hat zu diesem Anträge folgende Stellung: Angenommen der Antrag Kanitz werde im Reichstage angenommen, so fragt sich: wie ver­hält sich dieser Antrag zu unseren Handelsverträgen, die doch beobachtet werden müssen? Die Monopolisirung der Einfuhr widerspricht an sich nicht den Handelsverträgen, alles andere aber wohl. Die Regierung wird aufs allersorgfältigste diese Fragen genau prüfen wollen. Es wird ja der Staatsrath berufen, um hauptsächlich diese Frage zu berathen. Aber um so aufgeregter die öffentliche Meinung ist und um so ansehnlicher die For­derungen sind, um so ruhiger, kaltblütiger und sorgfältiger muß die Re­gierung diese Frage prüfen. Ich kann nicht sagen, daß sie den Antrag Kanitz ablehnen wird. Vielleicht wird ja in diesem Anträge etwas Brauch­bares gefunden werden können. Jedenfalls wäre es das Schlimmste, wenn man daraus, daß die Regierung nicht alle Wünsche in der Richtung dieses Antrags erfüllt, einen erneuten Agitationsstoff hernehmen wollte, denn wie ich schon im Anfang gesagt habe, die Regierung muß das vollste Ver­trauen des Landes haben."

Bei der Staatsregierung finden Sie", schloß der Minister seine Rede,für alle ausführbaren Maßnahmen die weitgehendste Unterstützung und das weitgehendste Zugeständniß. Was wir aber nicht machen können, um das müsfen Sie uns auch nicht angehen. Jeder Minister muß doch das, was er ausführen soll, mit seiner Ueberzeugung und seinem Gewissen verantworten, und es kann sehr wohl passiren, daß diese oder jene Extra­maßregel nicht ausgeführt werden kann. Vor allem darf man im Lande nicht glauben, die Regierung könne helfen, wolle aber nicht helfen. So liegt die Sache nicht. Die Regierung will vielmehr helfen, so weit sie kann. Auf diesem Standpunkt stehe ich. Kein Gewerbe ist so abhängig von Gottes Schutz und Gnade, wie die Landwirthschaft. Arbeiten wir fleißig, bleiben wir nüchtern und sparsam und wirken wir in unserem engen Kreise nach dieser Richtung, dann wird uns der Segen von oben nicht fehlen. Sehen Sie nur, was mein Freund v. Schorlemer-Alst mit geringen Mitteln aus den westfälischen Bauernvereinen gemacht hat. Er hat dadurch den bäuerlichen Mittelstand heil und gesund erhalten. Das soll u-ks anspornen, auch den Weg der Selbsthilfe zu betreten."

Tagesschau.

Berlin, 2. Febr. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag die Vorträge des Chefs des Generalstabs der Armee und des Chefs des Militärkabinets, sowie demnächst militärische Meldungen entgegen.

Berlin, 2. Febr. Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allerhöchster Kabinetsordre vom 24. Januar bestimmt, daß im laufenden Jahre bei der Jnfanterieschießschule zwei Jnsormationskurse für je 33 Oberstlieutenanls und Majors der Fußtruppen ausschließlich Fuß­artillerie, ein Jnformationskursus für 36 Eskadronchefs, sowie ein Jnfor- mationskursus für 30 Regimentskommandeure und im Range gleichstehende Stabsoffiziere der Fußtruppen ausschließlich Fußartillerie abgehalten werden. An Lehrkursen finden im Jahre 1895 bei der Jnfanterieschießschule vier