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Mannigfaltiges.

(Vorsicht beim Spielen mit Hun­den.) Von einem eigenartigen Unglück ist die Tochter des Geschirrführers Karl Amme in Hett­stedt betroffen worden. Das Mädchen hatte seit länger als einem Vierteljahr in einem Auge ei­nen bohrenden, stechenden Schmerz. Allmählich nahm das Augenlicht immer mehr ab, bis es schließlich ganz schwand. Am 6. d. Mts. begab sich die Patientin nach der Augenklinik in Halle. Dort ergab sich nach mehrfacher Untersuchung, daß das Mädchen einen Wurm im Auge hatte, der die hinteren Theile der Augenhöhlung bereits völlig zerfressen hatte. Das Auge mußte, da seine Sehkraft unwiederbringlich verloren war, entfernt werden. Durch eine Operation wurde alsdann ein großerHundewurm" herausgeholt, der dem Mädchen, das als Kind viel mit einem Hunde gespielt hat, durch die Nase eingedrungen ist. Wäre die Patientin nicht jetzt in der Augen­klinik von dem Eindringling befreit, so würde sie, nach dem Ausspruch des Professors, in läng­stens einem halben Jahre anstatt des einen Auges ihr Leben eingebüßt haben, da sich der Wurm alsbald mit aller Sicherheit bis zum Ge­hirn durchgebohrt haben würde.

(Vom alten Canrobert.) Ein frisches Soldatenwort wird vom verstorbenen alten Marschall Canrobert aus den Augustkâmpfcn bei Metz erzählt. Als er bei Gravelotte die Reihen seiner Leute durchritt und diese durch die Erinne­rung an vergangenen Ruhm zu stählen suchte, flogen feindliche Geschosse über ihn und sein Ge­folge hinweg. Als Canrobert bemerkte, daß alle die Köpfe neigten und duckten, rief er ihnen lachend zu:Warum solche Begrüßung Kinder? Wir sind hier nicht in einem Salon!" Von da ab hielt sich alles aufrecht, trotz des mörde­rischen Feuers. Als dann später seine Truppen infolge des Hungers und der fruchtlosen Kämpfe schlapp wurden, führte er selbst ein Bataillon der 93er zu Fuß ins Feuer, um eine deutsche Batterie zu stürmen. Unterwegs begegnete er Flüchtigen. Ohne ein Wort zu sagen, wendete er sich gegen diese mit vorwurfsvollen Mienen. Sofort machten die Flüchtigen Halt und warfen sich aufs neue gegen den Feind unter dem Rufe: Vive le maréchal !

Die Toilette einer Bärgersfrau vor 275 Jahren kostete noch viel mehr, als jetzt. Die

Gattin des Gerbers und Rauchwaarenhändteks Valentin Gierth war 1619 zur Herzogin Sibylla von Brieg eingeladen worden, welche die ange­sehenen Bürgerinnen der Stadt oft bewirthete. Natürlich mußte Frau Susanne Gierth fein statt­lich erscheinen, und ihr Aufputz kostete über 84 Thaler: nämlich 18 Ellen seidenen Damasch (Damast) zum Kleide 18 Thaler 18 Gr., silberne Posamente zum Besatz 11 Thaler 9 Gr., ein goldener Latz 14 Thaler, Handschuhe, seidene Strümpfe mit silbernen Zwickeln 3 Thaler 8 Gr., ein Paar niederländische Schuhe mit silber­nen Röslein 5 Thaler, eine Schaubeizkappe mit silbernem Deckel 13 Thaler, ein Fachling (Fächer) 1 Thaler 18 Gr., Band und Spitzen 7 Thaler

14 Gr. Der Schneider erhielt 6 Thaler, an Ehrungen (Trinkgeldern) und zum Auflegen bei Tafel nahm sie noch 3 Thaler mit; das Alles betrug 84 Thaler 11 Gr. 13 Heller.

(Boshaf t.)Gestern war ich bei Ge- hcimraths eingeladen. Feine Leute, sage ich Dir! In den Salons derselben werden nur Persön- lichkciten empfangen, die entweder sehr viel Geld oder sehr viel Geist haben."Und Du wur­dest eingeladen?"Wie ich Dir sagte." Na, dann freut es mich, daß Du plötzlich so reich geworden bist."

Unterhaltungs-Blatt zumHanauer Anzeiger".

Nr. 28. Samstag dm 2. Februar 1895.

Ihr "Verwächtniß.

Original-Roman von Maximilian Moegelin. (Nachdruck verboten.)

(M e s s e r u u d G a b e l n j u r e i n i g e n.) Ein sehr einfaches Verfahren, dieselben schön, rein und glänzend zu machen, besteht darin, daß man eine ungekochte Kartoffel entzwei schneidet, sie in feines Ziegelmehl oder Kalkpulver taucht und die Messer und Gabeln damit reibt.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evang. Waisenhauses unter Verantwortlichkeit des Faktors G. PH. Weißbrod.

(Fortsetzung.)

Auch ich werde mich sehr nach diesen Abenden sehnen," entgegnete Heyd,doch der schönste Traum nimmt einmal ein Ende, dagegen läßt sich doch nicht kämpfen; aber wenn es Ihnen recht ist, will ich Ihnen gern noch ein Lied singen vielleicht das letzte denn am nächsten Mittwoch bin ich jedenfalls wieder in Dirschau, und wer'weiß, was dann kommt."

Der Baumeister stand auf. Hertha dachte jetzt nur an seine letzten Worte, die sie viel lieber nicht gehört hätte. Seitlich ans Fenster hatte sich Heyd gestellt, der nun Lortzing's Zarcnlied anstimmte.

Aber wer jemals diesen Vortrag des Baumeisters gehört, wer jemals diese'hohe, kräftige Gestalt gesehen, aus deren schönem, fast stolz erscheinendem Gesicht ein friedlicher Blick und ein fester Wille sprach, der konnte fühlen was der Zimmermann von Saardam für ein hoch­herziger Fürst gewesen, der seinem Volke, seinen Russen, in Liebe die Kultur des Abendlandes bringen wollte.

* ist

Acht Tage später saß der Oberförster in seiner Kanzlei und öffnete wie gewöhnlich des Morgens die Posttasche mit dem zweiten Schlüssel den ersten hatte der Postvorsteher in der Stadt. Er entnahm die eingegangenen Postsachen und fand zu seinem nicht geringen Erstaunen einen großen Brief, den er von beiden Seiten aufmerksam betrachtete. Wieder drehte er ihn um und las:

Absender: John Stonferry, notary, Chicago

River Street No. 21.

United States of America.

Vorsichtig öffnete der Oberförster die Briefhülle und entnahm ein Schreiben in der Form eines Aktenstückes, in den: ein wohlvcrsiegelter Brief lag.

Dann nahm er auch diesen Brief und las ihn hastig durch. Er las ihn abermals und ging erregt im Zimmer auf und ab.

Was mache ich da? fragte er sich nach einer Weile und blieb am Fenster stehen.

Ich möchte zu Wildenau hinüber, dachte er und sann ein Weilchen nach. Nein, sagte er dann, ich werde zum alten Thielemann fahren, der weiß Bescheid und hat immer die richtige Meinung oder ob ich nicht lieber selbst nach Graudcnz fahre, um mich dort nach ihm zu erkundigen? denn schreiben? das gibt nur Weitläufigkeiten und hier heißt cs schnell handeln.

Mit dem Brief in der Hand sah der Oberförster nach seinen stillen Vertrauten den alten Buchen und Eichen. Dann öffnete er den Schubkasten seines Schreibtisches, legte behut­sam diese Briefe hinein, nahm einen Briefbogen, schrieb eiligst einige Zeilen darauf und schloß ihn in die Briefhülle.

Er wird mir gern den Gefallen thun, das weiß ich, und da er ohnehin in diesen Tagen