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Nr. 24.

Dienstag den 29. Januar.

1895.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein seidenes Tüchelchen. Ein schweres Hufeisen. | Ein rother Shawl. Ein schwarzwollener Frauenkragen. Ein Hunde- ; maulkorb. Eine Sturmlaterne.

Verloren: Ein silberner Löffel.

Hanau am 29. Januar 1895.

^tadt^reis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgül- i tige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der I Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. bei dem hiesigen ! städtischen Meldeamte zur Rekrutirungsstammrolle zu melden, ! bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im | Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherren die An­meldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Die außerhalb geborenen, hier wohnhaften Militärpflichtigen des Jahrgangs 1875 haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein vorzulegen. Die Geburtsscheine werden von den betreffenden Standes- : ämtern kostenfrei ausgestellt.

i . Hanau am 2. Januar 1895.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 332

Die von Seiten der Stadt an der Fallbachbrücke hergestellte Eisbahn wird hiermit dem Publikum und insbesondere den Schülern und Schülerinnen hiesiger Schulen zu kostenfreier Benutzung übergeben.

Hanan am 28. Januar 1895.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 1259

Unser Königthum.

Das letzte Wort in der Geschichte der Völker ist der König, sagt Döllinger. Nicht ist es der republikanische Präsident. Daran erinnern die Vorgänge in Frankreich jeden, der Augen hat zu sehen und Ohren zu hören.

Vor einiger Zeit schrieb die Pariser ZeitungFigaro":Die erb­liche Monarchie ist ohne Zweifel die beste Regierungsform, welche die Menschen erfunden haben." Nur die gewerbsmäßigen Politiker verlangten noch das parlamentarische Regiment, weil es den Nährboden abgebe für ihre ehrgeizigen und selbstsüchtigen Pläne und für ihr persönliches Ewpor- kommen. Leute, die Talent hätten oder die gut zu Fuß seien, machten schnell ihren Weg; aber in der Regel müsse das Land ihre Heldenthat um den Preis eines Skandals oder eines Zusammenbruchs bezahlen.Die Diktatur gäbe uns wenigstens diejenigen Freiheiten wieder, die noch bei den ehrlichen Leuten einiges Ansehen SAneßen."

^ . Man kann den Unterschied 'zwischen Monüdchie und Republik nicht lchârfer darlegen, als es hier tzefchehen ist. Freilich die deutschen Salon- Republikaner und Sozialdemokraten wird man dadurch nicht aus ihrem Wolkenkukuksheim bringen, aber diejenigen, die noch für ein gesundes Ur- theil zugänglich sind und aus der Geschichte nicht nur der Vergangenheit, londern auch der Gegenwart lernen., werden den großen Vorzug zu schätzen wißen, den wir Deutschen an der erblichen Monarchie haben. Sie werden es verstehen, wie alle Umsturznn âx gegen dieses Bollwerk sich verschworen Mben, indem sie weder das G,jft her Verleumdung, noch die haßerfüllte, ewig nörgelnde Kritik, noch ' rcJnb welchen Lug und Trug scheuen, um den ^onig in den Augen und ' n bcm Herzen des Volkes herabzusetzen und ihr es Ziel zu erreichen. ' ^ roH ihnen dies aber in deutschen Herzen nicht genügen. Wo die Körn' A§treuen schweigen könnten, da würden die Steine «er Zerstörung schreien b bie Vorkommnisse in den Republiken die Der- *'*"'9 d-r sm, n° ti-rnchm,».

Ein französisches republikanisches Blatt sagt:Was zu befürchten steht, ist, daß die Nation mehr und mehr von Widerwillen gegen ein System der Freiheit und Erörterung erfüllt wird, das immer mehr eine Herrschaft der Verleumdung und Beleidigung zu werden scheint. Das Volk ist auf dem Punkte angelangt, wo ihm alles besser erscheint als das Bestehende. Und wahrlich dazu gehört keine große Einsicht."

Wir aber, die wir uns eines Königthums erfreuen, das über den Parteien steht, der Schirm und Schutz der Schwachen und Geringen ist, der Förderer aller Tugenden und guten Kräfte der Nation, der Führer zu den Fortschritten des Friedens und in den Bedrängnissen des Krieges, wir wissen, daß keine Macht im Stande ist, die sozialen Gefahren zu be­schwören, die Sache der Ordnung zu erhalten und den herrenlos ge­wordenen Menschen mit Autorität entgegenzutreten, als das soziale König­thum.

Das feste Vertrauen zwischen dein Träger der Krone und seinem Volk, dieser Bund gegenseitiger Treue, der unerschütterlich durch die Jahr­hunderte dahingehtz ist bei uns das Erzeugniß einer alten Geschichte stolzen und ruhmwürdigen Herrscherwirkens. Es ist ein staatlicher Schatz und ein geistiger Besitz, wie ihn keine andere Nation in solchem Maße ihr eigen nennen darf.

Ein sozialdemokratisches Attentat vor dem Schwurgericht.

Wie wir bereits unter den telegraphischen Nachrichten mitgetheilt haben, hat das Schwurgericht in Dortmund den Bergmann Josef Wecker aus Unna, Kreis Hamm, wegen eines am 1. Januar verübten Dynamitattentats zu 10 Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen verurtheilt. Wecker hatte versucht, das Haus des Polizeikommissars Neesen in die Luft zu sprengen, indem er eine Gelatinedynamitpatrone, die er 14 Tage vorher auf einem Bergwerk gestohlen hatte, unter die Fensterläden legte. Nur durch einen glücklichen Zufall ist das verbrecherische Vorhaben verhindert worden. Zwei unbekannte Personen nämlich sanden die bren­nende Zündschnur auf der Straße und löschten sie aus.

Wecker, ein 21jähriger Bursche, welcher gleich am Tage nach der That verhaftet worden war, war bei der Verhandlung in vollem Umfange geständig. Aus den Verhandlungen war zu entnehmen, daß er schon seit mehreren Wochen das Attentat gegen den Polizeikommissar geplant hatte, weil, wie er ausdrücklich betonte, dieser die sozialdemokratischen Versamm­lungen zu scharf überwache. Das Attentat ist ausgeführt am 1. Januar, nachdem Wecker eine sozialdemokratische Versammlung besucht hatte, in welcherGenosse" Lehmann, der Führer der Dortmunder Sozialdemokraten, eine seiner bekannten Hetzreden gehalten hatte. Eine andere Versammlung mit derGenossin" Johanna Löwenherz als Referentin der Name sagt wohl schon genug war zuvor polizeilich verboten worden. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Wecker Sozialdemokrat wäre, antwortete dieser ganz kuhig:Ja, ich bin Sozialdemokrat; aber Anarchist bin ich noch Nicht." Interessant ist ferner, daß Wecker bei den Führern der Unnaer Sozialdemokraten in Wohnung und Kost war, und mit diesen aus einem ' Zimmer geschlafen hatte. DieseGenossen" werden sich demnächst wegen Beihülfe zu dem von Wecker begangenen Verbrechen gleichfalls zu verant­worten haben. .r

Der Vorgang, welcher am Donnerstag das Schwurgericht in Dort­mund befchäftigt hat, sollte doch auch den Blödesten die Augen offnen, wohin wir steuern, wenn nicht bald den Behörden Were Rittel tn bte Hand gegeben werden, mit denen sie den sozialdemokratischen Bestrebungen nachdrücklicher als bisher entgegentreten können, und was es w't der Be­hauptung der Sozialdemokraten auf sich hat, baß die Gesellschaft allmah ich in den Zukunftsstaat hineinwachsen würde. Die sozialdemotratifche Rheinych- westsälische Arbeiterzeitung" sucht natürlich denGenossen" Wecker zu ver­leugnen, und dasselbe werden voraussichtlich die sozialdemokratischen Ver­treter im Reichstag auch thun. Nachdem aber Wecker besannt hat, daß Sozialdemokrat, aber noch sein Anarchist sei, nach­dem sestgestellt ist, daß er mehrere Monate bei den Führern der Uunaer Sozialdemokraten gewohnt hat, und daß diele um sein verbrecherifches Vor­haben gewußt haben, da wird es nicht gelingen, Wecker von den Rock­schößen abzuschütteln.