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Nr. 20.
Donnerstag den 24. Januar. •
1895.
Amtliches, ^taöt&rciö ^atxavt.
Das Ausschreiben vom 16. d. Mts., J.-Nr. 422, Han. Anzeiger Nr. 13 pro 1895, betreffend die aus dem hiesigen Landgerichtsgefängnisse ausgebrochenen und flüchtig gewordenen Untersuchungsgefangenen Heinrich Dr epp er aus Hanau, Heinrich Geyer aus Langendiebach, Georg Jung aus Altenburg und Wilhelm Cinpke aus Schönwald, ist erledigt.
Hanau am 21. Januar 1895.
Königliche Polizeidirektion.
P. 693 I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Eine gelbe Ledertasche, Ulanenregiment Nr. 6 gez., enthält mehrere Stempel desselben Regiments. Ein Portemonnaie mit 4 M. 65 Pf.
Gefunden: Eine Brille. Eine Partie Lappen 2c. von Kleiderzeug. Hanau am 24. Januar 1895.
SlâSlkveis ^anau.
Bekanntmachungen Ves Oberbürgermeisteramtes.
Mit dem eingetretenen Thauwetter mache ich wiederholt darauf aufmerksam, daß Eis und Schnee im Stadtbezirk nur an folgenden Stellen .. abgelagert werden dürfen:
1. am Main;
2. in der Ausschachtung hinter dem großen Viadukt der Frankfurt- Bebraer Eisenbahn;
3. an dem Kinzig- und Fallbachufer jenseits der Fallbachbrücke.
Sofern das Abladen an andern Stellen und Wegen stattfindet, wird dasselbe nach Maßgabe der Polizeiverordnungen vom 6./5. 1780, 4./7. 1804 und 7./1. 1839 mit 3—15 Mark bestraft.
Hanau den 18. Januar 1895.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 963
Republik und Monarchie.
Der Rücktritt des Präsidenten der französischen Republik Casimir- Perier, durch welchen die Geschicke Frankreichs dem Strudel selbstmörderischen Parteitreibens überliefert werden, fordert unwillkürlich den Vergleich mit der erblichen Monarchie heraus. Der republikanische Präsident von gestern, ohne Autorität vor dem Volke, ein Spielball selbst derjenigen Parteimänner, die ihn nach oben gebracht haben, ist heute verstimmt und wirft morgen früh plötzlich den ewig zankenden Herren Deputirten den ganzen Kram vor die Füße. Lebt sich's doch als Privatmann viel besser! Und wozu die große Verantwortung der Regierung von Volkes Gnaden weiter tragen, wenn aus dem Volke heraus nichts als Gift, Haß und blutgierige Verfolgung der Person und der ganzen Familie des Präsidenten t zu erwarten sind. Da verläßt er denn, ohne einmal eine Verbeugung zu * machen, seinen Posten in einem Augenblick, „wo Frankreich mehr denn je der Dienste der besten seiner Söhne bedürfe."
L ‘ Die besten seiner Söhne! Wahrlich, die Republikaner machen es Ir schwer, die Auswahl zu treffen. In Schwindel und Bestechung muß man die Besten mit Laternen suchen, denn wie alle Republiken, so hat es auch die französische an sich, daß in ihnen die Geldgier nach oben bringt; den Adel schaffen sie ab, um die Geldaristokratie zu fördern, und des Geschreies derjenigen, die nichts vom Goldregen abbekommen, ist kein Ende: „Korruption der Bourgeoisrepublik!" Schon seit Jahren haben die Franzosen das Gefühl, daß dies nicht die richtige Wirthschaft sein kann, und daß die Schuld davon in hohem Maße an der Regierungsform liegt. Irgend einer — ein Retter wird gesucht. Und dieser Retter muß Diktator, muß Cäsar sein; Diktator, um die Befugnisse des Parlaments zu beschränken, daß es fortan keine Geißel mehr sei; Cäsar, um die Freiheit, die Ehre, den Ruhm zu retten.
Es ist bei der französischen Republik nichts Neues, daß der Präsident ! zurücktritt. Es ist nicht einmal die Ausnahme, es ist die Regel. Thiers,
Mac Mahon und Grëoy haben alle drei ihr Amt niedergelegt, und dem verstorbenen Carnot ist in den anderthalb Jahren, die feinem blutigen Ende vorhergingen, oft genug von der schlimmen sozialdemokratischen Sippe, die in allgemeiner Verwirrung und Umwälzung, im Verderben ihres Vaterlandes ihre Pläne niederer Selbstsucht oder thörichten Wahnes zu verwirklichen sucht, der Rücktritt nahegelegt worden. Casimir-Perier freilich hat es nur sieben Monat ausgehalten, und das ist noch nicht dagewesen, aber zu verwundern ist es nicht. Die wilden Mäuler auf der äußersten Linken machten ihn zur Zielscheibe ihrer schmutzigen Wurfgeschosse, ihnen genügte für ihre Schmähungen, daß Herr Perier reich war; die Freunde ließen ihn im Stich, und die Armee marschirt lieber an die Grenzen, als bei Volksaufständen in den Straßen von Paris die neuen Gewehre zu probieren. Es fehlt eben dem Präsidenten die Autorität, die der angestammte König hat. Und mit der Autorität fehlt das kräftige Band der Volksgemeinschaft. Es wanken die Fundamente. Die Sache der Ordnung sinkt von einer schwachen Hand in die andere — bis der Retter sich findet, welcher König, Diktator oder Cäsar ist. Das ist der Lauf der gepriesenen Republiken in Südamerika und in Europa.
Tagesschau.
Berlin, 23. Jan. Seine Majestät der Kaiser und König besichtigten heute Vormittag im Langen Stall zu Potsdam die Rekruten der Leib-, 2., 4., 7., 10., 11. und 13. Kompagnie des Ersten Garderegiments z. F.
Berlin, 23. Jan. Die Kommission zur Vorberathung der Umsturzvorlage nahm den Absatz 1 des §. 111, betr. die Aufforderung zur Begehung von strasbaren Handlungen, einstimmig nach der Regierungsvorlage an. Die zu Absatz 2 gestellten Abänderungsanträge Lenzmann und Spahn wurden abgelehnt und sodann Absatz 2 der Regierungsvorlage mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt.
Berlin, 23. Jan. Im weiteren Verlaufe der Sitzung der Umsturzkommission begründete der Regierungsvertreter Seckendorff den Paragraphen 110, betreffend die Bestrafung der Verherrlichung gewisser Verbrechen. Seckendorff betonte, die Leistungen der Kunst und Wissenschaft sollten keineswegs gefährdet werden; man müßte zu den Richtern das Vertrauen haben, daß sie das Gesetz nach dem Geiste der Motive auslegen würden. Minister von Köller berichtigte das Protokoll der gestrigen Sitzung bezüglich seiner Ausführungen über den Journalisten Reuß. Der Minister stellt fest, daß er von Reuß niemals Mittheilungen empfangen und ihm niemals einen Auftrag ertheilt habe. Er würde die Zuziehung von Stenographen empfehlen. Abg. Frohme bezeichnet den Vorwurf, das Protokoll nicht richtig geführt zu haben, als dolos, wofür er zur Ordnung gerufen wird. Frohme legt darauf das Schriftführeramt nieder. Abg. Bebel befürwortet die Zuziehung von Stenographen, Stumm spricht sich dagegen aus. Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr. (Fr. N)
Berlin, 22. Jan. Auf einem Festmahl, das die nationalliberale Partei anläßlich des 70. Geburtstages ihrer Mitglieder v. Hobrecht und Günther veranstaltete, theilte Geh. Rath Planck, Mitglied der Kommission für Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit, daß die Kommission in diesem Jahre ihre Arbeit beendigen werde, so daß das Werk im nächsten Jahre dem Reichstag zugehen könne.
Berlin, 23. Jan. Laut telegraphischer Mittheilung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Arcona", Flaggschiff des Chefs der Kreuzerdivision, Kontreadmirals Hoffmann, am 21. d. M. in Nagasaki eingetroffen und S. M. S. „Alexandrine", Kommandant Kapitän zur See Schmidt, am 22. d. M. von Nagasaki nach Chefoo in See gegangen.
Berlin, 23. Jan. Die Bekehrung der Dienstmädchen zur Sozialdemokratie soll nach früher fehlgeschlagenen Versuchen jetzt aufs neue in die Hand genommen werden. Es ist in Berlin für 'diese Woche wieder eine Versammlung anberaumt, in welcher der Reichstagsabgeordnete Molkenbuhr über die weiblichen Dienstboten und die Gesindeordnung sprechen wird. Wie es jedoch den Anschein hat, wird das Liebesmühen der Sozialdemokratie um die dem Dienstbotenstande angehörende Weiblichkeit erfolglos bleiben. Denn man sah in der kürzlich zu diesem Zwecke abgehaltenen Versammlung wohl viele „Genossinnen", suchte jedoch vergebens nach einer