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Nr. 14.
Donnerstag den 17. Januar.
1895.
Amtliches.
Nach Beschluß des Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1895 eine Ermittelung des Ernteertrages für 1894 statt, welche den Zweck verfolgt, durch direkte Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1894 wirklich geerntete Mengen an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den gleichen Ausnahmen in den jüngst verflossenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirthfchaftlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernteergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als auch sonstige sachkundige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwirkung in den Schätzungskommissionen nicht versagen werden.
Cassel am 20. Dezember 1894.
Der Regierungspräsident. I. V.: v. Pawel.
^artö&rets ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Das 1. Hess. Infanterieregiment Nr. 81 wird am 23. ds. Mts. ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen im Gelände östlich von Bergen in der Richtung nach der „Großen und Kleinen Lohe" abhalten.
Das Schießen wird vormittags 10 Uhr beginnen und voraussichtlich um 1 Uhr nachmittags beendet sein.
Das Gelände, welches während des Schießens nicht betreten werden darf, wird durch die Ortschaften Bergen, Bischofsheim, Wachenbuchen, Mittelbuchen, Kilianstädten, Oberdorfelden, Niederdorfelden und Gronau begrenzt und durch Sicherheitsposten abgesperrt. Den Weisungen der Letzteren ist unbedingt Folge zu geben.
Die Herren Ortsvorstände wollen dies unter dem besonderen Hinweis darauf, daß aus Gründen der Sicherheit das Zuschauen verboten ist, alsbald veröffentlichen lassen.
Hanau am 16. Januar 1895.
Der Königliche Landrath
M. 226 v. O ertz en.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Schächtelchen mit 2 Brochen. Ein schwarzer Pelzkragen. Ein Paar Gummischuhe (auf der Eisbahn der Häuserswiese). "Eine gelbe Brille mit Futteral.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 6 Mk.
Entflogen: Eine schwarze Pfauentaube; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 17. Januar 1895.
Die Umsturz-Debatte.
I.
Ueberblickt man die vier Tage langen Verhandlungen des Reichstages über die Umsturzvorlage, nach welchen dieselbe glücklich in der Kommission anlangte, so gewinnt man den Eindruck, daß unser gutes deutsches Volk, welches seine Nachbarn als das Volk der Denker und Träumer bezeichnen, ungemein unpraktisch ist. Während in allen Nachbarländern Gesetze gegen die Umstürzler ohne viel Federlesens gemacht sind, da die Gesellschaft einsieht, was sie dem Schutze ihres Bestandes und ihrer Grundlagen schuldig ist, streitet man sich im deutschen Reichstage über die Zweckmäßigkeit und Nothwendigkeit der Vorlage, als ob es sich um eine Doktorpromovirung vor lauter Professoren handelte, von denen bekanntlich ein jeder Recht hat.
Als die Anarchisten mit dem Attentat des Mordbuben Hödel 1878 zum ersten Male auftraten, und die kraftvolle Regierung des eisernen Kanzlers darauf mit einem Ausnahmegesetz gegen die sozialdemokratischen Ausschreitungen antworten wollte, waren bekanntlich die Reichstagsabge
ordneten nicht dafür zu haben, denn sie sagten, man solle auf dem Boden des gemeinen Rechts diese Gefahr bekämpfen, eine Meinung freilich, die das deutsche Volk nach dem Nobilingschen Attentat, wenige Wochen später, bei den Neuwahlen umstieß, indem es° sich für das Ausnahmegesetz aussprach. Heute nun, wo es sich um ein gesetzgeberisches Vorgehen auf dem Boden des gemeinen Rechts handelt, soll auch dieses „unnöthig und schädlich" sein. „Es ist ja nichts in Deutschland passirt", hieß es, als ob nicht die Geduld des deutschen Volkes mit der Zudringlichkeit und Dreistigkeit der sozialdemokratischen Hetzer erschöpft wäre, und das Rechtsgefühl des Volkes eine Sühne forderte für die Irreleitung und Tyrannisirung der Gewissen, welcher die sozialdemokratische Partei sich schuldig macht.
Eingeleitet wurde die Umsturzdebatte mit einer drei Stunden langen Rede des Sozialdemokraten Auer, voll von Prahlerei und Klopffechterei, welche jede revolutionäre Umsturztendenz der Sozialdemokratie entschieden ableugnete. An den großen „Kladderadatsch", von dem Bebel einst sprach, denke sie gar nicht, nur allmählich sollten Gesellschaft und Staat sich sozialistisch entwickeln. Wie harmlos das immer im Reichstage klingt, während die Löwenstimme von den sozialdemokratischen Parteitagen und Volksversammlungen noch Jedermann in den Ohren gellt! Hier brüllen, dort zirpeln, das nennt man Taktik. Hierin liegt keine Wahrheit und Gerechtigkeit. Es heißt auch der Wahrheit und Gerechtigkeit offenkundig ins Gesicht schlagen, wenn die Sozialdemokratie den Schein zu erwecken sich bemüht, als hätten Staat und Gesellschaft bis heute den berechtigten Wünschen und Nothständen der Arbeiter mit verschränkten Armen kalt gegenüber gestanden. So liegt denn die Sache doch bei uns wahrlich nicht! Nein, während auf der einen Seite die Gesetzgebung, die christliche Liebe und die meisten Arbeitgeber sich redlich abmühen, zu helfen und zu schützen, hat auf der anderen Seite die Sozialdemokratie auch gar nichts für den Arbeiter gethan, deren oft erpreßte Groschen nur dazu dienen, den Führern eine behäbige Existenz zu ermöglichen. Auch das erschien in Auers Rede wenig glaubhaft, daß die Sozialdemokraten sich vor der Umsturzvorlage gar nicht fürchten und trotzdem auf immer größere Ausbreitung sicher hofften — seine eigene dreistündige Rede und seine Taktik bewiesen das Gegentheil.
Tagesschau.
Berlin, 16. Jan.
Im Reichstage
wurde heute zunächst der Antrag des Zentrums auf Aufhebung des Jesuitengesetzes berathen. Der ultramontane Abgeordnete Graf Hompesch bedauerte, daß der Bundesrath dem vorjährigen Beschluß des Reichstages, durch welchen derselbe Antrag angenommen worden fei, nicht zugestimmt habe. Er habe diese Ablehnung tief und schmerzlich empfunden und verlange, daß dem Jesuitenorden dieselben Rechte eingeräumt würden, wie jedem Verein. Nachdem hierauf von konservativer, sreikonservativer und nationalliberaler Seite der ablehnende, von den Polen und Sozialdemokraten der zustimmende Standpunkt gegenüber dem Zentrumsantrage in kurzen Erklärungen dargelegt worden war, beantragte der Abgeordnete Rickert (freis. Ver.), die zweite Lesung des Antrages von der Tagesordnung abzusetzen, da ein Zusatzantrag vorbereitet werde. Der Abgeordnete Lieber (Zentrum) wiederholte die Forderung nach Aufhebung des Jesuitengesetzes und erklärte sich mit der Verschiebung der zweiten Berathung des Antrages bis morgen einverstanden. Das Haus beschloß demgemäß.
Es folgte sodann die Berathung der Anträge aus Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Abänderung der Gewerbeordnung und die Organisation einer Vertretung des Handwerks in Handwerkerkammern. Ebenso wie gestern bei Besprechung der Interpellation über denselben Gegenstand wurde auch heute von den Parteien der Rechten (den Abgeordneten G a m p und v. Viereck), des Zentrums (Abg. Euler) und der Nationalliberalen (Abg. Freiherr v. Heyl) eine zweckmäßige Organisation des Handwerks sowie die Errichtung von Handwerkerkammern warm befürwortet, während die Freisinnigen (Abg. Pach nicke) und die Sozialdemokraten (Abg. Reißhaus) dem Handwerk völlige Ungebundenheit belassen woll-