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Nr. 10»

Samstag den 12. Januar.

1895.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein schmales Rasirmesser. Ein Portemonnaie mit 7 Mk. Eine goldne Brache mit Emaillenbild mit ringsum besetzten Bril­lantsteinen und 3 herunterhängenden Perlen. Zwei weiße Chemisetten. Ein braunes Zigarrenetui. Ein Taschentuch mit Hohlsaum und Mono­gramm; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Abhanden gekommen: Ein großer zweisitziger Kinderschlitten.

Zugelaufen: Ein großer rother Hund mit Hundezeichen Nr. 251 und Maulkorb. Ein langhaariger kleiner schwarzer Spitzhund mit einzelnen weißen Haaren auf der Brust; Empfangnahme bei Herrn Kantor Klein- feller in Kesselstadt.

Entlaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, m. Geschl., mit Ringen besetztem Halsband.

Gefunden: Ein goldncr Ring mit Stein. Ein Zigarrenetui mit Meerschaumspitze. Eine große gebackene Stolle.

Hanau am 12. Januar 1895.

Bekanntmachung.

Zur Erhebung der diesjährigen Brandsteuern ist für die Stadt Hanau Termin auf

den 14. bis 17. dies. Mts., morgens */»9-12 Uhr, in die Brauerei Orschler, Langstraße Nr. 27, anberaumt.

Hanau den 7. Januar 1895.

Der Landes-Rentmeister

Heidelbach. 426

Tagesschau.

Berlin, 11. Jan. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind mit den Kaiserlichen Kindern gestern Nachmittag vom Neuen Palais nach Berlin übersiedelt und haben im hiesigen Königlichen Schlosse Woh­nung genommen.

Berlin, 11. Jan. Bei dem Abschiedsdiner des Offizierkorps des Kaiser Alexander-Regiments für den von seinem Posten scheidenden russi­schen Botschafter, Grafen Schuwaloff, toastete, wie dieFr. N." melden, der Kaiser auf den Chef des Regiments, Kaiser Nikolaus, Schuwaloff auf Kaiser Wilhelm. Die russische und die preußische Nationalhymne beglei­teten die Toaste. In einer weiteren Ansprache toastete der Kaiser Namens des Offizierkorps auf Schuwaloff als Regimentskameraden, dessen Scheiden Allen schmerzlich sei, und pries denselben als Sieger in der Schlacht bei Philippopel und Erstürmer der Feste Arabkonak. Tiefbewegt toastete Schuwaloff nochmals auf den Kaiser Namens des Zaren.

Berlin, 11. Jan. Die Winterfestlichkeiten am Berliner Hofe sind nunmehr wie folgt festgesetzt: Am 17. Januar: Fest des Ordens vom Schwarzen Adler; 20. Januar: Krönungs- und Ordensfest; 23.: Große Kour beim Kaiserpaare; 27.; Geburtstag des Kaisers; 30.; Ball im kgl. Schlosse; 6. Februar: Kleiner Ball im kgl. Schlosse; 13.; Subskriptions­ball ; 26.; Fastnachtsball im kgl. Schlosse.

Berlin, 10. Jan. Gegen anonyme Denunzianten richtet sich eine Bekanntmachung der Direktion der Kaiserlichen Werft in Kiel. In dem zur allgemeinen Kenntniß gebrachten Schreiben wird betont, daß neuerdings Denunzialionsschriftstücke ohne Namensunterschrift überhand nähmen; in Zukunft werde jede Eingabe, die nicht eine vollständige Namensnennung enthalte, unberücksichtigt bleiben.

Berlin, 10. Jan. Durch die angeordnete Berufsstatistik für das Deutsche Reich wird auch Umfang und Dauer der Arbeitslosigkeit festgestellt werden. Co wird dieselbe viel zur Klärung unserer jovialen Lage bei­tragen können, indem sie uns die Noth weist und feststellt, damit wir Mittel und Wege suchen, zur Abstellung und Beseitigung.

Berlin, 11. Jan. Nach telegraphischer Mittheilung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Condor", Kommandant Kor­vettenkapitän Broeker, am 9. Januar in Zanzibar angekommen und S. M. S.Seeadler", Kommandant Korvettenkapitän von der Gröben, am 10. d. M. von Zanzibar nach Bombay in See gegangen.

Berlin, 11. Jan. Die sozialdemokratischen Mitglieder waren gestern sämmtlich dem "Anfang der ersten Berliner Stadtverordnetensitzung

AM- Die heutige Nummer umfaßt au

ferngeblieben, weil, wie es Sitte ist, der Vorsteher die erste Sitzung im neuen Jahre mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet.

Wilhelmshafen, 11. Jan. Zum wirksamen Schutz der Nordsee­fischerei sollen dem Vernehmen nach das Wacht- und Maschinenschulschiff, die Torpedoboote und die bei Helgoland stationirten Wachtboote herange­zogen werden. (Fr. N.)

Wien, 11. Jan. Die durch die Schneemassen herbeigeführte Ver­kehrsstörung in Wien ist jetzt behoben. Ein kleiner Theil der Südbahn­strecke MödlingWiener Neustadt ist noch immer für Eisenbahnzüge nicht passirbar. Aus allen Theilen der Monarchie werden heftige Schneefälle gemeldet.

Bremen, 10. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Roland" ist vorgestern in Coruna an gekommen.

London, 10. Januar. Der Union - DampferGreck" ist gestern in Kapstadt eingetroffen.

New-Uork, 10. Januar. Der DampferMaasdam" der Nieder- ländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengefellschast ist gestern hier einge­troffen.

New-Norik, 10. Januar. Der DampferThe Queen" von der National-Dampsschiffs-Kompagnie (C. Messing'sche Linie) ist gestern hier eingetroffen.

Depefchen-BnreanHerold".

11. Januar, abends 9 Uhr:

Deutscher Reichstag.

12. Plenarsitzung am 11. Januar, mittags 1 Uhr.

Am Bundesrathstische ; v. Bötticher, Nieberding, Schönstedt und Bronsart v. Schellendorf.

Die Berathung der Umsturzvorlage wird fortgesetzt.

Abg. v. W o l s z l e g i e r (Pole) bemerkt, daß die Umsturzbewegung in der polnischen Bevölkerung keinen Boden gefunden habe. Der beste Schutz gegen den Umsturz sei die Zufriedenheit. Will man uns als Bun- desgenoffe haben, so möge man uns unsern Religionsunterricht in pol­nischer Sprache wiedergeben. Allerdings in der jetzigen Fassung ist die Vorlage für uns unannehmbar. Mit einer Kommissionsberathung sind wir einverstanden.

Minister v. Köller dankt denjenigen Abgeordneten, welche sich nicht grundsätzlich gegen die Vorlage ausgesprochen haben und fährt fort: Der Abg. Colbus sagte gestern, an der Straßburger Universität sei keine Spur von Religion, ich kann das Gegentheil behaupten; ebenso ist in Elsaß-Lothringen in 6 Jahren nur einmal der Diktaturparagraph in An­wendung gekommen und zwar gegen ein sozialistisches Blatt. Die Abgg. Munkel und Barth leugnen die Größe der Gefahr, während Herr Ale­xander Meyer in einer Volksversammlung ein Einschreiten gegen anarchi­stische Verbrechen für nothwendig hielt. Zu den Ausführungen des Abg. Auer verweist Redner auf eine von Liebknecht gemachte Aeußerung, wonach dieser gesagt haben soll:Wir haben ja keinen Grund, die Nihilisten zu verleugnen." Die Sozialdemokratie predigt den Meineid und scheut sich nicht, das unschuldige Gemüth der Kinder zu vergiften. Herr Gröber, vereinigen Sie und das Zentrum sich mit uns, damit solche Dinge aus- hören. Dem Hause liegt bereits eine Petition vor, welche den Frauen die politische Arena freigegeben wissen will, ich hoffe, das Haus wird diese Petition ablehnen. Ich fordere Sie auf, kleinliche Streitigkeiten fallen zu lasten und mit der Regierung gegen die Umsturzbestrebungen vorzugehen.

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) erklärt, daß seine Partei gewillt sei, die Vorlage gründlich zu prüfen, schon deshalb, weil das von Lasker geschaffene Strafgesetz viele Mängel ausweise. Wenn auch das alte Sozialistengesetz nicht günstig gewirkt hätte, so sei doch vom Umsturzgesetz mehr zu erwarten, zumal die sozialdemokratische Partei jetzt uneinig sei. Zwar können wir der Vorlage, wie sie jetzt ist, nicht zu­stimmen, werden dieselbe aber in der Kommission mitberathen. Sollen Angriffe auf den Talmud auch verboten sein ? Redner schildert sodann die Maßnahmen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, wobei er in erster Linie die Bekämpfung der Juden und neue Bestimmungen zum Straf­gesetzbuch empfiehlt.

Abg. Frhr. v. Hodenberg (Welfe) schließt sich im Wesentlichen den Ausführungen des Abg. Gröber an und hält Strafverschärfungen für ker dem Unterhaltnngsvlatt 12 Seiten.