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Berlin, 7. Jan. Nach einer telegraphischen Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Condor", Kommandant Kor­vettenkapitän Broeker, am 4. Januar in Mozambique angekommen und beabsichtigte gestern nach Zanzibar in See zu gehen.

Geestemünde, 7. Jan. In einem Pistolenduell tödtete der Ka- pitänlieutcnant Burski den Korvettenkapitän Mittler.

Stuttgart, 7. Januar. DerStaatsanzeiger für Württemberg" dementirt die Behauptung einiger Blätter, daß König Wilhelm an den letzten drei Tagen seines Aufenthaltes in Königsberg im September vorigen Jahres an den Manövern nicht mehr theilgenommen habe und von Königsberg abgercist sei, ohne sich von dem kaiserlichen Paare zu verabschieden. Demgegenüber weist derStaatsanzeiger" auf den amt­lichen Bericht von Friedrichshafen vom 14. Cept. hin, worin ausdrück­lich gesagt wird, der König habe den letzten Tag an den Manövern theil- genommen und sich auf dem Manöverfelde von dem kaiserlichen Paare ver­abschiedet. DerStaatsanzeiger" fügt hinzu, daß die Verabschiedung an­gesichts des ganzen Stabes stattgesunden habe.

Paris, 7. Januar. Ueber das zwischen dem Hauptmann Lebrun und Dreyfus vor der Degradirung Dreyfus stattgefundene Gespräch be­richten mehrere Blätter, daß während desselben Dreyfuß zu verschiedenen Malen seine Unschuld betheuert und daß er demselben gesagt, das Urtheil, das ihn treffe, sei das größte Verbrechen dieses Jahr hunderts. Inner­halb dreier Jahre werde man seine Unschuld erkannt haben und das Land werde die ihm zugefügte Schande bereuen. Auch betonte Dreyfus aus­drücklich, daß er vor den Truppen seine Unschuld betheuern werde.

Hamburg, 5. Januar. Der PosldampferPolonia' von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist von Hamburg vorgestern in Colon angekommen.

BreMttt, 6. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Darmstadt" ist gestern in Colombo anKetommen.

Triest, 6. Januar. Der LloyddampferVorwärts" ist gestern hier eingetroffen.

Depeschen-BureauHerold".

7. Janu ar, abends 9 Uhr:

Berlin, 7. Januar. Der Kaiser empfing heute Vormittag eine Deputation aus Helgoland, welche den Kaiser um Bewilligung der Mittel bat zur Wiederherstellung der durch den letzten Sturm schwer beschädigten Düne. Der Kaiser empfing die Deputation sehr gnädig und sagte zu, | daß das Nöthige zur Wiederherstellung der Insel und der Düne ge­schehen werde.

Berlin, 7. Januar. Das Kaiserpaar hat sich nach Char­lottenburg begeben, um am Sarge der Kaiserin Augusta, deren Todestag heute ist, einen Kranz niederzulegen.

Berlin, 7. Januar. Wie ein Berichterstatter meldet, wird die Eröffnung des Landtages am 15. Januar, mittags 12 Uhr, im weißen Saale durch den König erfolgen.

Berlin, 7. Januar. Wie diePost" meldet, ist die Mittheilung, daß au der letzten Staatsministeriumsitzung auch der Staatssekretär des Reichsjustizamtes theilgenoinmen habe, nicht zutreffend.

Berlin, 7. Januar. DieKreuzztg." bezeichnet die Meldung der Pos. Ztg.", daß der Scnatsprästdent von Meyeren zum Unterstaats­sekretär im Staatsministerium ernannt worden sei, als unzutreffend. Der Post" zufolge ist die Frage der Neubesetzung dieses Postens noch nicht entschieden.

Berlin, 7. Januar. Wie derReichsanzeiger" meldet, ist der vortragende Rath der Reichskanzlei Wirklicher Geheimer Rath Göhring unter Verleihung des Kronenordens 1. Klasse auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt und der Wirkliche Geheime Oberregierungsrath Wil- mowski zu seinem Nachfolger ernannt worden.

Berlin, 7. Januar. DerReichsanzeiger" widerlegt in einer längeren Darstellung die in der deutschen Presse mehrfach laut gewordenen Klagen über angebliche Vergewaltigungen deutscher Kolonisten in Syrien durch die türkischen Behörden.

Berlin, 7. Januar. Zur Börsenreform erfährt dasTageblatt" von unterrichteter Seite, daß gegenwärtig die Vorlage das preußische Staatsministerium beschäftigt und daß vorläufig noch nicht ersichtlich sei, zu welchem Resultat dieselbe gelangen werde.

Berlin, 7. Januar. DemReichsanzeiger" zufolge ist der Gesetz­entwurf zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs den Bundesregie- rungett mitgetheilt worden. Der Reichsanzeiger theilt in seiner heutigen Nummer den Gesetzentwurf im Wortlaut mit.

Berlin, 7. Januar. Der bekannte Maler Gräf ist in der ver­gangenen Nacht im Alter von 73 Jahren an Lungenentzündung ge­storben.

Wien, 7. Januar. Tie KrakauerNowa Reforma" verzeichnet in einer Warschauer Korrespondenz das Gerücht, daß ein Attentat auf das Leben des Zaren versucht worden wäre. Eine Bestätigung der Nachricht fehlt noch.

Wien, 7. Januar. Gestern fand hierselbst eine Anarchistenver- sammlung statt, welche polizeilich aufgelöst wurde. Der Referent Bayer griff das derzeitige Wirthschaftssystem heftig an. Als Referent auf die Lage Italiens zu sprechen kam, wobei er namentlich auf die Arbeiter- revolten in Sizilien einging, erschollen heftige Zwischenrufe gegen Crispi, sodaß sich der anwesende Regierungsvertreter veranlaßt sah, die Versamm­lung aufzulösen.

Budapest, 7. Januar. In der Miniftcrkrisis ist noch keine Ent­scheidung eingetreten, doch dürfte heute Graf Khuen Hedervary endgiltig , mit der Bildung des Kabinets betraut werden.

Budapest, 7. Januar. Die für gestern angesagten Volksver- ; sommlungen verliefen sehr stürmisch. Die in der Nationalturnhalle von 5000 Personen besuchte Versammlung wurde behördlich aufgelöst. Es ent­standen große Tumulte. Die Polizei, welche in großen Massen aufgeboten war, nahm 50 Verhaftungen vor.

Brüssel, 7. Januar. Hiesige Blätter bestätigen die Nachricht, daß ein englischer Finanzmann einen Theil des Kongo ankaufen und die schwebende Schuld des Kongostaates übernehmen wolle, wenn ihm die Aus­beutung eines bestimmten Theiles überlassen werde.

Antwerpen, 7. Januar. Um 9 Vs Uhr vormittags wurde die Angeklagte Joniaux von zwei Gendarmen in den Sitzungssaal geführt. I Cie sieht sehr bleich aus, ist gealtert und antwortet mit schwacher Stimme auf die Fragen des Vorsitzenden. Die Verlesung der Anklageschrift wird voraussichtlich bis 4 Uhr nachmittags dauern. Seit Beginn der Veröffent­lichung der Anklageschrift zeigt sich die öffentliche Meinung gegen die An­geklagte wenig günstig. Das Gericht ernannte noch zwei Reservege­schworene. Viele Neugierige, die bei sonstigen Sensationsprozessen die Umgebung des Justizpalastes zu umlagern pflegen, hatten sich heute, wohl der andauernden Kälte wegen, nicht eingefunden.

Rom, 7. Januar. Der Botschafter Reßmann ist dem Vernehmen nach von Paris abberufen, weil er sein Amt nicht mehr in der von den Verhältnissen geforderten Kraft und Festigkeit verwalten konnte und infolge seines langen Aufenthalts in Paris mit der französischen Gesellschaft viel zu eng verwachsen war, um eventuell nöthige Aktionen mit Autorität durchzuführen.

Paris, 7. Januar. In dem Departement Cote d'Or wurde der Sohn des ermordeten Präsidenten Carnot mit 8900 Stimmen gewählt.

Paris, 7. Januar. DerFigaro" richtet heute an die französische Regierung mehrere Fragen, betreffend die Annexion des Kongostaates durch Belgien. Tas Blatt fordert die Regierung auf, von dem Verkaufsrecht Gebrauch zu machen.

Paris, 7. Januar. Die französische Regierung protestirt energisch gegen die Anwesenheit von amerikanischen Spezialgesandten in den fran­zösischen Häfen, welche ohne vorher ertheilte Erlaubniß die Auswanderer einer Inspektion unterziehen.

London, 7. Januar. DieTimes" veröffentlicht ein Telegramm aus Peking, wonach der Chef der chinesischen Friedensmission gestern beim Mikado Audienz hatte. Der amerikanische Delegirte war ebenfalls zur Audienz geladen. Derselbe drückte nach der Audienz Zweifel aus, daß die Verhandlungen zum Ziele führen würden.

Newyork, 7. Januar. In Toronto zerstörte eine Feuersbrunst mehrere Fabrikgebäude sowie die Redaktion desGlobe". Bei den Lösch­arbeiten sind zwei Feuerwehrleute umgekommen. Der Schaden beträgt über eine Million Dollars.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

(Kleinere den Thatsachen entsprechende Mitthetlnngen über Vorkommnisse in hiesiger Stadt und der Umgebung sind stets toiUtommen und werden entsprechend vergütet.)

Die Erziehung im christlichen Glauben.

(Ein Beitrag zur Hebung der häuslichen Erziehung.)

Die Erziehung der Kinder ist dèr nächstliegende und wichtigste Beruf, dem sich ein Weib widmen kann, gleichviel ob hier der Frau das Loos zu theil wurde, im eigenen Heim ihre Kinder zu erziehen, oder ob sie im fremden Hause an den Kindern anderer dies Amt vollbringt. Durch diese Arbeit tragen die Frauen zum großen Theil die Verantwortung, wie sich aus den Kindern das kommende Geschlecht entwickelt. Jede Mutter, jede Erzieherin kann sich nicht oft genug an diese Verantwortung erinnern, um mit rechtem Ernst ihre Erziehungsweise zu prüfen. Treten wir ein in einen Familien­kreis, um von der Mutter, welche sich der Wichtigkeit ihres Berufes wohl bewußt ist, zu lernen. Ein Heiligthum betreten wir, wenn wir die Mutter als Erzieherin ihrer Kinder beobachten, einen Blick auf das Aller- heiligste werfen wir, wenn wir zu erforschen suchen, wie sie die religiöse Erziehung der Kinder leitet. Freundliche Leser mögen gestatten, daß ich sie im Geiste in eine Familie einführe, in welcher die Mutter ihr schweres und doch so segensreiches Amt verwaltet.

Eine jede Mutter, selbst aus den untersten Volksklassen, denkt, ihre Kinder richtig und gut zu erziehen und würde es übel auffassen, wollte man sie vom Gegentheil überzeugen. Viele Mütter meinen ihrer Pflicht

8. Januar 1895.