daß für die Abhaltung guter Sonntagskonzerte ein wirkliches Bedürfniß vorhanden war.
* Deserteur. Der am Mittwoch hier eingelieferte Deserteur, ein aus dem Sächsischen stammender Schneidergeselle, war im März vorigen Jahres als „Unsicherer" in Mainz bei dem Infanterie-Regiment Nr. 88 als Rekrut eingestellt, er desertirte jedoch bald darauf. Wieder eingeliefert, erhielt er 6 Monate Festungshaft; nach Verbüßung derselben wurde er von Neuem flüchtig. Von Hanau aus wurde er zu seinem Truppentheil zurückbefördert. Der Deserteur war in Zivilkleidung, die Uniformstücke hatte er in den Anlagen zu Frankfurt weggeworfen.
* Ehrend. Aus Steinkirchen bei Hamburg erhalten wir folgende Zuschrift: „Unser Ort und seine nähere Umgegend wurden in letzter Zeit von schlimmen Epidemien, Diphtheritis, Typhus u. s. w., schwer heimgesucht, wodurch allen Einwohnern der große Verlust, den wir durch den Wegzug unseres hochverehrten Arztes, des Herrn Dr. Clauß, nach Langenselbold erlitten haben, nochmals recht schwer wieder vor Augen geführt wurde. Während seiner hiesigen vierjährigen Thätigkeit hat Herr Dr. Clauß sich die Liebe und das Vertrauen unserer Einwohnerschaft in einem Grade erworben, wie sie wohl selten einem Arzte zu Theil werden. Er verstand cs in hohem Maße in seinem schweren Berufe, neben seinen außerordentlichen ärztlichen Fähigkeiten, durch seine persönliche Liebenswürdigkeit sich die Herzen Aller zu gewinnen. Unermüdlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit, mit Hintansetzung seiner eigenen Gesundheit eilte er dahin, wo sein Erscheinen gewünscht wurde. Unter seiner glücklichen Hand legten sich die schwersten Leiden und durch dieselbe ist so mancher Kranke, der schon die Hoffnung auf Heilung aufgegeben hatte, zu neuem kräftigen Leben wiederhergestellt worden. Deshalb ist auch die Trauer über den Wegzug des Herrn Dr. Clauß hier so groß. Niemand vermochte es zu begre fen, daß derselbe seine große hiesige Praxis aufgeben wolle uitb man konnte es sich nur erklären aus der Sehnsucht nach seiner geliebten Hei- math. Unser Aller aufrichtigen Wünsche für Herrn Dr. Clauß gehen dahin, daß ihm auch in seiner Heimath viel Glück und Segen bescheert sein möge. Unser sehnlichster Wunsch, der aber wohl nie in Erfüllung gehen wird, ist der, Herr Dr. Clauß möge seine segensreiche Thätigkeit hier bei uns nicht für immer abgeschlossen haben. Hier wird Herrn Dr. Clauß und seiner ärztlichen Kunst ein ehrendes Andenken für immer gesichert bleiben. Viele Einwohner von Steinkirchen und Umgegend."
* Städt. Bibliothek. Zur kostenlosen Verleihung und Benutzung der Bücher geöffnet Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr (Bangertstraße 2, eine Treppe hoch, im sog. „alten Stadthaus").
Für heute. Weihnachtssparkassen zur „Brauerei Kaiser", „Restauration zur Eisenbahn", „zum Elephanten", „zum Badischen Hof", „zum Hessischen Hof", „zum Braustüb'l", „zum Fuldaer Hof" und „zum Friedberger Hof": Auflage und Aufnahme neuer Mitglieder. — Allg. christl. Arbeiterverein: Abends 9 Uhr gemüthliche Zusammenkunft im Vereinslokal „Brauerei Weismantel". — Kasino „Eintracht" (Vereinslokal: „Goldene Gerste"); Vreinsabend.
Versteigerungs & Berpachtuugs- re. Kalender für Montag den 7. Januar.
Vormittags 9 Uhr kommen zum meistbietenden Verkauf: 1) an der Hanau- Philippsruher Landstraße 19 Stück Pappelbäume, b) an der Hanau- Wilhelmsbader Straße 58 Stück Pappelbäume; Sammelplatz bei Stat. 1,9 nächst dem Schloßgarten. — Von nachmittags 2 Uhr ab versteigert der beeid. Taxator und Auktionator Herr Fr. Kämpfer im Auftrag des Herrn Gaudenzi, Hospitalstraße 26 A (Gasthaus zum „Schwarzen Bären") umzugshalber eine große Parthie italienischer Roth- und Weißweine gegen Baarzahlung. — Ebenfalls nachmittags von 2 Uhr ab versteigert der Taxator und Auktionator Herr C. Meerbott im Hause Hospitalstraße 26 (Neustadt) 1 Pferd, 1 Wagen und 2 Hälschweine gegen gleich baare Zahlung.
Q Wind ecken, 4. Januar. (Heilserum.) Das neue Heilmittel hat nun auch an hiesigem Ort seine Anwendung gesunden. Herr Dr. Walther behandelt z. Z. damit mehrere Diphtheritisfälle, darunter einen ziemlich hartnäckigen (+ 40,5° C. Fieber bei einem Knaben von 7 Jahren) und anscheinend mit gutem Erfolg.
— (Nachtrag.) Zu dem bereits in Nr. 302 des „Han. Anz." mitgetheilten hier verübten Diebstahl ist nachzutragen, daß außer dem Geldbeträge — die betr. Nummern der abhanden gekommenen Staatspapiere sind sogleich polizeilich angemeldet, um die Entdeckung des Diebes herbeizuführen — noch 2 Uhren gestohlen sind. Die bis jetzt hier und in der Umgegend sogleich vorgenommenen Haussuchungen sind leider erfolglos geblieben.
« Langendiebach, 5. Januar. (Ermittelt.) Die Diebe, welche vor etwa 2 Jahren «us einem hiesigen Tuch- rc. Geschäft mittels Einbruchs verschiedene Kleidungsstücke und andere Gegenstände entwendeten, sind ermittelt und von der Hanauer Kriminalpolizei bereits verhaftet worden. Einer derselben, namens G. aus Hanau, war soeben aus der Strafanstalt zu Preungesheim entlassen worden und kurz darauf ereilte ihn das Geschick, wiederum in Haft genommen zu werden. Es gewinnt den An
schein, daß die Betreffenden auch den zu derselben Zeit hier vorgekommenen Diebstahl von Silbergegenständen, die bekanntlich zum Theil in der Kesselstädter Gemarkung vergraben aufgefunden wurden, auf dem Gewissen haben.
0 Niederrodenbach, 4. Januar. (Wanderversammlung.) Im Gasthaus zum goldenen Löwen dahier findet am Sonntag den 6. d. Mts., nachmittags 3 Uhr beginnend, eine Wanderversammlung des Kreis-Krieger-Verbandes Hanau statt.
® Großauheim, 5. Januar. (Böser Gast.) Hier herrschen seit einiger Zeit die Masern unter den Kindern und haben die Aerzte vollauf zu thun, um dem Wcitcrgreifen des bösartigen Gastes hindernd entgegenzutreten.
H. Großkrotzenburg, 5. Januar. (Verunglückt.) Gestern stürzte hier ein noch junger Mann vom Scheunengerüst in die Tenne und verstarb an den Folgen des Sturzes. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und zahlreiche Familie.
Wiesbaden, 5. Januar. (B i w ak.) Eine interessante militärische Uebung fand gestern Nachmittag statt. Die „alten Leute" der beiden hiesigen Bataillone des Füsilier-Regts. v. Gersdorff (Hess.) Nr. 80 rückten um 12 aus über die Aarstraßc bis in die Nähe der „Eisernen Hand" und kamen dann wieder zurück auf den zwischen Aar- und Lahnstraße belegenen alten Exerzierplatz, um daselbst inmitten der Winterlandschaft zu biwakircn. Zu dem Zwecke wurden die Zelte, deren einzelne Bestandtheile die Mannschaften mit sich führen, aufgeschlagen, man grub kompagnieweise Kochlöcher und kochte über großen Feuern Kaffee, zu welchem das Wasser auf der nahegelegenen Brauerei Walkmühle geholt wurde. Nachdem Offiziere und Mannschaften ihren Mocca getrunken, entwickelte sich in dem Lager ein buntbewegtes Leben, und der Soldatenhumor trieb die üppigsten Blüthen. Alsbald ragten an verschiedenen Punkten mächtige Schneemänner empor, die das Aussehen von Soldaten mit Gefrcitenknöpfen, den sog. „Spatzen", hatten und an Stelle des Gewehrs einen Stock über die Schulter trugen oder mit solchem präsentirten. Die Rekruten und Einjährig-Freiwilligen waren, um ein solches Lager aus eigener Anschauung kennen zu lernen, hinausgeführt worden. Unter den ersteren entspannen sich hier und da hitzige Schneeballgefechte, und so bot das lustige Treiben der Abwechslungen noch mancherlei. Um 3V, Uhr ertönte der Befehl „in die Zelte!", worauf sich die Mannschaften, welche die Mäntel angelegt hatten, in den Zelten auf Stroh lagerten. Dies war der eigentliche Zweck der Uebung. Es soll nämlich festgestellt werden, wie weit die Temperatur in den ziemlich dicht verschlossenen Zelten durch die Körperwärme der Leute, von denen etwa 16 zusammen lagen, sich erhöht. Das Resultat war ein sehr befriedigendes, denn bereits nach einer halben Stunde wurden, während im Freien das Thermometer 2° + zeigte, in den Zelten 10° -st konstatier. Die Mannschaften fühlten sich offenbar auch sehr behaglich, denn es ertönte alsbald manch' fröhliches Lied. Gleichzeitig wurde auch ein Versuch mit einem weniger geschützten Lager gemacht, wie sie etwa für Posten in Anwendung kommen dürften. Hier lagen, durch Schneewände zu beiden Seiten und durch ein Zelttuch von oben geschützt, nur zwei Mann zusammen. Nach einer Stunde wurden die Zelte wieder verlassen, das Lager wurde abgebrochen und in die Kaserne zurückmarschirt. Wahrscheinlich wird diese Uebung wiederholt; ob auch in einem größeren Truppenverbande und als ein förmliches Biwak, in welchem die Truppen während der ganzen Nacht im Freien liegen, steht noch nicht fest.
Höchst, 4. Januar. (Verstorben.) Karl Friedrich Wilhelm Meister, einstiger Mitbegründer der Farbwerke vormals Meister, Lucius und Brüning in Höchst a. M., ist gestern Abend in Frankfurt a. M. verstorben. — Geboren 1827 zu Hamburg, entstammt er einer altangesehenen Familie reformirten Glaubens. In jungen Jahren bereiste er Westindien und Südamerika und war später in Manchester lange Jahre etablirt. Ende 1862 begründete er mit seinem Schwager Dr. Lucius und unter etwas späterem Hinzutritt des verstorbenen Dr. von Brüning die Höchster Farbwerke. An den bekannten Wohlfahrtseinrichtungen derselben hat er hervorragenden Antheil gehabt. 1890 zog er sich ins Privatleben zurück. Von streng loyaler Gesinnung ist er öffentlich nicht hervorgetreten und hat aus diesem Grunde die ihm 1888 nahegelegte Erhebung in den preußischen Adelstand nicht angenommen. Außer seiner Gattin, einer Tochter des bekannten Frankfurter Malers Professor Jakob Becker, hinterläßt er zwei Söhne und eine Tochter; letztere ist mit dem Landtagsabgeordneten für Frankfurt a. M. W. vom Rath verheirathet. Sein ältester Sohn ist Landrath in Höchst a. M. und neuerdings mit der kommissarischen Verwaltung des Obertaunuskreises beauftragt, der jüngere ist Dr. chem. und z. Z. Assistent im Laboratorium des Dr. Knorr in Jena.
IM- Fortsetzung des lokalen Theils in der Beilage. -MI
Verloosungen.
Sachsen-Meininger 7 fl.-Loose vom Jahre 1870. Ziehung am 2. Januar 1895. Gezogene Serien: Nr. 19 162 186 238 361 432 480 615 618 631 878 905 965 1027 1071 1243 1481 1488 1543 1709 1825 2052 2060 2183 2349 2387 2502 2519 2522 2777 2864
2896 3025 3223 3229 3491 3550 3744 3838 3850 4206 4311 4324
4545 4560 4615 4706 4734 4813 4827 4887 4942 4997 5228 5253
5300 5368 5417 5646 5803 5811 5998 6053 6091 6166 61.67 6224