»orzulegen. Die Geburtsscheine werden von den betreffenden Standesämtern kostenfrei ausgestellt.
Hanau am 2. Januar 1895.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 332
Tagesschau.
Berlin, 4. Jan. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat sich am 3. d. Mts. nach Geestemünde begeben, um unter Zuziehung mehrerer wafferbautechnischer Räthe die Beschädigungen in Augenschein zu nehmen, welche an dem im Bau begriffenen dortigen Fischereihafen durch die beiden Sturmfluthen der letzten Tage verursacht sind. Von dort beabsichtigt der Minister sich nach Helgoland zu begeben und die Schäden zu besichtigen, welche an der dortigen Düne bedauerlicher Weise gleichfalls entstanden sind.
Berlin, 5. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg." kommt abermals in einem Leitartikel auf die Vorgänge im Reichstage am 6. Dezember und auf die Abstellung dieser Vorgänge bezw. die Immunität der Volksvertreter zurück und fordert, daß eine kräftig funktionirende Schranke gegen revolutionäre Redeergüsse im Reichstag errichtet werde, die vielleicht in einer Reform des Reichstagswahlrechts gefunden werden könne. Eine solche Reform fei die sich gebieterisch geltend machende Aufgabe der Regierung.
Berlin, 4. Jan. In dem Atelier des Malers Max Liebermann (bedeutendster deutscher Vertreter der Hellmalerei) brach, nach dem „Rh. K.", durch eine im anstoßenden Zimmer explodirte Spirituslampe Feuer aus. Ein mit werthvollen Skizzen gefüllter Schrank verbrannte ganz. Der Schaden ist für den Künstler ein sehr großer. Viele Skizzen, Skizzenbücher und erste Drucke von Radirungen sind vernichtet. Was vom Feuer verschont blieb, wurde durch Wasser zerstört. Das ganze Studienmaterial des Künstlers ist verloren.
Berlin, 3. Jan. Anläßlich eines Spezialfalles hat der Kultusminister entschieden, daß die von den Gemeinden, Gutsbezirken u. s. w. auf Grund des §. 11 des Gesetzes vom 23. Juli 1893 an die Ruhegehaltskasfe zu entrichtenden Beiträge zu den von den Schulverbänden für das Diensteinkommen der Lehrer aufzuwendenden Leistungen im Sinne des §. 2 des Gesetzes vom 14. Juni 1888, betreffend die Erleichterung der Volksschullasten, nicht zu rechnen sind. Die Staatsbeiträge aus den Gesetzen vom 14. Juni 1888 und 31. März 1889 dürfen daher zur Bestreitung der gedachten Zahlungen nicht verwendet werden.
Berlin, 4. Jan. Heute früh 9 Uhr stürzte in dem Buchdruckereigebäude Bernburgerstraße 14 ein Fahrstuhl mit 4 Personen, 3 Lehrlingen und 1 Hausdiener, aus dem vierten Stock in den Keller. Alle 4 Personen wurden, nach den „Fr. N.", schwer verletzt. Die Schuld soll die Verletzten selbst treffen.
Berlin, 4. Jan. S. M. S. „Arcona", Flaggschiff der Kreuzerdivision, Chef: Kontreadmiral Hoffmann, ist laut telegraphischer Mittheilung an das Oberkommando der Marine am 3. Januar von Shanghai nach Amoy in See gegangen.
Köln, 4. Jan. Wie der „Köln. Ztg." aus Tanger gemeldet wird, ist Abdel Kadre, einer von den drei Mördern des Deutschen Franz Neumann, am 31. Dezember in Cassablanca in Gegenwart des deutschen Vizekonsuls und zweier anderer Zeugen durch einen Schuß in den Rücken hingerichtet worden.
Hamburg, 4. Jan. Die „Hamb. Börsenhalle" ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Meldung, die Hamburg-Amerikanische Packet- sahrtaktiengesellschaft beabsichtige die Ausgabe einer zweiten Prioritätenanleihe, jeder Begründung entbehrt.
Wien, 4. Jan. Die „R. Fr. Pr." erfährt aus Washington, die Vermittelung Amerikas bezüglich der Friedensfrage zwischen China und Japan sei gescheitert.
Wien, 4. Jan. Gegenüber der Meldung der „Ungarischen Korrespondenz", nach welcher während des Wiener Aufenthaltes des russischen Spezialgesandten Puschkin die Frage eines eventuellen Besuches des Kaisers von Rußland in Wien im Herbste erörtert worden sei, kann das „Fremdenblatt" auf Grund von an kompetenter Stelle eingenommenen Informationen versichern, daß in maßgebenden Kreisen von der ganzen Sache nichts bekannt sei.
Rom, 4. Jan. Der Graf von Caserie, Bruder des verstorbenen Ex-Königs Franz II., hat in dem Brief an den Papst, in welchem er das Ableben des früheren Königs beider Sizilien mittheilt, demselben angezeigt, daß er seine Rechte auf die Krone beanspruche und daß er an die Neapolitaner ein Manifest richten werde.
Petersburg, 4. Jan. Die Amtsblätter veröffentlichen eine Verordnung, wodurch die Gültigkeit der Bestimmungen hinsichtlich der Verladung von ins Ausland auszuführenden Kornes und Mehls in ausländische Säcke bis zum 1. Januar 1898 verlängert wird.
Humburg, 4. Januar. Der Postdampfer „Valesia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist von Hamburg gestern in St. Thomas angekommen.
New-York, 4. Januar. Der Dampfer „Schiedam" der Niederländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist gestern hier einge- troßen.
Bremen, 4. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hohenzollern" ist vorgestern in New-Porl angekommen.
Philadelphia, 4. Januar. Der Postdampfer „Pennsylvania" von der „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier angekommen.
Depeschen-Bureau „Herold".
4. Januar, abends 9 Uhr:
Berlin, 4. Januar. Das Staatsministerium hat heute Nachmittag in der Amtswohnung des Reichskanzlers unter Anwesenheit des Kaisers i eine Sitzung abgehalten. Auf der Tagesordnung stand nach der „Post" ! die Berathung des Gesetzentwurfes, betr. die Stempelsteuer.
Berlin, 4. Januar. Die Uebersiedelung des kaiserlichen Hofes vom Neuen Palais nach dem Berliner Schlöffe erfolgt voraussichtlich in I den letzten Tagen der nächsten Woche.
Berlin, 4. Januar. Die „Post" bezeichnet die Meldung eines i Elberfelder Blattes, wonach Fürst Hohenlohe das Reichskanzleramt nur ■ unter der Bedingung übernommen habe, daß nach Erledigung der Umsturz- | Vorlage und des Steuergesetzentwurfes ein Wechsel in der Besetzung des - Kanzlerpostens stattfinden solle, als unrichtig.
Berlin, 4. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Meldung des Stuttgarter Beobachters, wonach die Reform des Militärstraf- I Prozesses auf unbestimmte Zeit vertagt sei, als erfunden.
Berlin, 4. Januar. Von zuverlässiger Seite wird bestätigt, Herr v. Levetzow habe neuerdings wiederum die bestimmte Absicht geäußert, das ; Präsidium des Reichstags niederzulegen. Von konservativer Seite ist man angelegentlichst bemüht, Herrn v. Levetzow von der Ausführung dieses : Entschlusses zurückzuhalten.
Berlin, 4. Januar. Wie die „Nationalztg." hört, ist der Gesetz- j entwurf gegen den unlauteren Wettbewerb ausgearbeitet und dürfte in Kurzem weiteren Kreisen zur Beurtheilung unterbreitet werden.
Berlin, 4. Januar. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge beruhen alle Blättermeldungen über die Aussichten der Tabaksteueroorlage auf Kombinationen. Im Bundesrath habe eine Berathung des Entwurfes des Reichsschatzamtes bisher nicht stattgefunden.
Berlin, 4. Januar. Die Nachricht, daß Landgerichtsdirektor Brausewetter in Berlin für den erledigten Posten eines Landgerichtspräsidenten in Gnesen in Aussicht genommen fei, wird der „Post" als unrichtig bezeichnet.
Berlin, 4. Januar. Heute früh hat die Ehefrau des Kutschers ! Hoffmann ihre beiden jüngsten Kinder erwürgt und dann Selbstmord be- s gangen. Der Beweggrund zu der That ist Arbeitslosigkeit des Mannes. ;
Berlin, 4. Januar. In einer gestern Abend hier tagenden, sehr zahlreich besuchten Versammlung der Brauereiarbeiter sprach der Brauerei- | arbeiter Schneider über die Lage der Opfer des Boykotts. Der Redner i führte aus, daß die Brauereiarbeiter über den Verlauf der Vermittelungsverhandlungen gänzlich im Unklaren gelassen worden seien, so daß, als ; Singer 'mit Rösicke Frieden geschlossen hatte, niemand überraschter gewesen sei, als diejenigen, über deren Schicksal entschieden worden ist. Es gelte, ’ nunmehr energisch Front zu machen gegen die Ausschreitungen der Arbeitgeber. Das Statut des Arbeitsnachweises ist für den Brauereiarbeiter geradezu verderblich. Hierauf ergriff der Delegirte der Gewerkschaftskommission, Millarg, das Wort, um etwa Folgendes zu erklären: Die Arbeiter Deutschlands hätten für die Brauereiarbeiter viel Geld aufgebracht ; und sie in jeder Weise energisch unterstützt. Die Boykottirten seien un- ; dankbar, sie opponiren ständig, nehmen aber die Arbeitergroschen sehr gern. ; Es entstand hierauf ein furchtbarer Tumult, sodaß sich der Vorsitzende : veranlaßt fand, die Versammlung zu schließen, um der polizeilichen Aus- i lösung vorzubeugen.
Wie»», 4. Januar. Das „Neue Wiener Tageblatt" erfährt von | unterrichteter Seite, daß der Kaiser sofort nach seiner Ankunft in Budapest den Grafen Khuen Hedervary mit der Bildung des Kabinets betrauen werde.
Budapest, 4. Januar. Wekerle erklärte, daß er die Kabinets- bildung des Grafen Khuen Hedervary mit Leib und Seele unterstützen werde, falls derselbe bereit sei, das Programm der liberalen Partei zu dem seinigen zu machen. Im Uebrigen ist die innerpolitische Situation wieder ungünstiger. Alle Versuche, eine Vereinigung auf der 1867er Ausgleichsbasis herbeizuführen, sind vollständig gescheitert.
Budapest, 4. Januar. Großes Aufsehen erregt es, daß gestern Graf Khuen Hedervary nicht im liberalen Klub erschienen ist, sondern lediglich das Nationalkasino aufgesucht hat, wo fast nur Mitglieder der Opposition verkehren.
Brüstel, 4. Januar. Wegen der demnächst zu erfolgenden Kreditforderung von 10 Millionen Franks für das Kongonnternehmcn veröffent- licht die offizielle Preffe zahlreiche Artikel, in welchen eine definitive An- - nektirung des Kongos befürwortet wird. Die radikale Presse kündigt dagegen eine energische Opposition gegen diese Kreditbewilligung an.
Antwerpen, 4. Januar. Am nächsten Montag beginnt der Prozeß gegen Frau Joniaux. Wie es heißt, sollen allein über tausend Briefe zur Verlesung kommen.