ganisation der Sozialdemokratie diejenige eines politischen Vereins im Sinne des bayerischen Bereinsgesetzes ist.
Braunau am Inn, 2. Jan. In einem Walde in der hiesigen Umgebung fand heute eine Versammlung von etwa 6000 Personen statt, welche durch den im Lande verbreiteten Aberglauben veranlaßt war, in diesem Walde erscheine die Mutter Gottes. Als die Gendarmerie einschritt, wurden zwei Personen leicht verletzt. Weitere Abtheilungen Gendarmerie sind abgegangen. (RH. K.)
Stuttgart, 2. Januar. Wie der „Staatsanzeiger für Württemberg" meldet, richtete der König anläßlich des Jahreswechsels folgendes Telegramm an den Kaiser: „Beim Jahreswechsel, zu dem ich Dir die innigsten und herzlichsten Glückwünsche sende, ist es mir Bedürfniß, Dir nochmals Meinen wärmsten Dank auszusprechen für die unvergeßlich schönen Tage, welche Ich im abgelaufenen Jahre bei den Manövern in Ost- und Westpreußen durch Deine Güte verleben durfte. Möge das anbrechende Jahr Dir und dem gesummten Vaterlande gute und segensreiche Tage bescheiden und Mir die Freude einer erneuten persönlichen Begegnung bringen. Wilhelm." Hierauf traf folgende Antwort des Kaisers ein: „Empfange den aufrichtigsten Dank für Dein freundliches Telegramm, dessen Inhalt Mich mit wahrer Freude erfüllt. Von ganzem Herzen erwidere Ich Deine guten Wünsche für das kommende Jahr. Unvergeßlich sind auch Mir die Tage, die Uns vergönnt waren in treuer Kameradschaft zusammen zu verleben, und mit Dir hoffe auch Ich auf ein Wiedersehen im neuen Jahre, das mit Gottes Hilfe Dir und Deinem schönen Laude reichen Segen bringen möge. Wilhelm."
Die Uneinigkeit in der badischen Sozialdemokratie bleibt bestehen, trotz der Frankfurter Parteitagsbeschlüsse. Auf einer. Parteikonferenz in Grötzingen wurde einstimmig beschlossen, Dr. Rüst zum Wiedereintritt in die Partei aufzufordern. Ferner wurde an Stelle des „Genossen" Opiftzius, den Veröffentlicher der Rüdtschen Briefe, ein anderer Vertrauensmann gewählt und ersterem die Qualifikation abgesprochen, je wieder ein Vertrauensamt zu bekleiden.
Paris, 1. Jan. Die „Petite Röpublique" veröffentlicht Enthüllungen, wonach viele republikanische Abgeordnete sich an den Schwindeleien der französischen Südbahngesellschaften betheiligten. Damit erscheint ein neuer Skandal ausgebrochen, den die Sozialisten bei der Wiedereröffnung der Kammer zu verwerthen gedenken.
Cherbourg, 1. Jan. Die Bark „Jenne-Henri" und der Schooner „Albert-Elisabeth" sind infolge des Sturmes mit Mann und Maus untergegangen. Das erstgenannte Fahrzeug gehörte einem Rheder in Dielette, das letztere war von Saint-Brienx ausgefahren.
London, 2. Jan. Heute Vormittag brach in einer Waschanstalt in der Edgarstraße Feuer aus, wobei 5 Mädchen, ein Mann und eine Frau in den Flammen umkamen.
Petersburg, 2. Jan. Nach dem vom Ackerbauminister veröffentlichten Bericht war, nach den „Fr. N.", der Stand der Saaten im November 1894 weniger befriedigend als im gleichen Monat 1893. Die Aussaat wurde durch Regen im Herbste verzögert. Winterweizen ist mehr beschädigt als Roggen. Weniger befriedigende Flächen wechseln mit fruchtbaren ab. Die bebaute Fläche hat sich bedeutend verringert.
Bremen, 1. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Wittekind" ist vorgestern in New-Dor» angekommen.
London, 2. Januar. Der Castle-Dampfer „Donne Castle ist gestern in Kapstadt eingetroffen.
Triest, 1. Januar. Der Lloyddampfer „Aurora" ist vorgestern hier eingetroffen.
New-N^kk, 2- Januar. Der Postdampfer „Westernland" von der „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier angekommen.
Reichsgerichts-Entscheidungen. (A. d. Reichsam.)
Ein nach Vereinbarung mit dem Absender auf einem offenen Eisenbahnwagen transportirter Möbeltransportwagen ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Zivilsenats, vom 10. November 1894, als ein Eisen- bahn-Frachtgut, welches nach Vereinbarung mit dem Absender in unbedeckten Wagen transportirt wird, im Sinne des Art. 424 des Handelsgesetzbuchs und des § 77 der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands vom 15. November 1892 zu erachten. Die Eisenbahn haftet daher nicht für den Schaden, welcher aus der mit dieser Transportart verbundenen Gefahr entstanden ist, bezw. nach den Umständen des Falls, bis zum Nachweis des Gegentheils, aus dieser Gefahr entstanden sein kann; daran ändert auch nichts der Umstand, daß der Möbeltransportwagen speziell für die Beförderung mit der Eisenbahn gebaut und ebenso feuersicher konstruirt ist wie jeder gedeckte Eisenbahnwagen.
Depeschen-Bureau „Herold".
2. Januar, abends 9 Uhr:
Berlin, 2. Januar. Bei dem gestrigen Neujahrsempfang soll der Kaiser den Reichskanzler mit großer Auszeichnung behandelt haben. Der Kaiser und die Kaiserin traten bei dem Hcrannahen des Reichskanzlers eine Stufe vom Throne herunter und reichten demselben beide Hände.
Berlin, 2. Januar. Bei der gestrigen Paroleausgabe soll der Kaiser eine politische Ansprache nicht gehalten haben. Die Unterhaltung
drehte sich lediglich um die diesjährigen Kaisermanöver zwischen dem Gardekorps und dem zweiten Armeekorps.
Berlin, 2. Januar. Wie die „Post" meldet, hat der Kaiser bei dem gestrigen Neujahrsempfange der Botschafter politische Fragen nicht berührt, auch keine den Gesandten geltende Ansprache gehalten.
Berlin, 2. Januar.. Der „Lokalanzeiger" meldet: In der Rede des Kaisers an die kommandirenden Generäle bei der gestrigen Parole- ausgabe legte der Monarch denselben dringend ans Herz, die Offizier- korps zur möglichsten Sparsamkeit anzuhalten. Der Kaiser gedachte auch der vorzüglichen Leistungen der Japaner in dem Kriege gegen China.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bringt die Verleihung des schwarzen Adlerordens an den General Grafen Waldersee.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bringt ausführlich die Verhandlungen, welche zwischen dem deutschen Vertreter in Tanger und der marokkanischen Regierung anläßlich der Ermordung des deutschen Reichsangehörigen Franz Neumann stattgefunden haben und deren Ergebniß war, daß der Mörder hingerichtet und dessen Mitschuldige zu lebenslänglichem Gefängniß verurtheilt wurden.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bezeichnet die Angaben des „Vorwärts" vom 25. November 1894, wonach bei den gegenwärtig stattfindendcn Kontrolversammlungen den Mannschaften mitgetheilt worden sei, daß im Jahre 1894 eine so massenhafte Bestrafung von Heerespflichtigen habe stattfinden müssen, wie nie zuvor, als gänzlich unrichtig. Die Zahl der Bestrafungen sei im Jahre 1894 erheblich geringer gewesen, als im Vorjahre.
Berlin, 2. Januar. Der „Posener Zeitung" zufolge wurde das Verfahren gegen die beiden polnischen Blätter „Goniec" und ^Postep" wegen Beleivigung des Erzbischofs v. Stablew-ki und des Domkapitels eingestellt, nachdem die Blätter Abbitte geleistet haben.
Berlin, 2. Januar. Die sozialistische Fraktion des Reichstags hat einen schleunigen Antrag eingebracht, betreffend die Einstellung des gegen den Abg. Stadthagen schwebenden Strafverfahrens. .
München, 2. Januar. Seine fertigt. Hoheit der Prinzregent und ■ Fürst Bismarck haben auch heuer wieder anläßlich des Jahreswechsels herzlich gehaltene Glückwunschtelegramme ausgetauscht.
Karlsruhe, 2. Januar. Auf dem Schwarzwalde sind ungeheure Schneemassen gefallen. Der Schnee liegt meterhoch. Am Montag ist ein mit zwei Maschinen bespannter Zug der Zell-Todtnauer Bahn bei Wambach im Schnee stecken geblieben und mußte ausgegraben werden. Der . Verkehr zwischen Zell und Todtnau wird durch Schlitten aufrecht erhalten.
Hamburg, 2. Januar. Dem „ Hamburger Korrespondenten" zufolge soll als der anonyme Zettelschreiber, welcher mehreren Parlamen- : tariern und Zeitungen vor einiger Zeit die Mittheilung machte, der Kaiser | habe dem Reichskanzler 100 000 M. Gehaltszuschuß bewilligt, ein Subal- - ternbeamter in Berlin entdeckt worden sein.
Wien, 2. Januar. Der Kaiser begibt sich morgen nach Budapest. Wie von gutunterrichteter Seite behauptet wird, wird Graf Khuen Heder- vary mit der Kabinetsbildung betraut werden. Dagegen soll nach Pester Meldungen die librrale Partei auf einem Kabinet Banffy bestehen.
Wien, 2. Januar. Ungefähr 200 von einer kroatischen Sokol- t Versammlung zurückkehrende Personen stürmten ein Lokal, in welchem italienische Bürger nebst ihren Frauen belästigt wurden. Es entstand eine große Panik, da die Angreifer sich grober Ausschreitungen schulvig machten. Die Frau eines Gerichtspräsidenten flüchtete durch das Fenster. Es kamen zahlreiche Verwundungen vor.
Pest, 2. Januar. Der Minister des Innern verfügte, daß gegen die seiner Zeit aufgelöste ruinänische Nationalpartei, welche neuerdings zu wühlen beginnt, vorgegangen werde.
Lemberg, 2. Januar. Infolge großer Schneefälle sind Verkehrsstörungen eingetreten. Der Bahnoerkehr ist theilweise unterbrochen.
Rom, 2. Januar. Es verlautet auf das Bestimmteste, daß der König die Demission des Kabinets annehmen werde. Der König soll einen Senator mit der Bildung betrauen. Das neue Kabinet, in welches 1 Boselli-Caraeco eintreten soll, wird je nach den Umständen die Kammer * einberufen und Neuwahlen anordnen. 1
Rom, 2. Januar. Aus der Neujahrsrede des Königs wollen die 5 Blätter ersehen, daß der Rücktritt Crispis unvermeidlich sei. U
Paris, 2. Januar. In einer ausführlichen Besprechung über die im Jahre 1894 stattgefundenen politischen Ereignisse hebt ein Theil hervorragender Blätter die zwischen dem Norden und dem Süden in Deutsch- t land ausgebrochenen Streitigkeiten hervor. Die Blätter behaupten, es 1 wäre auf höheren Befehl geschehen, daß die Berliner Presse sich enthalten | habe, auf die Provokationen der süddeutschen, besonders der Stutt- < zarter Blätter zu antworten, um nicht die Einigkeit des Reiches zu gefährden. â
London, 2. Januar. Das Auslieferungsgericht hat die von der ■ französischen Regierung verlangte Auslieferung des Anarchisten Brandierdi, der erst vor kurzem nach London gekommen, zugesagt. Der Urtheilsspruch l erregt in Gerichtskreisen großes Aufsehen, da er vollständig uner- | wartet kam.
Belgrad, 2. Januar. Gestern begann der Prozeß gegen den , Bezirkssekretär Diakovics, welcher angeblich geplant hat, den König bei > einem Festmahle zu ermorden.