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Erstes Blatt.

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Hanauer Anzeiger.

Zugleich

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Erschaut täglich mit Lussahme brr Sonu- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Preis:

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Freitag den 21. Dezember

1894

Abonnements-Kinladung.

Mit dem 1. Januar 1895 beginnt ein neues Abonnement aus den Hanauer Anzeiger",

welcher

Mgleich amtliches Organ für den Stadt- und Landkreis Hanau, und nachweislich das weitverbreitetste und umfang­reichste Blatt Hanaus ist.

Derselbe bringt täglich die amtlichen Bekanntmachungen für den Stadt- und Landkreis Hanan, hält seinen Leserkreis stets bezügl. der wichtigsten politischen und Tagesereignisse auf dem Laufenden, bietet Kurs- und Marktberichte, kirchliche, lokale und provinzielle Nachrichten, Auszüge aus den Verhandlungen des Reichs- und Landtags, aus denen des Provinziallandtags, die Protokolle der Sitzungen der Handelskammer sowie des Gemeinde- Ausschusses, Verloosungen, ferner Geschäfts- und Privat- Anzeigen, sowie die vollständigen Ziehungslisten Königl. Prcusj. Klaffen-Lotterie. Das Unterhaltungsblatt enthält neben spannenden Erzählungen reiches Mannigfaltige, auch bringt der Hanauer Anzeiger" noch die im Lause des Vormittags (am Tage der Ausgabe) beim Depeschen-Bureau Herold einlaufenden Drahtnachrichten.

Zur Veröffentlichung von Inseraten jeder Art eignet sich der Hanauer Anzeiger" seiner starken Verbreitung halber ganz besonders und kostet die Ispaltige Zeile nur 10 Pf.

Der Abonnementspreis beträgt M. 2.25 pro Quartal mrd nehmen sowohl die Expedition (Waisenhaus) als auch sämmtliche Postanstalten Bestellungen entgegen.

Nicht gekündigte Abonnements gelten als stillschweigend erneuert.

Neu zutretende Abonnenten erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung bis Ansang des Quartals unentgeltlich.

Die Expedition des Hanauer Anzeigers.

Rede des Staatssekretärs des Reichsjustizamts Nieberding.

(Fortsetzung.)

Meine Herren, es ist so lange noch nicht her, da wurde in den östlichen Grenzprovinzcn Preußens vorwiegend polnischer Zunge unter der Landbevölkerung ein Flugblatt verbreitet, welches den Zweck hatte, wie es selbst sagte, die Landbevölkerung auf ihre wahren Interessen aufmerksam zu machen. Dieses Flugblatt war in polnischer Sprache abgefaßt; es richtete sich an das Arbeitervolk in jenen Landestheilen, und gestatten Sie mir, Ihnen einige bezeichnende Sätze daraus vorzutragen, mit welchen das Volk aufgeklärt werden sollte über dasjenige, was es im Interesse seiner Freiheit zu verfolgen habe. Es heißt dort:

Das Arbeitervolk denkt an die Freiheit und an die Arbeit; für die Ausbeutung und den Diebstahl der Volksarbeit sorgen die Herren. Das Volk möchte immer Arbeit haben, welche es ernährt; aber einerseits stehlen ihm die Herren die Arbeit, indem sie sich sämmtlichen National- , reichthum aneignen, andererseits erpressen die habgierigen Regierungen unzählbare Zehnten in Form von Steuern."

(Sehr richtig! links.) Dann kommt die nährere Ausführung dieses Ge­dankens, mit der ich dieses hohe Haus verschonen will, und der Aufruf fährt fort:

Es ist Zeit, daß diese stillen, in unseren Köpfen verborgenen Ideen offenbar werden; es ist Zeit, daß wir Arbeiter uns zu einer Macht verbinden. Sobald wir unserer Macht uns bewußt werden, sobald jeder einen gleichgesinnten Genossen neben sich hat, dann verlieren wir keinen Augenblick und keine Gelegenheit, unsere Rechte geltend zu machen: unsere Rechte auf Freiheit, aus die Fabriken und auf den Grund und Boden. Es lebe die Arbeiterorganisation! Es lebe die allgemeine soziale Revolution!"

(Zuruf links.) Das ist ein Stück, das erkennen läßt, wie auf die bäuer­liche Kreise im Osten gewirkt wird; es wird nicht überall in gleicher Weise gearbeitet, in dem ganzen Umsturz sitzt auch Methode. Ich möchte mir

W Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.

deshalb erlauben, Ihnen ein anderes Beispiel vorzutragen, welches beweist, wie in den Städten ans die Leute gewirkt wird Meine Herren, ich habe hier ein kleines Blatt, es ist eines von den Flugblättern, von denen auch die Motive sprechen; sie werden heimlich verbreitet, sie werden von einem zum andern getragen; sie werden in den Familien vorgelesen, und auf diese Weise verbreitet sich ihr Inhalt weit über die Zahl ihrer Exemplare hinaus in großen Kreisen des Volks. Dieses Flugblatt betitelt sichAn die jungen Leute" und spricht mit ihnen in einer recht angenehmen und anheimelnden Weise über die künftige Berufswahl, setzt ihnen auseinander, welche Vortheile und welche Schattenseiten die verschiedenen Berufszweige, die ihnen offen stehen, bieten, häuft dann natürlich die Schatten auf die armen jungen Leute, die als Arbeiter, als Handwerker in Fabriken oder Werkstätten eintreten sollen, und schildert daneben in glänzenden Farben, in welcher Weise von ihrer Arbeit der Reiche und der Bourgeois lebt. Es wendet sich an alle Kreise: an den jungen Mann, an das junge Mäd­chen, an den jung verheiratheten Mann und an . die jung verheirathete Frau, und nachdem auf eine Anzahl von Seiten die Leidenschaft der Leser angefacht worden ist, fährt das Blatt dann zum Schluß fort, wie folgt:

Ich weiß wohl

wendet cs sich an die Frauen

daß Euer Blut wallt, wenn Ihr hört, daß Eure Männer, nachdem sie wegen schlechter Behandlung und Bezahlung die Arbeit eingestellt, am Ende die unverschämten Bedingungen des dicken Bourgeois doch wieder angenommen haben. Ich weiß, daß Ihr jene spanischen Frauen, welche bei einem VoMaufruhr in den ersten Reihen ihre Körper den Bajonetten der Soldaten darboten, bewundert. Ich weiß, daß Ihr mit Achtung den Namen jener Frau nennt, welche eine Kugel in die Brust eines Generals jagte, als derselbe eines Tages einen inhaftirten Sozialisten beschimpfte."

Nun wohl

fährt es dann fort

Ihr jungen Leute, Männer und Frauen, Bauern, Arbeiter, Angestellte und Soldaten, Ihr werdet Eure Psticht verstehen, Eure Rechte begreifen und zu uns kommen, Ihr werdet mit Euren Brüdern für die Um­wälzung arbeiten jene Umwälzung, welche jede Sklaverei abschafft, alle Ketten zerbricht, mit allen alten Sagen ausräumt und in der mensch­lichen Gesellschaft die wahre Freiheit und Gleichheit wiederherstellt."

Und dann:

Wir, die Armen und Elenden, bilden einen Ozean, welcher alles verschlingen kann, was sich unserem Glück entgegenstellt. Wenn wir wollen, so können wir Freiheit haben."

(Zurufe von feiten der Sozialdemokraten.) Das ist von Kropotkin. (Zurufe von Seiten der Sozialdemokraten.) Aber ein Mittel, mit dem noch in der neuesten Zeit . . . (Erneute Zurufe von feiten der Sozialdemokraten. Glocke) die Klassen bearbeitet werden.

Meine Herren, auch der Dolch ist ein altes Mittel, seit Jahrhun­derten bekannt, aber es ist doch noch im Gebrauch und gefährlich; wenn diese Schrift, wie Sie sagen, vor 25 Jahren schon benutzt wurde nun so behaupte ich, daß sie auch jetzt noch ein wirksames Mittel bildet, um die Volksmassen in Gährung zu bringen. (Zuruf bei den Sozialdemo­kraten.) Ein drittes Beispiel, das wiederum nach anderer Richtung hin über die Methode Sie aufklären wird, in welcher die Umsturzbcstrcbungcn verfolgt werden! Ein Blatt, in welchem noch offener gesprochen wird, es ist dieFreiheit" (Zuruf von den Sozialdemokraten), dasInternationale Organ der Anarchisten deutscher Sprache", wie das Blatt sich nennt, . . . (Zurufe von den Sozialdemokraten. Glocke.) ein Blatt, dessen Ver­breitung in Deutschland zu hindern, die Polizei vergeblich sich bemüht, in diesem Blatt, meine Herren, steht in einer Ausführung über Fragen der Gegenwart Folgendes:

Freilich, revolutionär sind alle Anarchisten gesinnt, und sind sie keineswegs nur sogenannte moralische Revolutionäre, sondern sie arbeiten auf den gewaltsamen Umsturz hin. Deshalb läuft alles, was sie sagen, was sie sprechen oder thun, darauf hinaus, den rebellischen Geist in den arbeitenden Klassen zu erwecken, das Feuer der Empörung zu schüren und so die Entwicklung der Dinge zu beschleunigen und das Volk soviel wie möglich jenem Moment entgegenzudrängen, wo es mit bewaffneter Hand auf die Straße steigt, um mit gewaltiger Entscheidungsschlacht der