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Donnerstag den 29. November
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1894.
Amtliches.
^faöt&reie ^arvoxu Bekanntmachungen des S-erbürgermeifteramtes. Kekannlmachung.
Die theilweise Entwässerung von 5 Wohngebäuden in der Judengasse soll vergeben werden. Arbeitsauszüge und Pläne liegen auf dem Stadtbauamt II (Stadtschloß) zur Einsicht aus, wo auch die Angebots- formulare in Empfang genommen werden können.
Die Angebote sind bis zum Montag den 3. Dezember ds. Js., vormittags 11 Uhr, auf dem Stadtbauamt II (Stadtschloß) mit Aufschrift: „Keller in der Judengasse" abzuliefern, woselbst deren Eröffnung im Beisein der etwa erschienenen Bieter erfolgt.
Hanau den 28. November 1894.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus. 15439
Der Maisverbrauch im preußischen Heere.
In der Tagespreffe ist in letzter Zeit gelegentlich die Verwendung von Mais als Pferdefutter in der Armee bemängelt worden. Zur Klarstellung dieser Frage schreibt der Reichsanzeiger:
Die reglementarischen Bestimmungen führen — neben Heu und Stroh — speziell als Körnerfutter nur den Hafer auf, gestatten aber ausnahmsweise auch die Verwendung anderer Futtermittel. Solche Ausnahmen sind z. B. zulässig, wenn die Pferde eines Truppentheils besondere Anstrengungen zu erwarten oder zu ertragen haben, wenn sie infolge von Krankheiten oder aus sonstiger Veranlassung in ihrem Ernährungs- und Kräftezustand zurückgekommen sind und dergl. mehr. In solchen Fällen dürfen für einzelne nicht abgehobene Rotationstheile — Hafer, Heu oder Stroh — Geldabfindungen gewährt werden, welche zur Beschaffung anderer nicht reglementsmäßiger Futter- oder Streumittel Verwendung finden können. Die Entscheidung hierüber steht den betreffenden Truppenbefehlshabern zu, welche ja auch die jedesmal vorliegenden Verhältnisse am besten beurtheilen können. Mehrausgaben dürfen der Reichskasse dabei nicht zufallen.
An Stelle des Hafers wird nun unter solchen Verhältnissen den Pferden meistens Mais gegeben, weil dieser gefahrloser als Roggen, Gerste und andere Ersatzmittel zu verfüttern ist. Daß im Allgemeinen ein solcher Ersatz nur von Nutzen sein kann, wenn der Mais billiger als der Hafer ist, liegt auf der Hand. Es kann indessen in vereinzelten Fällen auch vorkommen, daß Mais — von den Truppentheilen bei vorhandenen Ersparnissen auf lange Lieferungsfristen kontraktlich gekauft — bei plötzlich eintretendem Weichen der Haferpreise zu einer Zeit verfüttert wird, in der ein Vortheil damit nicht mehr zu erzielen ist. Dann wird eben wieder zur Haferfütterung übergegangen und Mais nur gerade soviel angekauft, als zum allmählichen Uebergang erforderlich ist.
Uebrigens ist der Verbrauch von Mais in der Armee verhältniß- mäßig gering. Für das Etatsjahr 1893/94 z. B. war der Bedarf des preußischen Kontingents an Körnerfutter auf 177 302 Tonnen beziffert; thatsächlich sind während dieses Zeitraums 7348 Tonnen — also etwa der 24. Theil — Mais beschafft worden.
Tagesschau.
Berlin, 28. Nov. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen im Neuen Palais heute den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe entgegen.
Berlin, 28. Nov. Der „Reichsanzeiger" meldet: Inder Monats- sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank gab der Präsident Dr. Koch Folgendes bekannt: Der Metallbestand nahm seit dem 23. November 1893 um 257 Millionen zu, seit dem 1. Januar 1894 um 278 Millionen und seit dem 23. Oktober 1894 um 121 Millionen; an Gold kaufte die Reichsbank seit dem 1. Januar 1894 229 Millionen, seit dem 23. Oktober 1894 15^2 Millionen an. Die fremden Gelder sind seit dem 23. Oktober er. um 98 Millionen, gegen das Vorjahr um 160 Ttillionen gestiegen. Der Notenumlauf nahm gegen das Vorjahr um 81 Millionen zu. Die Reserve ist um 175 Millionen größer als am 23. November 1893. Eine Diskontoveränderung ist nicht beabsichtigt.
Berlin, 29. Nov. Die Berliner Sozialdemokraten haben sich mit dem planlos vom Zaune gebrochenen Bierboykott selbst die Grube gegraben,
die sie für andere bestimmt hatten. Sie können ihrem Versammlungstrieb nur in den allerbescheidensten Verhältnissen fröhnen, weil ihnen kein einziger größerer Saal zur Verfügung steht, sie können die Kosten des Unterhalts der streikenden Böttcher nicht mehr aufbringen und können nicht einmal die Mehrzahl der Arbeiter bei der Fahne des Boykotts festhalten. Die in Arbeit stehenden Brauereiarbciter sind durch ihre zahlreichen Kämpfe und Boykotts zur Zeit so geschwächt, daß sie ihren Verbandstag, der in diesem Jahre stattfinden sollte, in absehbarer Zeit nicht abhalten können. So ist denn guter Rath theuer.
Potsdam, 28. Nov. Der Kaiser gab wegen einer leichten Erkältung die Reise nach Weimar und die Jagd in Kuchelna auf und beauftragte den Prinzen Leopold mit der Vertretung bei der Weimarer Beisetzungsfeier.
Das „Köln. Tagbl." schreibt: Mit der Ernennung des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst, sowie der Minister des Innern, der Landwirthschaft und der Justiz, v. Köller, Frhr. v. Hammerstein-Lorten und Schönstedt, zu preußischen Bundesrathsmitgliedern ist die Zahl der preußischen Bevollmächtigten, welche nach der Verfassung 17 beträgt, wieder erreicht. Seit Jahren hatte Preußen nur 16 Bevollmächtigte ernannt; der bisherige Ministerpräsident und Minister des Innern, Graf zu Eulenburg, war nicht in den Bundesrath berufen. Außer den 10 Ressortministern gehören dem Bundesrathe als preußische Mitglieder noch an die fünf Staatssekretäre Dr. von Stephan, Frhr. v. Marschall, Hollmann, Nieberding und Dr. Gras v. Posadowsky-Wehner, sowie der Unterstaatssekretär Wirklicher Geheimer Rath Meinecke und der Generaldirektor der indirekten Steuern, Schomer.
Hamburg, 28. Nov. Den „Hamb. Nachr." zufolge wird die Beisetzung der Fürstin Bismarck ohne Feierlichkeit in aller Stille zu Varzin erfolgen; der Tag ist noch nicht festgesetzt.
Den Gipfel der Lächerlichkâ erklimmt der „Vorwärts" mit seiner Behauptung, Nürnberg habe den Weltruf seiner Produkte den sozialdemokratischen Arbeitern zu verdanken. Es ist natürlich von den in der Redaktion des „Vorwärts" schlafenden Strohmännern nicht zu erwarten, daß sie wissen, wie schon im frühen Mittelalter Nürnberg wegen seiner ge- werbetechnischen Leistungen weit und breit berühmt war, aber das sollte doch auch selbst den Strohmänner-Redakteuren des amtlichen Parteiorgans der Sozialdemokratie bekannt sein, daß damals von sozialdemokratischen Arbeitern in Nürnberg noch keine Rede sein konnte. Solchen Albernheiten hat es das „leitende" Blatt der deutschen Sozialdemokratie zuzuschreiben, wenn es von niemandem ernst genommen wird, nicht einmal von den Genossen selber!
Die „Pol. Korr." erhält eine Zuschrift aus Konstantinopel, der zufolge das die Türkenloose betreffende Arrangement noch immer keine Erledigung gefunden hat. In den interessirten Kreisen scheint die Hoffnung immer mehr zu schwinden, daß die Angelegenheit türkischerseits in naher Zeit eine günstige Lösung erfahren werde; man besorgt, daß diese Frage, sowie viele andere ähnliche langsam in Vergessenheit gerathen werde, so daß es erst eines neuerlichen Anstoßes und verstärkter Bemühungen von betheiligter Seite bedürfen werde, um die Angelegenheit wieder auf die Tagesordnung zu bringen.
Wien, 28. Nov. Die Abgeordneten der deutschen Nationalpartei richteten heute ein gemeinschaftliches Kondolenztelegramm an den Fürsten Bismarck.
Antwerpen, 28. Nov. In der gestrigen Abendsitzung des hiesigen Provinzialrathes entstand zwischen den Katholiken und den liberalen Mitgliedern eine stürmische Szene, als die Liberalen ihren Gegnern erklärten, daß sie bei den Wahlen die Unterstützung der Sozialisten und Anarchisten nachsuchen würden. Die Sitzung wurde so stürmisch, daß der Präsident dieselbe aufheben mußte.
Paris, 28. Nov. Die gestrige Sitzung im Prozeß der Fälschung der Wahlresultate wurde vollständig in Anspruch genommen durch den Aufruf der Zeugen. Es sind deren 340 geladen, davon 190 von dem Staatsanwatt, 114 durch die Zivilpartei und 37 Entlastungszeugen. Unter den Zeugen befindet sich der frühere Minister des Innern Constans, der der Vorlage nicht Folge geleistet. Die Angeklagten gestehen die ihnen zur Last gelegten Vergehen zu, behaupten aber, auf höheren Befehl gehandelt zu haben.
London, 28. Nov. Das Bureau Reuter meldet aus Port Louis von heute: Ein Manifest der Königin der Hovas fordert die Unterthanen