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2&4*Mp. Zeile 15 A

WeLspakt. Zeilè 20 ^.

Die Sspâ Zeile 30 4.

Nr 275.

Samstag den 24. November

1894.

an

Von einer Spaltung der Sozialdemokratie

ist zur Zeit in den Blättern viel die Rede; ja, es gibt solche die schon den förmlichen Zerfall der sozialdemokratischen Partei kommen sehen. Das Thatsächliche daran ist, daß die Streitigkeiten, die auf dem Frankfurter Parteitage entbrannt waren hauptsächlich wegen der Haltung der bayerischen Genossen und wegen der Landagitation, nicht ausgetragen und geschlichtet, sondern durch theilweise einander widersprechende Mehrheitsbeschlüsse nur äußerlich beendet wurden. Darum dauern sie in den örtlichen Versamm­lungen, worin über den Parteitag berichtet und kritisirt wird, noch fort; und weil ein jeder der Führer seiner Gefolgschaft gegenüber kein Stückchen seines Nimbus, kein Titelchen seiner Autorität einbüßen möchte, werden fort und fort noch böse Worte gewechselt.

Zumal zwischen Herrn Bebel, als dem Vertreter des internationalen Kommunismus nach Marx'scher Lehre, und Herrn v. Vollmar, dem Führer des bayerischen Sondersozialismus und dem Verfechter des Opportunismus in der Landfrage, ist noch ein regelrechter Zweikampf im Gange. Jenem geht das Dogma der Internationale über Alles, diesem der praktische Er­folg bei der ländlichen und insbesondere bei der bayerischen Bevölkerung. Jener will nur zielbewußte Anhänger, die der rothen Fahne blindlings durch Dick und Düsin folgen auf die Gesinnung, nicht auf die Zahl kommts ihm an; dieser will die Bauern erst zutraulich machen, indem er den Instinkten und Bedürfnissen ihres Standes weislich Rechnung trägt, um eine möglichst große Zahl von Anhängern zu gewinnen. Den beiden tapferen Duellanten fehlt cs an tapferen Sekundanten nicht; wer aber die Herren Bebel und Auer über Herrn v. Vollmar hört und dann die Herren v. Vollmar und Grillenberger über Herrn Bebel, muß zu dem Schlüsse kommen, daß es mit den beiden Männern, die zur Zeit als Führer und Verführer des Volkes das große Wort haben, schlecht bestellt sei, so grobe Vorwürfe kommen von beiden Seiten. Der Eine, ein gewaltthätiger Mann, der ein autokratisches Regiment führen will, der Andere, ein Reaktionär und stiller Verwässerungspolitiker, der den Bauern nur zum Munde redet, um sie zu betrügen. Wenn das die Autoritäten sind, denen einmal im Zukunstsstaate das Regiment anheimgegeben sein soll, so muß man billig zweifeln, ob ein solches Zukunstsregiment sich als standfest und ersprießlich bewähren könnte.

Daß die gegenwärtigen. Streitigkeiten aber zu einer förmlichen Spal­tung der sozialdemokratischen Partei führen könnten, ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht anzunehmen. Sie sind schon so häufig dagewesen, daß man sie als eine nothwendige Begleiterscheinung der ganzen sozialdemokra­tischen Krankheit ansehen muß, die so alt ist, wie die Krankheit selbst. Bei diesen Streitigkeiten handelt es sich im Grunde auch nicht um das Ziel und das Prinzip das ist und bleibt für beide Theile die Revolution sondern nur um den einzuschlagcnden Meg, um die Propaganda. So oft auch die Wege auseinander zu gehen schienen, sie führten schließlich doch immer wieder zusammen; der Wunsch und die Absicht, die Autorität von Staat und Kirche zu untergraben, die bürgerliche Gesellschaftsordnung zu stürzen, bleiben hüben und drüben bestehen, und die Herren haben sich noch immer, sobald es nützlich und nothwendig erschien, wieder zu vertragen gewußt und die Beleidigungen, die sie einander vordem anthaten, geschwind vergessen. So wird man auch, sobald es Zeit ist, die gegenwärtigen Streitigkeiten flugs abbrcchen und sich vertragen, und diese Zeit wird da sein, sobald der Reichstag zusammengetreten ist.

Ein Gutes aber hat der widerspruchsvolle Wiederhall, in den die Verhandlungen des Frankfurter Parteitages gegenwärtig ausklingen: der Versuch, zu Gunsten der Landagitation die Bauern zu täuschen, indem man versprach, ihnen ihr Eigenthum zu erhalten, ward dabei rechtzeitig aufge­deckt und ist damit gescheitert. Auch der Senior der Partei, Friedrich Engels, der Testamentsvollstrecker von Karl Marx, bekräftigt feierlich, daß die Partei keinen Anlaß und keine Möglichkeit habe, das kleinbäuerliche Grundeigenthum zu erhalten. Wenn Herr v. Vollmar das einstweilen auch noch den bayerischen Bauern zu verschleiern trachtet, die Zeit wird kommen, daß auch sie es erfahren. Dafür hat die Partei selbst gesorgt.

Reichsgerichts-Entscheidungen. (A. d. Rèichsanz.)

Wird ein Wechselaccept von einer Person ausgestellt, welche mit dem Bezogenen nicht identisch ist, aber denselben Namen führt, indem sie unter ihrem eigenen Namen acceptirt, so ist diese Person, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 2. Juli 1894, wegen Urkunden­fälschung zu bestrafen, wenn sie bei der Ausstellung des Accepts diesem den Schein geben wollte, als sei es von dem wirklich Bezogenen ausge­stellt worden.

Eine ehrverletzende Aeußerung, welche nach dem Ausspruch des Aeußernden nur für den Fall der Richtigkeit einer anderweitig behaupteten Thatsache gelten soll (sogenannte bedingte Beleidigung), ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Strafsenats, vom 6. Juli 1894, als Be­leidigung zu bestrafen.

Nach 8 5 des Gesetzes, betr. die Gcwerbcgerichte, vom 29. Juli 1890 wird durch die Zuständigkeit eines Gewerbegerichts die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte ausgeschlossen, und nach § 25 desselben Gesetzes ist dasjenige Gewerbegericht zuständig, in dessen Bezirk die streitige Ver­pflichtung zu erfüllen ist. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, I. Zivilsenat, durch Urtheil vom 17. September 1894 aus­gesprochen, daß, wenn am Erfüllungsort ein Gewerbegericht nicht gebildet ist, nicht das am Wohnsitz des zu Verklagenden bestehende Gewerbegericht, sondern das ordentliche Gericht des Wohnsitzes oder des Erfüllungsorts zuständig ist.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

* Erledigte Stellen im Bezirke des 11. Armeekorps.

Städt. Gewerbe- und Verkehrsamt Frankfurt a. M.: Markthallendiener; Anfimgsgehalt 1300 Mk., steigend bis zu 1700 Mk. Direktion der Main-Neckarbahn, Aspirant für den Stations- und Abfertigungsdieirst bei der Rangir- und Umladestelle Isenburg bei Frankfurt a. M., Jahres- besoldung 1140 Mk. Stadtbehörde Schmalkalden: Kontrolleur für städtische Gebrauchsabgaben; 900 Mk. jährlich. Stadtbehörde Schmal­kalden: Bureaugehilfe für die Verwaltung der Registratur und sonstige Bureauarbeiten; 1000 Mk. Anfangsgehalt, steigend bis auf 1350 Mk.

* Städtische Kleinkinderschnle. Um irrthümlichen Auffasfun- gen zu begegnen sei hier darauf aufmerksam gemacht, daß die der Schule anvertrauten Kinder nicht nur während des Sommers, sondern auch in den Wintermonaten bis 7 Uhr abends in Aufsicht und Pflege bleiben. Anträge um Aufnahme sind bei der ersten Lehrerin Fräul. Hebe­brand Montag, Dienstag und Mittwoch jeder Woche zu stellen.

* Städt. Bibliothek. Zur kostenlosen Verleihung und Be­nutzung der Bücher geöffnet Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr (Bangertstraße 2, eine Treppe hoch, im sog.alten Stadt­haus").

X Stadttheater. Die morgen (Sonntag) Abend um 6sis Uhr beginnende 22. Abonnements-Vorstellung bringt uns eine NovitätLolo's Vater" von dem durch seine inhaltsreichen Werke: Hasemanns Töchter, Mein Leopold, Dr. Klaus 2C. populär gewordenen Schriftsteller Adolph L'Arronge. Dieses Volksstück hat sich überall als ein erfolgreiches Zug­und Kassenstück erwiesen, worüber uns die Urtheile verschiedener Zeitungen Zeugniß geben. Z. B. dieStaatsbürger-Zeitung" schreibt:Nach längerer Pause hat der Direktor L'Arronge wieder einmal ein neues Werk des Dichters L'Arronge im deutschen Theater zur Aufführung gebracht und die Ankündigung einesVolksstücks" spannte die Erwartungen ziemlich hoch. Noch immer dürfenMein Leopold" undHasemann's Töchter als eine vortreffliche und in mancherlei Hinsicht nicht zu übertreffende Gabe der modernen deutschen Volksbühne gelten. SollteLolo's Vater ein gleicher Treffer werden? Das Haus war am ersten Abend übervoll und gerietst sehr bald, namentlich durch die vorzügliche Darstellung der Haupt­rollen, in eine dem Verfasser äußerst günstige Stimmung. Schon nach dem ersten Akt sollte er vor dem Vorhänge erscheinen, doch er kam nicht. Der zweite und dritte Akt schlugen völlig durch, weniger der letzte, doch ge­nügten die Ehrensalven des Schlußapplauses und die Hervorrufe des Au­tors, um den Erfolg im besten Sinne abzustempeln." Allen Freunden eines guten Volksstückes sei diese Novitätenvorstellung bestens empfohlen. Gleich-