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Nr 273.

Donnerstag den 22. November

1894.

Amtliches.

^anö&reiö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Folge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Langendiebach werden auf Grund höherer Weisung für den Gemeinden Langendiebach, Rückingen, Niederrodenbach, Oberrodenbach, Langenselbold, Hüttengesäst, Neuwiedermutz, Ravolzhausen, Rüdigheim, Marköbel, Oberissigheim, Niederissigheim und Bruchköbel zunächst sür den Zeitraum von 14 Tagen folgende Maßregeln hiermit angeordnet:

1) die Abhaltung von Vieh- und Pferdemärkten sowie der Auftrieb von Vieh auf die Wochenmärkte wird untersagt;

2) ferner wird verboten:

a) das Treiben von Rindvieh, Schweinen und Schafen außerhalb der Feldmarkgrenzen,

b) die Verladung von Rindvieh, Schweinen und Schafen auf den in dem gefährdeten Bezirke belegenen Eisenbahnstationen;

3) die betreffenden Polizeibehörden haben, bevor sie in Anwendung des §. 66 der Instruktion des Bundesrathes zur Ausführung der §§. 1929 des Gesetzes vom 23. Juni 1880, betreffend die Ab­wehr und Unterdrückung von Viehseuchen, den Weitertransport von verseuchtem oder seuchenverdächtigem Vieh nach einem Ort behufs der Durchseuchung oder nach einem Schlachthause behufs der Abschlachtung gestatten, bei der Polizeibehörde der Empfangsstation telegraphisch anzufragen, ob das Vieh am Bestimmungsorte ausgenommen werden kann und ob dessen sofortige Abschlachtung daselbst möglich ist.

Hanau am 22. November 1894.

Der Königliche Landrath.

V. 9710 I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein kathol. Gebetbuch mit der InschriftElise Funk". Ein brauner gefütterter Glayèhandschuh (rechter), in der Johanniskirche. Ein Notizbuch mit der AufschriftFriedrich Sylvester". Ein hellgrauer Kinderhandschuh.

Verloren: Eine Leihbankobligation über 100 Mk., Nr. 15825.

Aufgefangen: Eine weiße Gans.

Hanau am 22. November 1894.

Die Unterwerfung Hendrik Witboois.

ImDeutschen Kolonialblatt" wird ein aus Windhoek vom 7. Ok­tober datirter Bericht des Majors Leutwein über die letzten Kämpfe mit Hendrik Witbooi und seine Unterwerfung veröffentlicht. Danach wurde am 3. September bei der Leiche des die Spitze der deutschen Truppe führenden Premierlieutenants Diestel folgender Brief Witboois gefunden:

Gurus, 3. September 1894. Viel edler Herr Major Leutwein, hierdurch ich Ihnen diese Zeilen bei Ihren 5 Todten. Mein lieber, edler Herr, ich bitte Sie, lassen Sie mich doch endlich stehen, verfolgen Sie mich nicht weiter. Cie sehen ja, daß ich fliehe. Ich bin doch nicht so schuldig für Sie. In der Hoffnung, daß Sie dies thun, bin ich der Kapitän Hendrik Witbooi. Ich bitte Sie, hören Sie doch mit dem Blutvergießen auf, lassen Sie ferner kein Blut mehr fließen."

Nichtsdestoweniger war am Morgen des 4. September der Feind ver­schwunden, und es folgte nun bis zum 9. September eine unausgesetzte Verfolgung Witboois, die diesen in die größte Bedrängniß brachte und ihn davon überzeugte, daß weiterer Widerstand nutzlos sei. Am 9. Septem­ber erhielt Major Leutwein von Witbooi eine Botschaft, in der er zum ersten Mal ein ernstes Unterwerfungsangebot machte.Nunmehr trat an mich," heißt es in dem Bericht wörtlich,die wichtige Entscheidung über die Frage heran, ob ich den Krieg bis zur Vernichtung Witboois fortsetzen oder dem Letzteren die Rückkehr auf den Boden des geordneten Staats­wesens ermöglichen sollte. Im Interesse des Schutzgebietes und des Lan­deshauptmannes sagte ich mir Folgendes:Wenn ich Witbooi in seiner derzeitigen ungünstigen Stellung bei Tsams angreife, so wird er zweifellos eine weitere Niederlage erleiden. Daß es dabei gelingen würde, den Füh- '

rer selbst zu fangen oder sonst unschädlich zu machen, schien mir mit Sicher­heit aber rricht zu erwarten. Gelingt es Witbooi, mit nur 30 bis 40 Reitern, die sich unschwer einzeln bei Nacht zwischen unseren Absperrungs­posten durchschleichen können, zu entkommen, so ist mit dem Siege, der ge- wiß weitere Opfer kosten wird, nichts erreicht. Mit den zurückgelassenen Weibern und Kindern können wir auch nichts anfangen. Wir müßten sie laufen lassen und ihnen vielleicht, wollen wir sie nicht dem Hungertode preisgeben, sogar das wenige Vieh belassen. Witbooi dagegen, der dann nichts mehr zu verlieren hat, wird seine Leute vollständig zu einer schwer faßbaren Räuberbande ausbilden, welche allmählich wieder durch Zulauf verstärkt werden wird. Uns bliebe dann nur ein fernerer opfervoller Kampf in Aussicht. Und daß Witbooi bei dem Angriff entkommen wird, ist nahe­zu als sicher anzunehmen. Witbooi ist beim Vorgehen zum Gefecht stets der Letzte, beim Rückzüge dagegen stets der Erste. Es liegt immer in seiner Hand, uns in dem schwer zugängigen Gelände mit wenigen seiner Leute stundenlang aufzuhalten, sich selbst mit seiner näheren Umgebung in unzugängliche Schlupfwinkel zurückzuziehen, um dann bei Nacht zu ent­fliehen. Wenn daher Witbooi die ernste Absicht hat, sich der deutschen Re­gierung zu unterwerfen, so ist es nützlich, auf sein Anerbieten einzugehen und seinen Einfluß nutzbar zu machen, um seine bis jetzt lediglich an Jagd, Krieg und Raub gewöhnten Leute zur Friedensarbeit zu erziehen.

Unter solchen Gesichtspunkten beschloß ich, die Unterwerfung Witboois anzunehmen und, sofern die Hauptsache, nämlich Gewinnung von Ruhe und Frieden für das Schutzgebiet erreicht wurde, in den Nebendingen ent­gegenzukommen.

Ich begab mich persönlich zur weiteren Verhandlung in das Lager Witboois, da ich aus Erfahrung wohl wußte, daß schriftlich mit ihm schwer zum Ziele zu kommen sei. Nach dreimaliger Zusammenkunft gab Witbooi die förmliche Erklärung ab, daß er sich und sein Volk der deutschen Schutz­herrschaft unterwerfe. Als zukünftiger Wohnort wurde ihm Gibeon ange­wiesen, wo eine Abtheilung der Schutztruppe stationirt wird. Gegenwärtig ist Witbooi nach Gibeon in Marsch gesetzt und wird dort, da er nur lang­sam marschiren kann, gegen Anfang der Regenzeit eintreffen."

Nach dem weiteren Bericht ist nicht daran zu denken, daß Witbooi noch einmal kriegerische Neigungen verspüren wird, und so ist es denn, Dank dem energischen Vorgehen Major Leutweins, gelungen, in Südwest­afrika den Frieden hcrzustellen, dessen die Kolonie dringend bedarf.

Tagesschau.

Berlin, 20. Nov. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen im Neuen Palais heute Vormittag von 8^/4 Uhr an den Vortrag des Chefs des Militärkabinets entgegen.

Berlin, 20. Nov. DerReichsanzeiger" theilt mit, die Direktion der Ostpreußischen Südbahn habe das Privilegium der Konvertirung der 4'stprozentigen Prioritätsobligationen in 4prozentige an die Bedingung des halbjährigen Zinsverlustes geknüpft. Diese Bedingung werde vom Finanz­minister und dem Minister für öffentliche Arbeiten für unzulässig erachtet. Die Direktion sei dahin verständigt worden.

Berlin, 20. Nov. Der Vorstand des Bundes deutscher Gastwirthe bereitet eine Petition an den Reichskanzler und die einzelnen Regierungen vor um Herbeiführung strenger gesetzlicher Maßnahmen gegen Verhängung des Boykotts durch die Sozialdemokratie. Die Passagiere des Zuges auf der Fahrt Berlin-Breslau Sein ersten das Dorf Mecke bei Sommerfeld vollständig in Flammen.

Berlin, 20. Nov. In Handelskreisen hat ein Gerücht Beun­ruhigung her vorgerufen, wonach die Regierung angeblich in Aussicht ge­nommen haben soll, eine gesetzliche Regelung der werktägigen Arbeitszeit im Handelsgewerbe und einen einheitlichen Schluß aller Ladengeschäfte um 8 Uhr abends einzuführen. Thatsächlich ist von der Regierung zu dieser Frage noch überhaupt nicht Stellung genommen worden. Es hat nur die Rcichskowmission für Arbeiterstatistik bei ihren Erhebungen über die Ar­beitszeit im Handelsgewerbe die Möglichkeit einer solchen Maßnahme in den Kreis ihrer Erwägungen gezogen.

Berlin, 20. Nov. Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Oberst Freiherr von Schell, berichtet telegraphisch: Feste Stadt Kuirenga 30. Ok­tober gestürmt, in vierstündigem schwerem Straßen- und Häuserkampf er-