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Erstes Blatt.

Vbonvements- PreiS:

JLbrlich 9 .* Hakdi.4,â5g^.

Lierteljährlich 2 <*. 25 ^.

Wr auswärtige tecmienten mit c trat betrefftnben Potzaufschlag.

Die emzelnr Bummer 10 4.

Hai mm Anzeiger

Z^leich

ArntUrHes Zögern für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

JusertiovS- PreiS:

Die t ipa ltige Garmoadzâ ober bereit 2mtsi 10 ^.

Dterk^p. Zeile 16 4.

WeApalt. Zeile 20 ^.

Die Sstxllt. Zeile 30 A

Nr 270.

Samstag den 17. November

1894.

Amtliches, ^attöltreisi ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Durch die neue, für den Umfang des Regierungsbezirks Casfel er­lassene Polizeiverordnung vom 15./8. er., betreffend die mikroskopische Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen und Finnen, ist die Ge­bühr für die mikroskopische Untersuchung des Fleisches von einem Schweine einschließlich der damit sonst verbundenen Verrichtungen auf 1 Mark fest­gesetzt worden. Gleichzeitig ist im Interesse einer gewissenhaftesten Unter­suchung und um die Trichinenbeschauer bezüglich ihrer Forderungen zu schützen, bestimmt worden, daß die Trichinenbeschauer nicht mehr und nicht weniger als den genannten Betrag erheben dürfen. Wenn der Trichinen­beschauer hiergegen verstößt, so setzt er sich der Gefahr aus, daß die An­stellungsbehörde (Landrath) von dem ihr zustehenden Widerrufungsrechte Gebrauch macht und ihn von dem Amte enthebt (zu vergl. pos. 3 c. u. 16 der Anweisung zu der genannten Polizeiverordnung).

Wenngleich schon früher die Untersuchungsgebühr auf 1 Mk. festge­setzt war, so ist dieselbe doch vielfach heruntergedrückt worden, so daß auf dem Lande meistens nur 50 Pfg., mitunter noch weniger, erhoben und den Trichinenbeschauern auf solche Weise der wohlverdiente Lohn erheblich ge- ; kürzt worden ist. Nach der neuen Verordnung liegt es nun gar nicht mehr in der Macht der Trichinenbeschauer, an dem festgesetzten Gebühren­betrag irgend welchen Nachlaß zu bewilligen.

Von dem Widerrufungsrechte würde ich in vorkommenden Fällen stets Gebrauch machen, und warne ich daher die Trichinenbeschauer, von den vorgeschriebenen Gebührensätzen abzuweichen.

Ich bemerke endlich noch zur Beseitigung etwaiger Zweifel, daß nach wie vor in denjenigen Fällen, in welchen der Trichinenbeschauer zugleich als Schlachtviehbeschauer gemäß den Bestimmungen der Provinzial-Polizei- verordnung vom 1./7. 1892 über die Untersuchung des Schlachtviehes bei der betr. Untersuchung thätig ist (zu vergl. §. 13 Abs. 3 der Vorschriften zur Ausführung der letztgenannten Polizeiverordnung), im Ganzen nur eine Gebühr von 1 Mark (nicht mehr und nicht weniger) erhoben werden darf.

Die Ortspolizeibehörden werden angewiesen, Vorstehendes zur Kennt­niß der betheiligten Ortsbewohner zu bringen.

Hanau am 15. November 1894.

Der Königliche Landrath.

V. 9631 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

^tadt^retö ^anaxt.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Nach dem neuen Ergänzungssteuergesetz muß vom 1. April 1895 ab auch von den Häusern und Grundstücken Ergänzungssteuer (Vermögens­steuer) bezahlt werden. Ju versteuern ist der Werth -er Häuser und Grundstücke nach Abzug -er daraus ruhenden Hypo- thekenschul-en.

Es liegt also im eigenen dringendsten Interesse der Hausbesitzer, " soweit solches noch nicht geschehen ist, ihre etwaigen Hppothekenschulden durch Vorlegung der Zinsen-Quittungsbücher binnen 8 Tagen im Büreau der städtischen Steuerverwaltung, Zimmer Nr. 13/14, nachzuweisen.

Hanau am 15. November 1894.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Heraeus. 14947

Bis zum 1. Dezember d. J. ist die Stelle der Wartfrau bei der hiesigen Armenverwaltung zu besetzen.

Mündliche oder schriftliche Bewerbungen werden bis zum 22. d. Mts. im Zimmer Nr. 30 des Rathhauses entgegen genommen.

Hanau am 10. November 1894.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Heraeus. 14783

Der Widerspruch,

in den die Sozialdemokratie mit sich selbst verfällt, seitdem sie sich anschickt, -sich der bäuerlichen Bevölkerung als Helferin und Freundin vorzustellen,

DM- Die heutige Nummer umfaßt außer dem

tritt in sachlicher Hinsicht fast noch mehr zu Tage, als es in den persönt lichen Streitigkeiten geschah, die darüber sich abgespielt haben. Es komm dabei auf nichts Weiteres hinaus, als auf die Anwendung von zweierlei Maß. Einerseits wird Alles aufgewandt, um die städtischen und Industrie­arbeiter besitz- und eigenthumslos zu erhalten, der Niedergang des Klein­handwerks zu Gunsten großer fabrikmäßiger Betriebe, als unerbittliche Forderung für das Jnslebentreten des Zukunftsstaatcs gefordert; die Be­mühungen, die Industriearbeiter beim Sparen, beim Erwerben eines eigenen Heims zu fördern, werden als der Idee des Zukunftsstaates direkt schädlich bekämpft. Anderseits will man dem Kleinbauer und Landarbeiter aus­drücklich ihren Besitz gewährleisten; man geht soweit, ein förmliches agra­risches Programm zu Gunsten des landwirthschaftlichen Kleinbesitzes aus­zustellen. Danach soll der Staat alle ländlichen Grundschulden aufkaufen und alle künftigen Darlehen aus Staatsmitteln gewähren. Statt der Zinsen in Geld soll ein entsprechender Antheil an der Ernte oder den Erzeugnissen des Viehstalles gegeben und dieser Antheil jährlich durch die Volksvertretung festgesetzt werden. Auch derAusbeutung durch den Zwischenhandel" zu steuern wird den Bauern versprochen.

Der Landmann weiß, was er von einem Menschen zu halten hat, der zweierlei Maß führt; daß ein Solcher auf nichts weiter ausgeht, als auf das Beirügen. Die schönen Worte von Schuldenablösung und Na­turalsteuern stellen weiter nichts dar als ein verlockendes Trugbild. Hat sich der Landmann einmal durch Stimmabgabe der Sozialdemokratie ver­schrieben, so daß diese aus Grund solcher Vorspiegelungen noch mehr Ge­wicht im Reichstage erlangt, so kann er lange warten, bis die Sozial­demokratie Ernst macht, ihre Versprechungen zu erfüllen. Wenn sie es ja thun wollte, würde der Industriearbeiter das ruhig mit ansehen, den nicht die bürgerliche Gesellschaft, vielmehr die sozialdemokratische von vornherein und für immerdar als Enterbten behandelt und nur als Enterbten brauchen kann? Die Sozialdemokratie weiß sehr wohl, daß es ihr mit den Ver­sprechungen dem Landmanne gegenüber nicht Ernst ist, sie wird sich wohl hüten, einen Zwiespalt in ihren eignen Reihen herauszubeschwören, der dem vielgepriesenen Zukunftsstaat, träte er je in's Leben, mit allen Schrecken der Revolution ein Ende bereiten müßte.

Tagesschau.

Berlin, 16. Nov. DieNordd. Allg. Ztg." führt aus: Die Marine ist noch nie im Auslande so in Anspruch genommen wie jetzt. In Ostasien befinden sich 3 Kreuzer und 2 Kanonenboote, von den beiden dorthin bestimmten Kreuzern werdeKormoran" mit demCondor" zunächst nach der Delogoabai, dieIrene" nach Marokko gehen, da der hier stationirteSperber" vor Kamerun erforderlich ist. In der Südfee ist kein Kreuzer entbehrlich. Im Westen Südamerikas befinde sich nach Ab­gang der Kreuzerdivision kein deutsches Kriegsschiff, obgleich der Aufstand in Peru immer erheblicheren Schutz für die Landsleute dringend erfordere. Der Mangel an Kreuzern sei brennend. Es verlautet, die Marinever­waltung wolle im nächsten Etat nur vier neue Kreuzer beantragen und sich aller weiteren Schiffsbauneuforderungen enthalten. Wer werde Muth finden, dieselben abzulehnen gegenüber den Zeichen der Zeit?

Berlin, 16. Nov. Herr v. Koscielski erklärt die Nachricht pol­nischer Blätter,eine von ihm erbetene Audienz sei vom Kaiser abgelehnt worden", für unbegründet, er habe sich nicht um eine Audienz bei dem Kaiser beworben.

Ueber den neuen Justizminister erfährt man weiter aus einem Briefe desHann. C." aus Celle : Mit dem Uebergange des Präsidiums am hiesigen Oberlandcsgerichte an den Präsidenten Schönstedt vollzog sich seiner Zeit, wie im Publikum dankbar anerkannt wurde, ein Wandel in der Abwickelung der Geschäfte. Präsident Schönstedt verstand es, un­merklich den Gang der schwebenden Prozesse in ein solches Tempo zu bringen, daß eine raschere Erledigung als früher erreicht wurde. Sein Auftreten als präsidirerider Richter war würdevoll und seine Leitung der Verhandlungen meisterhaft. In der Regel wurden die Urtheile in den Pvilprozessen, welche er leitete, sofort nach der Verhandlung berathen und verkündigt. Bei der Verkündigung der Urtheile verstand er es, in vollendeter Form die Gründe licht und klar zu entwickeln. Sein Verkehr mit den Richtern und Anwälten war herzlich und sein Verhalten zu den Unter­gebenen voller Wohlwollen. Die ihm obliegenden Verwaltungsgeschäfte wurden prompt, aber ohne jede Kleinigkeitskrämerei erledigt. Jedenfalls

Unterhaltungsblatt 16 Seiten.