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Mittwoch den 14. November

Nr 267.

V Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein Foxterrier. Ein weiß und schwarzer Jagdhund.

Verloren: Ein goldenes Medaillon. Ein goldenes Kollierkettchen. Ein Portemonnaie mit etwas Geld nebst Eisenbahnfahrkarte. Ein Porte­monnaie mit 5 Mk. 50 bis 70 Pf.

Entlaufen: Ein rother Pinscher w. Geschl. Ein kleines weißes Hündchen, auf den NamenFlock" hörend; dem Wiederbringer eine Be­lohnung.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit Geld (in einem Spezereiladen liegen geblieben). Ein Schreibbuch (für höhere Schulen). Ein Papier­schein. Zwei Regeuschirme. Ein gelber Henkelkorb mit etwas Kraut. Eine Broche mit Perlen. Ein Portemunnaie mit Wochenbillet.

Hanau am 14. November 1894.

^taötUreiö ^anaxi.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Am Donnerstag den 15. d. Mts., nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 13. November 1894.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

J. $.: Dr. Bulle. 14843

* NR. Unsere Marine.

Die Nachricht von dem vor einigen Wochen erfolgten Eintreffen ^unserer Kreuzerdivision in Ostasien ist von einem großen Theile der Presse mit einem freudigenEndlich!" begrüßt worden, als ob wir nunmehr sicher sein könnten, daß die deutsche Marine unter allen Um­ständen im Stande sei, die Interessen der Deutschen in Ostasien, ihr Leben und ihr Eigenthum wirksam zu schützen. Gewiß, solange der Ostasiate die deutsche Kriegsflagge um ihrer selbst willen respektirt, wird das der Fall sein, wie aber, wenn das deutsche Reich einmal mit einer der ostasiatischen Regierungen in einen Konflikt käme, wie er in Kriegszeiten so leicht mög­lich ist, und diese Regierung sich mit der Frage beschäftigte, ob denn die deutsche Kriegsflagge dort draußen wirklich so sehr achtungsgebietend reprä- fentirt ist und repräsentirt werden kann, daß ein Nachgeben angezeigt er­scheinen möchte?!

Streitfragen, wie solche letzthin zwischen England und China sowohl, wie zwischen Frankreich und Japan über Verletzungen völkerrechtlicher Grund­sätze entstanden sein sollen, können wegen des lebhaften Verkehrs deutscher Handelsschiffe in Ostasien jederzeit auch an das deutsche Reich herantreten. Was soll nun werden, wenn es der diplomatischen Aktion etwa nicht ge­lingt, der europäischen Rechtsanschauung Geltung zu verschaffen? Soll das deutsche Reich eine Vergewaltigung seiner Neutralität, seiner Flagge, seiner Ehre ruhig hinnehmen, oder soll es durch Einsetzen seiner Kreuzerdivision z. B. gegen die japanische Flotte versuchen, sein Recht zu wahren? Leider ' scheint die Annahme nur zu begründet, daß man davon Abstand nehmen « müßte. Denn es würde sich nur ein nutzloses Opfer der Kpeuzerdiviston als Resultat ergeben, ein Opfer, welches auch dadurch nicht vermieden, son­dern nur vergrößert werden könnte, wenn das deutsche Reich seine gesammte Kreuzerflotte statt der Kreuzerdivision entsendete und einsetzte. Es fehlt uns fast völlig an Schiffen, wiche ins Ausland gesendet werden können, und im Stande wären, auch nur einem leichten Panzerschiffe mit einiger Aussicht aus Erfolg entgegenzutreten. Diese Thatsache ist in den letzten Jahren von be­rufener Stelle so oft dargelegt worden, und durch die neuesten Ereigniffe so nachdrücklich belegt, daß sie freilich allgemein bekannt sein müßte. Wenn nun die Marineverwaltung in dem Etat für 1895/96, wie dieKölnische Volkszeitung" meldet,eine ganze Flotte von Panzerkreuzern" fordert, so wird man ja freilich abwarten müssen, wieviel davon wahr ist, jedenfalls ist eine ausgiebige Verstärkung unsrer Kreuzerflotte nicht dringend genug zu wünschen. DieKölnische Volkszeitung" scheint freilich anderer Ansicht zu sein, denn sie versucht unter Bezugnahme auf die Marinedenkschrift vom

11. März 1884 nachznweisen,daß Deutschland an einem oder zwei Kreu­

1894.

zern zu Rekognoszirungsdiensten genug habe, weil die Rolle, welche deutsche Schiffe in fremden Meeren während eines europäischen Krieges, an dem Deutschland betheiligt wäre, zu übernehmen befähigt seien, stets nur eine sekundäre seine könne." Wenn dieKölnische Volkszeitung" auch jetzt noch sich auf die Denkschrift von 1884 stützen will, so übersieht sie die inzwi­schen gänzlich geänderten Verhältnisse vollkommen. Seitdem sind eben in Südamerika, in Ostasien, eine Anzahl von Flotten entstanden, welchen man mitSchiffen, wie sie damals für den überseeischen Dienst geignet und ausreichend waren, und zu denen leider der größte Theil unsrer Kreuzer­flotte noch heute gehört, nicht mehr imponiren kann. Man braucht aber garnicht an überseeische Verwickelungen zu denken, um gleichwohl zu der Ueberzeugung zu kommen, daß uns, nämlich für einen Krieg unmittelbar vor unsern eignen Häfen, eine Anzahl starker schneller Kreuzer dringend nöthig ist. Sämmtliche europäische Seemächte haben in den letz­ten zehn Jahren die Zahl ihrer Panzerkreuzer energisch gesteigert; mit diesen europäischen Panzerkreuzern, denen wir bis jetzt nichts entsprechendes cntgegenzustellen haben, muß man rechnen, sie würden im Kriegsfälle auf die Operationen unsrer Flotte lähmend, vielleicht verderblich wirken.

Im Hinblick auf diese geänderten Verhältnisse hat sich die Marine­denkschrift von 1888 in einem gewiffen Gegensatz zu der von 1884 stellen müssen. In der Denkschrift von 1888 zum Etat 1889/90 sind siebenge­schützte Kreuzer" als nothwendig bezeichnet. Von diesen ist bis jetzt also in sechs Jahren glücklich einer bewilligt und gebaut worden. Uns scheint es unlogisch und unloyal, wenn dieKölnische Volkszeitung" noch jetzt ihre Ausführungen in Jgnorirung der Denkschrift von 1888 auf die durch Ent­wickelung der Ereignisse hinfällig gewordene Denkschrift von 1884 zu stützen unternimmt, wir können nur wünschen, daß die Marinever­waltung, unbeirrt durch kurzsichtige und engherzige Ver­weigerungen früherer Jahre, es mit Erfolg versucht, die bedrohliche Lücke in unsrer Kriegsrüstung auszusüllen.

Tagesschau.

Berlin, 13. Nov. Seine Majestät der Kaiser und König hörten im Neuen Palais heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militärka- binets und empfingen hierauf den zum Gesandten ernannten Geheimen Legationsrath Raschdau und den Präsidenten des Oberlandesgerichts in Celle, Schönstedt.

Berlin, 13. Nov. Im Wege der Gesetzgebung beabsichtigt das Kriegsministerium für die Hinterbliebenen von Personen des Soldaten­standes vom Feldwebel abwärts die Gewährung von Wittwen- und Waisen- geld einzuführen. Zur Ermittelung der dadurch dem Reiche erwachsenden Ausgaben sind die Generalkommandos angewiesen worden, die ihnen zu diesem Zweck zugestellten Fragebogen von den zugehörigen Truppentheilen und Behörden beantworten zu lassen.

Rom, 13. Nov. Der Papst richtete ein eigenhändiges Bittgesuch an den Zaren, worin er um die Begnadigung der wegen der Kirchenrevolte in Kroce verurtheilten Bauern bittet.

Paris, 13. Nov. (Deputirten-Kammer.) Boissy - Danglas inter- pellirte über Madagaskar. Minister des Aeußern, Hanotaux, legte die Lage in längerer Rede dar. Frankreich machte Madagaskar erst werthvoll und schuf dort ein Handelszentrum; die bisherigen Resultate der Kolonisation lassen für die Zukunft weitere Erfolge erhoffen. Madagaskar werde eine schöne Kolonie. 15,000 Mann und 65 Millionen seien ausreichend. Be­züglich der auswärtigen Mächte sei Frankreich von keiner Seite gebunden. Der Brüsseler Kongreß von 1890 kannte Frankreich das Recht auf Maß­regeln gegen die Waffeneinfuhr zu; England kannte das Protektorat Frank­reichs mit allen Konsequenzen an. (Zwischenruf des Abg. Demahys; England treibt die französischen Missionare an die Küste! Lärm.) Hano­taux (fortfahrend): Unsere Aktionsfreiheit ist vollständig, der gegenwärtige Zustand Europas friedlich. (Allseitiger Beifall.) Wir können uns in' völliger Sicherheit mit der Wahrung unserer Interessen und Ehre be­schäftigen. (Beifall.) Der Kriegsminister Mercier legt eine Kreditforderung von 65 Millionen vor, wovon 40 auf das Kriegsressort entfallen. (Bei­fall.) Die Kammer beschloß, am Donnerstag eine elfgliedrige Kommission zur Prüfung des Kredits zu ernennen. Boissy-Danglans zog die Inter­pellation zurück. (F. N.)