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$8e2ß>afL Zeile 20 ^.
Die Bpalt. Zeile 30 ^.
Nr. 261.
Mittwoch den'.7. November
1894.
Amtliches, ^taöt&rets ^aitait.
Das Ausschreiben vom 25. v. Mts., J.-Nr. P. 11299, Hanauer Anzeiger Nr. 251, betreffend den vermißten Taglöhner Wilhelm Schmidt von Niederrodenbach, ist erledigt.
Hanau am 3. November 1894.
Königliche Polizeidirektion.
P, 11734 J. V.: Dr Köhler, Regierungsaffeffor.______________
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein schwarzer Zylinderhut.
Verloren: Eine Damenuhr mit Goldrand und silberner Kette.
Vom Wasenmeister eingefangen: Ein grau-gelber Spitz w. Geschl.
Hanau am 7. November 1894.
^faOt&reis ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Samstag den 10. November d. J„ nachmittags S1^
Uhr, sollen Nordstratze Nr. 12, in der sogenannten Sandelmühle, die nachfolgenden für den Betrieb einer Mahlmühle seither gangbaren Geräthe und Maschinen öffentlich mit Genehmigungsvorbehalt versteigert werden. Die Besichtigung der Gegenstände kann Donnerstag, Freitag und Samstag den 8., 9. und 10. d. M. durch Vermittelung des Stadtbauamts I im Rathhaus stattfinden.
Gleicher Erde: 1. Vorsichter, 1 Paternosterwerk, verschiedene Sackrohre und 1 Maschine zum Fruchtputzen.
I. Obergeschoß: 4 Mahlgänge mit 2 Champagner- und 2 Grauwinklersteinen, 1 Sichtmaschine, 1 Griesputzmaschine, 1 Mehlzylinder mit Kasten.
II. Oberge'choß: 2 Mehlzylinder, 1 Sortirgrieszylinder, 2 Fruchtputzmaschinen und verschiedene andere Geräthe.
Hanau am 31. Oktober 1894.
Der Oberbürgermeister.
I. V.: Heraeus. 14309
Tagesschau.
Berlin, 6. Nov. Ueber die Aufgaben des Reichstages berichtet die „Voss. Ztg.": „Als gewiß darf es gelten, daß die Vorlage über die Bekämpfung der Umsturzbestrebnngen, die inzwischen vom Staatsministerium gut geheißen worden ist, als eine der ersten Regierungsvorlagen dem Reichstage zugehen wird. Ebenso steht fest, daß ein Gesetzentwurf über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes und die Tabaksteuervorlage erscheinen werden. Von der Annahme oder Ablehnung der letzteren und der Höhe des Ertrages aus ihr wird es abhängen, ob der vorige Gesetzentwurf über die Regelung des finanziellen Verhältnisfes des Reiches zu den Einzelstaaten in der bevorstehenden Reichstagssession wiedererscheinen wird. Ob die im Gange befindlichen Vorarbeiten über die Börsenreformvorlage und über die Gesetzentwürfe, betr. Abänderung und Erweiterung der Unfallversicherungsgesetzgebung, so rechtzeitig zu Ende geführt werden können, daß sie den Reichstag noch in seiner bevorstehenden Tagung beschäftigen werden, ist vor der Hand noch nicht abzusehen."
Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der Erlaß des Kultusministers vom 12. Juli an die Oberpräsidenten über ein einheitliches Vorgehen bei Genehmigung von Apotheken-Neuanlagen ist von einem Theil der pharmazeutischen Presse und auch von anderen Tagesblättern dahin gedeutet worden, als ob die Eigenthumsverhältnisfe der besitzenden Apotheker geschädigt werden sollten oder als ob es in der Absicht liege, den Werth ihres Besitzstandes zu verringern. Diese Auffassung beruht auf einem Mißver- ftändniß. Denn in dem Erlaß ist ausdrücklich darauf hingewiesen, daß bei der Genehmigung von Neuanlagen die Lebensfähigkeit der am 30. Juni d. J. bestehenden Apotheken gewahrt werden sollte. Zu dem Zweck wuß die Bedürfnißfrage für Neuanlagen, und zwar nach Maßgabe der königlichen Verordnung vom 24. Oktober 1811 (Gesetzsammlung Seite
359) in jedem einzelnen Falle eingehend geprüft werden, ehe die Genehmigung ertheilt wird. Ein Grund zu Besorgnissen, wie sie in der Presse geäußert worden sind, ist daher nicht vorhanden.
In dem dieser Tage an Nierenblutung verstorbenen Oberquartiermeister Generalmajor Grafen Adolf v. Keller verliert die Armee und insbesondere der Große Gencralstab einen ganz hervorragenden Offizier. Zwanzig Jahre lang hat er dem Generalstabe angehört, lange Jahre war er Chef der ersten Abtheilung desfelben, von 1889 bis 1893 war er nacheinander Kommandeur des Garde-Füsilierregiments, der 28. Infanterie- brigade in Düsfeldorf und der 2. Garde-Jnfanteriebrigade, bis er wiederum in den Generalflab, und zwar als Ober-Quartiermeister berufen wurde. Er hat nur ein Alter von 51 Jahren erreicht.
Nach den „Neuesten Nachr." enthält der neue Tabakssteuerentwurf als wesentliche Erleichterung die Pauschalirung der Großbetriebe nach dem Muster des Branntweinsteuergesetzes, so daß jeder Betrieb beim Jahresanfang angeben kann, wieviel und in welcher Preislage er zu fabriziren beabsichtige.
Nürnberg, 5. Nov. Zu der heutigen Hans Sachs-Feier im Rathhaussaal waren die Spitzen der Behörden, Vertreter des Ministeriums, sowie ein zahlreiches Publikum erschienen. Professor Götze vom Kadettenkorps in Dresden hielt eine Rede, welche die Bedeutung Hans Sachs' auch für die Reformation hervorhob. Mit Gesang begann und schloß die Feier. Darauf setzte sich der Festzug in Bewegung. Man sah vier Prachtwagen, die ein ungemein lebhaftes, farbenprächtiges Bild darboten. Den Zug bildeten viele Hunderte von Reisigen, Meistersängern, Rathsherren und Schauspielern, alle in prachtvolle Kostüme gekleidet. Der Wagen des Hans Sachs rief überall Jubel hervor. Auch Ihre Durchlaucht die Fürstin-Mutter von Schaumburg-Lippe wohnte der Feier vom Rathhause aus bei. Nach dem Festzuge führten Dilettanten Schwänke von Hans Sachs auf. Abends fanden 5 große Festversammlungen statt, in denen Ansprachen gehalten wurden. Der - Fremdenzudrang ist außerordentlich groß; Extrazüge brachten Tausende von Besuchern, auch Norddeutschlaud ist stark vertreten.
Wien, 6. Nov. (Abgeordnetenhaus.) Zu dem Dringlichkeitsantrag Palffy betreffs des Heilserums gegen Diphtherie beantragt der Referent Kathrein, die Regierung aufzufordern, für die Gewinnung des Serums unter staatlicher Aufsicht Kredite zu beanspruchen. Der Minister des Innern erwidert, wenn sich das Urtheil über das Serum bestätigt, werde die Errichtung eines Instituts erfolgen und aus den verfügbaren Mitteln zu Sanitätszwecken werde das Serum beschafft werden. Er erwartet, das Haus werde etwaige Ueberschreitungen beim Rechnungsabschluß genehmigen. (Lebhafter Beifall.) Der Antrag des Referenten wird, nach den „Fr. N.", angenommen.
Troppau, 6. Nov. Die Situation war beim Abendschichtwechsel unverändert. Die Direktoren der an der jetzigen Arbeiterbewegung bethei- ligten Werke erließen eine Kundmachung, daß der Betrieb eingestellt werde und erst dann wieder ausgenommen werde, wenn die Arbeiter erklären, auf zehn Stunden einzufahren.
Die Spielhöllen in Ostende werden nun doch, trotz aller Proteste der öffentlichen Meinung und der ausländischen Presse, bestehen bleiben. Von den feinsten Salons ab bis zu den Spelunken herunter wird das Hazardspiel unterhalten. Das ist kein Wunder, da auch die öffentlichen Behörden das Treiben fördern und sich nicht scheuen, die Spielsäle des Kurhauses mittelst Verdingung dem Meistbietenden zuzuschlagen. Die jetzt bevorstehende Verdingung erfolgt auf 3, 6 oder 9 Jahre; der Pächter hat außer der Pacht jährlich 150 000 Francs an die Stadt zu zahlen, und zwar je 50 000 Francs an die Armen- und Krankenanstalten der Stadt und 50 000 Francs zur Organisirung von Festen! Man rechnet also auf reichen Spielgewinn. Diese Mißwirthschaft gereicht Belgien umsomehr zur Schande, als diese Spielpächter stets Franzosen sind, die nur zur Ausbeutung der Gimpel nach Belgien kommen.
Paris, 6. Nov. Der Ministerrath beschloß, Perier und die Regierung sollen bei der Leichenfeier in Petersburg durch eine besondere Abordnung unter Führung des Generals Boisdeffre und unter Theilnahme des Admirals Gervais vertreten werden. (Fr. N.)