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Nr. 260.

Dienstag den 6. November

1894.

Amtliches, ^taöt^reis ^anau.

Auf Ersuchen des Kgl. Garnisonkommandos hier wird bekannt ge­macht, daß das Betreten des Exerzierplatzes vor dem Lambopwald Unbe­fugten verboten ist.

Hanau am 2. November 1894.

Königliche Polizeidirektion.

I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

^atvd&rete ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Nr. 25 des Regierungs-Amtsblattes von 1894 ist eine Zu­sammenstellung der Bestimmungen, betreffend die Obliegen­heiten der Gemeinde- und Gutsvorstände bei der Veran­lagung und Verwaltung der Gewerbesteuer, abgedruckt worden. Ich mache auf diesen Abdruck hiermit besonders aufmerksam.

Hanau am 1. November 1894.

Der Vorsitzende

des Steuerausschusses der Gewerbesteuerklasse III u. IV.

St. 2005 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund m. Geschl. Ein weißer Wachtelhund mit schwarzen Flecken.

Gefunden: Ein Köcher. Ein Brodbuch mit der AufschriftBott". y Ein Zirkel. 1

Verloren: Eine silberne Damenuhr mit Kette.

Hanau am 6. November 1894.

Manifest des Zaren.

Das bereits erwähnte Thronbesteigungs-Manifest des Kaisers Nikolai lautet folgendermaßen: Wir thun kund allen treuen Unterthanen: Gott hat aus unerforschlichen Wegen gewollt, dem kostbaren Leben unseres heiß­geliebten kaiserlichen Vaters ein Ziel zu setzen. Sein schweres Leiden wich nicht der ärztlichen Kunst noch dem wohlthätigen Klima der Krim und so starb er in Livadia am 20. Oktober in den Armen der Kaiserin und den unseren. Unser Schmerz ist in Worten nicht auszudrücken, aber ihn ver­steht jedes russische Herz, und wir glauben, daß an keinem Orte des weiten russischen Reiches nicht heiße Thränen fließen werden um den vorzeitig abberufenen Kaiser, der von seinem Lande schied, das er mit der ganzen Kraft seiner russischen Seele liebte und auf dessen Wohlergehen er all seine Gedanken richtete, weder Gesundheit noch Leben schonend. Aber auch weit hinaus über Rußlands Grenzen wird man nicht aufhören, das Gedächtniß des Zaren zu ehren, der die unerschütterliche Wahrheit und den Frieden verkörperte, der kein einziges Mal unter seiner Regierung gebrochen ward. Allein es geschehe der Wille des Allerhöchsten. Uns stärke unser uner­schütterlicher Glaube an die Weisheit der Vorsehung, uns tröste das Be­wußtsein, daß unser Schmerz der Schmerz des ganzen geliebten Volkes ist, und dieses wird nicht vergessen, daß die Kraft und die Stärke des heiligen Rußland liegen in seinem Einssein mit uns und in der unbegrenzten Er­gebenheit gegenüber uns. Wir gedenken in dieser schmerzlichen, aber feier­lichen Stunde der Besteigung des Thrones des russischen Reiches und des von diesem unabtrennbaren Zarthums Polen und des Großfürstenthums Finnland, des Vermächtnisses unseres verewigten Vaters, und geloben, von diesem Vermächtniß durchdrungen, heilig vor dem Angesichte des Aller­höchsten, als einziges Ziel zu haben das friedliche Wohlergehen und den Ruhm unseres theuren Rußland und die Förderung des Glückes aller treuen Unterthanen. Möge der Allmächtige, welcher uns zu dem hohen Berufe ausersehen hat, uns Hülfe gewähren. Indem wir heiße Gebete zum Throne des allerhöchsten Herrschers für die reine Seele des Verewigten senden, befehlen wir unseren Unterthanen, den Treueid zu leisten uns und unserem Thronfolger, dem Großfürsten Georg Alexandrowitsch, der auch den Titel des Thronfolgers und Cäsarewitsch führen wird, bis es Gott gefallen wird, unsere bevorstehende Vermählung mit Prinzessin Alice von Hessen-Darmstadt mit der Geburt eines Sohnes zu segnen. Gegeben Livadia den 20. Oktober 1894. Nikolai.

Tagesschau.

Berlin, 5. Nov. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag von 8'/, Uhr an im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Zivilkabinets, des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinets entgegen. Um ll/s Uhr begaben Sich Seine Majestät nach Berlin, um dem Trauergottesdienst in der Kapelle der russischen Botschaft beizuwohnen. Sodann empfingen Allerhöchstdieselben um 3 Uhr im hiesigen Schlosse den Konsul für Norwegen, Herrn Coates in Audienz.

Berlin, 5. Nov. Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, ist die Durch- berathung der einzelnen Etats des Reichshaushaltvoranschlages für 1895/96 in den Ausschüssen des Bundesraths bereits soweit gediehen, daß die Er­ledigung des Etats Seitens des Bundcsraths bis zu dem für die Eröff­nung der Reichstagssession in Aussicht genommenen Termin bestimmt er­wartet werden darf.

Berlin, 5. Nov. DieNatl. Korresp." schreibt: Es wird uns bestätigt, daß die Vorschläge, die zur Abwehr der Umsturzbestrebungen dem Reichstag zugehen werden, in allem Wesentlichen mit dem Caprivi'schen Entwurf, der bereits die Zustimmung des preußischen Staatsministeriums empfangen hatte, übereinstimmen. Es wird danach nur eine Verschärfung und klarere Fassung der bezüglichen Bestimmungen des Strafgesetzbuchs vorgeschlagen werden. Aenderungen des Preßgesetzes sind nicht beabsichtigt, auch ein Reichsvereinsgesetz zu schaffen liegt nicht im Plan. Ob dagegen in Preußen eine Abänderung des Vereins- und Versammlungsgesetzes vor­geschlagen werden wird, scheint noch nicht sestzusteheu; sehr einschneidend würde eine solche wohl auch hier nicht sein.

Berlin, 5. Nov. DieDeutsche Tageszeitung" meldet: Der Vor­stand des landwirthschaftlichen Bundes richtete an den Reichskanzler eine Eingabe, das Ausfuhrverbot lebenden Viehes aus Nordamerika dahin aus­zudehnen, daß die schwimmenden Sendungen in keinem deutschen Hafen landen dürfen.

Berlin, 5. Nov. Bei der gestrigen Berathung im Reichsgesund­heitsamt über das Diphtheritis-Heilserum wurde betont, daß die praktischen Erfahrungen weitaus noch nicht ausreichten, um eine allgemeine Einführung unter staatlicher Autorität anzubahnen. Die Vertreter Preußens befürwor­ten die Uebernahme der Fabrikation durch den Staat, die Vertreter der meisten süddeutschen Staaten meinen, wie dieFr. N." berichten, daß von Staats wegen vorläufig noch nicht eingegriffen werden solle.

Berlin, 5. Nov. Der deutsche Schriftstellerverband hielt gestern und heute seine ordentliche Generalversammlung ab, in der die wesentlich umgearbeitete Grundverfassung angenommen und die Einrichtung einer Sterbe- und Krankenkasse beschlossen wurde. Zum ersten Vorsitzenden wurde an Stelle des verstorbenen Professors Brugsch-Pascha Dr. Julius Wolff, zum zweiten Vorsitzenden Richard Redlich und zum Schatzmeister Dr. Teschen gewählt. Ständige Ausschüsse für die rechtlichen und wirth- schaftlichen, sowie für die Förderung der litterarischen Interessen der Schriftsteller wurden ernannt. (RH. K.)

Berlin, 6. Nov. Zur Wahrung der Interessen des Deutschthums in den Ostmarken ist in Posen ein Verein gegründet worden, dem zahl­reiche Mitglieder aus allen Theilen der Provinz und allen Klaffen der Bevölkerung beigetreten sind.

Berlin, 6. Nov. Die Lage Europa's erscheint den weitaus meisten Beurtheilcrn, welche sie unter dem Gesichtswinkel des Ablebens des Kaisers Alexander III. von Rußland prüfen, als unverändert friedlich. Aller­dings nur mit Vorbehalten, wie sie in der Natur der Dinge begründet erscheinen. So läßt sich dem Einwande, daß der Nachfolger auf dem russischen Throne, Kaiser Nikolaus II., noch ein junger Mann ohne größere Lebenserfahrungen sei, eine gewisse Berechtigung nicht. absprechen, andererseits muß es dahin gestellt bleiben, ob der neue Herrscher in der That eine so geringe Widerstandsfähigkeit gegen äußere Beeinflussung zeigt, als ihm hier und da nachgesagt wird. Der Weltfriede stützt sich einst­weilen auch, soweit Rußland in Betracht kommt, auf den ehrlichen Willen des Kaisers Nikolaus, im Geiste und Sinne seines Vaters die Zügel der Regierung zu führen. Daran mögen sich alle Friedensfreunde ge­nügen lassen.

Berlin, 5. Nov. Laut telegraphischer Meldung an das Ober­kommando der Marine ist S. M. S.Arcona", Kommandant Kapitäxr