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Nr. 253.

Montag den"29. Oktober

1894.

Amtliches.

-£atidkrcis ^anair.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

- An Stelle des verstorbenen feitherigen^Schlachtviehbeschauers für den I. Schaubezirk Langenselbold ist der bisherige Stellvertreter Peter Ruth III. zu Langenselbold zum Schlachtviehbeschauer auf jederzeitigen Widerruf be­stellt worden.

Hanau am 16. Oktober 1894.

Der Königliche Landrath.

V. 8862 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsasfesfor.

Die Heiren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises erinnere ich hiermit an meine Perfügung vom 14. Dezember v. Js. V. 10538, wonach bis zum 1. November er, die Notizblätter über die im Jahre 1894 vorgekommenen Hagelwetter an mich einzusenden sind. Eventuell ist Fehlanzeige zu erstatten.

Hanau am 23. Oktober 1894.

Der Königliche Landrath

V. 9108 v. Oertzen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Perloren: Ein Tabakskorb nebst 1 leeren Oelkanne. Ein rother Beutel mit weißer Stickerei. Ein Portemonnaie mit ca. 25 Mark. Ein Zehnmarkstück. Eine goldene Damenuhr nebst Kette von der Neustadt nach der luth.'Kirche.

Gefunden: Ein Regenschirm (von der Post). Ein Bries mit 2 Photographien. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.

Hanau am 29. Oktober 1894.

Stadtkreis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Am 31, Oktober d. J. wird, wie in den Vorjahren, zwecks Veranlagung der Einkommensteuer sür das Jahr 1895/96 eine allgemeine Aufnahme des Personenstandes in hiesiger Stadt vorgenommen werden. Zu diesem Behufe werden jedem Hauseigenthümer oder beffen Stellver­treter schon mehrere Tage vorher die erforderlichen Hauslisten eingehändigt werden, um deren genaue und gewissenhafte Ausfüllung hinsichtlich sämmtlicher in dem betreffenden Hause nebst Zubehör wohnenden Per­sonen nach dem Stande vom 31. Oktober d. Js. ersucht wird. Insbe­sondere bitte ich, besondere Sorgfalt auf die Angabe von Stand und Gewerbe zu verwenden und überall die Art der Beschäftigung namentlich auch, ob selbständig, Gehülfe, Lehrling rc. ersichtlich zu machen. Indem ich schließlich auf die, auf den Hauslisten abgedruckten gesetzlichen Bestimmungen verweise, spreche ich das Ersuchen aus, daß das betheiligte Publikum sowohl im eigenen Interesse als auch zur Förderung der Veranlagungsarbeiten dahin wirken wolle, daß der am 1. November erfolgenden Abholung der Hauslisten kein Hinderniß entgegen steht.

Hanau am 25. Oktober 1894.

Der Oberbürgermeister i. V.: Heraeus.

Nachdem der Bebauungsplan der Akademiestraße zwischen Ehrensäule und Grimmstraße aus Grund des Gesetzes Dom 2. Juli 1875 nach seiner Genehmigung durch die Königliche Polizeidirektion und städtischen Körper­schaften 4 Wochen zu Jedermanns Einsicht offen gelegen hat und Ein­wendungen gegen denselben nicht erhoben worden sind, ist derselbe am 23. ds. Mts. auf Grund des genannten Gesetzes förmlich festgestellt worden. Der Plan liegt zur Einsicht in dem Stadtbauamt II (Stadtschloß) auf.

Hanau am 24. Oktober 1894.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Heraeus. 14129

Saatcnstand und Ernteschätzitng um Mitte Oktober 1894,

Für den Saatenstand und die Ernteschätzung in Preußen um die Mitte des Monats Oktober ergeben sich, wie bereits kurz bemerkt, folgende Noten (Note Nr. 1 = sehr gut, Nr. 2 = gut, Nr. 3 mittel (durch­

schnittlich), Nr. 4 gering, Nr. 5 = sehr gering): a) Ernteaussichtens Kartoffeln 3,1, Klee (auch Luzerne) 2,8 (bei beiden wie im September)' b) Stand der jungen Saaten: Winterweizen 2,4 (im September 2 3), Winterspelz 2,3 (1,1), Winterroggen 2,4 (2,5), Klee 2,0 (2,0); c) Ernte­ertrag auf Grund von Probedrüschen : Winterweizen 1694 kg vom Hektar (1893 : 1820, Mittelernte 1589). Sommerweizen 1649 kg (1893 ; 1477), Winterspelz 1474 kg (1893; 1322), Sommerspelz 1300 kg, Sommer­gerste 1814 kg (1893: 1517, Miltelernte 1493).

Von den noch nicht eingebrachten Feldfrüchten versprechen die Kar­toffeln nach Menge und Güte einen weniger als mittleren Ertrag. Fast ohne Ausnahme wird bemerkt, daß sie auf schwerem Boden faulen, auf leichtem aber wenig angesetzt haben und klein geblieben sind. Am widerstandsfähigsten haben sich angeblichImperator" undMagnum bonum" insonderheit letztere gezeigt, während von derrothen Heidelberger" undDaberschen" bis 50 v. H., in einigen Berichtsgebieten sogar bis 80 v. H. erkrankt sind. Nur ganz widerstandsfähige Sorten geben einen besseren Ertrag. Man befürchtet demgemäß, daß die Halt­barkeit der Kartoffeln nicht sehr groß sein werde. Die Bestellung der jungen Saaten ist im Großen und Ganzen glatt und ohne wesent­liche Störungen von Statten gegangen. Der Stand der jungen Saaten ist gut.

Der junge Klee zeigt in den meisten Bezirken einen sehr guten Stand. Zum Theil konnte derselbe schon geschnitten, vielfach abgeweidet werden.

Bezüglich der bereits geborgenen Früchte ist zu bemerken, daß die Güte des Weizens und der Gerste mit geringen Ausnahmen durch Auswuchs und Nässe sehr beeinträchtigt worden ist. Was die geerntete Menge dieser Fruchtarten anbetrifft, so wird hierbei in noch höherem Maße als im Vormonate bezüglich der Roggenernte hervorgehoben, daß die Schätzungen des Ertrages noch unsicher seien, weil die Arbeitskräfte durch die verspätete Ernte noch sehr in Anspruch genommen würden und infolgedessen wenig gedroschen worden sei. Nach den Schätzungen bleibt der Ertrag des Winterweizens in vielen Regierungsbezirken hinter einer Mittelernte zurück. Der Sommerweizen, dessen Anbaufläche indeß nur den elften Theil der gleichartigen Winterfrucht ausmacht, hat gegen das Vor­jahr fast durchgängig einen höheren Ertrag ergeben, im Staatsdurchschnitte 12 Hunderttheile. Im gleichen Maße übertrifft der diesjährige Ertrag des allerdings nur für die hohenzollernschen Lande wesentlich ins Gewicht fallenden Spelzes den Ertrag dieser Frucht im Jahre 1893. Noch günstiger stellen sich die Erträge der Sommergerste. Abgesehen von dem Regierungsbezirke Aurich, ist die Erntemenge dieser Frucht im lausenden Jahre überall größer als die vorjährige, zum Theil sogar ungewöhnlich hoch, so daß sich für sie der Hektarertrag im Staatsdurchschnitte um 20 Hunderttheile höher als im Vorjahre und um 22 Hunderttheile höher als eine Durchschnittsernte beläuft.________________________________ '_________

Tagesschau.

Berlin, 27. Okt. Heute Morgen hörten Seine Majestät der Kaiser und König die Vorträge des Chefs des Generalstabs und des Chefs des Militärkabinets. Um 10 Uhr begaben Sich Seine Majestät nach der Station Wildpark, um den Statthalter in Elsaß-Lothringen, Fürsten von Hohenlohe, welcher in Begleitung des Unterstaatssekretärs v. Köller dort cintraf, zu empfangen, und kehrten mit demselben alsdann nach dem Neuen Palais zurück.

Berlin, 27. Okt. Im Sitzungssaale des Herrenhauses trat heute die dritte Generalsynode zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Der Präsident des Oberkirchenrathes Barkhausen begrüßte die Synode im Na­men des Kaisers und Oberkirchenrathes. Er theilte mit, außer der neuen Agende würden der Synode zwei Gesetzentwürfe, betr. Veränderungen der kirchlichen Organisation, ferner ein Gesetzentwurf, betr. die Erhebung der landeskirchlichen Umlage zur Beschaffung von Mitteln für Hilfsgeistliche, und ein Gesetzentwurf, betr. die Verwaltung der Pfarrerwittwen- und Waisenfonds, vorgelegt werden. Hierauf fand die Wahl des Vorstandes statt. Zu Präsidenten wurden gewählt die Grafen Ziethen und Schwerin. Die nächste Sitzung findet am Montag statt.

Berlin, 27. Ott. Es verlautet mit Bestimmtheit, zum Reichskanzler und Ministerpräsidenten sei Fürst Hohenlohe, als Minister des Innern von Köller in Aussicht genommen. Bis zu dieser späten Abendstunde 9* Uhr sind die Ernennungen noch nicht erfolgt.