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Montag den 22. Oktober

1894.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Packete mit Fischlaich nach Oesterreich-Ungarn betreffend.

Vom 1. November ab werden im Verkehr mit Oesterreich- Ungarn dringende Packete mit befruchtetem Fischlaich bis zum Gewicht von 5 kg zur Beförderung zugelassen.

Die Sendungen müssen frankirt sein. Die außer dem Porto und dem etwaigen Eilbestellgeld im Voraus zu entrichtende besondere Gebühr beträgt, wie bei dringenden Packeten des inneren deutschen Verkehrs, I Mk. für jedes Stück.

Ueber die sonstigen Versendungsbedingungen ertheilen die Postan­stalten auf Verlangen Auskunft.

Berlin W., 12. Oktober 1894.

Der Staatssekretär des Reichspostamts, von Stephan.

Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiede- Meistern an der Lehrschmiede zu Charlottenburg ist auf Mittwoch den 2. Januar 1895 festgesetzt.

Anmeldungen nimmt außer dem Generalsekretär des landwirthschaft- lichen Provinzialvereins für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz der Königliche Landesökonomierath Dr. Freiherr von Canstein in Ber­lin N. W., Werflstraße 9, und der Direktor des Instituts, Oberroßarzt a. D. Brand in Charlottenburg, Spreestraße 42, entgegen.

Cassel am 28. September 1894.

Der Regierungspräsident. J. V.: v. Pawel.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Radirgummistäbchen. Ein Rosenkranz. Eine Peitsche. In der Nähe der Kav.-Kaserne ein Anzug, dunkler Kammgarn­gehrock, dunkelbraune Weste, graukarrirte Hose und dunkler weicher Filz­hut. Einige Briefmarken und ein Schlüssel (von der Post).

Zugeslogen: Eine Ringeltaube.

Zugelaufen: Eine mittelgroße hellgraue Katze.

Verloren: Ein Notenbuch.

Entlaufen: Ein gelb-weißer Spitz w. Geschl.

Hanau am 22. Oktober 1894.

Bekanntmachung.

Erledigt ist der unter dem 22. März 1894 erlassene Steckbrief gegen den Tischlergesellen Wilhelm Lipp, geboren am 17. Dezember 1872 zu Ostheim, zuletzt wohnhaft gewesen zu Northeim.

Göttingen den 18. Oktober 1894.

Der Erste Staatsanwalt

B ernhard.

Tagesschau.

Berti«, 20. Okt. Zu Ehren Seiner Majestät des Königs von Serbien fand bei Ihren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prin­zessin Friedrich Leopold im Jagdschloß Glienicke gestern Abend ein Diner statt. Heute Vormittag kam der König nach Berlin, um verschiedene Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, und fuhr sodann nach dem Mausoleum in Charlottenburg, wo Seine Majestät am Sarge des Hoch- seligen Kaisers Wilhelm I. und der Kaiserin Augusta prachtvolle Kränze niederlegte. Nachmittags kehrte der König nach Potsdam zurück und wird heute Abend nach dem Diner im Neuen Palais sich von den Kaiserlichen Majestäten verabschieden und die Rückreise antreten.

Berlin, 20. Okt. Ter König von Serbien ist heute Abend 9 Uhr von der Wildpartstation abgereist, vom Kaiser und dem Prinzen Heinrich nach dem Bahnhof geleitet. Nach herzlicher Verabschiedung fuhr der König von Serbien zunächst nach Berlin und um 9 Uhr 40 Minuten von hier nach Wien.

Berlin, 20. Okt. Die Kaiserin sowie der mit der Vertretung des Kaisers betraute Prinz Friedrich Leopold wohnten heute Vormittag in Ber­lin der Einweihung der Samariterkirche bei. (Fr. N.)^

Berlin, 20. Okt. Die Deputation des ostpreußischen Bundes der Landwirthe, welche dem Kaiser eine Adresse überreichte, bestand aus v. Groeben-Arenstein, von Simpson-Georgenburg, Heller-Peitschendorf und von Steegen-Kleinsteeze. Nach Mittheilung derDeutschen Tageszeitung" erwiderte der Kaiser auf die Adresse überaus gnädig, drückte seine Freude aus, daß die Deputation sich an ihn gewandt und versicherte, daß seine Sorge für die Landwirthschaft nie nachlassen werde, der Kaiser unterhielt sich mit jedem einzelnen Mitgliede der Deputation über landwirthschaftliche Fragen und entließ dieselben mit herzlichen Grüßen an die Heimath.

Berlin, 20. Okt. Deutschen Lehrerinnen ist dringend davon ab- zurathen, ohne Engagement nach Rußland zu kommen, es sei denn, daß sie genügende Kenntnisse im Russischen besitzen, um das dort vorgeschriebene Examen als Hauslehrerin zu machen. Ohne das Diplom als solche können sie nicht einmal ein Inserat in eine Zeitung setzen, um ihre Dienste an­zubieten; denn den Zeitungen ist streng verboten, jede Art von Inseraten, die sich auf die Ertheilung von Unterricht beziehen, ohne die Druckerlaubniß eines der Kreisschulinspektoren aufzunehmen. Diese Druckerlaubniß wird neu eingewanderten Lehrerinnen, so lange sie nicht das russische Diplom erworben haben, unter keinen Umständen ertheilt.

Berlin, 20. Okt. ImReichsanzeiger" macht die Reichsschulden­verwaltung anläßlich des Vorkommens einzelner falscher Zinsscheine und Schuldverschreibungen der dreiprozentigen Reichsanleihe darauf aufmerksam, daß für falsche Zinsscheine in keinem Falle von der Reichsschuldenverwal­tung Ersatz geleistet werden wird.

Berlin, 20. Okt. Laut telegraphischer Mittheilung an das Ober­kommando der Marine ist S. M. S.Loreley", Kommandant Korvetten­kapitän Grolp, am 18. Oktober in Jalta eingetroffen und an demselben Tage nach Theodosia in See gegangen.

DasKöln. Tagebl." schreibt: Die Entwürfe der einzelnen Reichsetats für das Jahr 1895/96 sind in diesem Jahre besonders früh­zeitig festgestellt; sie liegen bereits zum größten Theil dem Bundesrathe vor; die wenigen noch ausstehenden, selbst der Heeresetat, dürften schon in den nächsten Tagen fertiggestellt und dem Bundesrathe unterbreitet wer­den. Diese außergewöhnliche Beschleunigung ist nur der Thatsache zu ver­danken, daß der Reichsschatzsekretär Graf Posadowsky auch in diesem Jahre wiederum auf seinen Urlaub verzichtet und alle Kräfte an diese Beschleu­nigung gesetzt hat. Die verbündeten Regierungen haben also bis zur Ein­berufung des Reichstages, die gegen den 20. oder 22. November in Aus­sicht genommen worden ist, ausgiebige Zeit, alle Einzelansätze gründlich zu prüfen. Eher denn je wird in diesem Jahre zur Entscheidung kommen müssen, wie weit das Reich seine dauernden Ausgaben aus eigenen Ein­nahmen decken soll.

Danzig, 20. Okt. DieDanziger Zeitung" meldet: bei Ueber- reichung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt Danzig an Caprivi betonte der Oberbürgermeister Baumbach, die Verleihung des Ehrenbürgerrechts sei ein Dankeszeichen für die Bemühungen des Kanzlers um das Zustandekommen des russischen Handelsvertrags. Die Kundgebung sei ein Symptom für die Gesinnung eines großen Theiles des Bürgerthums. Caprivi dankte, und führte aus, er sei sich bewußt, auf die Unterstützung. des deutschen Bürgerthums angewiesen zu sein, er würde sich glücklich schätzen, wenn die Verleihung des Danziger Ehrenbürgerrechts von symptomatischer Bedeutung für die Gesinnung wenigstens eines Theiles des deutschen Bürgerthums ihm gegenüber sei.

Posen, 20. Okt. Die Nachricht von der Entweichung des früheren Bankiers Löwy aus dem Zuchthaus zu Rawitsch ist unrichlig.

Bonn, 20. Okt. Die Bonner Studentenschaft beschloß derNeuen Bonner Zeitung" zufolge auf Antrag der BurschenschaftAlemania", die gesammte deutsche Studentenschaft aufzufordern, dem Fürsten Bismarck zum 80. Geburtstage eine Ehrengabe darzubringen. Die Vertreterversamm- lung aller Hochschulen, welche in Berlin tagen soll, wird über die Art der Huldigung weiter beschließen.