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Nr. 242.
Dienstag den 16. Oktober j
1894.
Amtliches, ^fadt^rets ^attaxt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Das von dem hiesigen Stadtrath unter Zustimmung des Gemeindeausschusses festgestellte „Ortsstatut, betreffend die Aushebung des Ortsstatuts über die Erhebung der Gemeindeumlagen vom 8.14. März 1892 und des Nachtragsstatuts vom 16. Mai 1893", wird der Vorschrift im §. 3 der Gemeindeordnung vom 23. Oktober 1834 entsprechend, vom 17. d. Mts. an im hiesigen Rathhaus, Zimmer Nr. 18, öffentlich aufgelegt, um binnen der nächsten zwei Monate die Erinnerungen zu vernehmen, welche einzelne oder gewisse Klassen von Gemeindegliedern dagegen zu machen finden.
Hanau am 13. Oktober 1894.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 13523
„Meldereiter".
In der heutigen Zeit, bei der ungeheuren Tragweite der Feuerwaffen und dem Operiren mit großen Heeresmaffen, muß es die Hauptsorge der Heeresverwaltung sein, auf Mittel zu sinnen, um unnützen Menschenopfern vorzubeugen. Ein solches Mittel besteht in den sogenannten ' „Meldereitern".
Der Name deutet auf den Zweck dieser Einrichtung: die einzelnen Truppentheile, die bei der heutigen großen Ausdehnung der Schlachtfelder oft in fernen Abständen von einander stehen, bedürfen der Vermittelung unter einander und mit dem Befehlshaber durch berittene Mannschaften, die keine andere Aufgabe zu erfüllen haben, als den für die Operationen nothwendigen Meldedienst zu versehen. Schon der große Feldherr Napoleon I. hatte dies erkannt; er umgab sich mit Meldereitern, durch die er stets über den Feind gut unterrichtet war; auch jeder seiner kommandirenden Generale mußte von einer Anzahl Meldereitern umgeben sein, die an den Kaiser oder an die anderen hohen Befehlshaber Meldungen überbrachten. Später artete diese Einrichtung aus, und aus den Meldereitern wurde eine glänzende, persönliche Eskorte, die unter Napoleon III. statt zum Melden zur Begleitung des Kaisers verwandt wurde.
Aber diese fehlerhafte Anwendung einer nützlichen Einrichtung ist kein Beweis gegen den Nutzen der Einrichtung selbst. Ja, heute ist sie viel nothwendiger geworden, als sie es zu den Zeiten Napoleons war. Wenn Napoleon eines Reiters bedurfte, um seinen Willen durchzusetzen, bedarf es jetzt bei der großen Ausdehnung der Schlachtfelder und den großen Abständen der einzelnen Truppentheile von einander mindestens eines halben Dutzends. Hätten wir 1870 zeitgemäße Meldereiter gehabt, so wären uns manche schweren Opser, namentlich in den Kämpfen um Metz erspart geblieben, und auch im Jahre 1866 (10. Juli 1866 im Treffen von Kissingen) hatten wir schwere Verluste, die schon mit einem einzig richtig verwendeten Meldereiter vermieden worden wären.
In den neueren Kriegen in Europa ist überall der Mangel an hinreichenden und geeigneten Meldereitern hervorgetreten, und seit Jahren werden in Rußland, Frankreich, Oesterreich-Ungarn Versuche gemacht, um x diese Einrichtung einzuführen und in zweckmäßiger Weise zu gestalten. Auch ' bei uns sind bei den letzten Manövern derartige Versuche gemacht worden. Aber es würde nicht genügen, im gegebenen Fall Kavallerieordonnanzen für diesen Zweck zu verwenden; es ist nöthig, eine vollständige Meldereiterorganisation in's Leben zu rufen. Bei den Kavalleristen werden in der Ausbildung und Ausrüstung ganz andere Zwecke verfolgt, als für den Meldereiter geboten ist. Letzterer braucht keine Lanze, keinen Karabiner, — diese Waffen würden ihn nur hindern in der Versetzung seines Dienstes. Der Kavallerist ist gewohnt, schwadronsweise zu reiten; der Meldereiter muß als Einzelreiter eingeübt werden; das Pferd eines Meldereiters hat ganz andere Aufgaben wie das in der Schwadron reitende Pferd zu erfüllen. Zu Meldereitern sind besonders fähige und intelligente Leute nöthig, die gutes Gehör, sicheres Auge, leichtes Gewicht haben. Nun mögen in der Kavallerie zahlreich hierzu geeignete Leute vorhanden sein; aber es genügt nicht, sie im gegebenen Fall aus dem Truppenzusammenhang zu nehmen und ihnen dann die besonderen Aufgaben eines Meldereiters anzuvertrauen, vielmehr kommt es aus Errichtung eines Verbandes von Melde
reitern an, die in der ganzen Armee nach gleichmäßigen Grundsätzen ausgehoben und schon im Frieden eigens zu diesem Zweck angeleitet, ausgebildet und ausgerüstet werden.
Die deutsche Heeresverwaltung hat sich entschlossen, eine solche Organisation zu schaffen. Der nächstjährige Etat soll zum ersten Mal eine Forderung zunächst für drei „Meldereiterdetachements" enthalten, die versuchsweise im Bereich des 1., 16. und 17. Armeekorps in der Gesammt- stärke von 36 Unteroffizieren, 288 Gemeinen und 324 Pferden in's Leben treten sollen. Da die Präsenzstärke durch das Militärgesetz vom 3. August 1893 festgesetzt ist, kann über diese nicht hinausgegangen werden, vielmehr soll die Kopfzahl der Meldereiterdetachements auf die Infanterie in Anrechnung kommen, so daß es nur der Deckung der Kosten für 324 Pferde und ihre Unterhaltung bedürfen würde.
Diese Forderung ist gewiß bescheiden, aber nach dem Gesagten von großer Tragweite für den Kriegsfall. Unzeitige Sparsamkeit in diesem Punkt würde sich mit unnützen Menschenopfern bitter rächen. Die Ausgabe etwa dadurch auszügleichen, daß man den Präsenzstand der Kavallerie vermindert, wie ein Blatt — natürlich wieder ein freisinniges — vorgeschlagen hat, würde gänzlich verfehlt sein; denn die Kavallerie, die bei der Heeresverstärkung leer ausgegangen ist, würde dadurch nur geschwächt werden. Unsere Heeresverwaltung hat die Einrichtung als nothwendig erkannt, und Niemand wird die Verantwortung dafür übernehmen wollen, daß sie gehindert wird, etwas, was sie als nothwendig erkannt hat und auch von anderen Heeresverwaltungen in's Leben gerufen wird, zu verwirklichen.
Tagesschau.
Berlin, 15. Okt. Zur Fahnenweihe am 18. d. M., welche vor dem Denkmal Friedrich's des Großen stattfindet, wird, wie bei ähnlichen Gelegenheiten, eine Zuschauertribüne vor den Gartenanlagen zwischen dem Palais Seiner Majestät Kaiser Wilhelm's I. und dem Königlichen Opernhause errichtet werden. Billets zu dieser Tribüne sind bei den Portiers im Königlichen Opernhause zu haben.
Berlin, 15. Okt. Am 1. Oktober ist bekanntlich das neue Gesetz über den Schutz der Waarenzeichen, wonach dieser dem Patentamt übertragen worden ist, in Kraft getreten. Der Andrang war ungeheuer; die Zahl der in den ersten Tagen nach dem Inkrafttreten des Gesetzes dem Patentamt zugegangenen Anmeldungen beläuft sich so hoch, daß nach dem neuen Gesetze innerhalb acht Tagen etwa ein Fünftel der Zahl geschützt worden ist, welche nach dem alten in nahezu 20 Jahren den Schutz erlangt haben. Man ersieht daraus, wie sehr das neue Gesetz den in den Kreisen der Gewerbetreibenden vorhandenen Bedürfnissen entsprochen hat.
Berlin, 15. Okt. Die „Post" meldet aus Posen: Auf Anregung des Provinzialvereins für die Hebung der Fluß- und Kanalschifffahrt in der Provinz Posen wird sich der Schlesische Verein in einer am 3. November stattfindenden Versammlung mit dem Projekt einer Kanalverbindung der Oder mit der Warthe beschäftigen. Bereits im Jahre 1881 war in einer an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichteten Eingabe auf die großen wirthschaftlichen Vortheile einer solchen Verbindung hingewiesen worden.
Berlin, 15. Okt. Major Leutwein telcgraphirt aus Werft Wit- bois, den 14. September, daß Hendrik Witboi sich, nachdem er wiederholt geschlagen worden, der deutschen Schutzherrschaft bedingungslos unterworfen habe.
Berlin, 15. Okt. Nach telegraphischer Mittheilung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Iltis", stellvertretender Kommandant Lieutenant zur See Schmidt von Schwind, am 12. Oktober in Shanghai angekommen.
Köln, 15. Okt. Auf Zeche Monopol wurden durch Explosion fünf Bergleute schwer verletzt. (Fr. N.)
Neuwied, 15. Okt. Der als choleraverdächtig in die hiesigen Baracken eingelieferte Kapitän ist am Herzschlag gestorben. Cholera ist bisher noch nicht festaestellt worden. (K. Tbl.)
München, 15. Okt. Den „M. N. N." wird auf Erkundigung von zuständiger Seile mitgetheilt, daß Prinz Ludwig vollständig den neuerlichen Gerüchten einer bayerischen Ministerkrise sernstehe.
Paris, 14. Okt. Obgleich die Regierung alle Stiergefechte, bei denen Thiere getödtet werden, untersagt hat, fand heute in Dax doch wieder