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Hanauer Anzeiger.

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ArrrtKrHes Hvgan für AtaöL- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 238. Donnerstag den 11. Oktober 1894.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Helle gestreifte Schürze. Ein Hundemaulkorb. Ein Hundehalsband mit Marke 9tr. 652. Ein Schreibheft mit der In­schriftFriedrich Bleichgärtner". Ein Notizbuch mit Kalender rc. und Namen M. Paris. Zwei Päckchen englisches Reinigungskrystall. Eine große Milchkanne. Eine Anzahl Briefmarken (von der Post). Ein Hand­koffer. Zwei Briefmarken (von der Post). Ein goldener Ring mit brau­nem Stein. Eine Korallenbroche. Eine Broche, den NamenMina" darstellend. Ein Krankenkassenbuch für August Fröhlich aus Wahlen. Eine weiße Decke, 0. M. gcz., nebst Badehose (irrthümlich von einer Bade­anstalt an eine unrichtige Adresse abgegeben). Eine feine Jnfanteriesäbel- scheide.

Verloren: Ein schwarzes emaillirtes Armband; dem Wiederbringer eine Belohnung. Zwei Notizbücher (ein großes und ein kleines) nebst Hausirschein, aus den NamenI. Schilling" lautend.

Hanau am 11. Oktober 1894.

^faOf&rets ^anait.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Am Freitag den 12. d. Mts., nachmittags von 4 Uhr ab, findet im oberen Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 9, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau am 8. Oktober 1894.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts

Dr. Gebeschus. 13272

Rechnungsabschluß

der fOrtskrankenhafle für den ßandkreis Hanau pro 1893.

I. Kassenrechnung,

a. Einnahmen:

1. Baarer Kasfenbestand am 1. Januar 1893 . 17 M. 99 Pf.

2. Zinsen von Kapitalien..... 862 70

3. Eintrittsgelder...... 2881 20

4. Beiträge....... 59384 65

5. Ersatzleistungen für gewährte Krankenunter­stützungen .......54 60

6. Ersatzleistungen von Berufsgenossenschasten, Unter­

nehmern und Versicherungsanstalten . . 381 07

7. Zurückgezogene Kapitalien . _ . . - 6240

8. Äufgenommene Darlehen, Vorschüsse . . 3000

9. Sonstige Einnahmen.....406 72

Summa der Einnahmen 73228 M. 93 Pf.

b. Ausgaben:

1. Für ärztliche Behandlung . 12125 M. 91 Pf.

2. Arzneien und sonstige Heilmittel . . 6781 80

3. Krankengelder: a. an Mitglieder . . 32779 83

b. an Angehörige derselben . 636 37

4. Unterstützungen an Wöchnerinnen . . - 634 20

5. Sterbegelder......1080

6. Kur- und Verpflegungskosten an Krankenanstalten 4945 05

7. Ersatzleistungen für gewährte Krankenunter­stützungen ....... 761 84

8. Zurückbezahlte Beiträge und Eintrittsgelder . 174 55

9. Kapitalanlagen......5212 50

10. Verwaltungsausgaben: a. persönliche . . 5719 21

b. sächliche . . . 1451 79

11. Sonstige Ausgaben..... 554 85

Summa der Ausgaben 72857 M. 90 Pf. i

c. Abschluß:

Summa der Einnahmen .... 73228 M. 93 Pf. Ausgaben . . . . 72857 90

Ergibt einen baaren Kassenbestand am 3I./12. 93 von 371 M. 03 Pf.

II. Vermögensausweis.

Das Gesammtvermögen der Kasse setzt sich wie folgt zusammen;

I. Aktiva:

a. der Baarbestand am Schluffe des Rech­nungsjahres 1893 . . . 371 M. 03 Pf.

b. in Werthpapieren, Sparkassenbüchern . 23762 04

Summa 24133 M. 07 Pf.

II. Passiva:

Darlehen und Vorschüsse . . . 3000 M. Pf. Hiernach beträgt der Ueberschuß der Aktiva I 21133 M. 07 Pf.

Nach dem vorjährigen Abschluß betrug der Ueber­schuß der Aktiva .... . 24807 M. 53 Pf.

Ergibt gegen das Vorjahr an Ueberschuß der Aktiva weniger..... 3674 M. 46 Pf.

In Gemäßheit des §. 64 letzter Absatz der Statuten wird vorstehender Rechnungsabschluß hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Hanau den 5. Oktober 1894.

Der Vorstand

der Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau.

Dr. L. Gans, Vorsitzender.

Die Erhaltung des mittleren Grundbesitzes.

Der Verein für Sozialpolitik, ein Verein von deutschen Männern der Wissenschaft und Praxis, die sich zur wissenschaftlichen Untersuchung wirthschaftlicher Fragen verbunden haben und gewissermaßen der praktischen Politik vorarbeiten, hat bei seiner diesjährigen Versammlung in Wien, die am 29. September stattfand, unter anderem sich auch mit der Frage des Anerbenrechts beschäftigt. Der Verein faßt keine Beschlüsse, sondern erör­tert nur die grundsätzlichen Fragen, indem er jedem der Mitglieder Ge­legenheit gibt, seine wissenschaftliche Meinung darüber zu äußern. Ob nun mehr Anhänger als Gegner sich zu einer Frage geäußert haben, kommt weniger in Betracht, als die Stellungnahme hervorragender Männer an sich und die Gründe, die sie geltend machen. Da diesmal naturgemäß viel österreichische Sozialpolitiker den Verhandlungen beiwohnten, kann man sich nicht wundern, daß mancherlei Einwände gegen die Einführung des An­erbenrechts erhoben wurden. In Oesterreich mögen die Verhältnisse anders liegen als in Deutschland. Für uns ist es von Wichtigkeit, daß die her­vorragendsten wissenschaftlichen Vertreter Deutschlands wie Geheimer Ober­regierungsrath Thiel und die Professoren Sering und Gierke aus Berlin sich für die Einführung des Anerbenrcchts ausgesprochen haben; nur Pro­fessor Brentano aus München erklärte sich gegen die Einführung eines gesetzlichen Jntestatanerbenrcchts und glaubte in einer bäuerlichen Lebens­versicherung ein Mittel zur Erhaltung des mittleren Grundbesitzes erblicken zu sollen.

Von den Reden, die gehalten wurden, möchten wir insbesondere die­jenige des Professors Gierke aus Berlin hervorheben, die einige Gesichts­punkte enthielt, die zur Klärung der Sache beitragen können. Sehr richtig betonte er, daß man von der Einführung des Anerbenrechts keine Hilfe für den augenblicklichen Nothstand der Landwirthschaft, vor allem keine Steigerung der Kornpreise erwarten könne. Das Anerbenrecht an sich allein könne auch nicht die bäuerliche Kraft erhalten, aber es sei eine der unentbehrlichen Grundlagen, um der Entwickelung eines ländlichen Proletariats vorzubeugen. Im weitaus größten Theil Deutsch­lands entspreche das Anerbenrecht dem Rechtsbewußtsein des Volkes, und dieses müsse gestützt und gefördert werden, wenn man die Erhaltung eines kräftigen, mittleren Grundbesitzerstandes für die Größe einer Nation für unentbehrlich halte. Wodurch so sagte er hat Deutschland seine jetzige Stellung in ter Welt errungen? Freilich haben alle Stände der Nation mitgewirkt. Zwei Stände aber könne man sich weder für die Ver-