in jeder anderen Thätigkeit, sie sei welche sie wolle, kein rechtes Gedeihen, wenn sie mit Verspätung beginnt. Der Mensch kommt danach in die Beize (rote man hier zu sagen pflegt), besonders wenn er ohne dies nervös ist, und ist Anderen und sich selbst kein Wohlgefallen. „Morgenstund — Gold im Mund."
§ Aus Kurst essens Vergangenheit. Ein Veteran aus den 40r Jahren, der bei dem ehemaligen Kurhessischen 3. Infanterie-Regiment gestanden und im Jahre 1849 den Feldzug in Baden mitgemacht hatte, überließ uns einen Tagesbefehl, der s. Z. dein zurückkehrenden Regimente von Schloß Philippsruhe aus von dem verstorbenen Kurfürsten von Hessen Friedrich Wilhelm gewidmet war, den wir hier wörtlich folgen lassen: „Tagesbefehl an das aus dem Großherzogthum Baden zurückkehrende 3. Infanterie-Regiment. Bei der Rückkehr des 3. Infanterie-Regimentes aus dem nunmehr beendeten Kampfe gegen diejenigen, welche mit frecher Hand die heiligen Schranken gesetzlicher Ordnung nieder zu reißen und der schnödesten Selbstsucht huldigend, namenloses Leid über das gemeinsame Vaterland zu bringen suchten, gereicht es mir zur besonderen Freude, dieses brave Regiment persönlich zu begrüßen und ihm sagen zu können, daß es das Vertrauen, welches ich stets zu ihm gehabt habe, durch die That und durch den unzugänglichen Sinn für alle Verführungsversuche vollkommen gerechtfertigt, und daß es dadurch wesentlich dazu beigetragen hat, den ehrenvollen Ruf, welchen die hessischen Krieger seit Jahrhunderten genossen, zu erneuern und fester zu begründen. Ich danke deshalb dem Regiment für die von ihm bewiesene Treue, Tapferkeit und Hingebung in dein Ertragen so mannigfacher Entbehrungen und Beschwerden. Philippsruhe, den 11. September 1849. gez. Friedrich Wilhelm." Viele von den ehemaligen Musketieren des 3. Infanterie-Regiments leben In dem Kreise Hanau, sie stehen im Alter von 68—69 Jahren und erhalten aus der Stiftung Nationaldank für Veteranen seit den letzten Jahren eine Unterstützung von Mark 30.
* Gesunken. Der Lastkahn des an der Hellerbrücke wohnenden Sandschiffcrs Becker ist kürzlich auf dem Main in die Tiefe desselben gesunken. Nur mit knapper Noth entging der Besitzer nebst seinem Sohne dem Tode in den Wellen. Der, wie der „M.- u. K.-B." schreibt, einen Werth von 400 M. repräsentirende Kahn konnte bis heute noch nicht gehoben werden.
* Theilung. Morgen, den 7. Oktober, von morgens 8 Uhr ab finket die Theilung der Dividende des Marken-Konsumvereins statt; Nach Bekanntmachung des Vorstandes wird an schulpflichtige Kinder kein Geld ausbezahlt.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wettcrauischen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis 1 «1 Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.
* Studt. Bibliothek. Zur kostenlosen Verleihung und Benutzung der Bücher geöffnet Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr (Bangertstraße 2, eine Treppe hoch, im sog. „alten Stadthaus").
Für heute. Kunstverein: In der Aula Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Oelgemälden moderner Meister; geöffnet von vormittags 10 bis 5 Uhr nachmittags; Eintritt für Nichtmitglieder 20 Pfg. — Verein Einigkeit: Abends 8 Uhr 11. Stiftungsfest in den Sälen der „Centralhalle". — Brehm's Sparkasse und Sparkasse zur „goldnen Zange" : Erste Auflage und Mitgliederaufnahme. — Allgem. christl. Arbeiterverein: Abends 9 Uhr gemüthliche Zusammenkunft im Vereinslokal „Brauerei Weismantel". — Kasino „Eintracht" (Vereinslokal: „Goldene Gerste"): Vereinsabend. — Turngesellschaft: Generalversammlung.
Für morgen. Nachmittags: Theilung der Odenwald'schen Sparkasse, Sparkasse zur goldnen Zange und Herbstsparkasse zum Neubau.
Wiesbaden, 5. Oktober. (Dementi.) Durch die Blätter geht die Nachricht, daß sich wegen einer schweren Insubordination, deren sie sich am letzten Manöoertage bei Hofheim schuldig gemacht, 6 bis 8 Reservisten, welche zu dem Manöver 'bei dem hiesigen 4. Bataillon des Regiments v. Gersdorff Nr. 80 eingezogen waren, in Untersuchungshaft befänden. Wie der „Rh. K." von zuständiger Stelle erfährt, ist kein solcher Fall von Insubordination vorgekommen, im Gegentheil hat sich der betr. Majo? bei der Entlassung der Leute lobend über ihre Haltung aussprechen können.
Büdingen, 4. Okt. (Feier der silbernen Hochzeit.) Fürst Bruno und Gemahlin feierten am Sonntag den 30. September das Fest der silbernen Hochzeit, welche Feier sich zu einer wahrhaft großartigen Kundgebung gestaltete und den deutlichsten Beweis dafür erbrachte, welcher Verehrung und Hochachtung sich das hohe Paar in den weitesten Kreisen erfreut. Bemerkenswerth ist über den Fürsteil, daß derselbe als Erbprinz 1859 init Auszeichnung in der Schlacht von Solfernio gekämpft und schwer verwundet auf dem Schlachtfelde in die Hände der Franzosen fiel. Drei Tage lang lag er in einer Kirche unter Todten und Sterbenden, bis er in ein Lazareth gebracht wurde. Inzwischen war bereits die, glücklicherweise falsche, Nachricht von seinem Tode in die Heimath gelangt, der aber bald die Nachricht von seiner glücklichen Errettung folgte.
IXE* Fortsetzung des lokalen Theils in der Beilage. "Mj
Sprechsaal.
(Für die unter dieser Rubrik emgesmidten Notizen übernimmt die Redaktior dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
)( Nochmals Stenographie.
Dem )(-Artikel in Nr. 231 d. Bl. über den die Stenographie betreffenden Vortrag wäre ja wohl noch hinzuzufügen, daß Herr Dahms für die von ihm vertretene Stenotachygraphie lediglich Reklame machen und werben wollte. Es ist daher in dem Artikel jedes propagandistische Vorkommniß in der Versammlung vermieden worden, um einer Zeitungspolemik vor- zubeugen. Es mag daher gleich von vornherein bemerkt sein, daß aus eine solche einzugehen weiter keinen Zweck hat, daher eine etwaige Entgegnung unerwidert bleiben wird. Daß der Vortragende gegen das Stolzesche System nicht gesprochen hat, ist eine ebenso unwiderlegliche Thatsache, wie, daß das in dem Artikel der vorgestrigen Nummer erwähnte prozentuale Verhältniß der Kürze der Stenotachygraphie zur Gabelsberger'schen und Stolze'schen Stenographie lediglich eine propagandistische Behauptung ist, für welche der Beweis ja noch offen steht. Also dadurch hat die Stolzesche Stenographie an Werth noch nicht verloren. Die weitere Angabe des vorgestrigen Artikels beweist, daß der Herr Artikelschreiber mit Stenographie sich wohl noch wenig befaßt haben mag, sonst würde man selbst auf den Schluß gekommen sein, daß eine Entgegnung auf eine propagandistische Behauptung nicht möglich ist, weil die Theilnehmer zumeist wohl das hier einzuführende System erst dem Namen nach kannten; andererseits aber hätten die Gabelsbergianer und Arendsianer, welche durch ihre und wenn richtig erkannt, leitenden Persönlichkeiten vertreten waren, wohl eher Grund gehabt, die diese Systeme doch gewiß nicht zart getroffenen Anfechtungen und Vorwürfe zu widerlegen oder wenigstens zurückzuweisen, was unterblieben ist. Was die weitere Behauptung des vorgestrigen Artikes betrifft, so könnte nur empfohlen werden, sich zunächst mit den stenographischen Verhältnissen besser vertraut zu machen. Abgesehen davon, daß Arends, der ein Privatmann und nicht wie Gabelsberger und Stolze durch persönliche Verhältnisse genöthigt war, Erleichterung des Schreibwerks zu erstreben, vielmehr die Stenographie mehr aus Liebhaberei und Zeitvertreib pflegte, so ist es historisch sestgestellte Thatsache, daß der von Arends in seinem System eingeschlagene Weg bereits vor ihm in dem französischen Stenographiesystem von Fayet und in dem deutschen von Rahm betreten war. Anlangend die Verbreitung der Arends'schen Stenographie in Deutschland, so ist die Zahl richtiger 2639 statt 4000 ordentliche Mitglieder. Betreffend die Stärke des süddeutschen Bundes, so mag ja ein Zuwachs zugegeben werden, aber dann wird es mit dem „mehr als doppelten" nicht so schlimm sein; bei dem Zuwachs werden wohl noch Umstände ins Gewicht fallen, deren Erörterung nicht hierher gehört. Hinsichtlich der Erlernbarkeit der Stenographie und namentlich der Arends'schen in 4 und noch weniger Stunden, mag nur bemerkt sein, daß das einem urtheilsunfähigen Laien wohl glauben zu machen ist, aber nicht gebildeten oder stenographiekundigen Personen. Noch kein Systemerfinder hat es gewagt zu behaupten, daß sein System in 4 und noch weniger Stunden erlernbar sei. Es sollte bei solchen Behauptungen wirklich nicht Wunder nehmen, daß, wenn die Menschen mit einer noch zu erfindenden Stenographielymphe geimpft und diese alles andere Stenographiegift aufgesogen hat, die Menschen schon mit der Kenntniß der Stenographie dieser Lymphe geboren und dann von der Pflege des Lernens erlöst sein würden. — Endlich rechnet man — dem vorgestrigen Artikel nach — anscheinend die sich gewöhnlich auch Parlamentsstenographen nennenden Personen, welche auf der Tribüne der Parlamente sitzen, auch zu diesen. Wenn dem so ist, so ist nur eine der Reklame günstige Verwechselung zu tonftatiren. In Wirklichkeit sind Parlaments- stenographen aber nur die amtlich bestellten Stenographen, denen die Aufnahme der Verhandlungen obliegt; deren sind es im deutschen Reichstage 6 Gabelsbergianer und 8 Stolzeaner, im preuß. Landtage und Herrenhause ausschließlich Stolzeaner, in letzterem nur 1 Gabelsbergianer. Alle übrigen stenographisch thätigen Personen sollten sich, um Verwechselungen vorzubeugen, besser Journalisten-Stenographen nennen.
Schiffsbericht.
Der Dampfer „Venetia", ist von Stettin am 4. Oktober, 9 Uhr abends, wohlbehalten in New-Dort eingetroffen.
Marktbericht.
Hanau, 6. Oktober, 9^2 Uhr vormittags. Lebensmittelpreise folgende: Geflügel: Tauben, das Pärchen 70 Pfg.; ein alter Hahn 1 bis 1,20 Mk.; ein junger Hahn 70—80 Pfg.; ein Huhn 1—1,20 Mk.; eine Ente 2,50 Mk.; eine Gans 3,20—4 Mk.; Fische: gewöhnliche Sorte 30 Pfg., bessere Sorten 40 Pfg., Aal 1 Mk., Hecht 1—1,10 Mk., Barsch 60 Pfg., Frische holl. Schellfische 30 Pfg. — */□ kg; Gemüse: Merrettig, die Stange 12—20 Pfg.; Blumenkohl, das Stück 25—45 Pfg.; Kopfsalat, das Stück 6-8 Pfg.; Endivien, das Stück 8-10 Pf.; Rettig, das Stück 6—8 Pfg.; Ober-Kohlrabi, das Stück 3—5 Pfg.; Wirsing, das Stück 8—10 Pfg.; Weißkraut, das Stück 10—20 Pfg.; Rothkraut, das Stück 10—25 Pfg.; Sellerie, das Stück 10—15 Pf.; Gurken, das Stück 5—10 Pfg.; Gelbe Rüben, das Bund 10 Pfg.;