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hanaim Anzeiger.

Zugleich

Amtliches ^rgcm für Stcröt- und LcmöLreis ^anau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Rr. 230.

Dienstag den 2. Oktober

1894.

Amtliches, ^anö^rei^ ^anau.

Bekannturachungen des Königlichen Landrathsamtes. Betrifft: Fertigstellung und Nutzbarwerdung von Gebäuden «. s. w., zu deren Aufführung nach dem 1. April d. I. die Erlaubnis; ertheilt worden ist.

»Einer Anregung aus der letzten Bürgermeisterversammlung Folge gebend, bestimme ich zur Vermeidung des Schreibwerks in Abänderung der diess. Verfügung vom 8. September d. J. V. 7699, abgedruckt im Hanauer Anzeiger Nr. 213, daß vom 1. Oktober d. I. ab zum 25. März und 25. September eines jeden Jahres eine Nachweisung der vom vorher­gehenden 1. Oktober bezw. 1. April ab fertiggestellten und nutzbar gewor­denen Gebäude rc. durch die Herren Ortsvorstände mir einzureichen ist. Diese Nachweisung ist nach dem in meiner Rundverfügung vom 13. Juni d. I, V. 5056 enthaltenen Formular zum Baugestattungsverzeichniß ein­zurichten.

Bezüglich derjenigen Gebäude rc., welche nach Einreichung der ge­nannten Nachweisung in der Zeit vom 25. März bis 1. April bezw. vom 25. September bis 1. Oktober fertiggestellt werden, ist indesfen stets be­sonders zu berichten und zwar alsbald nach der Fertigstellung rc. des betr. Gebäudes rc.

Die Bestimmung, daß in den formularmäßigen Baugenehmigungs­anträgen der Zeitpunkt der voraussichtlichen Fertigstellung möglichst bestimmt angegeben werden soll, wird durch diese Verfügung nicht berührt.

Hanan am 24. September 1894.

Der Königliche Landrath

V. 8159 v. Oertzen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Entsprungen zu Großkrotzenburg am 28. v. Mts. ein Rind (Rothscheck).

Verloren: Ein goldener Anhänger, auf der einen Seite Camöe (Kopf), auf der anderen Seite schwarz, weißer Stein mit Monogramm F. W. eingravirt. Eine schwarzseidene Arbeitstasche mit Häkelei. Eine helle Herrnweste.

Gefunden: Ein weißes Taschentuch mit Monogramm. Ein Krankenkassenbuch mit der Aufschrift Otto Rauscher. Zwei Briefmarken (von der Post). Eine helle Herrnweste. Eine Peitsche. Ein goldenes Kreuz mit Kettchen. Ein schwarzer Kinderkragen. Ein Kinderlatz. Ein Hundemaulkorb.

Hanau am 2. Oktober 1894.

Demokratischer und freisinniger Schuh gegen Umsturz­bestrebungen.

Während die freisinnige Volkspartei in Eisenach ihren Parteitag ab­hielt, war die deutsche Volkspartei in Aschaffenburg zu einem Parteitag versammelt. Letztere rekrutirt sich namentlich aus Süddeutschland; sie nennt sich auch demokratische Partei. Beide Parteien haben sich gleich nach Be­gründung der freisinnigen Volkspartei die Hand gereicht, indem der Führer der letzteren Eugen Richter und der Führer der deutschen Volkspartei Paper in einem gemeinsamen Aufruf ihre Einigkeit in politischen Anschauungen bekundeten. Sind die Parteien auch nicht verschmolzen, so gleichen sie sich doch wie ein Haar dem andern. Das hat sich auch jetzt wieder gezeigt; sie haben sich nicht nur gegenseitig antelegraphirt und beglückwünscht, sie haben auch Proben gleicher Gesinnung und politischer Auffassung abgelegt.

Die demokratische Volkspartei hat direkt zu der Frage des Kampfes gegen die Parteien des Umsturzes Stellung genommen und feierlich ihre Ueberzeugung dahin ausgesprochen, daß der beste Schutz gegen Umsturz- bestrebungen in der Entwickelung der freiheitlichen Einrichtungen liege. Mit anderen Worren, je mehr Freiheit der Einzelne hat, desto weniger Zei ein Umsturz zu befürchten. Wir können uns in Deutschland aber keines­wegs über einen Mangel an Freiheiten jeglicher Art beklagen und brauchen in dieser Hinsicht keinen Vergleich mit den hauptsächlichsten anderen Staaten zu scheuen. Tas Maß von Freiheit indeß, das dort wie hier herrscht, hat

thatsächlich bisher keinen Schutz gegen Umsturzbestrebungen gebildet, und gerade Länder, die von der freisinnigen Demokratie als Muster freiheitlicher Einrichtungen hingestellt werden, wie Frankreich und die Vereinigten Staa­ten von Nordamerika, haben noch weit stärkere Auswüchse des Anarchismus bei sich erlebt, als diejenigen, in denen das Königthum noch als eine Heil, Segen und Ordnung bringende Gewalt empfunden wird. Der Schluß ist wohl gestattet, daß wenn wir unsere Freiheiten noch erweitern wollten, wir noch viel schlimmere Erfahrungen mit den Umsturzbestrebungen machen würden als bisher.

Das in Eisenach beschlossene Programm der freisinnigen Volkspartei ist nicht weniger aus die freiheitliche Ausgestaltung unserer Einrichtungen bedacht. Aber noch mehr, man hat sich dort die Freiheit genommen, den freiheitlichen oder freisinnigen Anschauungen einen beredten Ausdruck zu geben in Worten, welche den umstürzlerischen Elementen ebenso Wasser auf die Mühle sein werden, wie sie auf die Parteien der staatlichen und ge­sellschaftlichen Ordnung einen wahrhaft betrübenden Eindruck machen müssen.

Jeder kennt die bedeutungsvolle Rede, welche unser Kaiser am 6. September in Königsberg gehalten hat. Der Abg. Richter hat es nun für angemessen gehalten, die Hauptstellen dieser Rede als Stichworte für seine Tisch- und Kommersreden zu benutzen. So eignet er sich das historische Königswort von dem roclier de bronce für seine Partei an, die als ein solcheralle Autorität derjenigen ruiniren solle, welche oben oder unten, rechts oder links von uns danach trachten, ein Stück Staats­macht auszubeuten für Sonderinteressen." Weiter spricht er von einer Noblesse" der Gesinnung, durch die er und seine Parteisich obligirt halten". Er nimmt für sich und die Seinen in Anspruch, eine Adelsge­nossenschaft zu bilden, wie sie allein im Geist unseres Jahrhunderts Be­rechtigung habe. Aber sie solle sich nicht alsSchmarotzergewächs" empor­ranken, sondern selbst als kräftiger lebensvoller Baum gelten. Und am folgenden Tage, um zu zeigen, daß er sich mit einer derartigen Behandlung der Kaiserlichen Rede noch nicht genug gethan habe, hielt er eine Tischrede, die mit den Worten schloß:Deutscher Bürger, werde hart, und laß Dir nicht schmälern den Einstuß auf das Staatswesen, auf den Du ein Recht hast nach dem Maß Deiner Intelligenz, Deiner wirtschaftlichen Tüchtigkeit und Deiner Opferwilligkeit für das Gemeinwesen; auch Du, deutscher Bürger, bist, was Du bist, von Gottes Gnaden!"

Auf diese Weise werden die edelsten und heiligsten Gefühle der Na­tion, die mit Ehrerbietung und Achtung auf die Königlichen Worte zu hören gewohnt ist, verspottet, und Begriffe, die mit der Königlichen Würde verbunden und historisch sanktionirt sind, in einer Tischrede verwendet. Jeder Kommentar hierzu ist überflüssig.

Tagesschau

Berlin, 1. Okt. Seine Majestät der Kaiser und König erfreuen Sich, wie demReichsanz." aus Rominten gemeldet wird, fortdauernd des besten Wohlseins. Allerhöchstdieselben wohnten gestern Vormittag dem Gottesdienst bei.

Berlin, 1. Okt. DerReichsanz." schreibt: Wie wir soeben er­fahren, ist gestern (Sonntag) früh eine größere Anzahl von Unteroffizieren, die zum Besuch der Oberfeuerwerkerschule hierher kommandirt waren, in Untersnchungshaft nach der Festung Magdeburg abgeführt worden. Es handelt sich dabei um die Ermittelung der Rädelsführer und Theilnehmer an groben, auf dem gedachten Institut vorgekommenen Ausschreitungen . gegep die Gesetze der militärischen Unterordnung.

Berlin, 1. Okt. Ein Erlaß des preußischen Handelsministers regt an, wenigstens in allen Städten von mehr als 10 000 Einwohnern Ar­beitsnachweisebureaus ins Leben zu rufen. Die Einrichtung Jod zunächst den Gemeinden obliegen, doch wird ins Auge gefaßt, daß sie nach und nach in eine organische Verbindung mit einander treten. Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß eine solche Maßregel, um dem Uebel der Ar­beitslosigkeit zu steuern, von großer Bedeutung wäre.

Berlin, 1. Okt. Der Verein zur Förderung des Deutschthums in den Ostprovinzen hat sich am Samstag gebildet. Die aus allen Theilen der Provinz beschickte Versammlung einigte sich dahin, daß der Verein sich alles Eingreifens in die politischen und kommunalen Wahlen enthalten und