LbounemeutS» Preis:
JSbrlich 9 °â Halbj.4â50^.
Vierteljährlich 2 °« 25 A
Mr auswärtig« Nbonnevten mit dem betreffenden Postauffcblag.
Die einzelne Rümmer 10 ^.
anitncr Änitiger
Zugleich
AwttrcHes Hvgarr Mr KtaHt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
J»serti«rs- Preis:
Die Ispoltrgr Garmondzeile oder betetr Stanm
10 A
Die^^. Zeile 16 A
DieLspaN. Zeile 20 A
Die SPalt. Zeile 30 ^.
Kr. 226.
Donnerstag den 27. September
1894.
Amtliches.
Diensmachrichten aus dem Kreise.
Entlaufen: Ein rother Spitz.
Verloren: Eine goldene Broche mit Monogramm J. B. Ein Gebund Schlüssel.
Gesunden: Ein Kinderschuh. Ein Hundemaulkorb. Ein Gebund Schlüssel (4 Stück).
Hanau am 27. Septeniber 1894.______________________________
^fadtRrew ^anau.
Bekanntmachungen des O berbürgermeisteramtes.
Diejenigen Militärpflichtigen hiesiger Stadt, welche bei dem diesjährigen Aushebungsgeschäfte zum Dienste im Heere oder in der Marine ausgehoben worden sind, werden hierdurch aufgefordert, sofort ihre Einberufungsordres auf dem städtischen Meldeamte, Rathhaus, Zimmer Nr. 2, in den Dienststunden von vormittags 8—12% Uhr und nachmittags von 5—6 Uhr in Empfang zu nehmen.
Die in den Händen der Militärpflichtigen befindlichen Urlaubspäsfe sind mitzubringen.
Hanau am 27. September 1894.
Der Oberbürgermeister Dr. Geb eschus.
Ochenttilüe Zihlmg ifes Gemeinlle-Russchujses
Freitag den 28. September er., nachmittags 5 Uhr.
Berathungsgegenstände:
Fortsetzung der pos. 1, 2, 3, 4, 5 der Tagesordnung vom 14. dieses Monats bezw. Beschlußfassung über:
1. Erhebung einer Kanalbenutzungsgebühr von 10% der Gebäudesteuer,
2. desgl. einer Jmmobiliar-Umsatzsteuer von 1%,
3. desgl. einer Hundesteuer von 15 bezw. 25 Mk.,
4. desgl. von 100% Zuschlag zur Staatseinkommensteuer,
100% „ „ Betriebssteuer,
100—125% „ „ Gewerbesteuer, 125% „ „ Grund- und Gebäudesteuer,
5. Nachverwilligung von Mk. 93.73 auf Titel II pos. 2 Stadtschloß, 6. Mittheilungen. 12545
Bauernfang.
_ Kürzlich wurde eine sozialdemokratische Parteiversammlung in Halle a. S. abgehalten. Zu den Gegenständen der Berathung zählte die Frage der Agitation unter dem Landvolk, eine Angelegenheit, wegen deren sich die Sozialdemokraten schon seit dem Erfurter Parteitage die größten Mühen, Kosten und Sorgen bereiten. In Halle sagte ein „Genosse" nach den Berichten dortiger Blätter: „Mit dem bisherigen Programme seien keine Fortschritte möglich, weil dasselbe die Verstaatlichung des Eigenthums fordere. Auf dem Lande habe man es zumeist mit kleinen Besitzern zu thun, welche, mit jeder Faser an dem Besitzthume hängend, sofort Front machen, sobald von einer Verstaatlichung des Eigenthums gesprochen werde. Um kleine bäuerliche Besitzer aus sozialdemokratische Seite zu ziehen, sei daher erforderlich, daß man den Bauern ihren Besitz sichere und sie auf einen gewissen Rentenweg verweise. Es sei den Bauern zu sagen: die Sozialdemokratie verlange Verstaatlichung der Produktionsmittel, nicht Abschaffung des Privateigenthums ; sei nun auch bäuerlicher Besitz Produktionsmittel, dann sei es damit anders; denn die Behörde könne Grund und Boden auf die einzelnen Dörfer vertheilen und auf dem Rentenwege nach und nach die gesammte Landbevölkerung in den Stand setzen, den gesummten Grund und Boden zu bebauen."
Bemerkenswerth an diesen Sätzen ist zunächst das erneute Einge- ständniß, daß die Sozialdemokratie bisher unter der Landbevölkerung — „auf den Dörfern" — _ so gut wie nichts auszurichten vermochte. Es ist auch richtig, daß an diesem Mißerfolge die Forderung der Abschaffung des Privateigenthums schuld ist; nur daß daran ebenso auch die Feindschaft der revolutionären und internationalen Sozialdemokraten gegen die religiösen, Familien- und vaterländischen Interessen Theil hat, durch die alles, was geistig und sittlich unverdorben ist auf dem Lande, mit Recht abgestoßen wird.
Die Mittel, die bisher hiergegen vorgeschlagen und angewandt worden sind, hatten alle das mit einander gemein, daß die Bekehrung der Bauern zur Umsturzpartei mit der Täuschung über die wahren Ziele der Sozialdemokratie beginnen sollte, d. h. daß sie auf dem gemeinsten Humbug beruhten. Das in Halle vorgeschlagene Mittel ist zwar neu, hat aber denselben schwindelhaften Charakter. Den Bauern soll vorgeredet werden, daß die Sozialdemokratie den bäuerlichen Besitz nicht abschaffen, sondern sichern wolle, und zwar auf dem Rentenwege. Allein der Eckstein der ganzen sozialistischen Lehre ist die Abschaffung alles und jedes Eigenthums an Produktionsmitteln; zu den Produktionsmitteln wird in erster Linie gerade der Grund und Boden gezählt und daher soll auch die große Umwälzung damit Beginnen,, daß aller Grundbesitz in die Verwaltung der kommunistischen Gesellschaft übergehe. Diese, das heißt irgend ein an der Spitze des Zukunftsstaates stehender Bebel oder Singer, bestimmt dann, wo, was und von wem produzirt werden soll. Andererseits ist auch der Rentenweg mit der kommunistischen Lehre vollkommen unverträglich, ja er schlägt ihr ins Gesicht. Die Kommunisten wollen ja gerade alle Arten von Rente abschaffen, alles Produzirte soll Gemeingut, jeder Lohn für besondere Tüchtigkeit und Sorgfalt abgeschafft sein, und Bebel verlangt sogar, daß alle Genossen alternirend, d. h. umschichtig, bald in diesem, bald in jenem Zweige, die nöthige Arbeit verrichten sollen. Wo bleibt der „Rentenweg", wo die Sicherheit des Bauern, auf seiner Scholle zu leben und zu sterben?
Es wäre ein Leichtes, die ganze Widersinnigkeit der Flunkerei, mit der man nun an die Landleute herantreten will, im Einzelnen nachzuweisen. Das wird aber nicht hindern, daß auch dieses Mittel versucht werden wird. Mit der Wahrheit dürfen die Sozialdemokraten eben vor unseren Bauern nicht herausrücken, sie sind auf solche Schliche des Bauernfangs angewiesen. Dem neuen Kunstgriff mag es aber gehen wie den früheren, — er wird an dem geraden Sinn der Landleute zu Schanden werden.
Tagesschau
Berlin, 26. Sept. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" haben folgende Mittheilung verbreitet:
„Ein in der Provinz ansässiger Herr sei vor einigen Wochen von dem Herrn Reichskanzler Grafen von Caprivi in Berlin gefragt worden, ob es jetzt nicht so weit wäre, daß polnische Landräthe in der Provinz Posen angestellt werden könnten. Es läge das in der Absicht Seiner Majestät und entspräche auch seinen, des Reichskanzlers, Wünschen. Auf die Entgegnung, daß man dann lieber gleich das Königreich Polen herstellen könne, habe der Herr Reichskanzler geäußert: das sei auch so ein Polenfresser, mit den Polen ließe sich sehr gut leben."
Diese Erzählung beruht von Anfang bis zu Ende auf Erfindung. (Reichsanz.)
Berlin, 26. Sept. Das Ergebniß der Untersuchung gegen den Kanzler Leist hat, dem „Hamb. Korr." zufolge, dessen Verhalten „durchaus nicht tadellos" herausgestellt, andererseits seien die Hauptpunkte der Beschuldigungen erfunden oder stark übertrieben. Die weitere Verwendung Lcist's sei jedoch undenkbar. Die Frage wegen Geheimhaltung der Verhandlungen sei noch offen.
Berlin, 25. Sept. Wenn in der Oeffentlichkeit die Frage aufgeworfen wird, ob in der nächsten Landtagsfession wieder eine Vorlage betreffs des Dortmund-Rhein-Kanals gemacht werden wird, so ist darauf hinzuweisen, daß bereits bei Berathung jenes Planes in der letzten Land- tagssesfion von dem Minister der öffentlichen Arbeiten eine weitere Verzögerung der Fortsetzung des Dortmund-Ems-Hafenkanals zum Rhein als die unausbleibliche Folge der Ablehnung der bezüglichen Vorlage bezeichnet werden mußte. Denn es ist angesichts des fortschreitenden Bergbaues sowohl, als der fortschreitenden überirdischen Bebauung mindestens zweifelhaft, ob die in erster Linie ins Auge gefaßte Süd-Emscher Linie noch für diese Wasserstraße gewählt werden kann. Es ist daher unerläßlich, daß mit der Beschaffung sicheren thatsächlichen Materials zur Beantwortung der bei Berathung des Planes aufgeworfenen allgemeinen Fragen neben der Süd-Emscher Linie noch die anderen für jene Wasserverbindung in Frage kommenden Linien und zwar sowohl die eigentlichen Kanallinien, wie die schon bei den Verhandlungen des Landtags besonders betonte und neuerdings wieder mehr in den Vordergrund getretene Kanalisirung der Lippe