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Tagesschau

Berlin, 24. Sept. DerReichs- u. Staatsanz." veröffentlicht die Allerhöchste Verordnung zur Ausführung des Artikels 3 des inter­nationalen Vertrags zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See. Vom 20. August 1894.

Berlin, 24. Sept. Wie aus Thorn berichtet wird, hob der Erste Bürgernreister in der Ansprache, mit der er am Sonnabend bei dem Ein­zug Seiner Majestät des Kaisers und Königs in die Stadt Allerhöchst- dieselben begrüßte, hervor, daß zum ersten Mal ein Deutscher Kaiser und seit vierzig Jahren zum ersten Mal ein König von Preußen die Stadt Thorn besuche, welche stets eine deutsche Stadt gewesen sei und nicht hinter Marienburg zurückstehe. Thorn habe auch unter einer dreihundertjährigen Fremdherrschaft sein Deutschthum bewahrt. Der Bürgermeister schloß mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser. Seine Majestät erwiderten die Ansprache huldvoll, dankten für die prachtvolle Ausschmückung der Stadt und beauftragten den Bürgermeister, Allerhöchstseinen Dank der Bürgerschaft zu übermitteln.

Berlin, 24. Sept. Reichstagsabgeordneter Professor Paasche- Marburg erklärt in derNationalliberalen Korrespondenz", die Nachricht, er beabsichtige das akademische Lehramt niederzulegen, für durchaus unbe­gründet.

Berlin, 24. September. Die Huldigungsfahrt der Deutschen aus der Provinz Posen nach Varzin scheint eine bleibende Wirkung ausüben zu sollen. Wie derVoss. Ztg." aus Posen gemeldet wird, beabsichtigen die Herren Kennemann Klenka, von Ticdemann-Secheim und von Hanse- mann-Pempowo, die dem Ausschuß für die Varziner Huldigungsfahrt an­gehört haben, einenVerein zur Wahrung der deutschen Interessen in der Provinz Posen" zu gründen. Es seien bereits vorbereitende Schritte für das Jnslebentreten eines derartigen, über die Grenzen der Provinz Posen hinaus auszudehnenden Vereins gethan. Die obigen Herren erklären ferner, daß der Aufruf des Bundes der Landwirthe zur Gründung des obigen Vereins mit den Leitern des das gesammte Deutschthum der Pro­vinz darstellenden Bismarckkomitees keine Fühlung genommen haben.Wir sehen hierin", heißt es dann wörtlich,den bedauerlichen Versuch, eine allgemeine deutsche Bewegung, welche in der Varziner Fahrt einen markigen Ausdruck gefunden hat, unter den führenden Einfluß einer bestimmten wirthschaftlichen Interessengruppe zu bringen.

Berlin, 25. September. Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisen­produktion des Deutschen Reichs (einschl. Luxemburgs) im Monat August 1894 auf 489 211 £o.; darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 133 266 To., Besscmerroheisen 37 023 To., Thomasroheisen 239 466 To., Gießcrei- roheisen-7-9 456 Tonnen. Die Produktion im August 1893 betrug 420 949 To., im Juli 1894 476 894 To. Vom 1. Januar bis 31. August 1894 wurden produzirt 3 615 176 To. gegen 3 236 690 To. im gleichen Zeit- raum des Vorjahres.

Berlik, 25. September. Zum Themasozialdemokratische Bauern­fänger" liefert der Offenburger Volksfreund, ein Organ der badischen Sozialdemokratie, folgenden Beitrag:Schließlich wollen wir auf einige Ungeschicklichkeiten Hinweisen, die von jungen, unerfahrenen Parteigenossen bei ihren Sonntagsausflügen aufs Land gemacht werden. Wir meinen das Absingen beleidigender oder auf den: Land nicht richtig zu verstehender Lieder, das Schimpfen über alles Mögliche, namentlich über Sachen, wo­von die jungen Herren in der Regel blutwenig verstehen re. Hierdurch kann die segensreiche Thätigkeit erfahrener Genossen sehr in Frage gestellt werden. Solche Elemente mögen lieber zu Hause bleiben, dort etwas ordentliches lesen, oder sich unter die Obhut älterer Genossen begeben.

DasKöln. Tgbl." schreibt; Die Verhandlung gegen den Kanzler Leist, welche am 16. Oktober vor der Disziplinarkammer be­ginnen, wird, wie verlautet, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit wird nicht nur - aus Sittlichkeitsrück­sichten, sondern auch im Interesse des Deutschen Reiches im allgemeinen erfolgen. Gegen Assessor Wehlau wird eine Diziplinarverhandlung über­haupt nicht stattfinden, da derselbe von der Bestimmung des § 100 des Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der Reichsbeamten, Gebrauch ge­macht nnd seine Entlassung aus dem Reichsdienst mit Verzicht auf Titel­gehalt und Pensionsanspruch nachgesucht hat. Kanzler Leist ist auf Grund des 8 72 dieses Gesetzes angeklagt, weil er gegen die §§ 10 und 13 verstoßen hat, die bestimmen, daß jeder Rcichsbeamte die Verpflichtung hat, das ihn: übertragene Amt der Verfassung und den Gesetzen entsprechend gewissenhaft wahrzunehmen und durch sein Verhalten in und außer dem Dienste der Achtung, die sein Beruf erfordert, sich würdig zu zeigen hat, sowie, daß er" für die Gesetzmäßigkeit seiner amtlichen Handlungen ver­antwortlich ist.

Die Wirkungen des deutsch-russischen Handelsvertrags sind für die großen Maschinenwerkstätten in Chemnitz schon recht erfreu­liche gewesen. Die Aufträge von Rußland sind zahlreich eingegangen, und selbst wenn es sich um Lieferungen handelt, die in Rußland zu gleichem Preise zu erlangen sind, zieht es der russische Käufer vor, in Deutschland zu bestellen, weil er bei den deutschen Werken auf Zuverlässigkeit in der Ausführung und namentlich auch in der Lieferzeit rechnen kann.

Wittenberg, 24. Sept. Seine Majestät der Kaiser und König hat, nach demReichsanz.", mit Allerhöchstseiner Vertretung bei der am 31. Oktober, vormittags 11 Uhr, stattfindenden Enthüllung des vor der Schloßkirche aufgestellten Kaiser Friedrich-Denkmals den Generaladjutanten, Generallieutenant von Winterfeld beauftragt. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich hat auf die Einladung zu der Enthüllung dem Denkmalskomitee zu Händen des Hofbuchhändlers Wunschmann Allerhöchstihren Dank aus­gesprochen und, da Ihre Majestät an dem Tage verhindert ist, Allerhöchst­ihren späteren Besuch in Aussicht gestellt.

Breslau, 24. Sept. Nach einer amtlichen Meldung des Regie­rungspräsidenten fuhren im Waldenburger Ausstandsgebiet bis auf einen kleinen Theil sämmtliche Arbeiter ein. Der Ausstand ist daher beendet.

Köln, 24. Sept. Die vier größten Salondampfer der Köln- Düsseldorfer DampfschifffahrtsgesellschaftDeutscher Kaiser",Wilhelm, Kaiser und König",Humboldt" undFriede" werden mit dem 1. Okt. d. I. ihre Schnellfahrten um 6 Uhr und halb 8 Uhr von Köln nach Mainz einstellen. Dieselben werden von den kleineren Booten aus- gesührt.

Düsseldorf, 23. Sept. Gestern Nachmittag 5 Minuten vor 1 Uhr stürzte ein im Neubau begriffenes Haus in der Kaulbachstraße ein und begrub drei Personen unter den Trümmern, wovon ein Handlanger getödtet wurde. Die andern zwei Personen wurden so schwer verletzt, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt. Sie fanden Aufnahme im Hospital.

Bochum, 23. Sept. Eine seltene Festfeier veranstaltet der Bo­chumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation am 24. Oktober seinen sämmtlichen Arbeitsjubilaren, ca. 300 an der Zahl. Die Festlich­keit, an welcher die gesammte Arbeiterschaft des Werkes theilnehmen soll, findet in dem großen Speisesaale des Kosthauses statt, der ca. 3000 Per­sonen saßt. Es ist vorgesehen, die Jubilare mit werthvollen Geschenken zu bedenken, bestehend in werthvollen goldenen Uhren. Die zahlreichen Beamten des Werkes werden es ferner mit Freuden begrüßen, daß zu ihrem Wohle von der Direktion die Errichtung einer Pensions- und Witt- wenkasse vorgesehen ist. 100 000 M. sollen von leitender Stelle für diese Wohlsahrts-Einrichtnng schon zur Versügung sein.

Bochum, 23. Sept. Eine schreckliche Blutthat wurde in ver­flossener Nacht in unserer Stadt verübt. Eine Frau ging mit ihrem Bruder des nachts um 12 Uhr zur Bahn, um Verwandte abzuholen. Weil man dachte, der Besuch hat Gepäck mitgebracht, nahm man einen Handkarren mit. Von der Bahn begab man sich in die Wirthschaft von Wasmut, um auf das Wiedersehen ein Glas Bier zu trinken. Als die Frau nach dem Karren sehen wollte, wurde sie von sechs jungen Burschen belästigt, die, als die Frau sich das energisch verbat, sie mit Messern über­fielen, ebenso den hinzukommendcn Bruder. Die Frau sank, tödtlich ge­troffen, leblos nieder, der Bruder wurde lebensgefährlich verwundet ins katholische Krankenhans gebracht. Die sechs rohen Burschen wurden in der Nähe von Bochum, zwischen Hofstede und Ricinke, eingefangen. Heute wurden sie geschlossen zum katholischen Krankenhause geführt, um dem Sterbenden vorgestellt zu werden. (K. Tbl.)

Aus Schlotheim wird derMgdb. Ztg." geschrieben: Die aus­ständigen Seiler haben, ohne daß sie einen Vortheil errungen haben, be­schlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Hauptgrund zur Beendigung des Ausstandes war, daß von der sozialdemokratischen Partei und ihrer Unterstützungskasse keine Gelder mehr aufgebracht wurden. Die Zahl der Ausständigen hat 156 betragen; der Ausstand dauerte neun Wochen.

Kiel, 24. September. Prinz Heinrich schob seine Reise nach Eng­land auf. Er wohnte heute in der Marinegarnisonskirche der Enthüllung der vom Kaiser gestifteten Gedächtnißtafel zu Ehren der auf derBrandenburg" Verunglückten bei. Oberpfarrer Langheld hielt die Weiherede. Der Kom- mandant derBrandenburg" dankte für die kaiserliche Ehrung. Viele Offi­ziere und Deputationen aller Marinctheile wohnten der Feier bei.

Kiel, 24. Sept. Bei der Enthüllung der Gedächtnißtafel sprach, nach demRH.K.", Prinz Heinrich solgende Worte: Kameraden! Ein ernster, aber zugleich ein freudiger Augenblick ist für uns gekommen, ernst, denn er erinnert an den Tod so vieler braver Leute, erfreulich, weil er uns zeigt, wie Se. Majestät unser allergnädigfter Kriegsherr für seine Marine sorgt und ihre Lebensthätigkeit bis in die genauesten Einzelheiten kennt und gewissenhafte Pflichttrenc zu loben weiß. Ich will hier ausdrücklich die Worte Sr. Maj. des Kaisers wiederholen, welche er unmittelbar nach jenem Unglücks­falle auf derBrandenburg" ausgesprochen hat: Ich halte dafür, daß die Männer auf derBrandenburg" nicht gestorben sind, sondern auf dem Felde der Ehre den Heldentod gefunden haben." Es möge denn diese Gedenktafel, welche Se. Maj. der Kaiser, unser allergnädigfter Kriegsherr, dem Andenken der auf derBrandenburg" verunglückten pflichttreuen Männer gewidmet hat, eine Mahnung für alle Zeiten sein zu unentwegter Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue im allerhöchsten Dienste. Im Auftrage Sr. Maj. des Kaisers und Königs übergebe ich nunmehr die von ihm allergnädigst gestiftet Denktafel der Kirche.

Karlsruhe, 24. Sept. Der Verband deutscher Gewerbevereine hielt im Rathhaussaale seine dritte Hauptversammlung ab. Namens der Regierung begrüßte Ministerialrath Braun, Namens der Stadt Ober­bürgermeister Schnetzler die zahlreiche Versammlung. Kunstgewerbeschul-