* Diebstahl. In einem Spieluhrengeschäft der Sterngaffe erschien gestern ein Mann, welcher sich Rumpf nannte, zwecks Ankaufs einer Spieluhr. Da über die Höhe des Preises eine Einigung nicht erzielt wurde, so konnte ihm eine Spieluhr auch nicht verabfolgt werden. Als nun die Inhaberin des Geschäfts sich auf kurze Zeit entfernte, benutzte der Käufer die Gelegenheit, von dem offenen Ladentisch eine Spieluhr im Werthe von 10 Mk. sich anzueignen und damit Reißaus zu nehmen. Er erfreute sich jedoch nicht lange seines Raubes, denn er wurde, nachdem man seine Person als den in Großauheim wohnenden Dienstknecht Rumpf festgestellt hatte, bald darauf in seinem Wohnorte sestgenommen. Die Uhr wurde bei ihm noch in Besitz gefunden.
* Herbstanfang. Morgen, am 23. September, gibt der Herbst seine Visitenkarte ab. Es soll uns dies daran erinnern, daß wir nunmehr in einen Abschnitt des Jahres getreten sind, wo es vorbei sei mit der sommerlichen Pracht der Natur, wo wir angewiesen seien auf die „vier Wände", auf die Region des häuslichen Herdes. Eigentlich hatte der ganze Sommer einen fast herbstlichen Anstrich und namentlich die Landwirthe haben viele Sorgentagc gehabt, ein Trost, für sie ist es noch, daß zuletzt der Schaden dennoch nicht so bedeutend geworden ist als es anfänglich erschien. Vorläufig beglückt uns noch Frau Sonne mit ihrem gewinnenden Lächeln und so wollen wir hoffen, daß uns der Herbstanfang einen schönen Nachsommer bescheert.
* Der „Segen der Konkurrenz". Welch wunderbare Blüthen die Konkurrenz treibt, zeigen wieder einmal in recht auffallender Weise zwei Inserate in der „Genthiner Ztg.". In derselben empfiehlt eine Schuhwaarenfabrik lederne Damenzugstiefel für 2.20 Mk., Herrenzugstiefel für 3.20 Mk. und berechnet für das Besohlen und Beflecken der von ihr gekauften Schuhwaaren, für Kinderstiefel 15—40, Mädchen- und Knabenstiesel 50—70, Damenstiefel 80 Pfg., Herrenstiefel 1.20 Mk. — Auf derselben Seite aber steht folgendes Inserat von einem Geschäftsnebenbuhler: „Achtung! Noch billiger als billig! Herrenstiefelsohlen und -Absätze von 1.10 Mk. an und eine Zigarre zu; Damenstiefelsohlen und -Absätze von 75 Pfg. an und eine Zuckerzigarre zu."
* Stadt. Bibliothek. Zur kostenlosen Verleihung und Benutzung der Bücher geöffnet Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr (Bangertstraße 2, eine Treppe hoch, im sog. „alten Stadthaus").
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetterauischen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis 1 al Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.
Für heute. Kunstverein: In der Aula Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Oelgemälden moderner Meister; geöffnet von vormittags 10 bis 5 Uhr nachmittags; Eintritt für Nichtmitglieder 20 Pfg. — Kathol. Kasino „Eintracht" : Abends 8 Uhr Festkommers in der „Centralhalle" ; Rede des Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Lieber. — Turn- und Fechtklub: Abends 8V2 Uhr Fechten. — Allgem. christl. Arbeiterverein: Abends 9 Uhr gemüthliche Zusammenkunft im Vereinslokal „Brauerei Weismantel".
Für morgen. Gesangverein der Johanniskirche: Vormittags 11 Uhr Probe in der Kirche.
Versteigerungs- & Verpachtungs- re. Kalender für Montag den 24. September.
Vormittags 10 Uhr werden auf dem Exerzierplätze dahier ungefähr 30 überzählige Pferde des Ulanen-Regiments Nr. 6 meistbietend verkauft. — Ebenfalls vormittags 10 Uhr soll im Gasthause „zum Löwen" in Windecken die Fischerei in der Nidder, im Krebsbach und im Braubach aus weitere 6 Jahre verpachtet werden (s. Nr. 221 „Han. Anz."). — Von nachmittags 2 Uhr an sollen Sandgasse 21, Neust., wegzugshalber verschiedene Mobiliar- und andere Gegenstände durch den Auktionator und Taxator Herrn C. Meerbott gegen Baarzahlung meistbietend versteigert werden.
t. Hochstadt, 22. Septbr. (Ein Rabe als Papagei.) Auf dem Lande, wo die Rabenplage gewiß am Meisten fühlbar ist, werden von
der Kinderwelt im Frühjahr sehr viele Jungen eingefangen und befinden sich dann unter dem Geflügel in den Bauernhöfen ganz wohl. So befindet sich auch ein solcher Rabe bei dem Landwirth Philipp Manke l in Hochstadt, der nunmehr ca. 3 Jahre alt ist und mit dessen Erziehung sich besonders die Kinder befaßt haben. Ohne daß demselben die Zunge gelöst wurde, hat er das Sprechen wie ein Papagei gelernt. Bevor er morgens aus seinem Kasten gelassen wird, hört man ihn schon rufen: „Jakob komm", ist dann aufgemacht und ist er in der frischen Luft, so ist sein Morgengruß: „Wartemol! Dickkopp! und so päppelt er den ganzen Tag.
Inserate.
Ein engl. Schlüssel verloren. Abzugeben in der Expedition._________________________12298
Alteingeführte große Margarinefabrik „mit allerneuesten Einrichtungen, deren unübertroffene Fabrikate kürzl. auf groß. Ausstell, g. allererste Konkurr. allein m. höchstem Preise prämiirt wurden, s. tücht. bei beff. Kundsch. eingef. Vertreter. Wo nöthig, w. Lag. err. Off. erb. u. H 3 durch G. L. Daube & Co. in Köln a. Rh.
KihlkN-NtttM ZMM.
Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Donnerstag den 27. September, abends 8Ur Uhr die Vorstandswahl stattfindet.
Der Vorstand.
NB. Jedes Mitglied hat in seinem Kaffenlokal
zu wählen.
12250
t. Bischofsheim, 22. Septbr. (Weinernte.) Die Trauben sind in unseren Weingegenden Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt re. noch sehr zurück und es steht in diesem Herbste keine gute Lese bevor. Die Quantität wird nicht die Hälfte wie im vorigen Jahre geben und die Qualität läßt bis jetzt viel zu wünschen übrig.
G Langenselbold, 21. Septbr. (Bemerkenswerth.) Es sei gestattet, an dieser Stelle von einem Vorkommniß zu berichten, das gewiß in den Sängerkreisen unserer Umgegend mit Interesse vernommen werden wird. So saß am vergangenen Sonntag Nachmittag in der Friedrich Kraus'schen Gastwirthschaft dahier eine heitere Gesellschaft zusammen. In derselben befand sich auch der 89 Jahre alte hiesige Schneidermeister Peter Reinstädt, welcher nebst einigen anderen Anwesenden dem in den 70er Jahren hier bestehenden „Singverein" angehörte. Es wurden nun einige von den zu jener Zeit von dem genannten Vereine besonders gepflegten Volksliedern angestimmt und diese begleitete der 89jährige Greis im Tenor zur Bewunderung aller Anwesenden mit denselben prächtigen Stimmmitteln, wie er sie auch in der früheren Zeit (in den 70er Jahren) zu entfalten in der Lage war. Gewiß ein Zeichen besonderer Frische und Rüstigkeit in einem solch hohen Alter!
Cassel, 21. Septbr. (Verstorben). Wieder ist eine Lücke in der Reihe der ehemaligen kurhessischen Offiziere eingetreten. Es verschied nämlich hier der Oberst z. D. Hugo von Goddaeus, Großherzoglich sächsischer Kammerherr, Rechtsritter des Johannitterordens.
Bad Orb, 22. Septbr. (Generalversammlung der Kinderheilanstalt.) Für nächsten Montag den 24. d. Mts, nachmittags S1^ Uhr, werden die stimmberechtigten Wohlthäter der Kinderheilanstalt zu Bad Orb zu einer Generalversammlung nach der genannten Anstalt eingeladen.
Marburg, 21. Septbr. (Berufung). Herr Universitätsmusikdirektor Professor Barth wird einem höchst ehrenvollen Rus als Direktor der Philharmonischen Gesellschaft in Hamburg Folge leisten und unsere Hochschule verlassen. Es bedeutet sein Weggang einen geradezu unersetz- licben Verlust für das musikalische Leben unserer Stadt. Barth wird der Nachfolger von Julius von Bernuth, der ununterbrochen seit 1867 an der Spitze der Konzerte stand. Bernuth wird in diesem Winter nur noch die vier jährlichen Chorkonzerte der Musikakademie leiten.
Marktbericht.
Hanau, 22. September, 9l/a Uhr vormittags. Lebensmittelpreise folgende: Geflügel: Tauben, das Pärchen 50—70 Pfg.; ein alter Hahn 1—1,20 Mk.; ein junger Hahn 60 Pfg. bis 1 Mk.; ein Hnhn 1—1,20 Mk.; eine Ente 1,50—2 Mk.; eine Gans 3—4 Mk.; Fische: gewöhnliche Sorte 30—40 Pfg., bessere Sorten 40—50 Pfg., Aal 1,20 Mk., Hecht 1,10—1,20 Mk., Barben 60 Pfg., Barsch 60 Pfg. = Uz kg; Gemüse: Merrettig, die Stange 10—15 Pfg.; Blumenkohl, das Stück 20—25 Pfg.; Kopfsalat, das Stück 5—6 Psg.; Endivien, das Stück 5—6 Pf.; Rettig, das Stück 4—5 Pfg.; Ober-Kohlrabi, das Stück 2—3 Pfg.; Wirsing, das Stück 5—6 Pfg.; Weißkraut, das Stück 8—10 Pfg.; Rothkraut, das Stück 10—15 Pfg.; Sellerie, das" Stück 5—8 Pfg.; Gurken, das Stück 2—3 Pfg.; Gurken, zum Einmachen das Hundert 1,50 Mk.; Gelbe Rüben, das Bund 5—6 Pfg.; Neue Erbsen, die Portion 20—30 Pfg.; Neue Bohnen, die Portion 25—30 Pfg.; Rosenkohl, die Portion 30—40 Pfg.; Schwarzwurzeln, die Portion 30—40 Pfg.; Spinat, die Portion 20—25 Pfg.; Schmalzkraut, die Portion 10 Pfg.; Kartoffel, das Doppelliter 8—10 Pfg.; Obst: Trauben, 20—25 Pfg. das Us kg; Aepfel, 2 Stück 3 Pfg.; Birnen, 2 Stück 3 Pfg.; Zwetschen, das Hundert 10—12 Pfg.; Nüsse, das Hundert 30 Psg.; Pfirstsche, das Stück 1 Pfg.; Zitronen, das Stück 10 Pfg.; Paradiesäpfel, das Stück 2 Pfg.; Verschiedenes: Butter, das Pfund 1,05—1,10 Mk.; Käse, das 'Stück 4—5 Pfg.; Eier, das Stück 7—8 Pfg.; Zwiebel, das Doppelliter 20—25 Pfg.; Radieschen, das Bündel 3 Pfg.; Waizenmehl, 1. Sorte 19 Pfg., 2. Sorte 16 Pfg., 3. Sorte 14 Pfg. = Vs kg.; Stroh, 3,50—4 Mk. und Heu 2,50—3 Mk. = 50 kg. Buchenholz, 9 Mk. das Meter.
Schiffsbericht.
Der Hamburger Dampfer „Stubbenhuk", Kapitain Schmidt, ist am
19. September, 4 Uhr nachmittags, von Hamburg und Antwerpen wohlbe- - halten in Montreal eingetroffen.
Das Thüringische Ulanen - Regiment Nr. 6 kauft den Bedarf an Kartoffeln für seine Kochanstalten freihändig an. 11960
Angebote mit einer kleinen Kochprobe werden vom 24. September ab angenommen im Wirthschaftsgebäude der Kavallerie-Kaserne.
Ein gut erhaltener Sarmiger Lüster preis- würdig zu verkaufen 12019
Frankfurterstraße 22, 2. Stock.