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Nr. 221.
Freitag den 21. September
1894.
Amtliches.
^anölwcw ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher haben mir alle in ihren Händen befindlichen Quittungen über gestellten und nicht bezahlten Vorspann, über verabreichte Fourage und die Quartierbescheinigungen bis längstens zum 30, d. M. einzusenden oder Fehlanzeige zu erstatten.
Hanau am 18. September 1894.
Der Königliche Landrath
M. 4743 v. O ertzen.
Dienstnachrichtm aus dem Kreise.
Verloren: Eine silberne Damenremontoiruhr mit goldener oxi- dirter Kette; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 21. September 1894.
^fadf&rets ^artaitv
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf die stadträthliche Bekanntmachung vom 5. Juli 1892 bringe ich hierdurch zur Kenntniß, daß außer in den am 20. Juli 1892, 3. März, 19. Mai und 13. September 1893, sowie 3. März ■1894 veröffentlichten Straßen zur Zeit in folgenden Straßen die städtischen Siele betriebsfähig fertiggestellt sind und daher Hausanschlüsse an dieselben stattfinden können:
1) Bangert-Anlage,
2) Bangertstraße,
3) Kroße Dechaneigasse,
4) Kleine Dechaneigasse,
5) Eberhardstraße,
6) „Im Bangert",
7) Judengasse,
8) Lamboystraße,
9) Marktstraße,
10) Neugasse,
11) Paradeplatz, Nordseite, zwischen „Im Bangert" und Schirnstraße,
12) Paradeplatz, Ostseite,
13) Paradeplatz, Westseite,
14) Rappengasse,
15) Nebengasse, Altstadt,
16) Schirnstraße,
17) Steinheimerstraße zwischen Sterngasse und katholischen Kirche,
18) Verbindungsstraße zwischen Große Dechaneigasse und Marktstraße,
19) Hinter dem französischen Friedhof.
Hanau am 17. September 1894.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus. 12165
Der Kampf gegen die Parteien des Umsturzes.
; In der Rede, die unser Kaiser am 6. September in Königsberg gehalten, hat er am Schluß die Mahnung ausgesprochen, ihn im Kampfe Für Religion, Sitte und Ordnung gegen die Parteien des Umsturzes zu unterstützen. Hiermit ist die Lösung einer Hauptaufgabe für die nächste Zukunft in den Vordergrund gestellt, und hierzu Stellung zu nehmen ist Pflicht aller Parteien wie jedes Einzelnen.
Die Bestrebungen der Umsturzparteien sind die größte Gefahr, von der das Vaterland bedroht ist. Der Einzelne in dem engen Kreise seines Berufs, in den Nöthen und Sorgen des täglichen Lebens empfindet vielleicht nicht immer die ganze Größe der Gefahr; oft auch wird er sich in Sicherheit und Hoffnung wiegen, daß an der Stärke und Macht des Staates die Bestrebungen des Umsturzes abprallen und zerschellen werden. Vielleicht hält er auch die eigenen Schwierigkeiten des Lebens für so groß, daß er übersieht, wie der Grund und Boden, auf dem er steht und von dessen Bestand auch sein Gedeihen abhängt, unterwühlt wird. Manche Warnungsrufe sind schon ergangen; aber man hält die Sache für nicht so
schlimm, man stumpft — zumal wenn sich solche Warnungen wiederholen — dagegen allmählich ab. Nun aber ist es der Kaiser, der den Finger aus die^ Wunde legt und mit dem ganzen Gewicht seiner Königlichen Würde auf die Gefahr hinweist, die dem Staats- und Gesellschastsleben droht; — er wendet sich an sein Volk und fordert zum Kampf gegen die Gefahr auf!
Wer könnte da taub und unthätig bleiben? Wer könnte da noch sich seiner alten Gewohnheit hingeben, die Hände in den Schoß zu legen und Anderen die Sorge zu überlassen? Wer wollte da sagen, daß er sich nach wie vor nur den Kops über die wirthschaftlichen Verhältnisse zerbrechen, lediglich „ seinen Grundsätzen Geltung verschaffen und vor Allem danach sehen müsse, wo ihn der Schuh drücke?
Wolle Gott, daß die große Zeit, in der wir leben, und in der es sich um die Erhaltung und Vertheidigung unserer größten Güter handelt, nicht ein kleines Geschlecht finde! Wem Thron und Vaterland, Religion, Sitte und Ordnung theuer sind, der lasse seine Sorgen, die ihn bisher gequält und vielleicht in eine schiefe Lage gebracht haben, daheim und wappne sich mit seiner ganzen Königstreue und Vaterlandsliebe, um in dem Kampf, zu dem er gerufen, seinen Mann zu stehen. Fort mit den Streitigkeiten und Zänkereien zwischen den Parteien, die doch im Grunde einig sind in der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit, die Grundlagen unseres Staatslebens zu vertheidigen und zu erhalten! Fort mit dem Schmollen und Grollen über diese oder jene Maßnahme, die vielleicht nicht ganz. unserer Ansicht oder unserem Interesse entsprach! Jetzt gibt es für Patrioten keine andere Pflicht, als dem Kaiser zu folgen, der sie gerufen hat, alles Trennende bei Selle zu lassen, und in gemeinsamer Arbeit auf Abwehr bedacht zu sein. Für Patrioten, welcher Partei sie auch angehören, gilt jetzt nur ein Ruf: Mit Gott, für König und Vaterland!
Frisch, frei, fröhlich, fromm,
so lautet bekanntlich der schöne Wahlspruch der deutschen Turner, die die nationale Gesinnung hochhalten und in gesundem Körper auch eine gesunde Seele zu bewahren wissen. Wie aller Vereine, z. B. der Gesang- und Schützenvereine, so suchen sich aber die Sozialdemokraten auch der Turnvereine, deren nationale Gesinnung ihnen ein Greuel ist, zu bemächtigen. Bisher hatten sie da freilich keine Erfolge zu verzeichnen, und aus diesem Grunde hatten sie eigene Turnvereine gegründet. Was dabei aber herausgekommen ist, ist nur ein Zerrbild des deutschen Turnwesens, wie sich aus einem sozialdemokratischen Turnerliederbuch ergibt, in dem sich u. a. folgendes Lied findet:
„Frisch, fröhlich, frei, das wollen wir wahren, Die Frömmigkeit aber lassen wir fahren.
Und die patriotischen Schnurrpfeiserei'n
Die werfen wir lachend hinterdrein."
Mögen sie's thun, um so größer wird die Kluft, die sie von den deutschen Turnern trennt. Nun meint man aber, der Zweck der sozialdemokratischen Turnvereine wenigstens sei ebenso wie der aller Turnvereine — das Turnen; weit gefehlt! Wie die Herren darüber denken, zeigt folgender Vers:
„Drum macht es mir Vergnügen,
Daß ich ein Turner bin;
Doch turnet man in Riegen,
Da geh' ich selten hin.
Ich turne, wie die meisten
Der ganzen Turner hier,
Wenn es gilt, was zu leisten
Beim Turnen mit dem — Bier."
Man sieht, es ist in der That nur ein Zerrbild des deutschen Turnwesens, das uns hier vor Augen tritt; um so sicherer können wir darum aber auch sein, daß die Liebesmüh' der Sozialdemokraten um die Turner verloren ist und bleiben wird.
Tagesschau
Berlin, 20. Sept. Die Rede des Fürsten Bismarck beim Empfange des Massenbesuchs der Posener in Varzin hat wegen der Macht der darin angeschlagenen nationalen Akkorde den allgemeinsten Wiederhall im deutschen Volke geweckt und auch im Auslande überall die gebührende Beachtung gefunden. Es zeigt sich auch aus diesem Anlaß wiederum, daß