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Kr. 215.
Freitag den 14.; September
1894.
Amtliches.
^anöltreio ^anaxt.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 17. Oktober 1893, J. St. 2676 — in Nr. 246 des Kreisblattes von 1893 — veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Einkommensteuer- Zu- und 'Abgangslisten für das I. Halbjahr 1894/95 bis spätestens den 20. d. Mts. den Königlichen Steuerkassen einzureichen.
Die Listen sind nach den diesseits geprüften und vervollständigten Auszügen aus den Zu- und Abgangskontrollen aufzustellen und mit den Belägen zu versehen" Falls diese nicht vorhanden sind, ist für die Beschaffung derselben noch alsbald Sorge zu tragen.
In den Gemeinden und Gutsbezirken, in welchen keine Zu- und Abgänge an Einkommensteuer vorgekommen sind, wollen die Herren Gemeinde- und Gutsvorsteher Fehlanzeige erstatten.
Hanau am 10. September 1894.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis Hanau
J. St. 2621 D. Oertzen, Landrath.
Für den am 12. März 1874 zu Genf (Schweiz) geborenen, in Dörnigheim heimathsberechtigten Leon Schäfer, Sohn des verstorbenen Peter Schäfer von Dörnigheim, ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande nachgesucht worden.
Hanau am 10. September 1894.
Der Königliche Landrath.
V. 7636 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
^faöf^rets ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
In der früheren Kanalthormühle, gleicher Erde links, sind zwei neu hergerichtete Zimmer nach der Straßenseite sogleich zu vermiethen.
Näheres Stadtbauamt, Abtheilung „Hochbau", Zimmer Nr. 24 im Rathhaus.
Hanau am 4. September 1894.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 11514
Die Herren Vertreter der Ortskrankenkasse des Landkreises Hanau werden hierdurch zu der auf
Dienstag den 25. September er., nachmittags 4 Uhr, in das Löwengärtchen Vorstadt Nr. 1 hier anberaumten Generalversammlung ergebenst eingeladen.
Tagesordnung:
1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1893.
2. Wahl eines aus 3 Mitgliedern bestehenden Ausschusses zur Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres.
3. Definitive Genehmigung der vom Vorstande neu abgeschlossenen Verträge mit den Aerzten und Apotheken.
4. Verminderung der Krankenunterstützung oder Erhöhung der Beiträge und Beschließung der hierdurch erforderlichen Statutenänderung.
5. Ergänzung des Vorstandes.
6. Anträge aus der Versammlung.
Hanau am 10. September 1894.
Der Vorstand
der Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau.
Dr. L. Gans, Vorsitzender.
An die Herren Vertreter der Ortskrankenkasse
für den Landkreis Hanau.
VE- Die heutige Nummer umfaßt
Die Rebe des Kaisers vom 6. September.
Die Rede, welche unser Kaiser am 6. September bei dem für die Vertreter der Provinz Ostpreußen gegebenen Festmahl in Königsberg gehalten hat, richtet sich in erster Linie an die Provinz und an den ostpreußischen Adel; ihre Bedeutung geht aber über diese Grenze weit hinaus, sie ist eine Rede, die für ganz Preußen, für das ganze deutsche Vaterland gilt.
Der Kaiser betont, wie schon früher, so auch jetzt wieder seine Ueber- scugung von der Nothwendigkeit der Erhaltung eines leistungsfähigen Bauernstandes und weist im Besonderen für die beiden Provinzen Ost- und Westpreußen nach, daß er sein Versprechen, für ihre wirthschaftliche Hebung zu sorgen, gehalten habe. Wenn trotzdem schwere Sorgen den Landwirth bedrücken und wir durch schwere Zeiten gehen, so möge man das von dem christlichen Standpunkt aus, in dem wir erzogen sind, als eine von Gott auferlegte Prüfung ansehen, die wir in christlicher Duldung ertragen müssen.
Das ist ein köstliches Wort, das hoffentlich auf guten Boden fallen wird. So mancher Landwirth mag in den Zeiten der Noth sich dieses Standpunktes nicht erinnert, sondern geglaubt haben, seiner Unzufriedenheit und seinem Mißvergnügen lärmenden Ausdruck geben zu können. Unser Kaiser ist weit davon entfernt, den Rath zu ertheilen, daß man ruhig und unthätig zusehe, ob und wie sich die Noth wende. Nein, wie er selbst täglich sein Sinnen darauf gerichtet hält, wie dem Landwirth zu helfen sei, so sollen die Landwirthe auch die Hände nicht in den Schoß legen, sondern auch sich selbst zu helfen suchen. Aber den Weg, den einige von ihnen unter Führung einflußreicher Männer des Ostens in letzter Zeit eingeschlagen haben, um sich zu helfen, bezeichnet er als einen falschen, und in der That ; er ist ein falscher. Statt den Kaiser in seinem Streben in vertrauensvoller Aussprache zu unterstützen, haben sie Mittel angewandt, die man bisher nur von den gewerbsmäßigen Oppositionsparteien gewöhnt war. Das hat in allen gutgesinnten, königstreuen Kreisen schon lange Kopfschütteln erregt. Kaiser Wilhelm gibt der Bekümmerniß Ausdruck, daß gerade aus den ihm nahestehenden Kreisen diese Mittel angewandt, daß aus diesen Kreisen heraus seine besten Absichten mißverstanden, zum Theil bekämpft worden seien. Opposition hat man ihm von dieser Seite gemacht ! Kaiser Wilhelm aber nennt eine Opposition preußischer Adliger gegen ihren König mit Recht ein Unding. Denn eine solche Opposition kann durch die Mittel, mit denen sie betrieben wird, nur zur Lockerung des festen Gefüges unseres Staatswesens, nur zu einer Verhetzung der besten Elemente des Volkes führen, aus der diese gewiß keinen Vortheil ziehen würden, wohl aber die Elemente, welche an den Grundlagen der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung rütteln.
Kaiser Wilhelm will Alles, was in dieser Beziehung bisher geschehen ist, als ausgelöscht betrachten. Die Hochherzigkeit, von der der Monarch hiermit Zeugniß ablegt, die Gnade und das Vertrauen, das er jenen Männern zuwendet, wird ihnen die Rückkehr auf den richtigen Weg sicherlich um so leichter machen, als Kaiser Wilhelm sie zur Lösung einer viel größeren und wichtigeren Aufgabe ausruft, nämlich zur Unterstützung im Kampfe für Religion, für Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Umsturzes! Mit Recht erwartet der Kaiser, daß der Adel hierin mit leuchtendem Beispiel dem Volke vorangehen möge, und ebenso werden alle wahrhaft Gutgesinnten in Stadt und Land dem Rufe wie dem Beispiel folgen. Denn gegenüber dieser Sorge, daß uns die von den Parteien des Umsturzes mehr und mehr bedrohte Religion, Sitte und Ordnung erhalten bleiben, schwinden alle übrigen Sorgen, weil in der Lösung jener Aufgabe zugleich die Bürgschaft einer Gesundung aller Verhältnisse gegeben ist.
Die landesväterliche Mahnung, der Ruf zum Kampfe gegen die Parteien k§ Umsturzes werden — deß sind wir nicht im Zweifel — in ganz Preußen und Deutschland lebhaften Wiederhall finden. Es sind ernste Zeiten über uns gekommen! Fort mit der Zwietracht, fort mit dem gefährlichen Spiel der Verhetzung! Auf zum Kampf gegen die finsteren Gewalten, die nur in Einigkeit und in Treue gegen den Kaiserlichen Herrn siegreich durchgefochten werden kann! Das sei fortan unsere Parole, die wir uns Tag für Tag vor Augen halten mögen; — an dem Gelingen wird es mit Gottes Hülfe nicht fehlen!
ier dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.